Weltanschauungen im Allgemeinen, Systemkritik, Diskussionen rund um den Kapitalismus

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gymfan schrieb:
Zu den Zeiten hatte ein Familienmitglied in der klassischen Familie (die damals noch vorherreschte und nicht das alleinerzeihgende Elternteil mit >3 Kindern) noch den lieben langen Tag Zeit zum Einkaufen.
Die Frauenbewegungen der 1970er und 1980er hätten recht überrascht getan, wenn man ihnen gesagt hätte, dass das Alleinernährermodell das erste Opfer einer "Gleichstellung" sein würde.
Man dachte wohl allen ernstes, es werde dann weiter dieses Modell geben, mit dem einzigen Unterschied, dass es dann eben nicht mehr der Alleinernährer ist, sondern eben auch mal die Alleinernährerin.

Tatsächlich ist aber die Doppelerwerbstätigkeit bei real niedrigeren Löhnen zum Standard geworden ... da hat wohl irgendwer die Wirtschaft nicht auf der Rechnung gehabt.
 
Die Antwort darauf ist aber etwas komplexer, da das Wirtschaftsmodell vor rund 50 Jahren im Westen schlicht ein anderes war:

Es gab nur eine sehr eingeschränkte Form der Globalisierung, es gab keine Billiglohnländer mit der Kapazität von China oder Indien ab den 00ern, die verfügbaren "Billiglohnländer" waren beispielsweise die DDR, die aber nur eine sehr eingeschränkte Industriekapazität hatten, das reichte dann für IKEA Möbel o.ä. aber eben auch nicht für viel mehr.

Das Alleinernährermodell war also kein Opfer der Gleichstellung, sondern der Globalisierung und Technisierung, die westlichen Industrien waren sehr protektionistisch aufgestellt, die BRD konkurrierte mit Frankreich oder den USA, was eine Verlagerung rein aus Lohngründen unsinnig gemacht hat, heute konkurriert die BRD immernoch mit Frankreich oder den USA, aber eben auch mit China, Vietnam, Indien und vielen anderen bei denen einfache und mittlerweile auch mittel-komplexe Tätigkeiten kosteneffizient ausgelagert werden können und natürlich dem schnöden Roboterarm am Band.

Das Alleinernähermodell funktioniert jedoch immernoch, nur reicht dafür schon lange kein Hauptschulabschluss mit einer Lehre im örtlichen Metallwarenwerk bei denen man für 40 Jahre lang ein paar Handgriffe tätigen muss, sondern im Regelfall ist eine lange, technikfundierte Ausbildung nötig die mit allen drum und dran gerne weit in die 20er Lebensjahre gehen kann.
 
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DerOlf schrieb:
Falls es noch nicht aufgefallen ist, die Beschäftigungen, die glücklich machen, müssen finanziert werden ... (…)
Ich sehe jetzt noch kein Argument warum es eine menschliche Tätigkeit sein muss Dinge zu scannen oder Regale einzuräumen und gegen mehr Automatisierung in diesem Bereich.
Dein Leben kannst du gestalten wie du es für richtig hältst.

DerOlf schrieb:
Auch ist bisher nicht geklärt, wie das Finanzierungsloch beim Staat gefüllt werden soll, wenn Vollautomatisierung Realität wird.
Eine Steuer auf Maschinenarbeit wurde mal vorgeschlagen, da der Gewinn (für Unternehmen) immens ist. Wie der aktuelle Stand in der Diskussion ist weiß ich nicht.

gymfan schrieb:
Ob sie das aber wollen?
Weiß ich nicht, es wird sicher immer Nischen geben in denen fähiges Verkaufspersonal gesucht wird. Je nach Fähigkeit wird es auch für junge Menschen eine (große) Bandbreite an Jobs abseits der Ladentheke geben glaube ich. Ist natürlich (für mich) schwer vorhersehbar was so in Zukunft auch durch neue Technologien und Entwicklungen passiert.
 
DerOlf schrieb:
Ich denke, dass andere Öffnungszeiten niemanden davon abhalten werden, seine Sachen lieber im Internet zu bestellen und sich liefern zu lassen. Warum? Es ist einfach bequemer und man ist nicht der Gefahr ausgesetzt, im Laden dann nicht mehr die Wunschartikel zu finden, weil (wie es bei REWE offensichtlich schon heute der Fall ist) der Onlinehandel priorisiert wird und eigentlich nur noch die "Reste" in den Regalen vor Ort landen.

... es scheitert online wenigstens nicht an "ausverkauft" bzw. kann man bereits vom heimischen Sofa aus feststellen, ob und in welchem Laden der entsprechende Artikel bestellt werden kann.
Der Hauptgrund dürfte sein, dass der Einzelhandel einfach die Zeichen der Zeit verpennt hat. Wieso soll ich in den örtlichen Media Markt fahren und da nur eine begrenzte Auswahl akzeptieren oder auch mal für ein HDMI - DP Adapterkabel mehr als das Doppelte zahlen als bei Amazon?

Solange ich bei Amazon 30 Tage Rückgaberecht habe, die Ware problemlos auf Rechnung kaufen kann mit der Option sie erst am 15. des Folgemonats begleichen zu müssen und mir vor allem die sinnlosen Diskussionen mit den "Fachverkäufern" bei Reklamation oder Umtausch erspare bestelle ich halt online.

Wenn der Einzelhändler vor Ort auf dem BGB rum reitet bei Reklamationen oder mir den Wunschartikel gar nicht bestellen kann oder "wenn bestellt müssen Sie den nehmen", tja solange wird der Einzelhändler Stück für Stück zugrunde gehen.
 
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Dafür zahlen die normalen Einzelhändler ihre vollen Steuern. Das ist der Hauptgrund dafür, weshalb die normalen Einzelhändler in der Regel z. B. mit Amazon beim Service und den Preisen nicht mithalten können. Darüber sollte man mal nachdenken.

Edit: Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich Amazon dazu zwingen, in Deutschland die üblichen Steuersätze voll zu bezahlen. Und wenn sie das dann immer noch nicht wollen, tja Reisende soll man nicht aufhalten.
 
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Discovery_1 schrieb:
Dafür zahlen die normalen Einzelhändler ihre vollen Steuern.

Wenn du sowas wie MediaSaturn Holding meinst? Nein.

Meinst du den kleinen Buchladen? Ja.
 
Ich schrieb ja "normale Einzelhändler". Wie das bei den größeren ist, weiß ich nicht. Aber da gibt es bestimmt nicht nur schwarze Schafe.:D
 
Discovery_1 schrieb:
Edit: Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich Amazon dazu zwingen, in Deutschland die üblichen Steuersätze voll zu bezahlen. Und wenn sie das dann immer noch nicht wollen, tja Reisende soll man nicht aufhalten.
Das ist leider auch wieder nicht so einfach, da hier EU-Recht und diverse internationale Abkommen wirken, denn so gesehen zahlt Amazon den "üblichen" Steuersatz und Deutschland kann nicht einfach anfangen willkürlich Unternehmen anders zu besteuern bzw. zu stellen, zumal deutsche Konzerne selber von diesen Regelungen national und international profitieren.
 
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Ja, da läuft weltweit viel schief. Und da kann man mal sehen, welch großen Einfluss die unterschiedlichen Lobbys auf die weltweite Politik haben. Ich wünschte mir mal ein internationales Vorgehen gegen die Steuervermeidung von großen Konzernen. Das ist ja ein weltweites Problem.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hier wäre eher Druck auf Irland oder ähnlich angebracht die Konzerne mit Phantasie Steuern locken.
 
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@The_waron
Habe ich schon öfters ausgeführt, da wo Wertschöpfung betrieben wird, müssten auch die Steuern entrichtet werden egal von wem oder was, dann gehört halt das EU Recht angepasst.

Oder EU weit einheitlich geregelt, ja ich weiß das ist zuviel Utopie, was würde mir ein Europa als ein Land gefallen, es wär nicht alles gut, aber in Summe für die Länder besser.
 
Die sog. Gewinnverlagerung/Transferpreisgestaltung ist aber nur ein Aspekt den Amazon nutzt, es wird nämlich schwieriger wenn man sich genau anschaut was da noch gemacht wird und im Hinterkopf haben muss das wir ein Rechtsstaat sind, mögliche Maßnahmen also alle Unternehmen betreffen:
  • Reinvestition von Gewinnen - Techunternehmen haben hier eine sehr hohe Quote, aber auch viele Mittelständler, wollen wir wirklich das höher besteuern?
  • Steuergutschriften auf Forschung und Entwicklung - Das bevorzugt noch vielmehr sehr Forschungsintensive Unternehmen wie Carl Zeiss oder ZF, gerade unsere "Hidden Champions" profitieren von dieser Regelung.
  • Verlustvortrag - Davon profitiert Amazon natürlich besonders durch den ersten Aspekt, ist aber auch für viele kleine Unternehmen sehr wichtig die keine großen Finanzpolster haben.
Da gibts bestimmt noch mehr, aber man sieht dass das ganze weiter gedacht nicht so einfach ist und unter umständen ziemlich ungewollte Nebeneffekte haben kann. Da effektivste wäre tatsächlich auf EU/Internationaler Ebene hier einzuwirken, das dürfte aber äußerst schwer sein da solche Verträge oft nur einstimmig geändert werden können und bei einem Verbund wie der EU kriegt der entsprechende Lobbyverband da schon das nötige "Ohr".

Das ist ja auch der Grund warum Brüssel der Moloch des Lobbyismus ist, da tummeln sich über 37000! Lobbyisten, das sind absurde 50 pro Abgeordneter und damit bekomme ich schon irgendeine Tür in den 27 Mitgliedern geöffnet wenn da eine Regierung plötzlich "zickt".
 
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@DerOlf
Neuauflage der Diplomatenjagd? Keine Schlechte Idee :D
 
@Corto
Die hatte ich schon sehr oft.
Leider glaube ich, dass die Lobbyverbände in diesem Bereich jeder Hydra das Fürchten lehren können.
Ergänzung ()

Gegen Amazon (und Co) hilft mMn nur ein Boykott.

Ich lebe komplett ohne Amazon und nutze den Onlinehandel ausschließlich für Produkte, die ich offline mehrere Wochen gesucht und nicht gefunden habe.

Dass es offline etwas teurer ist, nehme ich in kauf ... und die Unbequemlichkeit halte ich für normal ... ich bin halt noch nicht faul genug, dass man mir den Arsch hinterhertragen müsste.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich hoffe es passt hier hin, gerade passt es im Punkt "Systemkritik". Ein von HGM selbst veröffentlichtes Schreiben an Friedrich Merz, in dem er seinen Austritt aus der CDU verkündet.

Bewerten muss das jeder für sich selbst.

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Wie weit nach Rechts muss man abgedriftet sein um Merz Neosozialismus zu unterstellen? Oo bzw. wie weltfremd.

Woher kommt diese Einstellungen bei nicht wenigen, dass Deutschland nach links in den Sozialismus gerutscht sei obwohl alle Fakten das Gegenteil ausweisen? Die Sozialsysteme sind erodiert, Bildung und Infrastruktur ebenso. Die Reichen werden immer reicher, die Armen ärmer und der Mittelstand rutscht nach unten durch. Und all das ist unter konservativen Regierungen vorangeschritten, insbesondere auch unter Kohl. Die Fundamente für die Fehler heute sind damals gelegt worden, besonders im Bereich der Rente, der Infrastruktur und der Bildung.

Der wirtschaftliche Aufschwung der 90er Jahre, der das teil bis ganz kaschiert hat, ist nicht der Verdienst der Kohl Regierung gewesen sondern Folge der Umwälzungen des gesamten weltpolitischen Gefüges nach Ende des Kalten Krieges.
 
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knoxxi schrieb:
Ich hoffe es passt hier hin, gerade passt es im Punkt "Systemkritik". Ein von HGM selbst veröffentlichtes Schreiben an Friedrich Merz, in dem er seinen Austritt aus der CDU verkündet.

Bewerten muss das jeder für sich selbst.
"Der Postillon" hätte den Brief nicht besser schreiben können. Ich kann mir wirklich kaum vorstellen, dass ein Mensch bei klaren Verstand, das ernsthaft mein, und nicht satirisch.
 
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Zumindest in Teilen stimme ich dem Brief zu.
Die CDU unter Merkel hat ziemlich viel verbockt und ist Schuld an vielen Problemen, die wir aktuell haben.
Migrationskrise, Infrastrukturkrise, Abhängigkeit von Russland, Bildungsprobleme etc. werden aus meiner Sicht richtig benannt.

Die Frage ist nur, ob Merz die Lösung wäre, wenn er den Vorstellungen von HGM entsprechen würde.
 
douggy schrieb:
Wenn du sowas wie MediaSaturn Holding meinst? Nein.

Meinst du den kleinen Buchladen? Ja.

Die Media-Saturn Holding GmbH zahlt auch in Deutschland ganz normal Steuern. Bei einem Gewinn von 134 Mio EUR in 2022 haben sie 53 Mio EUR Steuern gezahlt. Kannst du gern bei Bundesanzeiger.de nachlesen. Dort stehen die Geschäftsberichte online und jeder kann diese einsehen. Dort ist auch aufgesplittet, wie viel Steuern international angefallen sind und wie viel Steuern in Deutschland.
 
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