H
Heison
Gast
In der Familienpolitik beschäftigt ein Streit die Unionsparteien. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hatte vor Kurzem einen Plan vorgestellt: Bis 2013 möchte sie die Zahl der Kitaplätze für unter 3jährige auf 750000 verdreifachen. Kostenpunkt: Ca. drei Milliarden Euro. [1]
Ihr Vorhaben schlägt eine Flanke zwischen diejenigen, die fürchten, mit dem massiven Ausbau der Kinderbetreuung würden traditionellen Formen des Familienlebens und damit konservative Grundüberzeugungen vernachlässigt und in Frage gestellt, und diejenigen, die der CDU ein modernes Profil in der Familienpolitik wünschen und eine Anpassung der familienpolitischen Agenda an die gesellschaftlichen Realitäten herbeisehnen. Erstere fürchten dabei um ihr klassisches Wählerklientel, letzere um Stimmenverluste in Großstädten und bei jungen Familien.
Zwei Ziele lassen sich bei den neuen Vorschlägen ausmachen: Zum einen hofft man, die demographische Entwicklung in Deutschland zu verbessern (und spekuliert auf den Frankreich-Effekt), zum anderen steht die Förderung beruflicher Karriere-Chancen von Frauen im Vordergrund. Denn nach wie vor entscheiden sich weitausmehr Frauen für die Babypause, während die Männer weiterarbeiten. Der Karriereknick ist somit vorprogrammiert.
Doch liegt dies letztendlich nur an den immer noch unterschiedlich hohen Durchschnittsgehältern? Oder streben Frauen, wie Eva Hermann postuliert hat, quasi "von Natur aus" weg vom anstrengenden Karriereweg hin zum Kinder- und Familienglück?
In einem aktuellen Interview [2] diskutiert die BWL-Professorin und Forscherin Sonja Bischoff mit der Familienanwältin und Scheidungsspezialistin Sabine Neidhardt über die Karrierechancen von Frauen und Männern sowie über die gesellschaftlichen Entwicklungen in Beruf und Familie. Dabei fallen einige interessante Aussagen.
So wird in beruflicher Hinsicht angemerkt, dass Frauen nicht ausreichend "fordern". Und sie drängen zu selten in die karriereorientierten Studiengänge wie Ingenieur- und Naturwissenschaften oder Betriebswirtschaft.
Im Gegenzu seien viele, "gerade junge Männer" sehr stolz darauf, wenn ihre Frauen nicht arbeiten müssen. Bischoffs Fazit: Bei den Männern habe sich seit den 60er Jahren nicht besonders viel geändert.
Auf die Frage, ob Frauen "genetisch bedingt" an den Herd und zu den Kindern gehören, führt Neidhardt aus: "Auch dazu gibt es Untersuchungen, die diese These stützen. Die Frau kümmert sich um den Haushalt, dazu ist sie einerseits erzogen, andererseits ist es Veranlagung. Haushalt ist nicht witzig, aber es der Familie schön zu machen, ist Frauen in die Wiege gelegt."
Bischoff ergänzt: "Fragt man, was sie mit der gewonnenen Teilzeit anfangen würden, antworten 62 Prozent der Frauen mit Familie und Haushalt. Bei den Männern antworten ebenfalls 42 Prozent mit Familie, aber Haushalt kommt natürlich nicht vor. Null Prozent. Guckt man noch genauer hin, kommt heraus, dass dreiviertel der Männer gewonnene Freizeit nutzen wollen für Reisen, Sport, Fitness und Weiterbildung. Das heißt, die bereiten den nächsten Karriereschritt vor."
Die Fragen, die sich damit stellen: Sollte sich der Staat immer weiter in die Erziehung von Kindern einmischen? Sollte man die Entwicklung, dass immer mehr Kinder frühzeitig in Kinderkrippen abgegeben werden, noch zusätzlich fördern? Ist für Kinder eine "Vollerziehung" immer noch das Beste? Oder nimmt ein Festhalten der bisherigen Praxis den Frauen ihre beruflichen Chancen? Sind Frauen an ihrem Verhalten letztendlich selbst "Schuld", da sie Familie, Kindern und Haushalt eine höhere Bedeutung zumessen, als Männer die sich tendenziell mehr für "Reisen, Sport, Fitness und Weiterbildung" interessieren? Inwieweit ist Karriereglück mit Familienglück vergleichbar? Lässt sich beides überhaupt zufriedenstellend kombinieren?
Ich bin der Meinung, dass eine stärkere, auch finanzielle Förderung der Kinderbetreuung durch den Staat im gemäßigten Rahmen berechtigt ist. Weniger, um eine Geschlechterbalance im Führungsbereich von Unternehmen oder den typischen "Karrierebranchen" künstlich zu fördern, sondern um Familiengründungen allgemein attraktiver zu machen, und insbesondere Frauen die Angst vor dem beruflichen Abseits zu nehmen. Eine echte Wahlfreiheit sollte aber erhalten bleiben - eine ebenfalls in der Diskussion befindliche Kindergartenpflicht halte ich für problematisch. Es sollte daher kein Modell, weder die klassische Familie, noch die Wahrnehmung von umfangreichen Betreuungsangeboten, so dass beide Elternteile weiterarbeiten können, einen erheblichen Vorzug bekommen.
[1] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,466849,00.html
[2] http://www.welt.de/data/2007/02/18/1216366.html
Ihr Vorhaben schlägt eine Flanke zwischen diejenigen, die fürchten, mit dem massiven Ausbau der Kinderbetreuung würden traditionellen Formen des Familienlebens und damit konservative Grundüberzeugungen vernachlässigt und in Frage gestellt, und diejenigen, die der CDU ein modernes Profil in der Familienpolitik wünschen und eine Anpassung der familienpolitischen Agenda an die gesellschaftlichen Realitäten herbeisehnen. Erstere fürchten dabei um ihr klassisches Wählerklientel, letzere um Stimmenverluste in Großstädten und bei jungen Familien.
Zwei Ziele lassen sich bei den neuen Vorschlägen ausmachen: Zum einen hofft man, die demographische Entwicklung in Deutschland zu verbessern (und spekuliert auf den Frankreich-Effekt), zum anderen steht die Förderung beruflicher Karriere-Chancen von Frauen im Vordergrund. Denn nach wie vor entscheiden sich weitausmehr Frauen für die Babypause, während die Männer weiterarbeiten. Der Karriereknick ist somit vorprogrammiert.
Doch liegt dies letztendlich nur an den immer noch unterschiedlich hohen Durchschnittsgehältern? Oder streben Frauen, wie Eva Hermann postuliert hat, quasi "von Natur aus" weg vom anstrengenden Karriereweg hin zum Kinder- und Familienglück?
In einem aktuellen Interview [2] diskutiert die BWL-Professorin und Forscherin Sonja Bischoff mit der Familienanwältin und Scheidungsspezialistin Sabine Neidhardt über die Karrierechancen von Frauen und Männern sowie über die gesellschaftlichen Entwicklungen in Beruf und Familie. Dabei fallen einige interessante Aussagen.
So wird in beruflicher Hinsicht angemerkt, dass Frauen nicht ausreichend "fordern". Und sie drängen zu selten in die karriereorientierten Studiengänge wie Ingenieur- und Naturwissenschaften oder Betriebswirtschaft.
Im Gegenzu seien viele, "gerade junge Männer" sehr stolz darauf, wenn ihre Frauen nicht arbeiten müssen. Bischoffs Fazit: Bei den Männern habe sich seit den 60er Jahren nicht besonders viel geändert.
Auf die Frage, ob Frauen "genetisch bedingt" an den Herd und zu den Kindern gehören, führt Neidhardt aus: "Auch dazu gibt es Untersuchungen, die diese These stützen. Die Frau kümmert sich um den Haushalt, dazu ist sie einerseits erzogen, andererseits ist es Veranlagung. Haushalt ist nicht witzig, aber es der Familie schön zu machen, ist Frauen in die Wiege gelegt."
Bischoff ergänzt: "Fragt man, was sie mit der gewonnenen Teilzeit anfangen würden, antworten 62 Prozent der Frauen mit Familie und Haushalt. Bei den Männern antworten ebenfalls 42 Prozent mit Familie, aber Haushalt kommt natürlich nicht vor. Null Prozent. Guckt man noch genauer hin, kommt heraus, dass dreiviertel der Männer gewonnene Freizeit nutzen wollen für Reisen, Sport, Fitness und Weiterbildung. Das heißt, die bereiten den nächsten Karriereschritt vor."
Die Fragen, die sich damit stellen: Sollte sich der Staat immer weiter in die Erziehung von Kindern einmischen? Sollte man die Entwicklung, dass immer mehr Kinder frühzeitig in Kinderkrippen abgegeben werden, noch zusätzlich fördern? Ist für Kinder eine "Vollerziehung" immer noch das Beste? Oder nimmt ein Festhalten der bisherigen Praxis den Frauen ihre beruflichen Chancen? Sind Frauen an ihrem Verhalten letztendlich selbst "Schuld", da sie Familie, Kindern und Haushalt eine höhere Bedeutung zumessen, als Männer die sich tendenziell mehr für "Reisen, Sport, Fitness und Weiterbildung" interessieren? Inwieweit ist Karriereglück mit Familienglück vergleichbar? Lässt sich beides überhaupt zufriedenstellend kombinieren?
Ich bin der Meinung, dass eine stärkere, auch finanzielle Förderung der Kinderbetreuung durch den Staat im gemäßigten Rahmen berechtigt ist. Weniger, um eine Geschlechterbalance im Führungsbereich von Unternehmen oder den typischen "Karrierebranchen" künstlich zu fördern, sondern um Familiengründungen allgemein attraktiver zu machen, und insbesondere Frauen die Angst vor dem beruflichen Abseits zu nehmen. Eine echte Wahlfreiheit sollte aber erhalten bleiben - eine ebenfalls in der Diskussion befindliche Kindergartenpflicht halte ich für problematisch. Es sollte daher kein Modell, weder die klassische Familie, noch die Wahrnehmung von umfangreichen Betreuungsangeboten, so dass beide Elternteile weiterarbeiten können, einen erheblichen Vorzug bekommen.
[1] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,466849,00.html
[2] http://www.welt.de/data/2007/02/18/1216366.html
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