Wozu noch BSD einsetzen?

Piktogramm schrieb:
Das Problem bei den Lizenzen ist "nur", dass der Code vom Linux Kernel nicht mit dem Code von ZFS kombiniert werden darf. Ein ZFS-Kernelmodul als Code/Blob anzubieten ist mit den Lizenzen möglich und das machen die Distributionen auch. Da kann Oracle nichts dran ändern und diese Feinheiten sind den Maintainern vom Kernel und Distributionen bekannt. Keiner hat Bock auf Oracle Anwälte[1].

Zugegeben, Oracle würde ich meiden wo es geht. OpenZFS mit der CDDL ist jedoch recht definiert wie es einsetzbar ist, ohne dass es problematisch werden kann. (ja, das unterstützt deinen Punkt und ist eher Argumentativ gegen den Standpunkt von foofoobar)
Das ändert alles trotzdem nichts daran das der Larry das per Unterschrift ändern kann.
 
foofoobar schrieb:
Wie gesagt. Geh auf die genannten Punkte ein und führe es vernünftig aus. Dann können wir gerne darüber reden. Irgendwie nur einzelne Sätze oder Links zu droppen so nach dem Motto "mach mal irgendwas damit" ist mir dann doch zu doof.
Ich gebe mir Mühe meine Punkte auszuführen. Das erwarte ich dann auch ein stückweit von meinem Gegenüber.

Piktogramm schrieb:
Das Problem bei den Lizenzen ist "nur", dass der Code vom Linux Kernel nicht mit dem Code von ZFS kombiniert werden darf.
Das ist klar. Mein Punkt war aber, das das primär ein Problem der GPL ist.
Und das hat zur Folge, das wenn überhaupt man hier nicht befürchten müsste, das etwas aus der Oracle-Ecke kommt, sondern - wenn überhaupt - von den Kernel-Leuten.

Piktogramm schrieb:
Da kann Oracle nichts dran ändern
Naja. Theoretisch könnte Oracle die Lizenz von ZFS ändern (oder eine weitere Lizenz hinzufügen), so das das mischen von GPL-Code mit ZFS keine Verletzung der GPL auslöst.

Allerdings ist halt nicht ganz einzusehen, warum man sich als Oracle um die Probleme der GPL/Linux-Kernel-Leute kümmern sollte. Ob man nun Oracle mag oder nicht, aber der Verweis auf "Dein Problem" ist jetzt nicht völlig unberechtigt.

Piktogramm schrieb:
Zugegeben, Oracle würde ich meiden wo es geht.
Ja. Das würde ich auch. :-)
Aber zumindest bei ZFS sehe ich jetzt keinen zwingenden Grund.

Piktogramm schrieb:
Welches FS hat halbwegs Parität bei der Funktion?
Meine Behauptung war nicht, das es ein Dateisystem gibt was 1:1 alles das kann, was ZFS kann. Wohl aber gibt es Möglichkeiten bestimmte Szenarien ganz gut abzubilden.

Mal als triviales Beispiel:
Wenn Du nur Mirror-RAID haben willst, kannst Du vieles von dem was ZFS bietet auch mit btrfs kriegen.
 
Zuletzt bearbeitet:
foofoobar schrieb:
Das ändert alles trotzdem nichts daran das der Larry das per Unterschrift ändern kann.
Larry kann bei OracleZFS als Inhaber der Verwertungsrechte machen was er will, dass kann Projekt/Code von OpenZFS reichlich egal sein, denn an der CDDL kann auch Larry nachträglich nichts ändern.
An sich ist es eine ähnliche Geschichte wie bei OpenOffice, wo die Entwickler den FOSS-Code geschnappt haben um ein eigenes Projekt, eine eigene Marke damit aufzubauen ohne Oracle und da könne auch alle ruhig schlafen.
Naja und wer ist als Dritter bitte so irre und würde OracleZFS ausliefern?

andy_m4 schrieb:
Mein Punkt war aber, das das primär ein Problem der GPL ist.
Die Inkompatibilität zwischen Lizenzen würde ich kaum einzelnen Lizenz zuschreiben. Die Bedingungen der Lizenzen sind ja jeweils begründbar und wenn sich darauf Konflikte ergeben, ist das halt so. Solang Niemand eine "GPL| BSD|Apache|CDDL stinken nach lulu und dürfen deswegen nicht mit meiner Arschlochlizenz"-formuliert sehe ich da schlicht ein Patt.
Zudem die Lizenzen meistens sowieso die Grenze ziehen, dass API/ABI-Aufrufe legal sind, entsprechend simpel lässt sich die Software verheiraten. Zudem gibt es meines Wissens für Dateisysteme keine "GPL only" ABIs im Kernel, wie sie im Grafikbereich eingeführt wurden um Nvidia zu "motivieren".

andy_m4 schrieb:
Naja. Theoretisch könnte Oracle die Lizenz vom ZFS ändern (oder eine weitere Lizenz hinzufügen), so das das mischen von GPL-Code mit ZFS keine Verletzung der GPL auslöst.
Gleiches Ding wie bei foofoobar, was interessiert es OpenZFS, wenn Oracle bei OracleZFS Lizenzen ändert?
 
andy_m4 schrieb:
Mal als triviales Beispiel:
Wenn Du nur Mirror-RAID haben willst, kannst Du vieles von dem was ZFS bietet auch mit btrfs kriegen.
zfs hat kein write hole Problem, IMHO eins der Design Goals von ZFS.
Bei btrfs sieht das IMHO anders aus: (Wer kennt sich da besser aus?)

Missing/incomplete support​

[ ...... ]

The write hole problem. An unclean shutdown could leave a partially writtenstripe in a state where the some stripe ranges and the parity are from the oldwrites and some are new. The information which is which is not tracked. Writejournal is not implemented. Alternatively a full read-modify-write would makesure that a full stripe is always written, avoiding the write hole completely,but performance in that case turned out to be too bad for use.
https://btrfs.readthedocs.io/en/latest/btrfs-man5.html

andy_m4 schrieb:
Wie gesagt. Geh auf die genannten Punkte ein und führe es vernünftig aus.

Sag doch einfach das dir Freibier reicht.
 
Piktogramm schrieb:
Larry kann bei OracleZFS als Inhaber der Verwertungsrechte machen was er will, dass kann Projekt/Code von OpenZFS reichlich egal sein, denn an der CDDL kann auch Larry nachträglich nichts ändern.
Oracle ist ja sozusagen der "Eigentümer" und klar kann der Lizenzen neu definieren.
Kannst Du ja auch. Nehmen wir an, Du hast ein Open-Source-Projekt und es gehört quasi Dir und Du hast es unter BSD-Lizenz gestellt kannst Du natürlich sagen: Ab sofort steht das unter der GPL-Lizenz.
Das ändert erst mal nichts für bereits schon vorhanden Code und vergebene Lizenzen. Aber natürlich für alles Neue. Wenn Du jetzt eine neue Programm-Version rausbringst, dann kannst Du sagen: Das ist jetzt alles GPL. Und wer das nicht will kann dann höchstens die alten BSD-lizensierten Versionen weiter benutzen/forken/wasauchimmer.

Und genauso kann Oracle das natürlich auch bei ZFS machen.

Piktogramm schrieb:
Die Inkompatibilität zwischen Lizenzen würde ich kaum einzelnen Lizenz zuschreiben.
Weiß nicht. Kann sein.

Was man aus GPL-Sicht sagen kann ist, das ein abgeleitetes Werk eben auch unter den Bedingungen der GPL stehen muss und keine zusätzlichen Beschränkungen enthalten darf.

Die CDDL gewährt die Nutzung inkl. aller möglichen Patente etc. Allerdings erlischt die Lizenz, wenn Du beginnst gegen Oracle wegen irgendwelcher Patentverletzungen zu klagen.

Das würde der Forderung der GPL, das keine zusätzlichen Beschränkungen enthalten sind widersprechen.

Aus CDDL-Sicht ist beispielsweise gefordert, das ZFS-Code halt unter den Bedingungen der CDDL weitergegeben muss. Nun kann man natürlich gucken, ob der CDDL-Code irgendwelche Beschränkungen enthält die insofern inkompatibel mit der GPL, als das es da zu Problemen kommt.

Müsste man halt mal genauer gucken. Ist aber letztlich eigentlich irrelevant. Weil die CDDL ist nicht "infektiös". Das heißt, wenn Du CDDL-Code mit anders lizenzierten Code mischst, gilt die CDDL nur für den CDDL-Code-Teil und nicht automatisch für das ganze, abgeleitete Werk.

Das ist jedenfalls mein Verständnis davon. Aber ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen.

Piktogramm schrieb:
Gleiches Ding wie bei foofoobar, was interessiert es OpenZFS, wenn Oracle bei OracleZFS Lizenzen ändert?
OpenZFS enthält ja quasi Code vom originalen ZFS von Sun bzw. jetzt Oracle.
Wenn Oracle ZFS jetzt anders lizenzsiert, kann OpenZFS den ganzen (noch vorhandenen) Oracle-Code quasi re-lizenzieren.
Betonung liegt auf kann. Die OpenZFS-Leute müssen natürlich nicht, wenn sie der Meinung sind, das sie das schlechter stellt als vorher.
Ergänzung ()

foofoobar schrieb:
zfs hat kein write hole Problem, IMHO eins der Design Goals von ZFS.
Noch mal: Ich hab nicht gesagt, das es ein 1:1-Replacement für ZFS gibt. Aber für bestimmte Szenarios und Ansprüche sind Alternativlösungen gut genug.
Ist ein bisschen anstrengend, wenn man sich immer wiederholen muss. Das hat arge Troll-Vibes.

foofoobar schrieb:
Sag doch einfach das dir Freibier reicht.
Sag Du doch einfach, das Du keine Lust hast vernünftig zu argumentieren und Du lieber nur Deinem Oracle-Hate freien Lauf lassen willst.

Wie bereits gesagt. Ich bin auch kein Freund von Oracle. Aber hier in der Diskussion gehts mir um Fakten und Erläuterungen und nicht um Zur-Schau-Stellung einer Gesinnung.

Wenn Du Oracle-Hate zelebrieren willst, kannst Du das gerne machen. Aber ich bin da der falsche Ansprechpartner. Ich hab da kein Bock drauf, weil es keinen Erkenntnisgewinn bringt.
 
Zuletzt bearbeitet:
andy_m4 schrieb:
Oracle ist ja sozusagen der "Eigentümer" und klar kann der Lizenzen neu definieren.
An der Stelle ist es leider schon falsch. Oracle hat Oracle ZFS, damit können sie machen was sie wollen und da pappt auch schon eine proprietäre Lizenz drauf. Rechte an/um OpenZFS hat Oracle keine.
Sollt im kommerziellem Umfeld irgendwer OracleZFS ausrollen wollen, wäre entsprechend auch die etablierte, gut hörbare "Hast du noch alle Latten am Zaun"-Oracle-Ansprache in Langversion fällig.

Wenn Oracle an der Dateisystemdefinition schraubt, ist das mittlerweile auch egal. Die Zpoolversionen sind sowieso schon lange abweichend. OracleZFS setzt Versionsnummern (aktuell die 49?) und OpenZFS immer die 5000 und setzt auf Featureflags.


andy_m4 schrieb:
Kannst Du ja auch. Nehmen wir an, Du hast ein Open-Source-Projekt und es gehört quasi Dir und Du hast es unter BSD-Lizenz gestellt kannst Du natürlich sagen: Ab sofort steht das unter der GPL-Lizenz.
Bei einem FOSS-Projekt müsste ich dann von jedem Codezipfel aus dritter Hand eine wirksame, vertragliche Übereinkunft haben, dass ich die Lizenz ändern dürfte. Bei der GPLv2 und später steht daher als Teil der Lizenz auch, dass die Lizenz auf spätere Versionen der GPL geändert werden darf. Ein Wechsel von der GPL weg hingegen bedarf Einwilligung aller betroffenen Urheber·innen.

Relizensierung ist real nur bei sehr wenigen Beitragenden, oder als Firma mit kompletter Kontrolle über Verwertungsrechte möglich.

andy_m4 schrieb:
Wenn Oracle ZFS jetzt anders lizenzsiert, kann OpenZFS den ganzen (noch vorhandenen) Oracle-Code quasi re-lizenzieren.
Siehe oben, Oracle hat das schon lang gemacht.
 
Piktogramm schrieb:
An der Stelle ist es leider schon falsch. Oracle hat Oracle ZFS, damit können sie machen was sie wollen und da pappt auch schon eine proprietäre Lizenz drauf. Rechte an/um OpenZFS hat Oracle keine.
Das sehe ich anders (bzw. hab ich das Gefühl, wir reden aneinander vorbei). Wie gesagt. Natürlich kann Oracle nicht direkt auf OpenZFS einwirken. Dennoch ist Sun der ursprüngliche Entwickler von ZFS und von dem Code ist viel in OpenZFS eingeflossen.
Und für den Code gilt natürlich nach wie vor die CDDL.
Und klar kann Oracle als jetziger Inhaber der Rechte an ZFS jetzt für seine Codebestandteile die Lizenz ändern. Und dann kann sich OpenZFS überlegen, ob sie das quasi übernehmen oder nicht.

Piktogramm schrieb:
Sollt im kommerziellem Umfeld irgendwer OracleZFS ausrollen wollen, wäre entsprechend auch die etablierte, gut hörbare "Hast du noch alle Latten am Zaun"-Oracle-Ansprache in Langversion fällig.
Von Oracles ZFS rede ich hier primär gar nicht.

Piktogramm schrieb:
Wenn Oracle an der Dateisystemdefinition schraubt, ist das mittlerweile auch egal. Die Zpoolversionen sind sowieso schon lange abweichend.
Ohne Frage. Das ist aber auch gar nicht das Thema.

Piktogramm schrieb:
Bei einem FOSS-Projekt müsste ich dann von jedem Codezipfel aus dritter Hand eine wirksame, vertragliche Übereinkunft haben, dass ich die Lizenz ändern dürfte.
Das ist korrekt. Nur betrifft das die originalen Codebestandteile ja nicht. Da hat ja kein Dritter was zugeben.
 
Zuletzt bearbeitet:
andy_m4 schrieb:
Und klar kann Oracle als jetziger Inhaber der Rechte an ZFS jetzt für seine Codebestandteile die Lizenz ändern.
andy_m4 schrieb:
Von Oracles ZFS rede ich hier primär gar nicht.
Das du nicht zwischen OracleZFS und OpenZFS trennst ist das Problem.

"ZFS" als Implementierung gibt es nicht. Es gibt (relevant) die zwei Implementierungen, mit abweichenden Lizenzen des Quellcodes. Wobei OracleZFS bereits relizensiert wurde, was Oracle bei OpenZFS schlicht nicht kann, auch wenn da Attribution von Autoren zur Herkunft bei SUN/Oracle zeigen. Oracle könnte allenfalls OpenZFS forken und im Rahmen dessen was die CDDL zulässt das Ding relizensieren, was keinen Einfluss auf OpenZFS hätte.

Sonstige Rechte die Oracle hat ist ein Markenrecht auf "ZFS"[1], wobei OpenZFS seit 2010 existiert und Oracle nachweislich davon weiß. In funktionierenden Rechtssystemen, ist hier keine Chance mehr OpenZFS über das ZFS Trademark wirksam anzugreifen.

Die technische Definition von ZFS ist als technische Beschreibung nicht Urheberrechtlich schützbar.



[1]https://trademarks.justia.com/859/01/zfs-85901629.html
Ergänzung ()

andy_m4 schrieb:
Nur betrifft das die originalen Codebestandteile ja nicht. Da hat ja kein Dritter was zugeben.
Da wäre ich mir nicht sicher. SUN war durchaus offen für Contributionen Externer. Zudem nach 15Jahren OpenZFS wird da nicht mehr so viel Code als ausreichend, zusammenhängender Block bestehen, dass Atribution sauber möglich ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Piktogramm schrieb:
Das du nicht zwischen OracleZFS und OpenZFS trennst ist das Problem.
Nein. Das Du mich anscheinend nicht verstehst ist Dein Problem (und evtl. meine Schuld).

Ich versuche es noch mal auf andere Weise zu erklären.

Sun Microsystems hat damals ZFS entwickelt und implementiert und irgendwann auch den Source-Code zu ihrer Implementierung unter CDDL weitergegeben. Nennen wir mal den Quelltext dazu der Übersichtlichkeit wegen Quelltext A.
Oracle als Rechtsnachfolger von Sun ist also quasi die Eigentümer von Quelltext A und kann im Prinzip an der Lizenzierung etwas ändern. Aber dazu später mehr.

Die Geschichte ging so weiter, das Oracle Quelltext A genommen hat und daraus (wie Du ja auch sagst) ihr Oracle-ZFS weiter entwickelt.

Unabhängig davon gab es aber auf Grundlage von Quelltext A eine Weiterentwicklung die dann irgendwann zu dem führte, was heute unter OpenZFS bekannt ist. Da sind große Teile von Quelltext A drin enthalten. Aber natürlich habs auch Änderungen und Dinge die hinzugefügt wurden. Und dieses "Diff" bzw. "Patches" nennen wir jetzt mal auch wieder der übersichtlichkeitshalber Quelltext B.
Zu Quelltext B gibts auch ganz sicher mehrere Beitragende. Aber zu dem Punkt später mehr.

Und wie gesagt. Oracle kann nicht direkt auf OpenZFS einwirken. Die können jetzt nicht einfach die Lizenz ändern oder sagen "ihr müsst jetzt mit Quelltext A dieses und jenes tun".

Was aber Oracle machen kann, ist für Quelltext A zum Beispiel eine zweite Lizenz (nehmen wir hier einfach mal exemplarisch die MIT-Lizenz) hinzufügen.
Dann könnte OpenZFS hingehen und dann pro forma das übernehmen. Die können aber genauso gut auch sagen: Nee. für Quelltext A bleiben wir allein bei der ursprünglichen CDDLv1-Lizenz.
Insofern: Ja. Oracle hat nicht direkten Einfluss auf OpenZFS. Aber das hab ich auch nie behauptet. Im Gegenteil.

So und die Kontributoren von Quelltext B können ja eigentlich auch nichts sagen wenn jetzt OpenZFS die MIT-Lizenz für Quelltext A übernehmen würde. Die müssten ja nur gefragt werden, wenn OpenZFS jetzt auch die Lizenz von Quelltext B anpassen wollen würde. Was der nächste logische Schritt wäre, wenn man die CDDL vollständig loswerden möchte. Aber das hat ja jetzt erst mal nichts mit der Oracle-Geschichte zu tun.

Piktogramm schrieb:
Sonstige Rechte die Oracle hat ist ein Markenrecht
Ja. Zu der ganzen Markenrechtsgeschichte will ich mich an der Stelle gar nicht äußern, weil es mir darum nie ging.

Zu der Thematik ob Oracle jetzt irgendwie OpenZFS angreifen könnte oder nicht hab ich mich ja auch schon recht ausführlich geäußert. Ich sehe da weder irgendwelche brauchbaren Ansatzpunkte noch halte ich das für wahrscheinlich.

Piktogramm schrieb:
Da wäre ich mir nicht sicher. SUN war durchaus offen für Contributionen Externer.
Aber zu Quelltext A gibts halt nur Sun (bzw. jetzt Oracle als Rechtsnachfolger). In der Praxis gibts da sicherlich auch unterschiedliche Leute die daran gearbeitet haben, aber da die das ja als Arbeitnehmer oder im Auftrag von Sun gemacht haben, bleiben die Rechte bei Sun.

In Quelltext A gibts also rechtlich gesehen niemand mit dem man sich einigen müsste.

Aber selbst wenn: Oracle hätte dann ja immer noch die Möglichkeit zu sagen: "Wenigstens für den Teil von Quellcode A an denen wir die Rechte haben machen wir das mit der Lizenz. Und mit den übrigen Leuten müsst ihr euch einigen, wenn ihr das unbedingt wollt"

Piktogramm schrieb:
Zudem nach 15Jahren OpenZFS wird da nicht mehr so viel Code als ausreichend, zusammenhängender Block bestehen, dass Atribution sauber möglich ist.
Das ist eine andere Frage. Also in wie weit das praktisch realisierbar wäre. Es wäre sicherlich nicht trivial und mit Aufwand verbunden. Und sicher gibts da auch noch Hemmnisse.
Daher sprach ich ja von Anfang an auch von "theoretisch möglich".

Und ich hab auch nicht gesagt, das Oracle einfach nur die Lizenz von Quelltext A ändern muss und dann ist automatisch schon alles gut und für das gesamte OpenZFS geregelt. Das wäre ja nur ein erster Schritt.
Inwieweit weiteren Bedingungen noch erfüllt werden müssen, habe ich ja gar nicht betrachtet.

Es ging nur darum: Was könnte Oracle auf ihrer Seite tun.

Meine Meinung ist ja ohnehin, das hier Oracle gar nicht in irgendeiner "Bringschuld" ist oder jetzt irgendwas machen müsste, weil ich das Problem ja eher in der GPL sehe.
 
andy_m4 schrieb:
Oracle als Rechtsnachfolger von Sun ist also quasi die Eigentümer von Quelltext A und kann im Prinzip an der Lizenzierung etwas ändern. Aber dazu später mehr.
An der Stelle fallen alle folgenden Überlegungen bereits auseinander. Quelltext ist ein immaterielles Gut, bei das Vorhanden sein von Kopien nichts zur Sache tut. Einzig das Urheberrecht an der Schöpfung ist relevant. Dem Urheberrecht angeschlossen sind die Verwertungsrechte[1]. Die Verwertungsrechte wurden dabei an Beliebige Entitäten in Form der CDDL[2] Lizenziert, wobei diese Lizenz unwiderruflich für alle Kopien gilt, was Punkt 4.2 der CDDL bestimmt. Die 4.2 setzt sich sogar explizig über die Möglichkeit der ursprünglichen Lizenzgeber der Relizensierung nach Punkt 4.1 .


[1] In den USA können Urheberrechte veräußert werden, in der EU nur Verwertungsrechte und das Urheberrecht verbleibt immer bei den Autor·innen.

[2] https://web.archive.org/web/20090305064954/http://www.sun.com/cddl/cddl.html
andy_m4 schrieb:
Was aber Oracle machen kann, ist für Quelltext A zum Beispiel eine zweite Lizenz (nehmen wir hier einfach mal exemplarisch die MIT-Lizenz) hinzufügen.
Was für die CDDL Kopie die bei dir, mir, auf dem Staubsaugeroboter von Oma liegt komplett egal ist. Da ist wirkt die CDDL nach Punkt 4.2.
Ergänzung ()

andy_m4 schrieb:
So und die Kontributoren von Quelltext B können ja eigentlich auch nichts sagen wenn jetzt OpenZFS die MIT-Lizenz für Quelltext A übernehmen würde
Das wäre tatsächlich spannend. 4.1 CDDL definiert, dass Änderung an der Lizenz/Lizensierung nur dem Lizenz Steward vorbehalten sind, wobei hier Sun explizit genannt sind, was deren Rechtsnachfolge aber ebenso betrifft. Das OpenZFS Projekt als Entität, die erkennbar nicht zu SUN/Oracle gehört, kann nach 4.1 die Lizenz nicht ändern.

Die Ausnahme wäre allenfalls, jede·n Urheberrechtsinhaber vom Code zu fragen, ob Verwertungsrechts zugestanden werden, um das urheberrechtlich geschützte Gut mit einer anderen Lizenz zu versehen (die CDDL sieht keine Exklusive Lizensierung vor, wenn ich es richtig lese).
 
Zuletzt bearbeitet:
@Piktogramm
Danke übrigens für deine ganz gut nachvollziehbaren Postings. Das ist hier nicht selbstverständlich und daher will ich das mal positiv hervorheben.

Piktogramm schrieb:
Die 4.2 setzt sich sogar explizig über die Möglichkeit der ursprünglichen Lizenzgeber der Relizensierung nach Punkt 4.1
Bei 4.1 und 4.2 geht es aber um neue Versionen der Lizenz.
Das hat meines Erachtens erst mal nichts damit zu tun, das Oracle für Quelltext A z.B: die MIT-Lizenz hinzufügen kann.

Piktogramm schrieb:
In den USA können Urheberrechte veräußert werden
Eben. Und da das jetzt eher eine Copyright-Geschichte ist, ist mit EU-Urheberrecht zu kommen sowieso unzutreffend.

Von daher sehe ich es so, das die Rechte Quelltext A bei Sun bzw. jetzt Oracle liegen. Wie gesagt. Kann sein, das es auch bei Quelltext A schon Contributors gab die man fragen müsste. Davon weiß ich aber nichts (müsste also belegt werden) und wie gesagt: selbst wenn, dann hat Oracle immer noch die Möglichkeit zunächst seinen Anteil an Quelltext A mit MIT-Lizenz zu versehen.

Piktogramm schrieb:
Was für die CDDL Kopie die bei dir, mir, auf dem Staubsaugeroboter von Oma liegt komplett egal ist.
Ja. Aber genau das hab ich ja gesagt. Oma bzw. OpenZFS müsste natürlich aktiv werden, um das auch anzunehmen. Das passiert nicht automatisch. Und wenn die das nicht annehmen, dann bleibt alles so wie es ist. Oracle kann hier nichts erzwingen.
Von daher weiß ich gar nicht, wie Du immer wieder darauf kommst, obwohl ich jetzt schon mehrmals was zu dem Punkt gesagt habe.

Piktogramm schrieb:
Das OpenZFS Projekt als Entität, die erkennbar nicht zu SUN/Oracle gehört, kann nach 4.1 die Lizenz nicht ändern.
Genau. Deswegen wäre man an der Stelle auf Oracle angewiesen. Was Quelltext B betrifft, da muss OpenZFS natürlich gucken, ob und wie sie sich das zurecht organisieren können.

Piktogramm schrieb:
Die Ausnahme wäre allenfalls, jede·n Urheberrechtsinhaber vom Code zu fragen, ob Verwertungsrechts zugestanden werden, um das urheberrechtlich geschützte Gut mit einer anderen Lizenz zu versehen
Das würde aber wenn, dann ja nur Quelltext B betreffen.
Für Quelltext A liegen alle Rechte bei Oracle (bzw. weiß ich nicht, ob da noch jemand mehr involviert ist; aber mir ist da selbst nix bekannt, weshalb das nur Spekulation wäre).
 
andy_m4 schrieb:
Bei 4.1 und 4.2 geht es aber um neue Versionen der Lizenz.
Das hat meines Erachtens erst mal nichts damit zu tun, das Oracle für Quelltext A z.B: die MIT-Lizenz hinzufügen kann.
Die Möglichkeit einer neuen Version der Lizenz besagt nichts darüber, wie gravierenden die Änderungen sein können. Eine aktualisierte Version der CDDL kann grundlegend alles an Bedingungen enthalten, solange dies halbwegs mit allen relevanten, nationalen Urheberrechten bzw. der WTO-Fassung davon in Einklang gebracht werden kann.
Grundsätzlich wäre es also möglich die CDDL inhaltlich auf die MIT-Lizenz umzustellen, oder halt proprietären Dreck..

andy_m4 schrieb:
Eben. Und da das jetzt eher eine Copyright-Geschichte ist, ist mit EU-Urheberrecht zu kommen sowieso unzutreffend.
Ne EU-Copyright ist durchaus relevant. SUN hat Entwickler·innen international beschäftigt und weil es ne FOSS-Bude war, waren die Verträge im Bezug auf Urheberrecht recht freizügig. Damit ist keinesfalls sicher, dass Oracle sich Sun einverleibt hat und auch wirklich alle Verwertungsrechte und noch unsicherer wirklich das Urheberrecht am Code erworben hat.
SUN hat das durchaus berücksichtigt. Die haben ja an ZFS geschraubt, bevor sie die CDDL dran geklatscht haben. Im Bewusstsein, dass die Lage der Rechte "etwas" unklar ist, gab es dann die 4.3 als Öffnungsklausel für alle Autor·innen, die Beiträge geliefert haben bevor das Gesamtwerk die CDDL bekommen hat.

Eine etwaige Änderung der Lizenz, ohne die Beachtung dieser Problematik ist rechtlich dann auch spannend. Real wird aber Niemand Lust haben das mit großen Anwaltsfirmen erschöpfend zu diskutieren..

Von daher sehe ich es so, das die Rechte Quelltext A bei Sun bzw. jetzt Oracle liegen. Wie gesagt. Kann sein, das es auch bei Quelltext A schon Contributors gab die man fragen müsste. Davon weiß ich aber nichts (müsste also belegt werden) und wie gesagt: selbst wenn, dann hat Oracle immer noch die Möglichkeit zunächst seinen Anteil an Quelltext A mit MIT-Lizenz zu versehen.
Oracle hat die Lizenz doch schon geändert, dass ist doch kein hypothetischer Fall. Es ist praktisch nur komplett egal, die nicht OracleZFS nutzen.


andy_m4 schrieb:
Von daher weiß ich gar nicht, wie Du immer wieder darauf kommst, obwohl ich jetzt schon mehrmals was zu dem Punkt gesagt habe.
Weil du irgendwie zu argumentieren scheinst, dass Oracle ja Relizensieren könnte, was zum einen schon lange Geschichte und vor allem komplett egal ist :)

andy_m4 schrieb:
Genau. Deswegen wäre man an der Stelle auf Oracle angewiesen. Was Quelltext B betrifft, da muss OpenZFS natürlich gucken, ob und wie sie sich das zurecht organisieren können.
Rechtlich kompliziert, Kooperation mit dem Yachtenverein ein Ding der Unmöglichkeit und die Devs die zu OpenZFS beigetragen haben werden auch meutern.
Ich würde eher darauf setzen, dass eher noch RustZFS unter Beerware Lizenz kommt. :)

An sich wäre es auch möglich, dass einer der frühen Autor·innen feststellt, dass bei ihm/ihr Urheberrecht verweilt, welches unter CDDL 4.3 möglich wäre das Ganze unter einer anderen Lizenz zu bringen. Das Experiment fänden die Großkanzlei mit Softwareverwertung aber sicher auch "spannend" :(

andy_m4 schrieb:
Danke übrigens für deine ganz gut nachvollziehbaren Postings. Das ist hier nicht selbstverständlich und daher will ich das mal positiv hervorheben.

Gleichfalls
andy_m4 schrieb:
Das würde aber wenn, dann ja nur Quelltext B betreffen.
Für Quelltext A liegen alle Rechte bei Oracle
Um bei deinem ABC zu bleiben, es wäre dann eher Quelltext C. B bliebe weiterhin unter CDDL, C unter neuer Lizenz wäre darunter distinkt.
 
Piktogramm schrieb:
Grundsätzlich wäre es also möglich die CDDL inhaltlich auf die MIT-Lizenz umzustellen, oder halt proprietären Dreck..
Ja. Wobei mein Szenario ja nicht mal so weit ging. Das war ja eher Dual-Licensing-Geschichte. Also z.B. die MIT-Lizenz hinzufügen.

Piktogramm schrieb:
Damit ist keinesfalls sicher, dass Oracle sich Sun einverleibt hat und auch wirklich alle Verwertungsrechte und noch unsicherer wirklich das Urheberrecht am Code erworben hat.
Gut. Ist sicher denkbar.
Das kann in Gänze wahrscheinlich nur Oracle beantworten.

Piktogramm schrieb:
Eine etwaige Änderung der Lizenz, ohne die Beachtung dieser Problematik ist rechtlich dann auch spannend. Real wird aber Niemand Lust haben das mit großen Anwaltsfirmen erschöpfend zu diskutieren..
Also Oracle hat sowieso kein Interesse daran. Warum sollten sie auch.
Im Gegenteil. Die sind mit der Situation wie sie jetzt ist (viele denken, sie dürften ZFS nicht benutzen weil Oracle ihnen Ärger machen könnte) ganz recht.

Piktogramm schrieb:
Oracle hat die Lizenz doch schon geändert, dass ist doch kein hypothetischer Fall.
Na dann weiß ich nicht, warum wir jetzt seitenlang darüber diskutiert haben, ob Oracle die Lizenz ändern könnte oder nicht?!

Piktogramm schrieb:
Weil du irgendwie zu argumentieren scheinst, dass Oracle ja Relizensieren könnte,
Na können sie doch. Das hast Du doch jetzt selbst gerade eingeräumt?!

Sie können nun nicht aufzwingen das die jetzigen Lizenznehmer (z.B. OpenZFS) da mitziehen, was ich aber auch nicht behauptet, sondern stets verneint habe.

Piktogramm schrieb:
und die Devs die zu OpenZFS beigetragen haben werden auch meutern.
Schwer zu sagen. Das würde ja bedeuten, das die alle hochzufrieden mit der CDDLv1 sind.

Piktogramm schrieb:
Ich würde eher darauf setzen, dass eher noch RustZFS unter Beerware Lizenz kommt.
Lustig. :-)
Ich würde allerdings dann eher ein ZFS2 anstreben. Wenn man eh schon reimplementiert, dann kann man auch gleich die Schwächen von ZFS mit ausbügeln.

Piktogramm schrieb:
An sich wäre es auch möglich, dass einer der frühen Autor·innen feststellt, dass bei ihm/ihr Urheberrecht verweilt, welches unter CDDL 4.3 möglich wäre das Ganze unter einer anderen Lizenz zu bringen.
Ich sehe das alles nicht als übergroßes Problem.
Ja. Möglicherweise sind hier und da Quelltextteile die sich - aus was für Gründen auch immer - nicht so leicht umstellen lassen. Aber die könnte man ja dann notfalls reimplementieren, wenn man da rechtlichen Problemen aus dem Weg gehen will.
Daher muss es gar keine 100% Lösung geben.

Wäre nur blöd, wenn das irgendwie die Hälfte des ZFS-Codes betreffen würde, wovon ich aber jetzt mal nicht ausgehe.

Piktogramm schrieb:
B bliebe weiterhin unter CDDL
Ja. Was doof wäre, weil man nichts gewonnen hätte in Bezug auf "CDDL loswerden".
 
Piktogramm schrieb:
Da wäre ich mir nicht sicher. SUN war durchaus offen für Contributionen Externer. Zudem nach 15Jahren OpenZFS wird da nicht mehr so viel Code als ausreichend, zusammenhängender Block bestehen, dass Atribution sauber möglich ist.
Warum sollte man was in ein Projekt committen was jemand anders wieder einsperren kann?
 
@andy_m4 Also gut Schlussstrich unter die Lizenzdiskussion :=)

ZFS2, so wie ZFS das über Zpoolversionen und OpenZFS im speziellen über Featureflags löst, kann man sehr viel an der Definition des Dateisystems drehen. Da braucht es eigentlich keine Version2. Vor allem welche technischen Schwächen hat ZFS, die behoben werden sollten und nicht inhärent mit einem Dateisystem sind, welches Journaling, Checksumming und CoW betreibt?

@foofoobar
1. Sun hatte sich reichlich Wohlwollen erarbeitet.
2. "Boar, ich will das Feature, der Bug nervt, mai ist das langsam ich schreib das jetzt mal ordentlich und in schnell, Sparc ist ja ganz nett, die Zukunft ist aber SuperH und der Bumms muss drauf laufen!"

Ich würde bei einigen Firmen sofort anfangen mit der Umsetzung um deren Produkten/Services gescheite APIs zu verpassen, wenn die Firmen das wohlwollend annehmen würden. Bei allem was mit Arbeit zu tun hat, würde mein Chef glaub sogar ein paar Personenwochen dafür zahlen.
 
Piktogramm schrieb:
Vor allem welche technischen Schwächen hat ZFS, die behoben werden sollten und nicht inhärent mit einem Dateisystem sind,
Bis zu einem gewissen Grad kann man natürlich Anpassungen vornehmen.
Man darf nicht vergessen, das ZFS seinerzeit revolutionär war. Einen Volumen-Manager zu integrieren oder auch Copy-on-Write zu machen war zwar nichts grundlegend Neues. Dennoch in der Form wie ZFS Dinge umgesetzt hat, da betrat man auch Neuland und das spiegelt sich dann auch in Datenstrukturen und Design-Entscheidungen wider, die im nachhinein nicht optimal waren. Wie man es ja auch aus anderen Softwareprojekten kennt. Man beginnt und überlegt sich was und setzt Dinge um und lernt auch viel dabei und irgendwann kommt man an dem Punkt, wo man überlegen muss, ob man nicht doch besser andere Ansätze wählt.

Und klar kann man bis zu einem gewissen Grade Anpassungen vornehmen. Aber man läuft schnell da rein, das man gegen das ursprüngliche Design arbeiten muss und dann wirds unangenehm. Und dann kann man schon überlegen, ob man nicht irgendwie neu anfängt.

Und anhand bcachefs kann man ja sehen, wie sowas aussehen könnte.
 
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