viddus schrieb:
Wenn du, wie du sagst seit 8 Jahren arbeitslos und zudem arbeitsunfähig, kannst du nicht im Bürgergeldbezug sein, weil du dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehst. Ergo solltest du Sozialhilfe nach SGB 12 beziehen und da will das Amt nur sehr selten was von dir.
Ich bekomme ALGII. Das Jobcenter hat mir mal mitgeteilt, dass es sein könne, dass man meinen Fall an das Sozialamt überträgt. Das ist bisher noch nicht passiert. Vermutlich weil man (mich eingeschlossen) die Hoffnung hat, dass sich mein Gesundheitszustand verbessert.
Skaiy schrieb:
Kannst du auch selbst denken?
Ist das nicht offensichtlich? Würde ich es nicht tun, wäre ich doch voll auf Linie des Mainstreams. Falls du kritisierst, dass ich zitiere: Viele dieser Gedanken hatte ich selbst. Als Kind habe ich zum Beispiel total naiv gedacht, alle Menschen dieses Landes wurden gefragt und alle haben zugestimmt, einen Staat zu gründen. Abgesehen davon: Wie wahrscheinlich ist es, dass deine Gedanken nicht schon einmal von einem anderen Menschen gedacht wurden? Und viele dieser Gedanken wurden niedergeschrieben, sodass ich mir nicht die Mühe machen muss, sie zu formulieren und aufs Papier zu bringen, sondern einfach zitieren kann.
Skaiy schrieb:
Sich einer Demokratie "unterwerfen"?
Ist die Demokratie kein Herrschaftssystem? Ich will mich nicht einer leicht beeinflussbaren Masse unterwerfen. Das kann nur schief gehen.
Skaiy schrieb:
Und (linke) Ideale habe ich auch. Ideale muss man aber als das akzeptieren, was sie sind: Ideale. Es herrscht quasi nie ein Idealzustand.
Jo, kann ich mitgehen. Dennoch lohnt es sich, seine Ideale zu verfolgen. Wie in einem meiner vorherigen Beiträge beschrieben.
Skaiy schrieb:
Aber dafür schmeiße ich nicht meinen Beruf und werde arbeitslos.
Das habe ich auch nicht. Zu der Zeit als ich krank geworden bin, war ich Student ohne Nebenjob. Das Studium musste ich dann auf Eis legen. Ich habe nicht gedacht: Scheiß System, ich werde jetzt arbeitslos.
Skaiy schrieb:
Ich beispielsweise versuche dir das aufzuzeigen. Nicht, weil ich die Meinung nicht toleriere oder gar wütend bin und irgendetwas in die Tastatur hämmern muss, sondern weil ich als Teil der Gesellschaft versuche dich zu überzeugen.
Ich befürchte, der Zug ist leider abgefahren. Ich habe vermutlich zu viele schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht als dass es da ein zurück für mich gibt. Einer von euch hat geschrieben, dass im Libertarismus jeder sich selbst der Nächste sei. Spoiler-Alarm: Das ist schon jetzt der Fall. Wahre(n) Selbstlosigkeit/Altruismus gibt es nicht. Ein Mensch handelt immer im eigenen Interesse, selbst wenn er etwas spendet.
Skaiy schrieb:
Wer von der Landfläche "Deutschland" spricht
Warum mache ich das? Um aufzuzeigen, dass es sich dabei Kontrukte handelt, die dem menschlichen Geist entsprungen sind. Es handelt sich um Konventionen, von Menschen. Warum sollten diese mehr Gewicht haben als von anderen Menschen? Weil sie von Schlipsträgern in einem schönen Gebäude beschlossen wurden? Menschen werden von Geburt an in dieses System hineinmanipuliert. Wenn ich einen Polizisten sehe, denke ich nicht: Oh, ein Polizist, der hat besondere Rechte mir gegenüber. Ich denke: Oh, ein Polizist, ein Mensch, dem man beigebracht hat zu glauben, er habe besondere Rechte anderen Menschen gegenüber. Ich bin der Meinung, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben sollten und sich daraus eine "Gesellschaft" entwickelt sollte.
Skaiy schrieb:
von der Unterwerfung vor der Demokratie
Weil es eine ist!
Skaiy schrieb:
die Existenz einer deutschen Gesellschaft leugnet
Die deutsche Gesellschaft ist genau wie der Staat eine Idee. Sie existiert lediglich als Gedanken im Kopf der Menschen. Genau wie der Weihnachtsmann oder Osterhase. Der Unterschied ist, dass die meisten Menschen die Gesellschaft oder den Staat als real betrachten.
Skaiy schrieb:
sich eine neutralere Ausdrucksweise wünscht, wenn man vom russischen Überfall auf die Ukraine schreibt
Die Intervention Russlands ist - für sich gesehen - illegal. Der Beteiligung Russlands sind aber einer ganzen Reihe illegaler Einmischungen des Westens - gesteuert von den USA - vorausgegangen. Wenn jemand in einem Boxkampf ein Messer zückt, kann er sich nicht mit einem Verweis auf die Boxregeln über einen Gegner beschweren, der selbiges tut. Doch genau das macht der Westen. Und jetzt komm mir nicht mit "Whataboutism". Das ist eine Begrifflichkeit, die eingeführt wurde, um Doppelmoral zu rechtfertigen. Wenn ein Staat Völkerrecht bricht, darf er sich nicht darüber beschweren, wenn andere Staaten ebenfalls aufs Völkerrecht pfeifen. Ich behaupte sogar, dass es ziemlich dumm wäre, in einem Boxkampf, in dem mein Gegner ein Messer zückt, noch nach den Boxregeln zu kämpfen.
Skaiy schrieb:
Tangieren würde es mich letzten Endes nicht, aber dennoch ist es doch schön, wenn man Menschen zurück (du warst ja wahrscheinlich nicht immer so) in die Gesellschaft bekommt.
Es ist dem System wohl nie gelungen mich abzuholen. Das beinhaltet meine Eltern. Schon seit meiner frühesten Kindheit wurden meine Bedürfnisse wohl nie richtig berücksichtigt. Daher stammt sehr wahrscheinlich meine Einstellung.
CCIBS schrieb:
Das ist ziemlich exemplarisch, was ich schon die ganze Zeit meine. Im Libertarismus wären das nicht nur Straßen, die in privater Hand sind, sondern ganze Landstriche, wo dann die jeweilige Personen die Regeln festlegen. Sogar so etwas wie eine Gebühr, dass du auf ihrem Land dich bewegen darfst. Und wenn wir uns gegenwertig die Situation anschauen, ist der Reichtum sehr Ungleich verteilt, weshalb nur ein paar wenigen, das Land gehören würden. Wir wären wieder in der Situation der Fürstentümer. Und die Menschen waren damals der Meinung, man sollte ihn abschaffen.
Um das zu diskutieren, müssten wir in die Eigentumstheorie eintauchen, worauf ich mal verzichte. Wir haben uns ja darauf geeinigt, dass man sein Ideal verfolgen sollte, auch wenn es unerreichbar erscheint.
CCIBS schrieb:
Irgendwie, bei allem was du sagst, denke ich mir, dass es früher oder später zu einem Zustand führen würde, den wir schon mal hatte, oder den wir jetzt schon haben.
Das kann man nicht ausschließen. Fakt ist aber auch, dass je kleiner (bezogen auf die Macht/Befugnisse) ein Staat, desto geringer ist die Gefahr, die von ihm ausgeht. Die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte wurden von totalitären ("großen") Staaten begangen (Deutsches Reich, Sowjetunion, China unter Zedong). Was nicht heißt, dass kleinere Staaten keine Verbrechen begehen. Als Beispiel fällt mir da leider immer sofort die USA ein. Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, Bombadierung von Dresden, dutzende Einmischungen per CIA in anderen Ländern, Jugoslawienkrieg (mit Beteiligung der deutschen Regierung). Ich führe das in erster Linie darauf zurück, das Machtpositionen im Staat sehr anziehend auf Psychopathen wirkt. Und weil Psychopathen durchsetzungsfähiger sind, werden diese Positionen meisten von ihnen besetzt.
CCIBS schrieb:
Und irgendwie war so ziemlich einer der ersten Dinge, was den Menschen damals wohl einfiel, Regeln bzw. Einschränkungen zu machen.
Derartige Argumente lesen sich für mich immer so als sei Libertarismus gleichzusetzen mit Anomie (der vollständigen Abwesenheit von Regeln). Mord, Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, Raub, Betrug, um nur einige Verbrechen zu nennen, wären aber genauso strafbar.
CCIBS schrieb:
Du ihnen vorwirfst "Du bist Teil des Problems" und dich dann wunderst, dass die Leute angepisst sind?
Natürlich ist mir das bewusst. Ich bin hier, um euch zu sagen: Leute, es geht zu weit. Ihr werdet mir zu übergriffig. Bitte lasst das!
s0undjan schrieb:
Ja stimmt, aber wie sieht es dort mit der Anzahl der jährlichen Unfalltoten aus?
Das weiß ich nicht. Spielt aber keine Rolle, ich bin ja für Verkehrsregeln. Ich bin sogar für ein Tempolimit auf Autobahnen. Das würde das fahren für mich entspannter machen.
s0undjan schrieb:
Nur werden diese Regeln dann nicht mehr demokratisch festgelegt, sondern vom Individuum mit dem größten Geldbeutel.
Spoiler-Alarm: Das werden sie jetzt schon. Meiner Meinung nach haben diese Individuen es sogar leichter als in einer libertären "Gesellschaft", weil große Kontrollapparate (Staaten) vorhanden sind.
s0undjan schrieb:
Wenn ein Libertärer seine Ideologie ernst nimmt, kann er den Libertarismus nur durch Freiwilligkeit einführen, weil er jeglichen Zwang ablehnt.
Jemanden zurückzudrängen, der immer übergriffiger wird, also meine Freiheit immer weiter einschränkt, mag definitionsgemäß tatsächlich Zwang sein. Nichtaggressionsprinzip ist nicht gleichzusetzen mit Gewaltlosigkeit. Ich habe durchaus das Recht mich auch mit körperlicher Gewalt gegen jemanden zu wehren, der meine Freiheit, Eigentum, körperliche Unversehrtheit oder gar Leben bedroht. Dieser Zwang wäre gerechtfertigt, im Gegensatz zu dem übergriffigen Zwang. Im Übrigen habe ich gar keine Lust in die Politik zu gehen und Menschen zu kontrollieren. Ich will einfach nur meine Ruhe haben.
s0undjan schrieb:
Das ist Sozialdarwinismus
Ich habe jetzt mal nachgeschaut, wie das definiert wird. Scheint ja ziemlich schwammig zu sein. Aber auf zwei Punkte will ich an dieser Stelle mal eingehen. Laut Sozialdarwinismus gibt es gutes und schlechtes Erbmaterial. Das ist nicht nur im Sozialdarwinismus so, das ist so. Oder in was für einer Welt lebst du?! Welche Mutter will kein gesundes Kind zur Welt bringen? Aber was du wahrscheinlich gerne von mir hören möchtest ist wohl, dass gutes Erbmaterial gefördert und schlechtes ausgelöscht werden sollte. Genau das wirst du von mir nicht hören, weil das nicht meine Überzeugung ist. Und mit Libertarismus hat das auch nichts zu tun. Ich habe den Eindruck, dass auch du am "framen" bist, um mich in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken.
s0undjan schrieb:
Der Libertäre hat keinen Wahrheitsanspruch auf Freiheit, er hat die Freiheit sie anders zu definieren aber nicht das Recht, dass andere ihm zustimmen müssen.
Im Grunde sind die meisten Menschen libertär. Sie machen für den Staat nur eine Ausnahme. "Leben und leben lassen", Was du nicht willst, das man dir tu..." sind zwei Beispiele für weit verbreitet Redewendungen. Sie werden dem Libertarismus nicht zugeschrieben, sind aber libertär. Und wenn der Libertarismus die logischste, schlüssigste Definition bietet, wieso sollte man sich nicht daran orientieren? Der Libertarismus ist auch die mir einzig bekannte Ideologie, die Menschenrecht und Menschenwürde (Selbstbestimmungsrecht) tatsächlich achtet. Damit ist es spätestens mit der Erstellung der Geburtsurkunde in einem Staat vorbei. Dann bin ich ja Mitglied, obwohl ich das vielleicht gar nicht wollte, ergo wurde mein Recht auf Freiheit und mein Selbstbestimmungsrecht verletzt.
s0undjan schrieb:
Rousseau ging von einem naiven Menschenbild aus, dass dieser immer rational und gut ist. Dem ist nicht so.
Dazu ein klassisches libertäres Argument:
Ist der Mensch gut, brauchen wir keinen Staat. Sind die meisten Menschen gut, und wenige schlecht, sollte es keinen Staat geben, weil die schlechten die Kontrolle übernehmen könnten. Sind die meisten Menschen schlecht, und nur wenige gut, sollte es erst recht keinen Machtapparat wie den Staat geben.
DerOlf schrieb:
Von welcher Räuberbande bekommst du für den Raub eine Gegenleistung? Welcher Räuber gibt sich mit einem Prozentsatz deiner Habe zufrieden?
Einfach mal drüber nachdenken, und dann eventuell erkennen, dass dieses Bild reinster Populismus ist.
Eine "Gegenleistung" macht einen Raub nicht moralisch. Der Räuber, der mich auf Dauer schröpfen will.
@CCIBS Ich kann dein Video leider nicht sehen.