tingeltangel111 schrieb:
Das hat du mal richtig erkannt! Wikileaks veröffentlicht Informationen, damit sich das Volk eine eigene Meinung bilden kann.
Ich zitiere jetzt dich, das ist nicht persönlich gemeint, sondern stellvertretend für viele hier in diesem Thread und im Netz.
Ich finde es merkwürdig, wie viele sich verhalten in Bezug auf Wikileaks.
Einerseits gibt es immer diese Leute, die sich über Medien und Politiker beschweren. Da wird dann gefachsimpelt, dass wir eigentlich keine richtige Demokratie hätten, dass die Medien manipulativ wären, dass versucht wird uns dumm und unwissend zu halten und wir mit Unterschichtenfernsehen weiter verblödet werden sollen, damit sich die oberen die Taschen vollstopfen und ihre Macht halten können.
Einerseits denke ich, viele überschreiten dabei die Grenze zwischen der berechtigten Kritik und Wachsamkeit zur Verschwörungstheorie und Paranoia. Meistens störe ich mich aber eher daran, dass solche Aussagen oftmals nicht begründet sind, sondern dogmatisch aufgeworfen werden mit der Begründung "ist halt so" und wers nicht glaubt ist verblendet und lässt sich manipulieren.
Abgesehen davon zeugt so eine Weltsicht natürlich von einem tiefen Misstrauen. Ich würde erwarten, dass Menschen mit solchen Ansichten sich tiefer damit auseinandersetzen, sich versuchen unabhängig zu informieren, verschiedene Quellen sichten etc. und sich eine differenzierte Meinung bilden, die - was auch immer man davon halten mag - zumindest begründet werden kann.
Darum verwundert es mich umso mehr, wie oft in Bezug auf Wikileaks und auch andere sozialkritische Blogs/Sites die dort gegebene Weltsicht unreflektiert übernommen wird. Da scheint von all dem Misstrauen und der Kritik, dem hinterfragen nichts mehr übrig zu sein.
Daher komme ich immer öfter zu dem Schluss, dass viele Menschen sich eigentlich gar nicht mit den angebotenen Themen auseinander setzen und auch gar nicht kritisch sein wollen. Stattdessen befriedigt Wikileaks die eigenen Vorurteile und ermöglicht bequeme Wahrheiten, bei denen man sagen kann "ich habs ja schon immer gewusst". Wikileaks wird hochgejubelt, nicht weil es tatsächlich einen Dienst an der Öffentlichkeit erweist (was es häufig tut), sondern weil es Wikileaks ist und weil es gegen "die da oben" gerichtet ist.
Und in diesem Zuge wird Wikileaks dann tatsächlich gefährlich. Abgesehen von den Dingen, die ich schon im Eingangsposting aufgeworfen habe, wäre Wikileaks genauso in der Lage, durch Filtern und nicht-verbreiten von Informationen ein Weltbild zu transportieren, welches den Jungs beliebt. Das wird ihnen ja jetzt schon vorgeworfen, da sie sich auf die USA konzentrieren.
Ich denke, die Leute die mit solcher Härte gegen Regierungen und Medien vorgehen wie oft im Netz propagiert sollten die selben Maßstäbe auch an Wikileaks und ähnliches anlegen. Das Gegenteil ist aber oft der Fall: Wo von den "Verblendeten" gefordert wird, man solle sich mal aus unabhängigen Quellen informieren, werden Blogs und Sites, solange sie nur die eigenen Vorurteile bedienen und sich das Thema "Aufklärung" auf die Fahne geschrieben haben, unreflektiert als Wahrheit verbreitet. Wo ist hier die differenzierte Meinungsbildung ?
Und um jetzt nochmal den Bogen zum Anfang des Textes zu spannen: Das tiefe Misstrauen, was oftmals nach aussen hin gezeigt wird kommt mir persönlich oftmals eher vor wie mitreden wollen bei einem Thema, dass "in" ist. Es macht Spaß, sich über die Obrigkeit auszulassen und solange alle schön am selben Strang ziehen und ein bisschen Stammtisch-Parolen von sich geben können ist alles in Ordnung.