Wikileaks und die Diplomaten

Mike Lowrey schrieb:
Ich habe in deiner Antwort auf mich nichts vom Nahen Osten gelesen, nur das du meine Einteilung in Relevant und Irrelevant nicht nachvollziehen kannst.

Na du hast zumindest den Teil direkt zitiert, indem ich von der größten und vielleicht einzigen Hoffnung für die Region (dem nahen Osten) spreche. Und geschrieben hast du dazu lediglich etwas zur EU.

Mike Lowrey schrieb:
Wer ernsthaft glaubt, die wären für betreffenden Staaten wirklich neu, der erscheint mir naiv.

Es ging auch nicht darum was für welche Staaten "neu" sein mag, sondern ob die Diplomatie beschädigt wurde oder nicht. Und das kann niemand mit Gewissheit sagen. Woher weisst du denn, dass nicht irgendwer im Nahen Osten gerade eine wichtige Information für die USA hätte, sie aber nun lieber für sich behält?
 
Ahhhh. Ich habe den zitierten Abschnitt auf jegliche Diplomaten bezogen. War ein Missverständnis sorry.
Woher weisst du denn, dass nicht irgendwer im Nahen Osten gerade eine wichtige Information für die USA hätte, sie aber nun lieber für sich behält?
Das weiß ich nicht mit Sicherheit, ich glaube aber auch das Diplomatie mehr ist, als ein paar Informationen sondern vielmehr handfeste Zusammenarbeit.
 
Klar ist Assange Teil der Organisation. Aber er ist kein Herrscher. Zur Zeit ist er vor allem ein Gesicht. Ob man das leiden kann oder nicht, die Art und Weise mag oder nicht ist jedem selbst überlassen.

Laut den Aussagen der Personen, die WikiLeaks seit "Collateral Murder" verlassen haben, verhält sich Assange durchaus aus so, als sei er selbst Wikileaks. Aber selbst wenn wir dieses Thema mal bei Seite lassen, ist es schon problematisch, dass Wikileaks überhaupt eine einzelne Galionsfigur hat.

Natürlich geht es um vertrauenswürdige Personen. Der der das Material sichtet, sollte vielleicht nicht unbedingt kompromittiert sein. Sonst ist seine Sichtung nutzlos.

Das ändert doch nichts daran, dass Wikileaks einfach zu klein ist und ohne eine einschneidende strukturelle Veränderungen immer zu klein sein wird, um die Masse an Informationen zeitnah zu bearbeiten und zu veröffentlichen und daher stets gezwungen sein wird, die Relevanz der Informationen nach beliebigen Kriterien zu bewerten. Mit dem Anspruch, dass die Mitarbeiter natürlich nicht vertrauenswürdig sein müssen, wird dieses Problem höchstens noch verschärft.

Und das zu erst Klatsch und Tratsch veröffentlicht wird, ist den ausführenden Medien zu verdanken.

Wikileaks hätte auch zunächst die "UFO-Files" oder die Informationen über die Finanzkrise veröffentlichen können, musste aber nach eigenem Gutdünken entscheiden, zunächst die Depeschen der Diplomaten zu veröffentlichen.

Ja beginnen. Und wer prüft dann ob der Informant nicht kompromittiert ist, oder das Material war er glaubte zu entwenden? Die investigative Presse die dpa Meldungen abschreibt?

1. Ich rede eigentlich von der Prüfung anderer Details (dazu gleich mehr).
2. Auch WikiLeaks ist auf die Mitarbeit der Medienpartner angewiesen, und die internen Mitarbeiter sind selber nicht mehr als investigative Journalisten.

Welche Informationen werden denn ungeprüft heraus geschleudert?

Soweit mir bekannt wird bspw. nicht überprüft, ob die Informationen Menschen unmittelbar in (Lebens)Gefahr bringen.

Irgendwie widersprichst du dir hier selber. Wenn sie doch eh nichts prüfen, können sie doch der Informationsflut problemlos Herr werden.
Weil sie aber eben doch prüfen, werden sie ihr nicht Herr, was denn nun?

Natürlich werden die Dokument überprüft, aber eben kaum weiter als auf deren Authentizität. Eine Überprüfung der Dokumente auf deren Gefahrenpotential bei einer Veröffentlichung findet kaum bis gar nicht statt. Wikileaks haut einfach raus, was es in die Finger kriegen kann, und dennoch ist Wikileaks kaum in der Lage, die Informationen zeitnah zu veröffentlichen.

Und exakt welche Personen sind in akute Gefahr gebracht worden? Das ist doch gerade die Arbeit die Wikileaks zusammen mit den Medienpartnern durchführen.


"Schon bei der Veröffentlichung der Afghanistan-Kriegsprotokolle hatte Wikileaks erste Fehler gemacht und die Klarnamen von Afghanen nicht gelöscht, die den Amerikanern als Informanten dienten. Das hatte weitreichende Empörung ausgelöst.

Im Rückblick kritisiert Domscheit-Berg, dass es mit der kleinen Anzahl an festen und freien Aktivisten bei Wikileaks gar nicht möglich gewesen wäre, die riesige Menge an Daten gewissenhaft zu überprüfen: „Assange hat immer nur der nächsten Veröffentlichung entgegen gefiebert. Gleichzeitig haben wir es völlig versäumt, entsprechende Strukturen aufzubauen, die dem kommenden Massenansturm auf Wikileaks gerecht werden konnten."


Okay und nur weil es eine andere Organisation macht, wird das sofort durch geeignete Abnehmer verarbeitet?

Welche Kontrolle erlaubt denn Wikileaks, dass Informationen von geeigneten Abnehmern aufbereitet werden?

Das ist eben die Frage, tut er das wirklich? Ich glaube, dass nicht er das Problem ist, sondern die Medien, die die Inhalte an die Bevölkerung bringen.

Natürlich übertreiben es die Medien mit der Berichterstattung über Assange, aber ich muss gar nicht lesen, was die Journalisten über Assange zu sagen haben. Mir reichen schon seine Aussagen und die Tatsache, dass er überhaupt das Gesicht von Wikileaks ist.

Welche Konzeptionellen Probleme dich abseits davon, dass die Informationen in Reihenfolge veröffentlicht werden jetzt stören kann ich auf Grund deiner Widersprüchlichkeit leider nicht erkennen.

Die Widersprüchlichkeit habe ich hoffentlich beseitigt.

Doch das stimmt mich bedenklich. Aber ich sehe keine Alternative dazu. Klar ist die Informationen müssen raus - klar ist aber auch das dies Konsequenzen in sich trägt.

Müssen wir wirklich wissen, was sich die arabischen Länder in Bezug auf den Iran wünschen? Und müssen wir das noch immer wissen, wenn dadurch auch der Iran von dem Ansinnen seiner Nachbarn erfährt?

Das der Prozess schneller werden muss und von mehr Plattformen ausgeführt werden sollte, ist denke ich Konsens oder?

Vollkommen.
 
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Wie gut, dass Domscheit-Berg nicht nach Aufmerksamkeit giert, so selten wie sein Konterfei in den Massenmedien auftaucht. Und was für ein Zufall ist es, dass er gerade im Begriff ist, ein Buch über sich und seine Tätigkeit bei Wikileaks zu veröffentlichen.
Sein Projekt Openleaks soll letztendlich ein "freiwillig kostenpflichtiges" Angebot für Journalisten sein. Hat Wikileaks eigentlich jemals Geld für die Informationen verlangt?

Warum der eine nun der böse Selbstdarsteller sein soll und der andere der gute, selbstlose Aufklärer, das muss mir mal einer erklären...
 
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Exar_Kun schrieb:
Hat Wikileaks eigentlich jemals Geld für die Informationen verlangt?

Eigentlich ist der einzige Unterschied, dass OpenLeaks die Journalisten dazu bekommen will zu zahlen die ja immerhin dann auch ihr Geld damit verdienen, während WL allgemein nach Spenden ruft.

Wie OpenLeaks das im Endeffekt macht und ob das dann so okay ist das können wir diskutieren sobald es soweit ist.
 
GevatterTod schrieb:
Das ändert doch nichts daran, dass Wikileaks einfach zu klein ist und ohne eine einschneidende strukturelle Veränderungen immer zu klein sein wird, um die Masse an Informationen zeitnah zu bearbeiten und zu veröffentlichen und daher stets gezwungen sein wird, die Relevanz der Informationen nach beliebigen Kriterien zu bewerten. Mit dem Anspruch, dass die Mitarbeiter natürlich nicht vertrauenswürdig sein müssen, wird dieses Problem höchstens noch verschärft.
Was spricht denn dagegen das Wikileaks wächst? Vielleicht nicht von Heute auf Morgen, aber so ganz grundsätzlich?
Ich mein man kann Wikileaks kritisieren, ihre Reihenfolge etc. ist alles kein Thema. Was ich dabei aber nicht verstehe ist, was lässt dich/euch glauben, dass es andere direkt besser machen _und_ das wikileaks sich nicht auch verändern kann?


Wikileaks hätte auch zunächst die "UFO-Files" oder die Informationen über die Finanzkrise veröffentlichen können, musste aber nach eigenem Gutdünken entscheiden, zunächst die Depeschen der Diplomaten zu veröffentlichen.
Und sind die UFO-Files interessanter als die Depeschen?


2. Auch WikiLeaks ist auf die Mitarbeit der Medienpartner angewiesen, und die internen Mitarbeiter sind selber nicht mehr als investigative Journalisten.
Ja natürlich sind sie das - meine Aussage war auch sarkastisch gemeint... Wie kann man investigativ arbeiten wenn man dpa Meldungen abschreibt?
Der Punkt ist doch, Wikileaks und jede andere Plattform braucht Medienpartner und braucht eigene Leute die allein schon aus ihrer Intention heraus anders arbeiten.
Was zur Zeit eindeutig schief läuft, ist die Arbeit der Medienpartner die sich eben mehr auf Klatsch und Tratsch konzentrieren als auf das wesentliche.
Die Frage die daraus entsteht, ist ob das durch eine andere Plattform besser wird oder irre ich mich da?



Soweit mir bekannt wird bspw. nicht überprüft, ob die Informationen Menschen unmittelbar in (Lebens)Gefahr bringen.



Natürlich werden die Dokument überprüft, aber eben kaum weiter als auf deren Authentizität. Eine Überprüfung der Dokumente auf deren Gefahrenpotential bei einer Veröffentlichung findet kaum bis gar nicht statt. Wikileaks haut einfach raus, was es in die Finger kriegen kann, und dennoch ist Wikileaks kaum in der Lage, die Informationen zeitnah zu veröffentlichen.
Wikileaks pustet den Kram doch eben nicht einfach raus, sondern übergibt ihn an die Medienpartner. Die haben die Zuständigkeit die Gefährdung von Personen zu prüfen insofern sind die auch verantwortlich wenn Fehler wie bei den Afghanistan Protokollen passieren.

Das Problem der großen Datenmassen ist a: aber ein generelles b: ist das eines was man nur schwerlich beheben kann - wenn xxxleaks das besser macht gerne - aber das muss erstmal gezeigt werden.


Welche Kontrolle erlaubt denn Wikileaks, dass Informationen von geeigneten Abnehmern aufbereitet werden?
Naja was heißt Kontrolle. Wenn die Medienpartner als erste das Material bekommen und die Aufgabe haben, die Gefährdung zu prüfen, dann muss sich wikileaks darauf verlassen - kontrollieren kann man es bekanntermaßen nur wenn es nicht öffentlich ist.


Natürlich übertreiben es die Medien mit der Berichterstattung über Assange, aber ich muss gar nicht lesen, was die Journalisten über Assange zu sagen haben. Mir reichen schon seine Aussagen und die Tatsache, dass er überhaupt das Gesicht von Wikileaks ist.
Okay also mehr persönliche Abneigung gegen Assange, als gegen Wikileaks? So klingt es jedenfalls. Das eine Organisation die mit vielen anderen Firmen/Organisationen zusammenarbeitet irgendein Gesicht haben muss, wissen selbst Geheimdienste.
Wie gesagt die Person ist streitbar, aber das auf wikileaks zu übertragen halte ich für falsch.

Müssen wir wirklich wissen, was sich die arabischen Länder in Bezug auf den Iran wünschen? Und müssen wir das noch immer wissen, wenn dadurch auch der Iran von dem Ansinnen seiner Nachbarn erfährt?
Müssen wir wirklich wissen ob UFOs existieren? Genau das ist was du oben kritisierst.
Es gibt eine Wertung des Materials welches veröffentlicht wird. Aber genau das machst du genauso.
Ich bin der Meinung Ja das sollte man erfahren.
Wenn man nämlich liest, dass die arabischen Staaten bereit waren einen Erstschlag der USA auf ihre Kappe zu nehmen, dann rückt das auch vergangene kriegerische Handlungen der USA in ein anderes Licht.
Ob das die eigene Meinung verändert sei mal dahingestellt, aber wenn man Weltpolitik bewerten will oder auch nur einschätzen kann/will/muss sind das Details die vieles schnell anders aussehen lassen.



Hat Wikileaks eigentlich jemals Geld für die Informationen verlangt?
Nein, die Medienpartner mussten kein Geld zahlen. Unter anderem als Signal für finanzielle Unabhängigkeit. Ob sie dann trotzdem gespendet haben, weiß man natürlich nicht.
 
Hier ist noch ein sehr gute Diskussionsrunde, in der unter anderen auch die Einschätzung über die veröffentlichten Depeschen behandelt wird und wie die Veröffentlichung das Alltagsgeschäft der Diplomatie beeinflusst. Allerdings sollte man zum anschauen etwas Zeit mit bringen :)
http://make.tv/virtuelleakademie/show/59426

Einige Fragestellung fand ich sehr interessant, aber man sollte sich schon selbst ein bild darüber machen.
 
Sein Projekt Openleaks soll letztendlich ein "freiwillig kostenpflichtiges" Angebot für Journalisten sein.
Wo hast du das her? Openleaks wird seine Dienste kostenlos anbieten, Infrastrukturen werden durch Spenden und und freiwillige Angebote etabliert.

Exar_Kun schrieb:
Hat Wikileaks eigentlich jemals Geld für die Informationen verlangt?
Jopp, Wikileaks verkauft Informationen oder plant zumindest den Verkauf über Auktionen.

"Its only revenue stream is donations, but WikiLeaks has planned to add an auction model to sell early access to documents."

Allerdings habe ich auch gelesen, dass die Depeschen bzw. der frühzeitige Zugriff auf diese verkauft wurden, u.a. an die New York Times, allerdings kann ich den diesbezüglichen Artikel nicht finden. Wie dem auch sei, ich frage mich an der Stelle, ob etwa die New York Times an einer solchen Auktion teilnehmen dürfte, nachdem Assange nicht begeistert darüber gewesen ist, was die New York Times über ihn geschrieben hat. Und so einem Mann wollen

Warum der eine nun der böse Selbstdarsteller sein soll und der andere der gute, selbstlose Aufklärer, das muss mir mal einer erklären...
Domscheidt-Berg wird nun mal von den Medien auf das neue Projekt angesprochen erklärt dieses Projekt, dass übrigens viel älter als der Hype um Wikileaks ist. Er bringt sich im Gegensatz zu Assange nicht immer wieder selbst in die Presse, indem er etwa seine nächsten Maßnahmen im persönlichen Kampf gegen irgendwen ankündigt.



Was spricht denn dagegen das Wikileaks wächst?
Sicherlich mag Wikileaks wachsen können, aber Wikileaks wird wohl niemals in der Lage sein, alle Informationen, die irgendwo an das Licht der Öffentlichkeit geraten können (sollten) zeitnah abzuarbeiten und zu einer schnellen Veröffentlichung zu bringen. Ein dezentrales Netzwerk, dass den Informanten ermöglicht, sich umgehend an geeignete Journalisten und Behörden zu wenden, hat an der Stelle offensichtliche und vor allem gewaltige Vorteile. Und ist es nicht unser Wunsch, dass für die Öffentlichkeit relevante Informationen zu möglichst allen Vorgängen zeitnah veröffentlicht werden, und zwar unabhängig davon, ob sie nun die USA, China oder einen kleinen Skandal daheim betreffen?

Und sind die UFO-Files interessanter als die Depeschen?
Die UFO-Files habe ich als Beispiel angeführt, weil die Existenz Dokumente bereits in den Medien bekannt ist. Im Übrigen ist so ziemlich alles interessanter und relevanter als 90% der Inhalte der Depeschen.

Was zur Zeit eindeutig schief läuft, ist die Arbeit der Medienpartner die sich eben mehr auf Klatsch und Tratsch konzentrieren als auf das wesentliche.
Was gewissermaßen ein Problem der Arbeitsweise von Wikileaks ist. Wikileaks hat die Depeschen ausgewählten Medienpartner in aller Welt angeboten, und zwar einfach den gesamten Datenwust. Was die Medienpartner aus diesen Depeschen machen entzog sich ab diesem Zeitpunkt der Kontrolle von Wikileaks. In einem Netzwerk wie Openleaks könnte ein Informant nur die relevanten Informationen und auch seine Intentionen an die Medien weiter leiten und den Medien und uns etwa den Klatsch und Tratsch der Diplomaten ersparen.

Die haben die Zuständigkeit die Gefährdung von Personen zu prüfen insofern sind die auch verantwortlich wenn Fehler wie bei den Afghanistan Protokollen passieren.
Natürlich ist Wikileaks verantwortlich, wenn sie durch die Enthüllungen unmittelbar Menschenleben in Gefahr bringen. Wenn Wikileaks nicht sicher stellen kann, dass Menschenleben durch die Veröffentlichungen nicht bedroht werden, sollte Wikileaks die entsprechenden Informationen besser gar nicht veröffentlichen.

Das Problem der großen Datenmassen ist a: aber ein generelles b: ist das eines was man nur schwerlich beheben kann - wenn xxxleaks das besser macht gerne - aber das muss erstmal gezeigt werden.
Durch ein Netzwerk wie Openleaks würden aber die Datenmassen auf viel mehr Schultern verteilt werden, als Wikileaks jemals zur Verfügung stellen könnte. Außerdem kann man vielleicht davon ausgehen, dass die meisten Informanten die Informationen im Sinne der Sache, die sie aufdecken möchten, sortieren und von unnötigem Ballast befreien.

Naja was heißt Kontrolle. Wenn die Medienpartner als erste das Material bekommen und die Aufgabe haben, die Gefährdung zu prüfen, dann muss sich wikileaks darauf verlassen - kontrollieren kann man es bekanntermaßen nur wenn es nicht öffentlich ist.
Wie jetzt, weiß Wikileaks also selber gar nicht, was man da teilweise in den Händen hält? Klar, teilweise ist dies wohl tatsächlich der Fall, da man nun mal auf externe Hilfe angewiesen ist. Aber womit drohen dann Assange und Wikileaks ihren Gegnern? Mit einem Haufen Papier, dessen Inhalt sie gar nicht konkret kennen? Natürlich kennt Wikileaks den Inhalt der Dokumente. Aber selbst wenn dies nicht der Fall ist, ist Wikileaks als "Publisher" der Informationen dafür verantwortlich zu machen, wenn sie Dokumente veröffentlichen, die unmittelbar Menschenleben in Gefahr bringen können, ganz egal war da nun hinter den Kulissen die Dokumente gelesen und bewertet hat.

Müssen wir wirklich wissen ob UFOs existieren? Genau das ist was du oben kritisierst.
Es gibt eine Wertung des Materials welches veröffentlicht wird. Aber genau das machst du genauso.
Ich bin der Meinung Ja das sollte man erfahren.
Nochmal: Die UFO-Files waren nur ein Beispiel. Und das Problem ist nun mal, dass Wikileaks aus vielerlei Gründen gezwungen ist, wertend in den Prozess einzugreifen. An Assange sehen wir nun, wohin das führen kann. Wikileaks ist unter Assange selber so etwas wie eine politische Größe, und zwar eine unberechenbare.

Und ich würde lieber ein wenig dümmer sterben, ehe sich der Iran vielleicht plötzlich von noch feindlicheren Absichten umzingelt sieht und vielleicht etwas ganz Dummes macht.

Wenn man nämlich liest, dass die arabischen Staaten bereit waren einen Erstschlag der USA auf ihre Kappe zu nehmen, dann rückt das auch vergangene kriegerische Handlungen der USA in ein anderes Licht. Ob das die eigene Meinung verändert sei mal dahingestellt, aber wenn man Weltpolitik bewerten will oder auch nur einschätzen kann/will/muss sind das Details die vieles schnell anders aussehen lassen.
Die Bitte einiger arabischen Länder, den Iran anzugreifen, hat wohl wenig mit dem Irak und Afghanistan zu tun. Aber ja, einige Depeschen legen auch dar, dass nicht alles so böse ist, wie die Menschen glauben.

P.S.: Mir ist es übrigens egal, ob das im Hintergrund wirkende Netzwerk Wikileaks oder Openleaks heißt. Wie ich schon gesagt habe war Openleaks ursprünglich gewissermaßen als eine Weiterentwicklung von Wikileaks geplant mit den Zielen, die Openleaks nun anstrebt. Wenn sich Wikileaks weiter entwickeln kann, und zwar dahingehend, dass Informationen schnell, effizient und ohne Einflussnahme des Netzwerkes geeignete Abnehmer finden, und wenn Wikileaks Julian Assange los werden kann (ganz egal, was ich von Assange halte, so ist seine Anwesenheit und sein Wirken nun einmal eine enorme Gefahr für Wikileaks, die ich gerne getilgt sehen würde), dann wäre mir Wikileaks genauso recht wie Openleaks und jedes andere Netzwerk.
 
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GevatterTod schrieb:
Die UFO-Files habe ich als Beispiel angeführt, weil die Existenz Dokumente bereits in den Medien bekannt ist. Im Übrigen ist so ziemlich alles interessanter und relevanter als 90% der Inhalte der Depeschen.

Hast du über das vorhanden-sein entsprechender Dokumente mal einen Link ?
Berichte darüber würde ich mir sehr gerne ansehen.
 
Hoffentlich gibbet was über die Federal Reserve.

Wann genau sollen denn die Dokumente kommen?
 
Ich habe erst gestern für wikileaks gespendet.... 25€ ;)

naja, früher wurden von der wikileaks dokumente privater kreditinstitute veröffentlicht wie zum Beispiel barclays of britain oder zb. der schweizer julius baer, aber eine besondere aufmerksamkeit erregten diese veröffentlichungen allerdings nicht. Assange spricht jetzt von einem ökosystem der korruption. das allerdings dürfte sich weit über die mauern der bank erstrecken und nicht allein die bank of america zittern lassen. meiner meinung nach sind andere Kreditinstitute betroffen!!!! wir werden sehen was ist also diesmal anders. ich bin schon sehr gespannt zu sehen, wie sich das alles entwickelt. ..

gruss
 
Seid ihr sicher, dass die Veröffentlichungen wirklich etwas bewirken? Ich will es ja hoffen. Aber ich hab da zum Teil meine Zweifel. Denn erstens sind die Leaks ja nicht wirklich was neues. Viele haben es eh schon geahnt. Und die Beteiligten im Bankenmilieu wissen eh alle, was abgeht.
Was also sollen die Veröffentlichungen bringen?
Man sieht ja an der mangelnden Aufmerksamkeit, die die Leaks bewirken, wie wenig Interesse da zu sein scheint, etwas zu ändern.

Wir können auf alle Fälle lange warten, wenn wir darauf bauen, dass das Establishment selbst etwas ändert. Denn das Establishemt hat sich ja gerade aufgrund von Betrug und Korruption etabliert (zu einem Großteil). Die werden also kein Interesse an einer Veränderung haben. Die Veränderung muss durch "uns" geschehen. Sie muss von "unten" kommen, also aus dem Volk selbst.
 
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Damit es vom Volk kommt muss man erst einmal im Groben die Zustände wissen und natürlich durch die Prozesse in seinem Leben negativ beeinflusst werden bzw. mit großer Sorge belastet sein. Die Veröffentlichungen könnten da helfen. Denn die Sorge und das Hinterfragen von großer Zentralisierung, Großprojekten der Wirtschaft oder fürsorgliche Behandlung/Geschenke von gewissen Wirtschaftszweigen/Unternehmen könnte dadurch wachsen.

In Deutschland ist die Sorge des Volkes mehrheitlich nicht der Flall, sowohl die große Masse des Volkes als auch die Politik und Wirtschaft halten an Durchhalteparolen - die das Mantra "Weiter so wie bisher" inne haben, fest. Man muss sehen was die nächsten Landtagswahlen bringen - solange unsere etablierten Parteien keine wirkliche Schelte erhalten, wird sich nichts ändern.

In Deutschland wird "Arbeit" zusammen mit "Verzicht" (Sparen) und zugleich Steuern senken als das Heil aller geheiligt, ohne das man hinterfragt was zum Beispiel Arbeit über alles zu jedem Preis mit Verzicht den Anderen zufügt. (Zum Beispiel Info1, Info2].
Hat man das im Hinterkopf und verfolgt die Nachrichten in Deutschland, kein Wort zu diesen Zuständen und wenn das Wort dazu verbreitet wird, wird man als Links bis Linksextremist abgestempelt. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman wird in Deutschland stark kritisiert, er spricht beispielsweise den Schaden dadurch an.

Da die Masse von "Wirtschaftsboom", "Gute Lage", "Es geht bergauf" eingelullt wird, kann man nicht davon ausgehen das sich von Unten irgend etwas tut.

Politik ist die Balance zwischen Fordern und Geben zum Volk möglichst in einer Wage halten damit sich das Volk nicht auflehnt.

Mir ist momentan nur ein Fall bekannt wo die Veränderung vom Volk aus geschehen ist, nämlich in Island wo direkt das Volk mit an der neuen Verfassung arbeitet und die Pressefreiheit ausgebaut wird. Es ist auch das erste Land das an einem gesetzlichen Schutz für Whistleblower arbeitet.
Einen erheblichen Anteil für das Aufrütteln in Island hat natürlich die Wirtschaftskrise gehabt aber auch eben zu der Zeit der Beitrag von Wikileaks das Geschäft der Khauptingbank zu enthüllen, dem Bankinstitut das Island zum Stürzen gebracht hat.
Island ist das Beispiel das Wikileaks großflächig funktioniert hat!
Ebenfalls einmalig für mich, Entscheidungsträger der Khauptingbank müssen sich vor Gericht verantworten.
In Deutschland ist mir so ein Fall zum Beispiel für die HRE nicht bekannt. Obwohl allein die HRE uns Deutschen rund 100 Mrd. Euro gekostet hat. Die Untersuchung des Falls der HRE ist strikt geheim.
Man kann nur hoffen das sich dies ändert - entweder durch Openleaks oder Wikileaks oder einem anderen solch vorhandenen Projekt.
 
Ich hätte da mal eine Frage:

Wenn ich in einer Depesche so etwas lese:

Israeli officials have confirmed to Embassy officials on multiple occasions that they intend to keep the Gazan economy functioning at the lowest level possible consistent with avoiding a humanitarian crisis.

As part of their overall embargo plan against Gaza, Israeli officials have confirmed to econoffs on multiple occasions that they intend to keep the Gazan economy on the brink of collapse without quite pushing it over the edge

Warum zum Teufel unternimmt niemand etwas dagegen? Ich fasse es einfach nicht.
Die ganze Weltgemeinschaft schaut zu. Die USA weiß es, unternimmt nichts dagegen. Hier liegt ein eindeutiger Verstoss gegen alle Menschenrechte vor.

Und Leute halten es immer noch für unmöglich, dass eine Regierung 3000 Menschen opfert um Kriege zu rechtfertigen?
 
Das ist Diplomatie! das darf man nicht veröffentlichen geschweige denn hinterfragen!

Ach und sowieso wieder total einseitig gegen die USA. Die wissen es und tun nix dagegen.
 
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Ja stimmt, mein Fehler.

Als ich das gelesen habe war ich aber einfach sauer und wollte das irgendwo auslassen.
 
Ein dezentrales Netzwerk, dass den Informanten ermöglicht, sich umgehend an geeignete Journalisten und Behörden zu wenden, hat an der Stelle offensichtliche und vor allem gewaltige Vorteile. Und ist es nicht unser Wunsch, dass für die Öffentlichkeit relevante Informationen zu möglichst allen Vorgängen zeitnah veröffentlicht werden, und zwar unabhängig davon, ob sie nun die USA, China oder einen kleinen Skandal daheim betreffen?
Ich habe auch nichts gegen ein dezentrales Netzwerk, wie ich ja schon schrieb, Crowdsourcing wird ein Weg sein, wenn man eine Kontrollmöglichkeit findet um sicherzustellen, dass die Mitwirkenden nicht komprommitierend wirken und da hege ich zur Zeit zweifel.

In einem Netzwerk wie Openleaks könnte ein Informant nur die relevanten Informationen und auch seine Intentionen an die Medien weiter leiten und den Medien und uns etwa den Klatsch und Tratsch der Diplomaten ersparen.
Genau das glaube ich nicht. Nicht weil die Informanten vielleicht so arbeiten, sondern weil die Medien das nicht mitmachen werden.
Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich glaube Wikileaks würde es auch anders machen, wenn die Partner mitmachen würden.

Natürlich ist Wikileaks verantwortlich, wenn sie durch die Enthüllungen unmittelbar Menschenleben in Gefahr bringen. Wenn Wikileaks nicht sicher stellen kann, dass Menschenleben durch die Veröffentlichungen nicht bedroht werden, sollte Wikileaks die entsprechenden Informationen besser gar nicht veröffentlichen.
Das ist meines Erachtens nicht so klar wie du es darstellst. Effektiv sind es die Medienpartner die veröffentlichen.
Sicherlich weiß Wikileaks was in den Dokumenten steht, nur wie du selber sagtest würde die Bereinigung nur durch Wikileaks ewig dauern daher dann auch die Zusammenarbeit mit den Medienpartnern.
Ich denke dadurch überträgt sich auch die Verantwortlichkeit.

Und ich würde lieber ein wenig dümmer sterben, ehe sich der Iran vielleicht plötzlich von noch feindlicheren Absichten umzingelt sieht und vielleicht etwas ganz Dummes macht.
Das hat nichts mit dümmer sterben zu tun, sondern das man sich durch Angst beherrschen lässt. Ist das Ziel von Demokratie nicht eigentlich das dies nicht mehr so ist?

Die Bitte einiger arabischen Länder, den Iran anzugreifen, hat wohl wenig mit dem Irak und Afghanistan zu tun. Aber ja, einige Depeschen legen auch dar, dass nicht alles so böse ist, wie die Menschen glauben.
Betrachte doch mal den größeren Zusammenhang. Was wäre denn (mal rein hypothetisch) der Iran hätte beim ersten Golfkrieg um den Angriff gebeten(warum auch immer) oder China gegen Vietnam
(Ja ich weiß alles ziemlich unsinnig aber es zeigt worauf ich hinaus will)
Die Depeschen zeigen deutlich, dass die USA nicht jede Handlung nur auf eigenem Interesse fußen lassen bzw. sich da auch beeinflussen lassen.
Das wirft zum einen eben rückwirkend die Frage auf, wo auch vorher schon solche Beeinflussung statt fand und wie weit diese in Zukunft gehen wird.

Wenn sich Wikileaks weiter entwickeln kann, und zwar dahingehend, dass Informationen schnell, effizient und ohne Einflussnahme des Netzwerkes geeignete Abnehmer finden,
Und damit zeigt sich wieder, dass wir letztlich das gleiche wollen ;)

@Mr. Bush*
Das zeigt nur das sich niemand für die Informationen interessiert und es deswegen keinen Aufschrei in der Bevölkerung gibt.
Und was den Pöbel nicht anheizt wird auch in der Regierung ignoriert :D
 
Mike Lowrey schrieb:
Das ist meines Erachtens nicht so klar wie du es darstellst. Effektiv sind es die Medienpartner die veröffentlichen.
Sicherlich weiß Wikileaks was in den Dokumenten steht, nur wie du selber sagtest würde die Bereinigung nur durch Wikileaks ewig dauern daher dann auch die Zusammenarbeit mit den Medienpartnern.
Ich denke dadurch überträgt sich auch die Verantwortlichkeit.

Nein ganz so einfach ist es nicht. Wikileaks veröffentlicht diese Dokumente auch auf ihrer Plattform. Und gerade bei der Veröffentlichung der Afghanistandokumente sind ihnen schwere Fehler unterlaufen, indem sie Klarnamen und Personenbeschreibungen veröffentlicht haben, die eine Identifizierung von Informanten ermöglichen, nicht geschwärzt haben. Und dies unterliegt ganz klar dem Verantwortungsbreich von Wikileaks.

Und wie Assange mit dieser Kritik umgeht geht aus Interviewax mit ihm und aus Artikeln über diesen Vorfall ganz klar hervor. Er persönlich bewertet auch Sachverhalte und lässt sich zu Urteilen über Personen hinreißen. Das ist aber nicht die Aufgabe von Wikileaks. Sie wollen neutral sein. Zudem bedarf dies auch noch weiterer Recherche. Die Dokumente spiegeln nur einen Teil der Wahrheit wieder bzw. sind sie auch von der subjektiven Wahrnehmung des Verfassers eines Dokumentes geprägt.
 
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