Weltanschauungen im Allgemeinen, Systemkritik, Diskussionen rund um den Kapitalismus

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Naja, habe son Bauchgefühl das uns hier Informationen fehlen, denn wenn das so wäre, kündigt man doch nicht selbst, gerade im Niedriglohnbereich sind 3 Monate Sperrzeit nicht mal eben so zu überbrücken, zumal man noch in dieser Zeit den Mindestsatz für die Krankenkasse zahlen muss.
 
Trozdem verständlich, das das jemand macht, was bleibt einem denn noch übrig von 14-16€ Stundenlohn, das ist nicht recht viel und dann muss man alles bezahlen und arbeiten, so sitzt man zuhause bekommt noch gut Taschengeld und kann machen was man will, und weniger Geld hat man auch nicht vielleicht sogar mehr.
 
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Das hängt wie so oft von der Situation ab, bei einem Stundenlohn von 16€ sind wir bei 2800€ Brutto, schauen wir uns das mal an:

https://www.brutto-netto-rechner.info/
https://www.caritasnet.de/alg2/rechner/

  • Ledig, Kinderlos, also Klasse 1 sind das rund 1920€ Netto. Bürgergeldanspruch bei einer Kaltmiete von 600€, NK 120 entspricht dies ~1200€ Netto. Das ist schon ein erhebliches Delta, es steht mehr als das doppelte zur Verfügung, ausgehend vom Bürgergeldsatz.
  • Ledig, 2 Kinder, also inklusive Kindergeld rund 2400€ Netto. Bürgergeldanspruch bei einer Kaltmiete von 800€, NK 180 entspricht dies ~2300€ Netto. Das Delta beträgt 100€, hier merkt man das es kippt.

Insbesondere wenn Kinder im Spiel sind, wird das Bürgergeld schnell zu einer äußerst attraktiven Alternative, zudem Bürgergeldempfänger noch andere Vergünstigungen im Schul und Freizeitbereich beanspruchen können, als Personen die leicht über dem Existenzminimum liegen. Alleinerziehende, als auch Paare bei denen nur eine Person arbeitet können ab 2 Kindern mit dem Bürgergeld erheblich besser "fahren", solange der Bruttoverdienst einer Person nicht deutlich über ~3800€ Brutto liegt, was im Niedriglohnsektor nicht der Fall sein sollte.
 
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Ob sich das lohnt, hängt von der persönlichen Lebenssituation ab. Wenn du beispielsweise ein Abendstudium oder ein duales Studium absolvierst, wirst du wahrscheinlich nicht deinen Job aufgeben, selbst wenn du netto nur 200€ bis 300€ mehr verdienst, denn du verfolgst eine Perspektive.

Dass sich das Bürgergeld "lohnt", könnte besonders in den Bereichen festgestellt werden, in denen dieser Zustand quasi institutionalisiert wird. Dies könnte die Hauptproblematik darstellen. In Bereichen wie dem Niedriglohnsektor, bei Alleinerziehenden oder in bildungsfernen Schichten droht eine generationsübergreifende Verfestigung – genau dort, wo sie am wenigsten erwünscht ist.
 
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Cyberdunk schrieb:
@The_waron
Du vergisst in deiner Rechnung noch den Punkt Freizeit.
Keine ahnung wie die Formel ist um das mit Geld zu vergleichen, aber wenn ich 200 - 300€ im Monat weniger habe, aber dafür nicht arbeiten muss und nur Freizeit habe würde ich das sofort machen.
Nicht für jeden Menschen wäre so viel "Freizeit" etwas angenehmes. So etwas ist auch nicht immer ein Aufwiegen von Geld und Freizeit. Ich würde sagen ein wichtiger Faktor bei der Arbeit ist auch Respekt.

Oft setzten Leute (und da will ich mich selbst jetzt nicht ausschließen) Gehalt mit Respekt gleich. "Je mehr mein Chef mir zahlt, umso mehr Respektiert er mich." Und manchmal wird das Geld mehr und man wundert sich, weshalb man sich trotzdem nicht mehr respektiert fühlt.

Man kann hier also noch fünf mal im Kreis rechnen und hätte wahrscheinlich noch immer nur ein Bruchteil berücksichtigt.
 
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Cyberdunk schrieb:
Hier mal ein Beispiel warum 3,9 mio menschen kein Bock auf Arbeit haben.
Anstatt das der Chef sich mal hinterfragt warum sein Mitarbeiter kuendigt und lieber Buergergeld in anspruch nimmt, wird in der Bild geheult das der Mitarbeiter abhaut, was faellt dem auch ein bei 14€ Stundenlohn dass hat jawohl zu langen.

https://www.bild.de/politik/inland/...ndigt-weil-er-lieber-stuet-85280740.bild.html

Arbeit muss endlich besser bezahlt werden!

Es muss endlich unterbleiben, Arbeitseinkommen extrem hoch zu besteuern. Dann lohnt sich auch die Arbeit. Der Staat greift dabei sehr sehr fleißig in die Tasche der Arbeitnehmer.

Es gibt bspw. keine Kopplung der Inflation an die Einkommenssteuertabellen. Was das für Auswirkungen hat, sieht man schön beim Spitzensteuersatz - 1960 hat man 55% Spitzensteuersatz beim 18-fachen des Durchschnittseinkommens gezahlt - jetzt zahlt man 42% schon ab den knapp 2-fachen des Durchschnittseinkommens.

Arbeitnehmer zählen somit jetzt viel früher zu den "Reichen", die man belasten kann.

Hentze-abb.4.png


Quelle: Wirtschaftsdienst
 
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Prüft ihr eigentlich auch irgendwann mal eure stupoiden Märchen? Die Einkommenssteuer ist so niedrig wie eigentlich nie davor und zwar über alle einkommen hinweg....

https://www.wirtschaftsdienst.eu/in...standsaufnahme-und-handlungsempfehlungen.html

Das schlimme ist, dass diese stumpfen Stammtisch-Narrative permanent weiter erzählt werden obwohl man es mit einer Minute googeln besser wissen könnte...

Das schlimme lieber Killy, du gibst noch die selber Quelle an und behauptest das komplette Gegenteil von dem, was dort beschrieben und auf den anderen Darstellungen gezeigt wird. Das grenzt ja an Manipulation erster Güte...

Zwar stimmt es, dass man den Spitzensteuersatz heute schneller erreicht, das ist aber das einzig wahre an deiner Aussage. Denn dabei verschweigst du, wie mir scheint bewusst, dass früher man beim selben Einkommen zwar noch nicht den Höchststeuersatz zahlte, aber trotzdem einen höheren Steuersatz hatte als heute... Die Leute haben damals also emhr gezahlt. Deine Aussage von angeblich so hohen Steuern auf Arbeitsleistung ist damit nichts anderes als gelogen. Würde man auf strukturen von früher zurück kehren, würden wir alle deutlich mehr zahlen an Lohnsteuern... Insbesondere diejenigen mit Durchschnittseinkommen und drunter!
 
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_killy_ schrieb:
Es muss endlich unterbleiben, Arbeitseinkommen extrem hoch zu besteuern. Dann lohnt sich auch die Arbeit. Der Staat greift dabei sehr sehr fleißig in die Tasche der Arbeitnehmer.
Prinzipiell mag das richtig sein, aber es berücksichtigt nicht die Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor. Diese zahlen entweder keine Einkommensteuer oder nur eine unwesentliche. Der Hauptanteil sind hier die Sozialabgaben.

Das Delta zum Bürgergeld wird hauptsächlich durch die steigenden Mieten verursacht, und diese Tendenz dürfte sich noch verstärken. Denn die Miete wird auf Grundlage des Mietspiegels und der Größe der Bedarfsgemeinschaft übernommen. Hinzu kommt, dass sich die Gehälter stark differenziert haben. Viele Tätigkeiten mit geringer Komplexität werden nur mäßig oder schlecht vergütet. Dies war vor 30 Jahren definitiv anders. Wer also solchen Tätigkeiten nachgeht oder nachgehen muss, wird, besonders wenn Kinder im Haushalt leben, mit dem Bürgergeld deutlich besser gestellt sein.

Die aktuelle Entwicklung und die Sozialreformen sind keineswegs positiv zu bewerten. Sie zementieren Strukturen und Abhängigkeiten. Mit einem Gießkanneneffekt werden nur die größten Ausreißer in Ansätzen abgemildert.
 
_killy_ schrieb:
1960 hat man 55% Spitzensteuersatz beim 18-fachen des Durchschnittseinkommens gezahlt - jetzt zahlt man 42% schon ab den knapp 2-fachen des Durchschnittseinkommens.
Mich würde mal interessieren, wer und wie das umgesetzt wurde die letzten Jahrzehnte. Das ist ja ein typisches Versprechen zur Steuersenkung: "Jetzt nur noch 42 statt 45 % Spitzensteuer!" - dafür wird die Grenze eben weiter heruntergesetzt. Ich finde das auch schon sehr problematisch, dass es ab 58.000 Jahresbrutto keine Progression mehr gibt und man den gleichen Satz hat wie jemand mit 274.000 Jahresbrutto.

Das Thema hat Merz ja jetzt auch wieder hervorgeholt und mit dem Vorschlag den Spitzensteuersatz anzuheben (auf 45 %), dafür aber auch die Grenze auf 80.000 €. Finde ich erstmal nicht schlecht, macht aber auch keinen Sinn, wenn der Bereich 58.000 - 80.000 dann weiterhin bei den 42 % bleibt. Dann wird einfach nur mehr gezahlt, ohne dass irgendwer entlastet wird.

Die FDP hat natürlich auch direkt wieder Schweißausbrüche bekommen :D
 
The_waron schrieb:
Das hängt wie so oft von der Situation ab, bei einem Stundenlohn von 16€ sind wir bei 2800€ Brutto, schauen wir uns das mal an:

https://www.brutto-netto-rechner.info/
https://www.caritasnet.de/alg2/rechner/

  • Ledig, Kinderlos, also Klasse 1 sind das rund 1920€ Netto. Bürgergeldanspruch bei einer Kaltmiete von 600€, NK 120 entspricht dies ~1200€ Netto. Das ist schon ein erhebliches Delta, es steht mehr als das doppelte zur Verfügung, ausgehend vom Bürgergeldsatz.
  • Ledig, 2 Kinder, also inklusive Kindergeld rund 2400€ Netto. Bürgergeldanspruch bei einer Kaltmiete von 800€, NK 180 entspricht dies ~2300€ Netto. Das Delta beträgt 100€, hier merkt man das es kippt.

Insbesondere wenn Kinder im Spiel sind, wird das Bürgergeld schnell zu einer äußerst attraktiven Alternative, zudem Bürgergeldempfänger noch andere Vergünstigungen im Schul und Freizeitbereich beanspruchen können, als Personen die leicht über dem Existenzminimum liegen. Alleinerziehende, als auch Paare bei denen nur eine Person arbeitet können ab 2 Kindern mit dem Bürgergeld erheblich besser "fahren", solange der Bruttoverdienst einer Person nicht deutlich über ~3800€ Brutto liegt, was im Niedriglohnsektor nicht der Fall sein sollte.

Fairerweise muss man hier anmerken, dass im 2. Beispiel evtl ein Wohngeldanspruch besteht.
Hacke ich die Zahlen in einen Wohngeldrechner spuckt der mir etwa 300€ Wohngeld aus - kann sich von Region zu Region vielleicht unterscheiden, so tief bin ich nicht in der Materie.
 
Das stimmt natürlich, ob es allerdings sinnvoll ist Sozialleistungen aufzuwenden damit andere Sozialleistungen die Arbeitsleistung nicht entwerten, ist wohl eine andere Sache. Das Delta bleibt trotzdem verhältnismäßig gering, kommen noch weitere Kinder hinzu gibt es eigentlich keinen sinnvollen, monetären Grund mehr das Einkommen mittels Arbeitsleistung zu bestreiten, das ist nicht gut.
 
_killy_ schrieb:
Es muss endlich unterbleiben, Arbeitseinkommen extrem hoch zu besteuern. Dann lohnt sich auch die Arbeit.
Ich gehöre zu dem Einkommenssektor des von @Cyberdunk erwähnten Beispiels.

Dadurch, dass wir hier auf dem Land häufig noch niedrige Mieten haben und ich schuldenfrei bin (keinerlei Kredite, Auto ist bezahlt), geht das mit dem Einkommen eigentlich noch. Meine Wohnung ist sehr günstig (390€ kalt für 82 m², und das ist keine Bruchbude, bei weitem nicht) und ich hab keine großen Ansprüche.

So weit so gut. Aber: Die Inflation kickt hart rein. Lebensmittel, Sprit, CO2-Bepreisung, Heizöl (als Mieter kann man nicht mal eben mit was anderem heizen), etc.

Zudem gehen von diesem niedrigen Einkommen mal eben 30% Steuer + Sozialabgaben ab, bei Weihnachts- und Urlaubsgeld sind es 42%.

Alleine dass vom Weihnachtsgeld mal eben knapp die Hälfte weg ist, das ist schon traurig.

Das Bürgergeld + die geplante Erhöhung sind Zündstoff. Ich höre überall arbeitende Leute meckern. Im eigenen Umfeld, an der Kasse im Supermarkt...
 
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Wobei das Weihnachtsgeld doch nur wegen doppelzahlung so hoch besteuert wird und du das bei der Steuerrückerstattung wiederbekommen solltest.. Oder lieg ich da falsch?
 
@Corto

Ich bekomme bei der Steuer (Elster online) nix zurück, geht 0 auf 0 auf.
 
Weihnachtsgeld gilt beim Finanzamt schlicht als "sonstige Bezüge", wird daher identisch mit anderen Erwerbstätigkeiten behandelt und ist voll steuerpflichtig, eine Steuererstattung gibt es deshalb nicht. Daher wird das Weihnachtsgeld auch steuerrechtlich gestückelt auf das Jahreseinkommen drauf gerechnet, dadurch steigt die Steuerlast an, jedoch geringer als wenn man das Weihnachtsgeld in einem gesonderten Monat versteuern würde.

Da auf dem Lohnsteuerzettel das so nicht klar drauf steht, entsteht der Eindruck das Weihnachtsgeld würde besonders hoch besteuert werden, da die 12 Monate zusammengefasst wurden, es wird jedoch schlicht wie ein normales "Monatseinkommen" aufs Jahr verteilt behandelt.
 
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Manche Arbeitgeber machen bei der Gehaltsabrechnug im Dezember einen Lohnsteuerjahresausgleich, d.h. es wird soviel Steuer abgeführt das der Betrag zum Jahresbrutto passt. Dann fällt die einmalig höhere Zahlung durch das Weihnachtsgeld steuerlich nicht groß ins Gewicht.
 
Ich sage immer noch, dass Arbeit generell viel zu hoch besteuert wird. Während man Dividendenausschüttungen gleichzeitig nur mit bis zu 25 Prozent versteuern muss. Mann kann also sagen, Geld aus alternativen Geldquellen ist im Kapitalismus eindeutig besser.:daumen: Ein tolles System - Jedenfalls für die Menschen, die über genug finanzielle Möglichkeiten verfügen, um zusätzlich finanziell von der Arbeit anderer Menschen zu profitieren.
Ihr merkt es sicherlich, dass ich bin kein besonderer Freund von Aktien& Co bin. Ich würde Zinsen sogar ganz verbieten lassen.:D
 
Das ist halt auch Schwachsinn wenn die Lösung so einfach wäre: Keine Abgeltungssteuer mehr und damit keinerlei Bevorzugung einer einzigen Einkommensart, die bevorzugt Reiche bevorteilt. Einfach Dividenden/Aktien etc nach dem persönlichen Steuersatz besteuern wie jede andere Einkommensart auch.
 
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Kapitalertrag quasi einfach zum Brutto dazurechnen?
 
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