@mo schrieb:
Ääh, nein!
Es soll dem Hörensagen nach sogar Leute geben, die dafür studieren mussten.
Hier mal zwei der Bücher, an denen ich im Studium nicht vorbeikam.
https://www.rowohlt.de/buch/andreas-diekmann-empirische-sozialforschung-9783644400153
https://link.springer.com/article/10.1007/s11577-001-0131-1
Zusammen sind das knapp 1600 Seiten (DIN A5)... und ich kann nicht behaupten, jede einzelne davon gebraucht zu haben.
Natürlich wurden auch andere gelesen ... Popper (Logik der Forschung) und Luhmann (das ...system der Gesellschaft) waren in Bielefeld einfach unumgänglich ... da mussten alle in den Sozialwissenschaften durch.
Ausserdem wurden regelmäßig Forschungsberichte besprochen ... die mussten dafür gelesen, und für das Seminar aufgearbeitet werden ... und zwar so, dass möglichst alle verstehen können, wie diese spezielle Studie gearbeitet hat, wo sie kritikwürdig ist, und vor allem WAS die Forscher im Bezug auf mögliche Kritikpunkte bereits im Vorfeld unternommen haben.
Was ich aus dem Studium mitgenommen habe, und was hier bei einigen scheinbar nicht angekommen ist:
Was bei einer Studie herausgekommen ist (das Ergebnis) ist zu berücksichtigen, WENN die Studie den Gütekriterien (die z.B. in obigen 2 Bücher breit behandelt werden) genügt. Welche Meinung man zu dem Ergebnis hat, ist irrelevant, bis diese Ergebnisse entweder widerlegt wurden, oder sich als nicht reproduzierbar zeigten (und gleiches gilt auch für etwaige Lieblingsergebnisse ... auch die sind unter entsprechenden Umständen zu verwerfen ... ganz egal, wie falsch man das findet).
Auch die Quelle ist egal ... es gibt keine guten und schlechten Institute ... nur Studien, die den Gütekriterien entsprechen, und welche, die das nicht tun. Erstere hat man zu berücksichtigen, zweitere sollte man tunlichst ignorieren, wenn man mit dem eigenen Projekt nicht auf die Schnauze fallen will.
Insgesamt ist "Wissenschaft" nichts, was einzelne Menschen oder Institute "machen". Es ist das vorläufige Ergebnis eines laufenden Prozesses, den man "wissenschaftlicher Diskurs" nennt. Jede Forschung steht mit diesem Diskurs im Zusammenhang ... nimmt bezug auf ihn (auf andere "Diskursbeiträge"), und versucht natürlich auch im Diskurs Anschluss zu finden. Als Forscher will man gehört werden ... nicht so sehr in der breiten Öffentlichkeit, aber auf jeden Fall in der fachwissenschaftlichen Community.
Ob sich etwas hält, oder nicht (im Diskurs) hängt primär von seiner wissenschaftlichen "power" ab. Wie gut sind die Thesen geprüft worden? Gibt es eventuell widersprüchliche Ergebnisse aus anderen Studien? Müssen aufgrund der vorliegenden Ergebnisse Theorien angepasst und Hypothesen stärker eingegrenzt werden? Was "macht" dieses Ergebnis mit dem Diskurs und seinem inhalt? Wie gut kann der Diskurs im aktuellen Status auf dieses Ergebnis reagieren?
Das, was da stattfindet, passt vom Regelwerk keinesfalls auf eine DIN A4 Seite.