AMD Radeon RX 580 & 570 im Test: Asus, MSI, PowerColor und Sapphire im Vergleich

Wolfgang Andermahr et al. 354 Kommentare
AMD Radeon RX 580 & 570 im Test: Asus, MSI, PowerColor und Sapphire im Vergleich

tl;dr: Bevor AMD im 2. Quartal mit Vega nach der Leistungskrone greift, legt der Hersteller die Mittelklasse mit der Radeon RX 500 neu auf. Im Test zeigen Radeon RX 580 und RX 570 von Asus, MSI, PowerColor und Sapphire viele Vorteile gegenüber den Vorgängern, bestätigen aber auch: GCN und Polaris sind am Ende.

Radeon RX 580 und 570 im Test: Polaris Refined

AMDs neue Serie besteht aus vier Grafikkarten: Radeon RX 580, 570, 560 und 550. Auf den Markt kommen heute aber nur die RX 580 und RX 570. Radeon RX 550 und 560 folgen am 20. April respektive Anfang Mai. Muster gab es vorerst nur von den beiden großen Modellen.

Beide setzen auf die „neue“ Polaris-20-GPU, deren Vorteile gegenüber Polaris 10 einzig und allein im Fertigungsprozess zu finden sind, der höhere Taktraten ermöglicht. Bei gleichem Takt sind Polaris 10 und Polaris 20 exakt gleich schnell. AMD spricht von „Polaris Refined“ oder „Polaris Evolved“, Zielgruppe der neuen Grafikkarten sind nicht die Inhaber der ersten RX-Generation sondern die Besitzer von Grafikkarten auf Basis von Tonga oder Hawaii.

Partnerkarten von Asus, MSI, PowerColor und Sapphire im Vergleich

Neben der Frage, wie viel schneller RX 580 und RX 570 im Vergleich zu RX 480 und RX 470 in Spiele-Benchmarks sind, geht der Test auch der Frage nach der Qualität der ersten Partnerkarten nach. Nachdem AMD erst Ende der vergangenen Woche Muster liefern konnte, waren es dafür pünktlich zum langen Osterwochenende umso mehr: Auf den folgenden Seiten müssen die Asus Radeon RX 580 Strix OC, die MSI Radeon RX 580 Gaming X 8G, die PowerColor Radeon RX 580 Red Devil sowie die Radeon RX 580 Red Devil Golden Sample und die Sapphire Radeon RX 580 Nitro+ OC zeigen, ob die neue Generation neben dem überarbeiteten Chip noch weitere Vorteile zu bieten hat. Mit der PowerColor Radeon RX 570 Red Devil ist auch eine erste Partnerkarte dieser Klasse in den Benchmarks vertreten.

AMD Radeon RX 580 und RX 570 im Test
AMD Radeon RX 580 und RX 570 im Test

Der Dank der Redaktion geht an den Händler Mindfactory für die Bereitstellung der zwei Radeon RX 580 von PowerColor. Die anderen drei Radeon RX 580 wurden von den jeweiligen Herstellern, die RX-570-Grafikkarte hingegen von AMD zur Verfügung gestellt.

Polaris 20 mit LPP+ ersetzt Polaris 10 mit LPP

AMD nutzt für Polaris 20 wie für Polaris 10 einen 14-nm-FinFET-Prozess, der Unterschied liegt in dessen Reifegrad: Statt der 2. Generation (LPP) soll jetzt die 3. Generation (LPP+) zum Einsatz kommen. Gerüchten aus der Industrie zufolge hat auch der Auftragsfertiger gewechselt: Statt Globalfoundries soll Samsung zum Zuge kommen, von AMD gibt es zu diesem Thema auch auf Nachfrage keinen Kommentar. Samsung fertigt bereits Nvidia Pascal in Form des GP107 (GeForce GTX 1050 (Ti)) in 14 nm FinFET.

PowerColor spricht von „3. Generation 14-nm-FinFET“
PowerColor spricht von „3. Generation 14-nm-FinFET“

AMD kann die neue Polaris-20-GPU ein gutes Stück höher takten als die alte Version: Die Radeon RX 480 betrieb der Hersteller maximal mit 1.266 MHz, die schnellste Partnerkarte nutzte 1.342 MHz – Übertakten war kaum möglich, der Stromverbrauch stieg deutlich.

Polaris 10 (RX 480) Polaris 20 (RX 580)
Turbo Referenz 1.266 MHz 1.340 MHz
Turbo Partnerkarte (max.) 1.342 MHz 1.450 MHz

Bereits die Referenzvorgabe von AMD für die Radeon RX 580 liegt mit 1.340 MHz auf dem Niveau der vormals schnellsten Partnerkarten, viele von Haus aus übertaktete Partnerkarten werden mit rund 1.400 MHz arbeiten. Die Sapphire Radeon RX 580 Nitro+ Limited Edition wird die Polaris-20-GPU gar mit 1.450 MHz ansteuern.

Bis zuletzt hielten sich Gerüchte, die neuen Grafikkarten würde auf schnelleren Speicher vom Typ GDDR5X setzen, doch dem ist nicht so: Sowohl der Speicher-Typ als auch die Kapazität bleiben gegenüber der Radeon-RX-400-Serie unverändert: 8 GB sind es bei der Radeon RX 580, 4 oder 8 GB bei der Radeon RX 570. Bei der RX 580 entspricht auch der Speichertakt dem Vorgänger, bei der RX 570 fällt dieser mit 3.500 MHz statt 3.300 MHz (RX 470) nun etwas höher aus.

Gleiche Architektur, gleiche Konfiguration

Abgesehen vom Prozess sind die GPUs von Radeon RX 580 und Radeon RX 570 gegenüber den Versionen auf Radeon RX 480 beziehungsweise Radeon RX 470 unverändert geblieben. Die GPUs beherbergen 5,7 Milliarden Transistoren auf 232 mm² Fläche, 2.304 Shader und ein 256 Bit breites Speicherinterface sind maximal möglich. Genutzt werden alle Shader aber nur auf der Radeon RX 580, die Radeon RX 570 nutzt wie die Radeon RX 470 nur 2.048 ALUs.

Ein neuer Power State für den Speicher

Bisher besaßen Grafikkarten von AMD maximal zwei Power States für den Speicher: Einen für den Idle- beziehungsweise Light-Load-Modus sowie einen für höhere Last. Im Ergebnis taktete der Speicher beim Einsatz eines zweiten Monitors schon auf dem Windows-Desktop immer mit dem Maximum.

Bei Polaris 20 führt AMD jetzt einen dritten Power-State ein, durch dessen Nutzung der Speicher beim Betrieb mehrerer Monitore nicht mehr mit dem vollen Takt laufen muss. Mit zwei Full-HD-Bildschirmen funktionierte das im Test aber noch nicht. ComputerBase steht mit AMD zu diesem Thema in Kontakt.

Darüber hinaus soll die Leistungsaufnahme bei der Wiedergabe eines Videos auf zum Beispiel YouTube deutlich sinken, was die Redaktion bereits bestätigen kann. Zu beobachten ist auch, dass die neuen Grafikkarten auf dem Windows-Desktop nicht mehr sofort hoch und herunter takten, wenn zum Beispiel ein Desktop-Fenster verschoben wird. Auch dies sorgt für eine geringere Leistungsaufnahme.

Mehr Takt, aber auch mehr Verbrauch

Bilder von Grafikkarten mit mehr PCIe-Anschlüssen hatten es erahnen lassen: Die höheren Taktraten sind auch mit dem neuen Prozess nicht ohne einen gestiegenen Stromverbrauch möglich. Die TDP der Radeon RX 580 beträgt mit 185 Watt jetzt 35 Watt mehr als beim Vorgänger, die der Radeon RX 570 liegt mit 150 Watt genau 30 Watt darüber. Die Kühlleistung für die neue Radeon RX 570 muss damit genau so potent ausfallen wie für die alte Radeon RX 480.

AMD Radeon RX 580 (8 GB) AMD Radeon RX 480 (8 GB) AMD Radeon RX 570 AMD Radeon RX 470
Chip: Polaris 20 Polaris 10 Polaris 20 Polaris 10
Transistoren: ca. 5,7 Mrd.
Fertigung: Globalfoundries 14 nm
Shader-Einheiten: 2.304 2.048
2.048
Variante
1.792
Basis-Chiptakt: 1.257 MHz 1.120 MHz 1.168 MHz 926 MHz
Maximaler Chiptakt: 1.340 MHz 1.266 MHz 1.244 MHz 1.206 MHz
SP-GFLOPs: 6.175 GFLOPs 5.833 GFLOPs 5.095 GFLOPs
4.940 GFLOPs
Variante
4.322 GFLOPs
ROPs: 32
Pixelfüllrate: 42.880 MPix/s 40.512 MPix/s 39.808 MPix/s 38.592 MPix/s
TMUs: 144 128
128
Variante
112
Texelfüllrate: 192.960 MTex/s 182.304 MTex/s 159.232 MTex/s
154.368 MTex/s
Variante
135.072 MTex/s
DirectX (Feature-Level): 12_0
GPU ohne Monitor abschaltbar: ✓ (ZeroCore)
Speichermenge: 8.192 MB GDDR5 4.096 MB GDDR5
Speichertakt: 4.000 MHz 3.500 MHz 3.300 MHz
Speicherinterface: 256 Bit
Speicherbandbreite: 256.000 MB/s 224.000 MB/s 211.200 MB/s
Leistungsaufnahme Typisch/Maximal: 185 Watt/? 150 Watt/? 120 Watt/?

Radeon RX 580 von Asus, MSI, PowerColor und Sapphire

ComputerBase standen für den Test kurzfristig fünf Partnerkarten der Radeon RX 580 zur Verfügung. Eine stammte von Asus, eine von MSI, zwei von PowerColor und eine von Sapphire:

  • Asus Radeon RX 580 Strix
  • MSI Radeon RX 580 Gaming X
  • PowerColor Radeon RX 580 Red Devil
  • PowerColor Radeon RX 580 Red Devil Golden Sample
  • Sapphire Radeon RX 580 Nitro+ OC

Die folgend Tabelle enthält die wesentlichen Eckdaten der fünf Varianten, auf die wesentlichen Unterschiede der Grafikkarten wird nachfolgend genauer eingegangen. Interessant ist dabei auch der übergeordnete Vergleich mit den Vorgängern auf Basis der Radeon RX 480.

Radeon RX 580 im Vergleich
Merkmal Asus Strix MSI Gaming X PowerColor Red Devil PowerColor Red Devil
Golden Sample
Sapphire Nitro+ OC
Karte PCB-Design Asus MSI PowerColor PowerColor Sapphire
Länge, Breite 30,5 cm, 13,0 cm 27,5 cm, 14,0 cm 24,0 cm, 14,0 cm 24,0 cm, 14,0 cm 26,0 cm
14,0 cm
Stromversorgung 1 × 8 Pin 1 × 8 Pin 1 × 6 Pin
1 × 8 Pin
1 × 6 Pin
1 × 8 Pin
1 × 6 Pin
1 × 8 Pin
Kühler Design Asus, 2,5 Slot MSI, 2 Slot PowerColor, 2,1 Slot PowerColor, 3,0 Slot Sapphire, 2,0 Slot
Kühlkörper 6 Heatpipes, Alu-Kern 3 Heatpipes, Alu-Kern 4 Heatpipes, Alu-Kern 5 Heatpipes, Alu-Kern 4 Heatpipes, Kupfer-Kern
Lüfter 3 × 90 mm (axial) 2 × 95 mm (axial) 2 × 95 mm (axial) 2 × 95 mm (axial) 2 × 95 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja Ja Ja Ja Ja
Max. Drehzahl
nach Treiber (einstellbar)
2.100 Umdr. 2.400 Umdr. 3.000 Umdr. 3.000 Umdr. 2.280 Umdr.
2.000 Umdr. (Silent)
Zieltemperatur
nach Treiber (einstellbar)
65°C 70°C 75°C
80°C (Silent)
75°C
80°C (Silent)
75°C
76°C (Silent)
Takt
GPU-Maximum
fett = ab Werk
1.411 MHz (Gaming)
1.430 MHz (OC)
1.380 MHz (Gaming)
1.393 MHz (OC)
1.380 MHz (OC)
1.355 MHz (Silent)
1.425 MHz (OC)
1.411 MHz (Silent)
1.411 MHz (OC)
1.340 MHz (Silent)
Speicher 4.000 MHz 4.000 MHz (Gaming)
4.050 MHz (OC)
4.000 MHz 4.000 MHz 4.000 MHz
Speichergröße 8.192 MB 8.192 MB 8.192 MB 8.192 MB 8.192 MB
Anschlüsse 1 × Dual-Link-DVI
2 x HDMI 2.0b
2 x DisplayPort 1.4
1 × Dual-Link-DVI
2 x HDMI 2.0b
2 x DisplayPort 1.4
1 × Dual-Link-DVI
1 x HDMI 2.0b
3 x DisplayPort 1.4
1 × Dual-Link-DVI
1 x HDMI 2.0b
3 x DisplayPort 1.4
1 × Dual-Link-DVI
2 x HDMI 2.0b
2 x DisplayPort 1.4

MSI tauscht vorerst nur die GPU

Die MSI Radeon RX 580 Gaming X ist optisch nicht vom Vorgänger zu unterscheiden. Und auch ein Blick unter den Kühler offenbart keine Unterschiede: Kühler, PCB, Anschlüsse – MSI hat offensichtlich nur Polaris 10 durch Polaris 20 ersetzt. Dessen GPU taktet mit maximal 1.380 MHz genau 40 MHz höher als von AMD vorgegeben. Wer in der Gaming-App den OC-Modus aktiviert, erhält zusätzliche 13 MHz bei der GPU und 25 MHz beim Speicher.

Mehr Neuerungen bei Asus, PowerColor und Sapphire

Asus, PowerColor und Sapphire haben der neuen Generation hingegen mehr als nur eine andere GPU spendiert. Die Asus Radeon RX 580 Strix setzt beispielsweise auf denselben 2,5-Slot-Kühler wie Asus GeForce GTX 1080 Ti Strix OC-Edition (Test) und damit sowohl auf mehr Heat-Pipes als auch auf größere Radiatoren. Die eingestellte Zieltemperatur der nochmals 31 MHz höher taktenden GPU für die Lüftersteuerung fällt mit 65 °C dann auch vergleichsweise niedrig aus. Wird in Asus GPU Tweak II (Download) der OC-Modus aktiviert, liegen nochmal 19 MHz mehr GPU-Takt an.

Deutlich potentere Kühlsysteme gibt es auch auf der Sapphire Radeon RX 580 Nitro+ OC und der PowerColor Radeon RX 580 Red Devil Golden Sample zu sehen. Die Ansätze sind aber verschieden: Sapphire setzt weiterhin auf ein 2-Slot-Design, verdoppelt aber die Anzahl der Heat-Pipes von zwei auf vier. PowerColor wiederum nutzt einen wuchtigen 3-Slot-Kühler, dessen Radiator sogar von fünf Heat-Pipes durchzogen wird. Die kleinere PowerColor Radeon RX 580 Red Devil nutzt dieselben zwei Lüfter und dieselbe Abdeckung, bliebt mit 2,1 Slot aber deutlich flacher und um eine Heat-Pipe ärmer.

Asus und MSI belassen es auch bei RX 580 bei einem 8-Pin-PCIe-Anschluss zur Stromversorgung, PowerColor und Sapphire nutzen hingegen ab sofort 8-Pin und 6-Pin parallel. Auch Sapphire und PowerColor bieten zwei Profile für die Grafikkarten an, mit 1.425 MHz erreicht die Version Golden Sample von Power Color dabei den höchsten Takt ab Werk.

Radeon RX 570 von PowerColor

Die neue Radeon RX 570 stand ComputerBase für den Test nur einmal in Form der PowerColor Radeon RX 570 Red Devil zur Verfügung. Wie bei der Radeon RX 580 hat der Hersteller auch bei diesem Modell den Kühler aufgestockt: Die Radeon RX 570 Red Devil trägt ab sofort den Kühler der alten Radeon RX 480 Red Devil. Den Takt hat PowerColor von maximal 1.244 auf 1.320 MHz angehoben, den Takt des Speichers aber unangetastet gelassen.

PowerColor Radeon RX 570 Red Devil
PowerColor Radeon RX 570 Red Devil
Die PowerColor Radeon RX 570 Red Devil
Karte PCB-Design PowerColor
Länge, Breite 30,0 cm, 11,5 cm
Stromversorgung 1 × 8 Pin
Kühler Design PowerColor, 2 Slot
Kühlkörper 3 Heatpipes, Kupfer-Kern
Lüfter 3 × 75 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja
Max. Drehzahl
nach Treiber (einstellbar)
3.100 Umdr.
Zieltemperatur
nach Treiber (einstellbar)
76°C
Takt GPU-Maximum 1.320 MHz
Speicher 3.500 MHz
Speichergröße 4.096 MB GDDR5
Anschlüsse 1 × Dual-Link-DVI
1 x HDMI 2.0b
3 x DisplayPort 1.4

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