Wie wichtig ist ein Studium?

misterx09

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Hallo,

ich bin 22 Jahre alt und studiere Informatik Bachelor im 9. Semester. Aufgrund psychischer Probleme (geht mir mittlerweile besser) habe ich allerdings erst ein Drittel der Creditpoints. Ich überlege allerdings das Studium abzubrechen und eine Ausbildung zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung zu machen, da ich glaube dass mir strukturiertes Lernen leichter fallen würde.
Meine Frage ist jetzt, wie wichtig ein Studium im Informatikbereich, insbesondere im Bereich der Softwareentwicklung ist. Würde ich mir viel damit verbauen wenn ich das Studium abbreche und die Ausbildung mache.

Schonmal vielen Dank für eure Hilfe.
 
9 Semester und erst 60 ects dürfte neuer Negativrekord sein ;)
Mal Spaß beiseite, finde es gut, dass du wegen deiner psychischen Erkrankung wieder auf dem Weg der Besserung bist. Wenn du jetzt da in deinen sehr jungen Jahren schon einen "Knaks" weg hast, würde ich dir persönlich eine Ausbildung in einer Behörde oder allgemein ÖD empfehlen. Dort hat sich noch niemand überarbeitet und du genießt im Falle eines Rückfalls besondere Annehmlichkeiten.
Ein Studium würde ich dir erstmal nicht mehr empfehlen, in deinem jungen Alter kann man dies aber auch jederzeit noch nachholen oder nebenberuflich mitmachen.
 
Wie war denn Deine Abi-Note?
Wie lange bestehen/bestanden die Probleme?
Welchen Rat bzw. welche Hilfe hast Du bisher in Anspruch genommen?
(...)?

Das Forum hier ist toll, viele Foristen teilen hier unentgeltlich ihr Wissen und geben Tipps, aber es hat auch seine Grenzen. Das könnte m. E. in Deinem Fall so sein, derartige persönliche Umstände sind schnell sehr komplex und für eine "Ferndiagnose" ungeeignet.

Ist nicht(!) bös gemeint.
 
Danke für eure Antworten.

@Binalog
Meine Abi-Note ist 2,7. Die Probleme bestanden rückblickend betrachtet mehrere Jahre, hat halt gedauert bis man realisiert, dass man krank ist und sich Hilfe sucht. Bisher war ich beim Hausarzt und bei einem Neurologen und bin dabei mir einen Psychotherapeuten zu suchen.
Das ein Forum keine Ferndiagnosen geben kann ist mir vollkommen bewusst, die Suche ich auch nicht. Sorry wenn man Post so formuliert war, dass er den Eindruck erweckt hat als ob. Das mit den psychischen Probleme war eigentlich nur Backgroundinfo, im Prinzip ist meine Frage einfach wie der Unterschied bei den Jobchancen zwischen Studium und Ausbildung ist. Ob ich mir da iwas verbauen würde wenn ich mich jetzt gegen das Studium entscheiden würde.
 
Bei mir war das damals so, dass, wenn man nicht spätestens 2 Semester nach Ende der Regelstudienzeit (also im 8. oder 9. Semester) alle ECTS (inkl. Bachelorarbeit) hatte, man automatisch exmatriuliert wurde und das Studium als endgültig nicht bestanden galt. Da hast du wohl Glück bei deiner Uni/FH.

Ansonsten: Nach 9 Semestern erst 60 ECTS dürfte tatsächlich rekordverdächtig sein. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Ein Hochschulabschluss ist natürlich besser als eine Ausbildung. Viele Arbeitgeber fordern in ihren Stellenausschreibungen explizit einen Hochschulabschluss, auch wenn er oft eigentlich nicht zwingend für diese Tätigkeit erforderlich ist. Alternativ wird auch häufig eine Ausbildung mit mehrjähriger Berufserfahrung gefordert. Der Einstieg mit Berufsausbildung und ohne Berufserfahrung dürfte also schwierig werden.
 
Und was kommt nach dem Studium? Was willst Du mit dem Studium erreichen (Erkenntnis, Führungsposition, mehr Geld, Status,...)?

Versuche Dich mal in die Lage eines potentiellen Arbeitgebers zu versetzen. Er wird im Bewerbungsprozess Dich und Deine Papiere unter die Lupe nehmen und genau prüfen ob Du und Dein Werdegang zu seinen Anforderungen passen. Nach einer möglichen Einstellung kommt eine sechs Monate lange Probezeit, während der Arbeitgeber jederzeit ohne Angaben von Gründen kündigen kann.

Auch wenn Du persönlich für die Probleme "nichts kannst", der potentielle Arbeitgeber kann es auch nicht. Er wird/muss allein gemäß den Interessen des Unternehmens urteilen.

Ich halte diese Art der Ferndiagnose nach wie vor für "gefährlich" und will Dir aber gleichzeitig nicht den Mut nehmen alles herauszuholen was in Dir steckt.

Ich beschränke mich deshalb auf:

1. Denke vom Ende her
2. Bleib dabei realistisch
3. Lass Dich nicht unterkriegen
 
@douggy genauso ist es
@blubberz Aber die Berufserfahrung hätte man ja nach einer gewissen Zeit. Das der Einstieg mit Ausbildung schwieriger ist als mit Studium ist klar, mir geht es darum wie das langfristig aussieht. Hat man langfristig gesehen die Möglichkeit das fehlende Studium mit Berufserfahrung und Fähigkeiten zu kompensieren?
@Binalog Das der Lebenslauf alles andere als optimal ist ist mir klar. Ich verstehe jedoch nicht was du mit Ferndiagnose meinst?
 
Ich meinte damit, dass es aus der Ferne (ohne die genauen Umstände) schwierig ist Ratschläge zu erteilen, es kommt dabei zu oft auf die genauen Details an. Zumal einige entscheidende Aspekte ohnehin nur in einem persönlichen Gespräch zu beurteilen sind.

Mach Dich aber von dem Gedanken frei, dass das Studium allein Dich weiterbringt. Ein Studium ist in der Regel der Türöffner für eine Karriere, aber dazu gehören noch weitere Punkte ("roter Faden", saubere Papiere, Schlüsselqualifikationen, hohe Leitungsfähigkeit und ein ausgeprägter Leitungswille).

Es könnte für die persönliche Entwicklung bzw. das persönliche Wohlbefinden besser sein eine Ausbildung zu machen und damit erfolgreich und souverän eine Facharbeiterposition auszufüllen, als mit einem grottenschlechten Studium als Bachelor Dauerfrust zu schieben.

Wenn Du Dich für ein Studium entscheidest und scheiterst, dann hast Du die Gewissheit alles versucht zu haben. Du läufst damit nicht Gefahr Dir später vorzuwerfen "Ach hätte ich es damals doch nur versucht", ein Gefühl der verpassten Chance kann ewig nagen. Allderdings belegst Du mit dem abgebrochenen Studium anderen, dass es zuviel für Dich war ("Gewogen und für zu leicht befunden"), auch das kann belasten. Jemand der nie studiert hat, hat diesen "Beweis" nicht erbracht, es könnte noch mehr in ihm stecken.

Aber wie gesagt, aus der Ferne ist das alles sehr schwierg, deshalb kann ich Dir an dieser Stelle auch leider keinen Rat geben.
 
misterx09 schrieb:
Hat man langfristig gesehen die Möglichkeit das fehlende Studium mit Berufserfahrung und Fähigkeiten zu kompensieren?

Es ist zwar nicht absolut unmöglich, aber doch eher unwahrscheinlich. Wenn du Glück hast und ein High Performer bist, dann vielleicht. Da du allerdings erst 60 ECTS nach 8 Semestern erreicht hast, bist du wohl eher ein Low Performer.

Bist du dir sicher, dass du überhaupt Softwareentwickler werden willst? Der Job ist recht stressig. Man steht (wie im Studium) auch ständig unter Zeitdruck, muss sich in neue Themen einarbeiten, neue Dinge lernen und regelmässig Ergebnisse abliefern.
 
Lass die Leute hier labern. Studium und Beruf sind zwei verschiedene Welten. Wenn du im Job gut bist kommst du auch ohne Studium weit. Ausnahme gibts im ÖD, weil die geil auf Titel sind.

Überleg dir den Studienabbruch aber gut. Wenn das nur eine Flucht ist, dann bringt das nicht unbedingt etwas. 120 CP sind 4 Semester und damit 2 Jahre. Ein Ausbildung dürfte nicht schneller sein.
 
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In die Zukunft würde ich gar nicht allzuviel planen (zu volatil Dank Corona, Brexit & Co.), daher ist die Frage doch eher ob Du jetzt in der Lage bist Gas zu geben und das Studium noch zeitnah abzuschließen. Solltest Du gesundheitlich dazu nicht in der Lage sein wäre eine einfachere Ausbildung sicherlich die bessere Alternative.
 
Ich kann fuer mich persoehnlich sagen, das ich damals (das ist jetzt fast 20 Jahre her) den grossen Fehler begangen habe, Informatik, damals noch auf Diplom, studieren zu wollen. Ich war da absolut nicht gluecklich, und es hat grade mal ein halbes Jahr gedauert bis ich dort aufgrund diverser Faktoren in massive psychologische Probleme gerutscht bin.
Zwei lange Jahre hat es gedauert bis ich mir, und meiner Familie, eingestehen konnte das es so nicht weitergehen kann. Ich habe ein halbes Jahr "Pause" gemacht, und war auch in Behandlung.
Dann hatte ich das extrem grosse Glueck nach nur 6 Bewerbungen einen Ausbildungsplatz zu bekommen :)

Ich arbeite immer noch in dem Laden, und bin aktuell, trotz kuerzlich ausgestandener Kurzarbeit sehr zufrieden in meinem Job.

In Endeffekt war die starke Fokussierung auf die Theorie im Studium (Aussage in einer der ersten Vorlesungen: "Informatik ist das einzige Fach in dem man keinen Computer braucht") fuer mich absolut das Falsche. Ich brauchte, und brauche immer noch, den Praxisbezug. Ich muss 'nen Schraubenzieher in die Hand nehmen koennen, oder einen Loetkolben :D

Und grade heutzutage, wenn man handwerklich interessiert ist, werden einem in vielen Bereichen die Ausbildungsplaetze quasi auf dem Silbertablett praesentiert. Und oft ist es so, das war bei mir auch ein Faktor, werden auch gerne Azubis genommen die etwas aelter sind, denn diese sind oft reifer.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ein abgebrochenes Studium ist keine Katastrophe. Und man muss nicht studiert haben um einen guten Job zu bekommen.
 
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Geld ist halt nicht alles. Ich kann keine riesen Spruenge machen, aber es reicht, als dass ich nicht jeden Euro zweimal umdrehen muss.

Ich kann nicht orakeln, aber ich war im Studium nicht gluecklich, und wenn ich nicht den Absprung geschafft haette waere ich definitv nicht in meiner aktuell vergleichbar guten Situation. Entweder waere ich nicht mehr am Leben (ja, so schlimm war es) oder ich wuerde als ewiger Hartzer vor mich hin gammeln.
Ich kann da inzwischen ehrlich mit mir sein.

Ich habe meine Ausbildung als IT-Systemelektroniker gemacht. Was ich jetzt mache (in der gleichen Firma wohlgemerkt) hat damit aber nichts mehr zu tun :D
Angefangen hat es als "Rechner-Schrauber", vorallem mit der Reparatur von Rechnern, Laptops und auch Servern in Zusammenarbeit mit dem Herstellersupport. Ich war sogar eine Weile in einem Reparaturprogramm registriert und konnte selbststaendig diagnostizieren und Ersatzteile bestellen.
Dann habe ich eine ganze Zeit lang unsere Backupsysteme betreut. Generelle Windows Server und Client Administration. WLAN, Netzwerk, IP Telefonanlagen...
Irgendwie habe ich fast alle groesseren in-house IT Systeme zumindest mal gesehen :D

Aktuell bin ich fokussiert auf Netzwerke und IP Telefonanlagen, als Teil eines relativ grossen IT Teams. Die Firma gibt aber immer wieder die Gelegenheit an eigenen Projekten zu arbeiten, seien es kleinere Arduino Hardwaresachen (Verteilte Umweltsensoren) oder Softwaresachen, wie Steuer und Auswertungsprogramme fuer diverse interne Systeme.
Studiert ist bei uns in der IT uebrigends kaum jemand, vielleicht 10%. Das sind dann zum grossen Teil die Projektmanager, und wenn ich ehrlich mit mir bin, den Job wuerde ich nicht machen wollen.

Boese Zungen moegen jetzt sagen das mir der Ehrgeiz fehlt. Vielleicht stimmt das sogar. Aber ich bin zufrieden.
 
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