Weltanschauungen im Allgemeinen, Systemkritik, Diskussionen rund um den Kapitalismus

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
"Sozial" ist an der SPD (leider) schon lange nur noch der Name. Man darf nicht vergessen, das ab '98 Massen von Bundeseigenen Wohnungen in guter Lage für Spottpreise verkauft wurden. Wohnungen, die heute Beamte und Angestellte (und Arbeiter) von Bundeswehr und Behörden gut hätten brauchen können. Heute sind das teure Schickimicki Wohnungen geworden.

Ebenso trägt die SPD auch viel Schuld an dem jetzigen Zustand des ÖPNV insb. der Bahn, da man Mehdorn schön hat alles runterwirtschaften lassen.

Die SPD hatte ihre Zeit vor allem zu Zeiten von Martin Schulz dachte man, es ist ein guter Weg. Als er sich dann 2018 selbst so blöd hingestellt hat nach seinem Wahlkampf wars da imho eigentlich vorbei mit der Partei.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Banger
@CCIBS
Wer welche Zugeständnisse gemacht hat, wird auch wohl jeder etwas anders sehen. Einige FDP Wähler bzw. nun nicht mehr FDP Wähler haben es sicher eher so gesehen, dass die FDP zu viele Zugeständnisse macht.

Und dass die Paus mit ihrer Kindergrundsicherung öffentlich einen Kleinkrieg mit Lindner anfängt, war jetzt auch sicher nicht förderlich für den Frieden in der Regierung. Ich denke, da ist selten eine Seite exklusiv Schuld.

Aber das sind die genannten Reibereien bei teilweise gegensätzlichen Ansichten. Und ich denke, das wird nach den Landtagswahlen nicht weniger werden.
Alle scheinen doch die nötigen Kompromisse in der Regierung als Ursache für Stimmverluste zu sehen.
 
SW987 schrieb:
Die Umfragen zu den Wahlen am Sonntag waren aber nah dran.
1. Was nützt das, wenn die "Umfrage" nichts taugt...!?
2. Den Trend hätte ich dir auch ohne Umfrage so nennen können, da er einer tagesaktuellen politischen Situation nach einem Wahlergebnis entspricht.

SW987 schrieb:
Die CDU in Hessen wird sich sehr genau überlegen, ob sie mit den Grünen wirklich weitermachen soll.
Gerade in Hinblick auf die Europawahl könnte der Slogan „Wer Union wählt, wählt grünfrei!“ ein starkes Signal darstellen.
Warum genau sollte sie nicht mit den Grünen weitermachen?
Man hat 2 Legislaturperioden vertrauensvoll und relativ geräuschlos gut zusammen gearbeitet. Die politische Gegenwart in Hessen ist Schwarz/Grün geprägt. Al Wazir ist nicht Habeck, obwohl er den gleichen Job hat. Für Rhein eine relativ komfortable Situation, mit etwas gestutzten Grünen in Koalitionsverhandlungen gehen zu können. Sie sind im Vergleich mit der SPD einfach der verlässlichere Partner, was umgekehrt als Union auch für die Grünen gilt.
In BaWü ähnliche Konstellation unter umgekehrten Vorzeichen.
Rhein weiß ganz genau, dass es für ihn zukunftssicherer ist, die Grünen in einer Koalition zu haben, als wenn sie sich in den nächsten Jahren in der Opposition befinden und bei der nächsten Wahl mit den dann Enttäuschten ihr volles Potenzial in ihrem Stammland wieder abrufen.
Ansonsten hat Rhein ja das sehr gute Wahlergebnis nicht nur auf Grund seiner eigenen Arbeit eingefahren, sondern auch auf Grund der Unzufriedenheit mit der Ampel in Berlin, was genau so für das relativ schlechte Ergebnis der Grünen gilt. Wir sind hier aber immer noch in Hessen, und das gilt es ab morgen zu regieren. Berlin und Europa ist eine ander Baustelle.

Faesers SPD ist derart gerupft, kein einziges Direktmandat, nicht mal in ihrem Stammland Nordhessen, dass sie vermutlich einen ziemlichen Kotau machen, um wieder mal in die Regierung zu kommen. Erfahrungsgemäß generieren sie daraus aber keine Pluspunkte. Könnte aber dennoch für Rhein eine Versuchung darstellen, zumal Faeser ja in Berlin bleibt und auf keinen Fall an einem Kabinettstisch unter Rhein Platz nimmt.

Soweit zu hören ist, sollen bereits heute erste Gespräche mit den Grünen stattfinden. Man wird sehen, ich tippe zwar auf Schwarz/Grün, lass mich aber überraschen.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: s0undjan und knoxxi
Thane schrieb:
@CCIBS
Wer welche Zugeständnisse gemacht hat, wird auch wohl jeder etwas anders sehen. Einige FDP Wähler bzw. nun nicht mehr FDP Wähler haben es sicher eher so gesehen, dass die FDP zu viele Zugeständnisse macht.
Da stimme ich zu.
Thane schrieb:
Und dass die Paus mit ihrer Kindergrundsicherung öffentlich einen Kleinkrieg mit Lindner anfängt, war jetzt auch sicher nicht förderlich für den Frieden in der Regierung. Ich denke, da ist selten eine Seite exklusiv Schuld.
Ja, es war (politisch gesehen) unnötig, da es eigentlich von oben schon abgesegnet war. Aber es ist Exemplarisch, was ich meine, dass die FDP irgendwie von sich aus kein Schritt entgegen kommt. Jetzt sehr Subjektiv empfunden.

EDIT:
Es heißt auch, dass die Ampel Objektiv besser sei, als ihr Ruf, da sie eigentlich recht viel umgesetzt hat. Sie hat aber nun mal diese Brocken, welche sie alle schlecht aussehen lässt.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: knoxxi
Thane schrieb:
Einige FDP Wähler bzw. nun nicht mehr FDP Wähler haben es sicher eher so gesehen, dass die FDP zu viele Zugeständnisse macht.
Am meisten Zugeständnisse hat die FDP bei ihrem Klimaschutzprogramm gemacht, das den strengsten Klimaschutz versprach:

Die Freien Demokraten wiederum vertrauen auf das wichtigste Instrument des Klimaschutzes: den Emissionshandel. Nach Ansicht der FDP reicht eine zentrale Vorgabe: wie viel CO₂ im Jahr ausgestoßen werden darf, um die Klimaziele von Paris zu erfüllen. Die Freien Demokraten haben mit dem CO₂-Deckel das effizienteste und wirksamste Klimaschutzprogramm aller Parteien. Dass das funktioniert, belegt jetzt auch ein Gutachten von Professor Joachim Weimann der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. Es zeigt: Emissionshandel funktioniert besser als kleinteilige Verbote, Klimaziele werden sicher und zu den geringsten Kosten für alle erreicht, Einnahmen aus dem Emissionshandel bieten Sozialausgleich für die Kosten
Statt Emissionshandel mit CO2 Deckel und Klimadividende, mit dem sie viele junge (naive?) Wähler gelockt haben, gab es einen Tankrabatt und Klimaschutzverhinderungspolitik samt Clientelpolitik für Porsche & Co.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: knoxxi
CCIBS schrieb:
EDIT:
Es heißt auch, dass die Ampel Objektiv besser sei, als ihr Ruf, da sie eigentlich recht viel umgesetzt hat. Sie hat aber nun mal diese Brocken, welche sie alle schlecht aussehen lässt.
Habs ich auch gelesen und stimme dem eigentlichen auch zu. Trotz der vielen Streitereien, die leider zu oft öffentlich ausgetragen werden, wurde ja doch relativ viel angegangen und umgesetzt.
Ich denke, man muss an der Kommunikation arbeiten und das "politische Handwerk" verbessern.

Außerdem müssen auch Themen angegangen werden, die aktuell die Bevölkerung beschäftigen. Das wäre aktuell die offene Frage, wie es in Sachen Asyl und Migration weiter gehen soll.
Die AfD ja auch immer besonders stark, wenn bei dem Thema zu viele Fragezeichen stehen.

@KitKat::new()
Klimadividende bzw. Energiegeld hatten auch andere so im Programm. Und dieses Geld sollte ja aus der CO2 Besteuerung kommen. Weil sich da eigentlich alle einig waren, ist es umso enttäuschender, dass das bisher nicht umgesetzt wurde und ich glaube auch kurzfristig nicht mehr dran.
Solange es keinen Ausgleichsmechanismus gibt, lehne ich allerdings auch deutlich höhere Abgaben ab.
Mittlerweile haben sogar die Grünen eingesehen, dass es vielleicht nicht so intelligent ist, beispielsweise Benzin- und Gaspreise zu schnell steigen zu lassen.

Auch wenn manche Wähler der Grünen das sicher anders sehen, wird Klimaschutz um jeden Preis nicht umsetzbar sein.
 
Thane schrieb:
Die liegen realistisch betrachtet auch nur noch bei 12-15%. Also sind deutlich über 80% nicht ihrer Meinung.
Weil ich die Barbara geheiratet habe, finde ich jetzt alle anderen Frauen doof? Nur weil ich einer Partei nicht meine Stimme gebe heisst das ja nicht das ich sie kategorisch ablehne, dann gäbe es ja keine Wechselwähler.
Ich hatte eher den Eindruck und ich meine auch in den Medien wurde das eher so dargestellt das sich alle gewundert haben das der kleinste Koalitionspartner den Ton in der Regierung angibt und die anderen beiden sich nicht trauen den Frieden zu stören. Das mag wohl jeder anders empfinden aber meiner Ansicht nach haben die Grünen deutlich mehr Zugeständnisse gemacht.
Ich gebe Dir Recht, die Kommunikation war und ist eine Katastrophe. Viele Fehler hätten leicht vermieden werden können.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: knoxxi
Thane schrieb:
Auch wenn manche Wähler der Grünen das sicher anders sehen, wird Klimaschutz um jeden Preis nicht umsetzbar sein
Den meisten Grünenwähler war das vorher schon klar, damals hat das den FDP Wählern allerdings nicht gefallen.
Wir erinnern uns an die Quarks-Einschätzung des Wahlprogramms.

Und doch hat die FDP das gefordert - jetzt gibt es Klinaschmutz um jeden Preis.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: knoxxi
Thane schrieb:
Mittlerweile haben sogar die Grünen eingesehen, dass es vielleicht nicht so intelligent ist, beispielsweise Benzin- und Gaspreise zu schnell steigen zu lassen.
Na ja, aus Klimaschutzgründen schon, aus wirtschaftlichen und politischen Gründen eher weniger.
Halt der alte Spagat der Partei in Regierungsverantwortung.

Hier in Hessen haben sie das insgesamt eben ganz gut hinbekommen, eher noch zu wenig zu Wege gebracht als zuviel. Man hat sich aber sklavisch beiderseits an die Vereinbarungen gehalten.
In der Ampel hat man manchmal das Gefühl, da wurde eine Nationalmannschaft zusammengestellt, die nur aus gebürtigen Russen, Ukrainern, Georgiern mit einem deutschen Kanzler besteht. ;)
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: knoxxi
@mo schrieb:
[...]Warum genau sollte sie nicht mit den Grünen weitermachen?[...]
Weil es aus der Perspektive der politischen Großwetterlage ungeschickt wäre, die hat nämlich von Mitte-Links auf Mitte-Rechts gedreht. Das sieht jeder Blinde mit Krückstock...

1696951296989.png
link

1696951330374.png
link

Ich könnte mir gut vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die keine weitere grün geprägte Ampelpolitik wollen und bei der nächsten Wahl sicher sein möchten, dass ihre Stimme nicht mehr im grünen Nest landet.

Eine Union mit dem Prädikat "garantiert green-free" könnte da schon ein attraktives Angebot sein.

Diese Großwetterlage gilt ja nicht nur für Deutschland, sondern nach aktuellen Umfragen auch für Europa und da wird im nächsten Jahr gewählt.

Auch gegen die vielen mitte-links Verbote und Bürokratiemonster aus Brüssel kann man sich legal und demokratisch wehren. An der Urne zerbricht so manche Brechstange, wie man am Sonntag sehen konnte.

Buttkiss schrieb:
[...]die Kommunikation war und ist eine Katastrophe.[...]

Bitte nicht, bitte kein "Wir müssen besser erklären!" mehr.

Die allermeisten Leute haben die Ampelpolitik und die Ampelgesetze längst verstanden, sie gefallen ihnen einfach nicht.

Das Prinzip lautet:

Ob ein Produkt etwas taugt und es wieder gekauft wird, entscheidet allein der Käufer, nicht der Verkäufer. Wer ein fehlerhaftes, schlechtes Produkt erworben hat, dem geht ein Verkäufer, der erzählt, wie toll das Produkt doch ist, irgendwann auf den Keks.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Banger, drago-museweni, Free Radical und eine weitere Person
SW987 schrieb:
Eine Union mit dem Prädikat "garantiert green-free" könnte da schon ein attraktives Angebot sein.
CSU hat das gemacht. Keine Ahnung ob -0,2 % nun ein Erfolg ist, dem man das zusprechen kann.
CDU Hessen hat eine Weiterführung der Koalition mit den Grünen sicherlich nicht ausgeschlossen und hat trotzdem 7,6 % wieder dazugewonnen.

Die Hauptlektion aus der Ampel auf Bundesebene ist wohl am ehesten "Drei Parteien sind scheiße"
 
Hätte die CSU sich vor der Wahl nicht klar für die FW ausgesprochen, hätte sie sehr wahrscheinlich geblutet (FW und AfD haben zusammen 8,6 % dazugewonnen).

Eine offene Koalitionsfrage CSU-Grüne wäre wohl Söders Untergang gewesen, so schlau ist der auch. Viele hätten sich gedacht "Meine Stimme steigt nicht ins grüne Bett!", FW und AfD wären zusammen über 10 % Stimmenzuwachs gelandet.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: Banger, whtjimbo und Free Radical
R.Kante schrieb:
Verdammt, mir fällt die im ganzen Land gedruckte Forderung von Scholz zur letzten BTW nicht mehr ein, wie war die denn noch gleich.... Ach ja! 12€ Mindestlohn!
Ah, ein Instrument das einfach dafür sorgt, das alle Arbeitsplätze unter 12€/h Grenznutzen wegfallen. Sehr gute Idee. Nicht.
 
@SW987
Söder hätte diesbezüglich gar nichts sagen müssen, da jeder ahnen konnte, dass er die FW zu 90 % bevorzugen wurde. Das einzige was er dadurch erreicht hat ist, dass die FW ihm jetzt diktieren, was Sache ist. Wobei es glaub auch noch für eine sehr knappe Mehrheit für CSU/SPD reichen würde. Er hat sich sicherlich daraus ein Bonus erhofft, aber wahrscheinlich hat es kaum jemand interessiert. Es war einfach nur Wahlkampf, auf unteren Niveau, ohne Effekt.

Die Wahrheit ist. Die CSU will am liebsten allein regieren, wie es noch vor einigen Jahren war. Aber die Zeiten sind vorbei.
 
Ein Blick auf das Ergebnis der Landtagswahl vor 20 Jahren in Bayern...

1696957065483.png
link

zeigt, dass sich Mitte-Rechts in Bayern eigentlich gar nichts getan hat.

2003: CSU+FW+REP = 66,9 %

2023: CSU+FW+AfD = 67,4 %

Die CSU ist unter den vielen Merkeljahren für viele halt "zu links" geworden.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Banger und whtjimbo
Ich habe jetzt mal versucht (auch abseits von Wikipedia,), etwas zu finden, was die politische Orientierung der Parteien definiert.

Die CSU wird noch als "Mitte-rechts" bezeichnet, während ich jetzt nicht wirklich etwas gefunden habe, was die AfD "Mitte-rechts" bescheinigen würde, sondern immer rechts von der CSU. Auf jeden Fall Gesellschaftlich.
Nach der Grafik sind die "Freien Wähler" so ziemlich das Mittigste, was es gibt.
Positionen-der-Parteien-wahl-o-mat.jpg

Aber man muss berücksichtigen, dass "Mitte-rechts" so nichts sagend ist, dass man darüber anscheinend nicht mal einen anständigen Wikipedia-Artikel verfassen kann.

Ich finde allgemein das eindimensionale links/rechts Schema primitiv und veraltet. Besser wenn es mindestens zwei Dimensionen hat, wie das Diagramm oben. Aber es ist auch nur eine Grafik. Es gibt andere Grafiken, mit anderen Schwerpunkte, wodurch sich die Parteien neu verschieben.

Aber im Grunde kann man sagen, die AfD ist so "Mitte-rechts", wie die LINKE "Mitte-links" sind.
 
Abszisse und Ordinate gehen von rechts nach links, einen grundsätzlichen Erkenntnisgewinn aus der zweiten Dimension sehe ich nicht...

1696966772052.png
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Banger und Mike550155
Zitat von Franz Josef Strauß " Rechts von uns ist nur die Wand" ist lange her natürlich.

"Rechts von uns soll es keine demokratisch Legitimierte Partei geben"
 
SW987 schrieb:
Ich könnte mir gut vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die keine weitere grün geprägte Ampelpolitik wollen und bei der nächsten Wahl sicher sein möchten, dass ihre Stimme nicht mehr im grünen Nest landet.
Wie hatten aber Landtagswahl.....!? Wenn wir anfangen die Bildung von Landesregierungen am Bund zu orientieren, können wir es ja gleich bleiben lassen.

Schwarz/Grün hat hier gut zusammen gearbeitet und daran wird sich Rhein auch orientieren. Alles weitere wird man sehen.

SW987 schrieb:
Weil es aus der Perspektive der politischen Großwetterlage ungeschickt wäre, die hat nämlich von Mitte-Links auf Mitte-Rechts gedreht.
Inwiefern ist die SPD rechter wie die Grünen?


SW987 schrieb:
Die CSU ist unter den vielen Merkeljahren für viele halt "zu links" geworden.
"Früher" hat die CSU drauf bestanden, dass es rechts von ihr nichts gibt.Jetzt hat sie 2 Parteien 2stellig an der Backe, die sie rechts überholen und mit einer muss sie koalieren, obwohl sie die gleichen Wahlsprüche postuliert.

Es ist noch nicht allzu lange her, da war die Großwetterlage so, dass eine Mehrheit die Schnauze voll von GroKo hatte. Von daher ist es aktuell nicht so, dass das nun wieder der feuchte Traum einer Mehrheit ist, zumal die Union derzeit noch keinen Kanzlerkandidaten hat und hier noch einiger Ärger ins Haus steht bis der gefunden ist, und man dann hoffen muß, dass der sich nicht so dämlich präsentiert wie der letzte.
Von daher, Bund ist in 2 Jahren dran und bis dahin gibt es eine Bundesregierung. Das dümmste was die SPD jetzt machen könnte, wäre die Ampel aufzukündigen und mit Merz zu koalieren. Dann ist sie in 2 Jahren politisch tot, davon ab, dass große Teile der Partei da nicht mitspielen. Z.B. die Parteivorsitzenden.
Die Grünen sind und bleiben Teil des bundesdeutschen Parteiensystems und Koalitionsgefüges da sie eine 2stellige Stammwählerschaft hat, auch wenn es mal wieder ordentlich Gegenwind gibt.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: s0undjan
SW987 schrieb:
Eine Union mit dem Prädikat "garantiert green-free" könnte da schon ein attraktives Angebot sein.
Koalitionen zwischen Union und Grünen sind wohl selten daraus entstanden, dass die beiden inhaltlich so nah beieinander lagen. Es ist schlicht der politische Realismus, der die beiden einholt.

In Hessen, dem ersten Flächenland mit schwarz-grüner Regierung, gab es 2013 schlicht keine Mehrheit mehr für die inhaltlich wohl naheliegendste schwarz-gelbe Koalition, weil die FDP gegenüber 2009 (wie damals bei jeder Wahl seit 2011) massiv Stimmen eingebüßt hatte und nur knapp den Wiedereinzug in den Landtag geschafft hat. Die CDU hatte demnach nur zwei realistische Koalitionsoptionen: Die SPD oder die Grünen. Eine Koalition mit den Grünen war aus CDU-Sicht fast alternativlos, musste sie doch Rot-Grün-Rot verhindern, wenn sie an der Macht bleiben wollte. Hätte man Schwarz-Grün ausgeschlossen, wäre RGR die einzige Machtoption für die Grünen gewesen. Die SPD hat wiederum aus ihren Fehlern aus der Ypsilanti-Ära gelernt und eine Koalition mit der Linken nicht ausgeschlossen - und RGR war für die SPD aus offensichtlichen Gründen sicherlich eine mehr als ernsthafte Alternative zur Großen Koalition. Die Grünen also mit auf die Regierungsbank holen, auch wenn es Zugeständnisse erfordert, war aus CDU-Sicht also naheliegend. Zumal die Grünen mit 11% ein echter Juniorparner waren, während die SPD über 30% geholt hatte.

Hat sich das ganze politisch gelohnt? Die Wahlergebnisse der hessischen Landtagswahl 2018 würden vielleicht dagegen sprechen (CDU -11PP auf 27%, Grüne +9PP auf 20%), allerdings hat auch die SPD 11PP verloren und wurde nunmehr dritte Kraft. Das war also eher eine Denkzettelwahl für die Berliner GroKo - wie auch die jetzige Wahl vor allem eine Denkzettelwahl für die Berliner Ampel ist.
Dennoch: RGR war 2018 keine rechnerische Option mehr, und zu dem Zeitpunkt eine GroKo (mit einer Stimme Mehrheit) zu gründen wäre politisch in etwa so clever wie jetzt eine hessische Ampel ins Leben zu rufen. Auch jetzt waren die gestärkten Grünen also ein politisch sinnvoller Koalitionspartner - wenn auch nur mit einer Stimme Mehrheit. Ohne die vorherige vertrauensvolle Zusammenarbeit hätte man das wohl nicht gemacht (die FDP hatte keine Lust auf Jamaika als "Absicherung"). Rückblickend war es für die CDU Hessen also ein Glücksgriff, 2013 mit den Grünen koaliert zu haben. Sonst hätte man mit der AfD und der FDP rangemusst - politisch hochriskant.

Auch in Zukunft wird sich die CDU, sollte sie regieren wollen, nicht auf die FDP verlassen wollen - zumal die FDP in Berlin ja gerade eher das Signal sendet, dass sie eher kein vertrauensvoller Partner in einer Dreierkoalition ist. Genau das könnte aber nötig sein (in Form von Jamaika oder Schwarz-Rot-Gelb), wenn die CDU auch ohne die AfD an die Macht will.

Ich gebe dir recht, es werden seitens der CDU vor allem in ihrer Form von Friedrich Merz deutliche Versuche unternommen, die Standfestigkeit der Brandmauer hier und da mal auszutesten. Die dogwhistling-Versuche sind kaum überhörbar. Die Abgrenzung zu den Grünen geschieht sicherlich aus den dir genannten Gründen - man will sich als Alternative zur Ampel platzieren und damit greift man eben vor allem SPD/Grüne an - die FDP liegt inhaltlich zu nah an den eigenen Vorstellungen. Letztlich ist das aber politisch hochgefährlich, weil man sich Machtoptionen ohne die AfD verbaut. Merz traue ich zu, dass ihm das egal ist, der will einfach nur aus Eitelkeit mal Kanzler werden und macht dafür notfalls auch den Hindenburg. Ein Teil der CDU-Anhängerschaft ist aber nach wie vor sicherlich strikt gegen eine Koalition mit der AfD. Und auch die verstehen, dass die Koalitionsoptionen für die CDU so ganz ohne Grüne, ohne SPD und ohne AfD eher rar sind, wenn Schwarz-Gelb keine Mehrheit hat.

Der politische Realismus ist also weit komplexer als du es hier darstellst. Schwarz-Grün auszuschließen ist nicht unbedingt ein genialer Schachzug, auch wenn es aktuell natürlich naheliegend ist, die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung aufzusammeln. Es kann ohne Frage wie jetzt in Bayern geschehen klappen. In Hessen ist man aber mit sanfteren Tönen deutlich besser gefahren, hat 7.5PP dazugewonnen, während der Koalitionspartner zurechtgestutzt wurde, aber wohl weiterregieren würde. Söder hat jetzt diesen unfassbar unterkomplexen Aiwanger an der Backe. Könnte einem ja fast leid tun, wenn Söder nicht vollkommen unsympathisch wäre.

Bis zur nächsten Bundestagswahl kann viel passieren. Vielleicht schaffen es die Grünen ja auch noch, die Wählenden daran zu erinnern, dass viele der aktuellen Probleme unter 16 Jahren CDU-Kanzlerschaft entstanden sind. Und vor allem die Grünen haben gezeigt, dass sie auch vollkommen unideologisch die resultierenden realpolitischen Probleme angehen - neue LNG-Terminals standen sicherlich nicht im Grünen Parteiprogramm, aber Habeck/Graichen haben hier mehr als entschlossen gehandelt, sodass wir keine Probleme im letzten Winter hatten. Die Abhängigkeit von russischem Gas hatten dabei andere zu verantworten. Man stelle sich nur vor, wir hätten stattdessen einen Totalausfall wie Andi Scheuer im Wirtschaftsministerium gehabt - der hätte wohl 250 Millionen an Russland überwiesen und sich dann gewundert, wenn die trotzdem kein Gas mehr liefern.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: @mo und Buttkiss
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Zurück
Oben