Wikileaks und die Diplomaten

Schrammler schrieb:
Der nette Journalist hat Assange nicht verstanden, klingt wie ein gebissener Straßenköter, der sich seiner Aufgabe beraubt fühlt.
Da steht er aber nicht alleine da:
http://www.tagesspiegel.de/politik/dokumente-des-zorns/3509218.html
Transparenz und Neutralität sind bei einer Platform wie WikiLeaks unabdingbar, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und nicht als Hezchler dazustehen.
Du solltest die Person Assange etwas differenzierter sehen und ihn nicht zu einer Art Cyber-Robin Hood hochstilisieren.
WikiLeaks in der jetzigen Form ist nichts weiteres als ein weiteres politisches Instrument, das der Meinungsmache dient, ist nicht neutral, hat keine Integrität und
bezieht Stellungen zu Themen obwohl dies gar nicht ihre Aufgabe ist. Entweder man veröffentlicht alles oder nichts, aber nicht nur Dokumente, die ins eigene Konzept reinpassen.
 
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Das hat du mal richtig erkannt! Wikileaks veröffentlicht Informationen, damit sich das Volk eine eigene Meinung bilden kann.
 
tingeltangel111 schrieb:
Das hat du mal richtig erkannt! Wikileaks veröffentlicht Informationen, damit sich das Volk eine eigene Meinung bilden kann.

Ich zitiere jetzt dich, das ist nicht persönlich gemeint, sondern stellvertretend für viele hier in diesem Thread und im Netz.

Ich finde es merkwürdig, wie viele sich verhalten in Bezug auf Wikileaks.
Einerseits gibt es immer diese Leute, die sich über Medien und Politiker beschweren. Da wird dann gefachsimpelt, dass wir eigentlich keine richtige Demokratie hätten, dass die Medien manipulativ wären, dass versucht wird uns dumm und unwissend zu halten und wir mit Unterschichtenfernsehen weiter verblödet werden sollen, damit sich die oberen die Taschen vollstopfen und ihre Macht halten können.

Einerseits denke ich, viele überschreiten dabei die Grenze zwischen der berechtigten Kritik und Wachsamkeit zur Verschwörungstheorie und Paranoia. Meistens störe ich mich aber eher daran, dass solche Aussagen oftmals nicht begründet sind, sondern dogmatisch aufgeworfen werden mit der Begründung "ist halt so" und wers nicht glaubt ist verblendet und lässt sich manipulieren.

Abgesehen davon zeugt so eine Weltsicht natürlich von einem tiefen Misstrauen. Ich würde erwarten, dass Menschen mit solchen Ansichten sich tiefer damit auseinandersetzen, sich versuchen unabhängig zu informieren, verschiedene Quellen sichten etc. und sich eine differenzierte Meinung bilden, die - was auch immer man davon halten mag - zumindest begründet werden kann.

Darum verwundert es mich umso mehr, wie oft in Bezug auf Wikileaks und auch andere sozialkritische Blogs/Sites die dort gegebene Weltsicht unreflektiert übernommen wird. Da scheint von all dem Misstrauen und der Kritik, dem hinterfragen nichts mehr übrig zu sein.

Daher komme ich immer öfter zu dem Schluss, dass viele Menschen sich eigentlich gar nicht mit den angebotenen Themen auseinander setzen und auch gar nicht kritisch sein wollen. Stattdessen befriedigt Wikileaks die eigenen Vorurteile und ermöglicht bequeme Wahrheiten, bei denen man sagen kann "ich habs ja schon immer gewusst". Wikileaks wird hochgejubelt, nicht weil es tatsächlich einen Dienst an der Öffentlichkeit erweist (was es häufig tut), sondern weil es Wikileaks ist und weil es gegen "die da oben" gerichtet ist.

Und in diesem Zuge wird Wikileaks dann tatsächlich gefährlich. Abgesehen von den Dingen, die ich schon im Eingangsposting aufgeworfen habe, wäre Wikileaks genauso in der Lage, durch Filtern und nicht-verbreiten von Informationen ein Weltbild zu transportieren, welches den Jungs beliebt. Das wird ihnen ja jetzt schon vorgeworfen, da sie sich auf die USA konzentrieren.

Ich denke, die Leute die mit solcher Härte gegen Regierungen und Medien vorgehen wie oft im Netz propagiert sollten die selben Maßstäbe auch an Wikileaks und ähnliches anlegen. Das Gegenteil ist aber oft der Fall: Wo von den "Verblendeten" gefordert wird, man solle sich mal aus unabhängigen Quellen informieren, werden Blogs und Sites, solange sie nur die eigenen Vorurteile bedienen und sich das Thema "Aufklärung" auf die Fahne geschrieben haben, unreflektiert als Wahrheit verbreitet. Wo ist hier die differenzierte Meinungsbildung ?

Und um jetzt nochmal den Bogen zum Anfang des Textes zu spannen: Das tiefe Misstrauen, was oftmals nach aussen hin gezeigt wird kommt mir persönlich oftmals eher vor wie mitreden wollen bei einem Thema, dass "in" ist. Es macht Spaß, sich über die Obrigkeit auszulassen und solange alle schön am selben Strang ziehen und ein bisschen Stammtisch-Parolen von sich geben können ist alles in Ordnung.
 
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das trifft sicher auf viele zu - sicher sogar auf den einen oder anderen hier im thread - oftmals mündend aus dem allgemeinen frust auf die politik- und wirtschaft. aber ich glaube es geht bei dem thema wikileaks auch gar nicht mehr um blanke informationen sondern vielmehr um eine bewegung bzw. grundhaltung und mitläufer die "ja, genau" schreien können, sind auch teil des erfolgs einer großen sache. sie sind nicht treibende kraft, aber sie halten es am laufen durch ständige verbreitung. ein problem wird das erst, wenn es ein verzerrendes bild entstehen lässt, durch halbwahrheiten/halbwissen und durch den "stillepost"-charakter. dann kann auch aus so etwas eine ideologie werden.
prinzipiell ist aber gegen so eine seite nichts einzuwenden.
ich finds nur doof das andere aspekte dadurch in mitleidenschaft gezogen werden, denn das wird sicherlich dafür sorgen, das weitere schritte gegen solches serverclustering/domains unternommen werden und weitere in hinblick auf strafverfolgung/überwachung.
und es wird auch sicher wieder aufgebauscht werden bis am ende niemand mehr durchblickt, damit dann alles wieder seinen geregelten gang weitergehen kann. die motive scheinen im grunde lobenswert, aber es wird auch nur ein tropfen auf dem heissen stein sein, wenn sie mit ihm fertig sind und am ende werden sie genauso belächelt und nicht ernstgenommen wie die truthler.
 
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Hallo Nossi,

kann deine Bedenken teilweise verstehen, ziehe mir persönlich den Schuh aber nicht an. Ich versuche mich möglichst breit zu informieren und es hat in der Tat lange bei mir gedauert bis hier was geschrieben habe. Das habe ich nicht gemacht weil es im Moment "In" ist sondern, weil mir die ganze Sache sehr am Herzen liegt. Desweiter halte ich Wikileaks für sehr neutral. Sie veröffentlichen Rohdaten und geben diese an die Presse weiter. Es ist Aufgabe der Presse die Informationen entsprechen zu verwerten. Diesen Anspruch hat Wikileaks nicht und kann ihn meiner Meinung auch gar nicht leisten. Was die Presse daraus macht sieht man ja im Moment. Es wird größten Teils über Assange berichtet und darüber wie Wikileaks bekämpft wird. Das stört mich ungemein. Warum werden die Informationen nicht dahingehend verwertet die Verantwortlichen, die uns täglich unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit und der Diplomatie belügen zur Rechenschaft zu ziehen? Guck dir doch mal die Argumente unserer Regierung an. Da werden die Depeschen abgetan mit dem Hinweis, dass das alle so machen. Wenn ich von einem Freund/Verbündeten/Partner vorne rum angelächelt werde und hinten rum aber schlecht über mich geredet wird, würde ich meine Schlüsse daraus ziehen. Das ganze Gerede von Vertrauen/Bündnissen ist doch eine Farce.
Dass unsere Regierung jetzt auf einmal (endlich) den Datenschutz anfassen will, macht mich auch stutzig. Glaube kaum, dass es unbedingt an GoogleMaps, Facebook und der gleichen liegt. Der zeitnahe Zusammenhang zu den Veröffentlichungen von Wikileaks gibt mir hier zu denken.

Was mir auch noch aufstößt, ist das Argument einiger User hier, von wegen das haben wir doch immer schon gewusst! Gewusst haben sie es nicht, sondern vermutet. Und mit Vermutungen hat man keine wirklichen Argumente. Wikileaks legt Beweise offen und das gehört uneingeschränkt gefördert.

Dass Wikileaks im Moment recht viel über die USA veröffentlichen, mag daran liegen, das hier am meisten im Argen ist. Dies kann man Wikileaks aber meiner Meinung nach nicht zu Vorwurf machen. 1. Werden ja auch von anderen Ländern Informationen veröffentlicht. 2. Bezweifel ich, dass Wikileaks die Kapazitäten hat um alle Informationen jetzt zu veröffentlichen. 3. Werden von der Presse die Informationen ausgeschlachtet, die am meisten Leser/Zuschauer einbringen. Daher vielleicht auch der Eindruck es geht in erster Linie um die USA. 4. Ich halte es für menschlich, dass Wikileaks, gerade in einer Situation wo sie so bekämpft werden, Daten veröffentlichen die die meiste Publicity auf sich ziehen.

Was ich an der ganzen Diskussion hier positiv finde, ist, dass sich so viele Leute mit dem Thema beschäftigen.

Um jetzt noch mal den Bogen zu deinem Ende zu spannen: Das tiefe Misstrauen ist meiner Meinung nach und nach den veröffentlichen Informationen mehr als angebracht, oder nicht?
 
SheepShaver schrieb:
Du solltest die Person Assange etwas differenzierter sehen und ihn nicht zu einer Art Cyber-Robin Hood hochstilisieren.

Wo habe ich das getan? Das tun auch Leute die ihn nicht verstehen, ihn als Held sehen. Robin Hood würde auch im Cyber Zeitalter Geld verschenken ;)

SheepShaver schrieb:
WikiLeaks in der jetzigen Form ist nichts weiteres als ein weiteres politisches Instrument, das der Meinungsmache dient, ist nicht neutral, hat keine Integrität und
bezieht Stellungen zu Themen obwohl dies gar nicht ihre Aufgabe ist. Entweder man veröffentlicht alles oder nichts, aber nicht nur Dokumente, die ins eigene Konzept reinpassen.

Wie kann eine derartige Seite, die nichts anderes tut, als digitale Dokumente veröffentlicht, die für die Öffentlichkeit nicht bestimmt waren, ein politisches Instrument sein?

"Wir" machen es zum Politikum und letztlich geht es gar nicht um die Seite Wikileaks, sondern um die geheime Daten die Unternehmen und Regierungen sammeln, ohne sie im digitalen Zeitalter offensichtlich Geheimhalten zu können. Wikileaks ist nur die Plattform wo man auf jene Daten zugreifen kann, Assange das menschliche Gesicht der Plattform, welches natürlich auch als Werbeträger dient. Warum sollte er nicht seine inzwischen gewachsene Bekanntheit nutzen, um seine eigene politische Meinung zu äußern? Das Recht hat jeder, überall. Im übrigen ist die Sache mit Clinton bemerkenswert, die reagierte nämlich auch ziemlich daneben (meine Meinung).
Lenkt man die Aufmerksamkeit auf Assange und Wikileaks als "Macht" oder erklärt es zum Politikum, spielt man der anderen Seite in die Hände, die von den Daten ablenken will. Man soll und muss all das neutral sehen und jeder sollte es für sich selbst bewerten..


Nossi schrieb:
Ich denke, die Leute die mit solcher Härte gegen Regierungen und Medien vorgehen wie oft im Netz propagiert sollten die selben Maßstäbe auch an Wikileaks und ähnliches anlegen. Das Gegenteil ist aber oft der Fall: Wo von den "Verblendeten" gefordert wird, man solle sich mal aus unabhängigen Quellen informieren, werden Blogs und Sites, solange sie nur die eigenen Vorurteile bedienen und sich das Thema "Aufklärung" auf die Fahne geschrieben haben, unreflektiert als Wahrheit verbreitet. Wo ist hier die differenzierte Meinungsbildung ?

Und um jetzt nochmal den Bogen zum Anfang des Textes zu spannen: Das tiefe Misstrauen, was oftmals nach aussen hin gezeigt wird kommt mir persönlich oftmals eher vor wie mitreden wollen bei einem Thema, dass "in" ist. Es macht Spaß, sich über die Obrigkeit auszulassen und solange alle schön am selben Strang ziehen und ein bisschen Stammtisch-Parolen von sich geben können ist alles in Ordnung.

Du siehst das zu einseitig, Nossi, natürlich gibt es Verschwörungstheoretiker (bis hin zu Ufos und Co), Mitläufer "weil's alle machen", ein weitreichendes Unbehagen in der Gesellschaft, was auch derzeit in Deutschland keimt.
Allerdings steckt hinter all dem auch eine durchaus vernünftige Grundhaltung: Es ist die Fähigkeit kritisch zu sein, zu hinterfragen, sich selbst Gedanken zu machen, nicht alles zu schlucken und die Klappe zu halten. Das brave "Mitlaufen" findest du deutlich häufiger bei Personen, die sich diese Gedanken ersparen, sich so wenig wie nötig mit Politik beschäftigen und sehr "ich-bezogen" leben, eigentlich ist das die Mehrheit in einer Ellenbogengesellschaft wie der unseren. Unter Konservativen ist das sehr verbreitet die einfacheren Parolen zu glauben und das Denken oft aus bequemlichkeit einzustellen, sowas schlägt sich sogar im IQ nieder, der dann etwas geringer ausfällt, sagen zumindest Wissenschaftler die das einmal untersucht haben.

Unsere Medien, bis auf das Internet, wo sich eben viele Normalbürger tummeln, sind nicht mehr wirklich neutral, das gibt mir persönlich am Meisten zu denken. Schau dir die Politkampagnen dieses Jahres an und wie die Presse und fast alle TV Sender damit umgegangen sind, da zeichnet sich ein erschreckendes Bild ab. Jenseits von Verschwörungstheorien, letztlich ist es belegbar was da läuft.
 
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Wie kann man nur schreiben, dass die Wikileaks-Plattform ein politisches Instrument sei?!
Verschwörungstheoretiker, nur dieses mal von der anderen Seite aus?

Wikileaks veröffentlicht Fakten und sonst nichts. Und wie einen Beitrag über mir exakt auf den Punkt gebracht, sind es wir
, die daraus ein Politikum machen und diese Fakten dann werten.

Das nennt sich dann Meinungsbildung.

Wenn man das dann anzweifelt, dann muss man schlußfolgerungsrichtig alle anderen Medien noch mehr bezweifeln, da wie unsere öffentlich-rechtliche Medien von Politik beeinflusst wird. Greenpeace, Rotes Kreuz usw. alles ein Politikum dann.

Dann entscheiden wir, die Berfürworter von Portalen wie Wikileaks sind, im schlimmsten Falle eben zwischen Pest und Cholera.

Die Fakten, die Wikileaks veröffentlicht, zweifele ich bzgl. des Wahrheitsgehalts nicht an solange nichts anderes bewiesen ist, zumal das nicht mal die Regierungen abstreiten. Hätten sie ja machen können, das meiste Material als Fake zu denunzieren.

Das sind sehr schwache Argumente seitens der Gegner.

Es bleibt einfach nur der Streitpunkt inwieweit Regierungen transparent sein soll gegenüber den Bürgern.
Und da gibt es kein schwarz-weiß, richtig-falsch.

Ich bin froh, dass Wikileaks (die nicht nur Assange besteht, sondern viel mehr lebt Assange von seinen Informanten aus den Regierungen und sonstwo, die eben vielleicht auch ein schlechtes Gewissen haben über einige "nicht so saubere Taten") Details veröffentlicht, die ansonsten nie das Tageslicht erblickt hätten gegenüber Bürgern, die keine Computerkenntnisse von Hackern aufweisen und meist auch keine Zeit um in den Weiten des Internets zu recherchieren, somit von den massenfähigen Medien abhängig sind.

Ich will es wissen, wenn die Regierung Mist baut, auch wenn es mich schaden könnte letzlich.
Anderen Falls steuern wir dem so verhassten China immer mehr entgegen wo man eben mit dem Argument kommt, dass alles zum Guten des Volks geschieht.
Dann aber will ich von Diejenigen keine Kritik über China hören und lesen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Sicher, Wikileaks veröffentlich Fakten, allerdings wird das veröffentlichte Material auch einem Filter unterzogen, dessen Kriterien nicht bekannt sind. Das heisst hier wird auch eine Vorauswahl getroffen, was und wann etwas veröffentlicht wird. Das Bild was sich daraus ergibt ist alles andere als vollständig und zeigt demnach nicht die ganze Wahrheit. Das Problem ist, dass es allerdings von vielen hier als Wahrheit propagiert wird.

Ich möchte wikileaks nicht schlecht reden, allerdings wäre es es meiner Meinung nach fatal, das Material, das zudem oft aus dem Kontex herausgerissen wurde, unreflektiert als einzige Wahrheit anzusehen. Auch wenn der Spruch abgedrochen ist: Die Medallie hat immer zwei Seiten. Das gilt sowohl für die Bewertung von Wikileaks als auch für die Bewertung des Materials bzw. die Sachverhalte die man damit darstellen möchte. Eine Meinung, die sich nur auf den von Wikileaks veröffentlichten Dokumenten stützt, ist nach meiner Auffassung ebenso manipuliert, wie man es den so verpöhnten Bildzeitungsleser unterstellt. Denn Wikileaks veröffentlicht nur das, was in ihr Konzept passt.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Das was Wikileaks veröffentlicht , ist das was wohl der Wahrheit am Nächsten sein dran wird.
Inwieweit filtert Wikileaks denn? Schon verlinkt worden zur Quelle wie und was sie filtert? Will nicht den ganzen Thread durchblättern. Aber soweit ich das bisher verfolgt habe, hat WL keine größeren Preferenzen.
Und selbst wenn sie filtern, so dürfte die Selektion noch weitaus besser sein als das was die Öffentlich-Rechtlichen vollführen.
Aber bitte, WL mit Bild zu vergleichen...:evillol:

Ansonsten muss man , wie schon vorher erwähnt, recht paranoid sein, und den Zweck jeder Blutspende hinterfragen , ob nicht mit diesem Blut dann später Geschäfte gemacht werden.
Assange ist ein Idealist, ist keiner politischen Partei angehörig, Egomane hin oder her, er hält den Kopf eben für das Konzept hin.

Achja, nun endet es bald für ihn....

http://www.tagesschau.de/inland/assange132.html

Aber WL ist nun ein Hydra!
Umso mehr Köpfe sie abschlagen, desto mehr wachsen wieder nach!:D
 
Jelais99 schrieb:
Sicher, Wikileaks veröffentlich Fakten, allerdings wird das veröffentlichte Material auch einem Filter unterzogen, dessen Kriterien nicht bekannt sind. Das heisst hier wird auch eine Vorauswahl getroffen, was und wann etwas veröffentlicht wird. Das Bild was sich daraus ergibt ist alles andere als vollständig und zeigt demnach nicht die ganze Wahrheit. Das Problem ist, dass es allerdings von vielen hier als Wahrheit propagiert wird.

Wikileaks ist im Vergleich zu Presse, Radio und TV das am nahsten an der Wahrheit befindende Medium denn nur dort findet man tonnenweise Rohmaterial, die Presse und erst recht das Radio und TV filtern Nachrichten deutlich - das müssen Sie auch wegen begrenzer Anzeigen, Sendezeit und Mittel.
Filtern ist per se nicht schlecht - es kommt nur darauf an welche Botschaft man verbreiten möchte. Ich persönliche reagiere "allergisch" auf all die Nachrichten die ein "weiter so wie bisher" propagieren. Eine "weiter wie bisher" Sache war z.B. die EIKE-Konferenz und die Verdrehung von Begriffen wie Freiheit.

Aber was ist Wahrheit in Zeiten des Internets?
Man kann sich leicht entweder dem Pro- oder Contra-Lager zuordnen und stets nur in den Kreisen sich informieren die das eigene Weltbild bestätigen bzw. verbreiten.
Mein liebtes Beispiel dafür ist die verhärtete Debatte um die Erderäwmung und deren Folgen.


Jelais99 schrieb:
Denn Wikileaks veröffentlicht nur das, was in ihr Konzept passt.

Das ist bei Spiegel und co anders? (gedruckte Ausgaben)

Auch bei Wikileaks ist so ein vorgehen nachvollziehbar, Whistleblower gibt es nicht wie Sand und Meer und große Veröffentlichungsprojekte brauchen auch da finanzielle Mittel.
Geld ist auch da die größte Beschneidung um Projekte zu stemmen.
Ich erinenre mich noch gut daran das für die Veröffentlichung von dem Irak-Material erst einmal Spenden gesammelt wurden.
IT-Infrastruktur in den Dimensionen wie sie Wikileaks braucht sind auch nicht billig, auch wenn momentan Wikileaks durch Verbände und Parteien wie die Piratenparteien geholfen wird.
 
Zuletzt bearbeitet:
Traveller schrieb:
Das was Wikileaks veröffentlicht , ist das was wohl der Wahrheit am Nächsten sein dran wird.
Inwieweit filtert Wikileaks denn? Schon verlinkt worden zur Quelle wie und was sie filtert? Will nicht den ganzen Thread durchblättern.

Die durch Wikileaks veröffentlichten Materialien wurden auf mehreren ebenen gefiltert. Ersteinmal vom Informanten selbst. Er entscheidet welche Dokumente er Wikileaks zuspielt. Nach welchen Kriterien dies geschieht und in welchem Kontext diese Dokumente stehen ist völlig unklar und wird nicht weiter recherschiert. In einem weiteren Schritt werden die Dokumente bei Wikileaks gefiltert. Dort wird letztendlich entschieden was veröffentlicht wird und was nicht.
Ich finde es schon aufällig, warum Assange sich so sehr auf die USA einschießt, die im Vergleich zu Israel, Russland und China noch relativ offen mit ihren Informationen umgehen. Soweit ich weiss wurden z.B. nicht die Dokumente von Amat Kam veröffentlicht, die ihnen zugespielt wurden. Eine weitere Frage die mich beschäftigt sind die Kriterien dafür, wer die exclusiven Rechte für die Veröffentlichung bzw Bearbeitung der Dokumente erhält. Nach welchen Kriterien werden die Verlage ausgesucht? Eine sehr interessante frage wie ich finde.

WikiLeaks hat mit sicherheit zum Teil großes geleistet, allerdings wird Wikileaks fast ausschließlich von Assange und seinen Überzeugungen geprägt. Das ist per se auch nichts schlechtes, allerdings widerspricht es dem offenem Autorensystem und der eigentlichen bedeutung des Begriffs Wiki. Das wird vor allem deutlich, weil folgende Textpassage nur noch im Archivordner zu findent ist: Anstatt für wenige spezialisierte Akademiker bietet WikiLeaks ein Forum für die gesamte Weltöffentlichkeit, um jedes Dokument auf Glaubwürdigkeit, Plausibilität, Wahrhaftigkeit und Validität zu prüfen." Statt dessen werden Biografien und Links auf Arbeitsproben für die Mitarbeit verlangt. Inwieweit die Strukturen innerhalb von Wikileaks demokratisch sind bleibt im unklaren. Quelle:http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,719614-4,00.html

Wikileaks wird zunehmend mehr zu einer "Ein-Mann" Veranstaltung.
Im Vordergrund stehen die Überzeugungen von Assange, denen letztendlich auch das Vorgehen und die Ausrichtung von Wikileaks unterworfen werden. Die Streitigkeiten zwischen Assange und Daniel Domscheit-Berg und einem isländischem Aktivisten:

Den Streit beendete Assange mit dem Satz: „Du bist suspendiert.“ Die Androhung des Rausschmisses traf den langjährigen deutschen Wikileaks-Aktivisten Daniel Domscheit-Berg, der daraufhin von selber ging. Die prompte Kritik eines isländischen Wikileaks-Aktivisten beantwortete Assange so: „Ich bin Herz und Seele dieser Organisation. Wenn du ein Problem mit mir hast, dann verpiss dich.“
Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article11287482/Das-Netz-des-Anarchisten-Julian-Assange.html

Auch in einem spiegel Artikel wird deutlich, dass Assange die Richtung mehr oder weniger alleine bestimmt (Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,719543,00.html)

Assange verfolgt eben sehr stark eigene Ziele, die zum Teil sehr idealistisch sind, was ihm einerseits sehr hoch anzurechnen ist, allerdings gleichzeitig zeigt, dass er eben nicht wertneutral veröffentlicht. Hier ein recht lesenswerter Artikel:http://www.sueddeutsche.de/digital/...ian-assange-der-gegenverschwoerer-1.1031477-3

Ich finde es auch sehr interessant, wie groß die Unterschiede zwischen der Berichterstattung in den USA und Europa sind. Dort werden zum Teil bestimmte Aspekte von wikileaks wesentlich kritischer betrachtet. Davon ist bei uns nur wenig zu lesen. Aber es wirft die ein oder andere Frage auf. In einem Artikel im Tagesspiegel ist das recht gut zusammen gefasst, wenn auch vieles nur angerissen wird. http://www.tagesspiegel.de/medien/digitale-welt/maerchenstunde-mit-julian-assange/1909774.html

Ich schätze Wikileaks bzw. die Arbeit die sie machen, aber ich stehe dem nicht völlig unkritisch gegenüber und hinterfrage sie und ihre Motive ebenso wie den Spiegel oder andere Quellen. Nur das scheinen die wenigsten hier akzeptieren zu können.
 
Schrammler schrieb:
Was ziemlich dumm gelaufen ist, der Spiegel TV Beitrag klang schon nach Verschwörung, aber nicht nach einer der USA.

Aber von wurde dann der Druck verübt?
DDoS und sonstige Angriffe auf die Seite, Amazon kündigt Vertrag, Spendenkonten werden gekündigt.

Und das fällt dann den Institutionen einfach urplötzlich auf, dass WL gegen xy Klausel im Vertrag verstoßen habe.

Für mich ist das eine Hetzjagd.
Und ich finde dies viel schlimmer, dass man sowas gegen eine Person veranstaltet und noch viel schlimmer, dass andere Medien kaum darauf eingehen, dass andere Journalisten da nicht mal nachrecherchieren ob da zwischen den urplötzlichen Ereignissen doch ein Zusammenhang bestünde.
Es fällt leicht als Verschwörungstheoretiker bezeichnet zu werden, wenn fast alles eben im Dunklen bleibt, wie gehabt.

Staatsfeind Nr. 1 ?
Aber ist auch nicht so einfach in diesem Zeitalter jmd. unauffällig mundtot zu machen.
 
Traveller schrieb:
Aber von wurde dann der Druck verübt?
DDoS und sonstige Angriffe auf die Seite, Amazon kündigt Vertrag, Spendenkonten werden gekündigt.

Und das fällt dann den Institutionen einfach urplötzlich auf, dass WL gegen xy Klausel im Vertrag verstoßen habe.

Das Verfahren in Schweden wurde schon 1 oder 2mal eingestellt, laut der Staatsanwältin sei das bei Vergewaltigungen dort "üblich" und ein völlig normaler Vorgang, es danach noch einmal aufzunehmen.
Was die Konzerne betrifft, Amazon, Paypal (Ebay) sind neben Google globale IT Riesen der USA, und wenn die US Regierung deren Interessen vertritt, wird es ein leichtes sein, das gleiche von denen in solchen Fällen zu fordern, und sie werden dem liebend gerne nachkommen. Schlimmer finde ich, dass in den USA schon mehrfach erwogen wurde, Assange als Person aus dem Weg zu räumen und wenn das geplant ist, werden sie es auch tun.
Ergänzung ()

Jelais99 schrieb:
Ich schätze Wikileaks bzw. die Arbeit die sie machen, aber ich stehe dem nicht völlig unkritisch gegenüber und hinterfrage sie und ihre Motive ebenso wie den Spiegel oder andere Quellen. Nur das scheinen die wenigsten hier akzeptieren zu können.

Darf ich dir die Frage stellen, warum man die echten Dokumente deswegen nicht ernsthaft betrachten und akzeptieren sollte, weil Assange mit Wikileaks Motive verfolgt, die seinem Kampf gegen ein System der Geheimniskrämerei dienen und er sie daher "filtriert" haben könnte?

Du glaubst er betreibe Propaganda, in dem er sich, aus den ihm zugesendeten Daten, das heraussucht, was seinem Weltbild entspricht und nur diese veröffentlicht. Das tun alle Medien, allerdings filtern die deutlich mehr wie Wikileaks d.h. die Daten selber stehen dem gegenüber.
 
@Jelais99
Das die USA viel kritischer mit Wikileaks zu Lande zieht, ist dadurch begründet das sie das als ein Angriff auf ihre Staatssouverinität werten. Sarah Palin und co haben "tolle" Ansichten wie man mit solchen Plattformen und Menschen umgehen sollte. :rolleyes:

Deine Überlegungen sind richtig, aber wenn jemand mit einem Fall zur Presse geht - ist es anders?
Wird nicht auch da schon bei der Quelle gefiltert, in dem auswählt was gibt man weiter und was nicht?

Cablegate hat jedenfalls eine immense Dimension an Informationen, es wurde nur ein minimaler Bruchteil davon ausgewertet.

Ich bin gespannt ob sich die Medien mal noch konkret auf den Inhalt eingehen, nein lieber wird auf die Person Assange herumgeritten. Ihn zu hinterfragen ist richtig, aber Journalisten sollten sich auch ihrer Aufgabe bewussst sein - nämlich brisantes an die Öffentlichkeit zu bringen und wenn Sie schon selsbt nicht mehr nach diesen Informationen sammeln mussten, was wohl zu Zeiten des Kalten Krieges als Goldgrube gegolten hätte, dann sollte man wenigstens das Material auswerten.
Aber Informationen zahlen sich nicht aus, Personen-Klatsch dagegen schon.

Das dieser Herr Wikileaks allein führt ist auch ein Bild der Medien, es Bedarf wesentlich mehr als ein Assange damit dieses Konzept funktionieren kann.
 
Shader schrieb:
@Jelais99
Das die USA viel kritischer mit Wikileaks zu Lande zieht, ist dadurch begründet das sie das als ein Angriff auf ihre Staatssouverinität werten. Sarah Palin und co haben "tolle" Ansichten wie man mit solchen Plattformen und Menschen umgehen sollte. :rolleyes:
Sicher, geht die Presse in den USA wesentlich kritischer damit um. Heisst das aber nun im Umkehrschluss, dass diese Informationen alle falsch sind? Oder wurden sie nur etwas überzogen dargestellt? In Europa wird zu diesem Thema eben wesentlich unkritischer berichtet. Die wahrheit wird wahrscheinlich irgendwo dazwischen liegen. Aber selbst das würde zeigen, dass Wikileaks und seine Lichtfigur Assange eben auch Schattenseiten haben, die man nicht unbedingt außer acht lassen sollte.

Du hast auch recht, wenn Du die Frage stellst ob andere Quellen der Presse ebenfalls einem filter unterzogen werden. Natürlich werden sie das, und genau das ist der Punkt. Daher ist Wikileaks ebenso zu hinterfragen wie jede andere Quelle auch. Und dies wird hier nicht getan.

Auch die aktuelle entwicklung um Assange betrachte ich sehr skeptisch. Vieles erscheint mir zu inszeniert und zwar nicht von den USA sondern von Assange selbst. Es scheint so, als inszeniere er den Mythos Assange. Damit lässt er Kritiker in den eigenen Reihen verstummen und wird zum Märtyrer der Wahrheit und Freiheit. Nur irgendwie nehme ich ihm das nicht ab.
 
Jelais99 schrieb:
Auch die aktuelle entwicklung um Assange betrachte ich sehr skeptisch. Vieles erscheint mir zu inszeniert und zwar nicht von den USA sondern von Assange selbst. Es scheint so, als inszeniere er den Mythos Assange. Damit lässt er Kritiker in den eigenen Reihen verstummen und wird zum Märtyrer der Wahrheit und Freiheit. Nur irgendwie nehme ich ihm das nicht ab.

Merkwürdig erscheint in diesem Zusammenhang ja, dass Wikileaks mittlerweile in der öffentlichen Wahrnehmung mit Assange gleichgestellt wird. Meines Wissens nach befinded/befand sich hinter Wikileaks ein Team, so war es zumindest früher.

Also entweder ist dies Strategie des Wikileaks-Team, der Plattform ein Gesicht zu geben, oder aber Assange versucht tatsächlich, seinen Einfluss über die Plattform/die Politik auszuweiten.

Es wäre an dieser Stelle wirklich interessant, ein Statement der restlichen Wikileaks-Mitarbeiter zu lesen bzw. eine Klarstellung, dass sie hinter Assange und seinem öffentlichen Wirken stehen. Denn so wird es tatsächlich zu einer One-Man-Show und man muss sich fragen, was genau der Mensch Assange bezweckt. Da passt dann auch die Aussagen in's Bild, die von einem Überwurf Assangs mit alten Teammitgliedern sprechen. Es muss einen Grund haben, warum er aus der Anonymität so massiv in die Öffentlichkeit geht. Ihre Durchschlagskraft hätten die Leaks auch ohne personifizierung.
 
Shader schrieb:
Ich bin gespannt ob sich die Medien mal noch konkret auf den Inhalt eingehen, nein lieber wird auf die Person Assange herumgeritten. Ihn zu hinterfragen ist richtig, aber Journalisten sollten sich auch ihrer Aufgabe bewussst sein - nämlich brisantes an die Öffentlichkeit zu bringen und wenn Sie schon selsbt nicht mehr nach diesen Informationen sammeln mussten, was wohl zu Zeiten des Kalten Krieges als Goldgrube gegolten hätte, dann sollte man wenigstens das Material auswerten.
Aber Informationen zahlen sich nicht aus, Personen-Klatsch dagegen schon.

Du hast doch mitbekommen, wie sehr von dt. Medien über den Maulwurf bei der FDP berichtet wurde, oder? Guttenberg ging direkt zum US Botschafter (Herrn Murphy) und unterrichtete ihn über die Stimmung innerhalb der Union aber auch der anderen Parteien im Bundestag bezüglich der Verlängerung des Afghanistanmandats. Maulwurf? Der doch nicht, ein ganz normaler Vorgang der in der Presse daher nirgendwo auftaucht. Warum wir Bürger nicht einfach vorab darüber informiert werden, wie im Bundestag abgestimmt wird, erklärt das aber nicht. :rolleyes:
 
Man kann doch einsehen, wer im Bundestag wie abgestimmt hat:

Zum Beispiel hier, da kannst du dann sogar gucken, wie dein abgeordneter deines Landkreises abgestimmt hat.
Gibt es auch direkt vom Bundestag, nämlich hier.

Und wie willst du denn vorab darüber aufgeklärt werden, für was der jeweilige Abgeordnete stimmt. Wenn Fraktionszwang herrscht, dann richtet sich das ganze an der Parteipolitik aus, und wenn der Fraktionszwang aufgehoben ist, stimmen die Abgeordneten ab, wie sie wollen.

Wenn man also Nachrichten schaut, weiß man meistens, da Fraktionszwang herrscht, das die CDU, SPD und FDP meinetwegen für den Afghanistan-Einsatz stimmen, während Grüne (die uns den Einsatz miteingebrockt haben) und Linke dagegen stimmen.

Oder hab ich da jetzt missverstanden und wenn ja, was meinst du mit Vorab aufgeklärt werden, wer wie abstimmt?

Edit:
Assange ist von der britischen Polizei verhaftet wurden. Mal schauen wie sich das weiterentwickelt.
 
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