iOS 11 im Test: Für iPads und volle Speicher, nicht für kleine iPhones 2/2

Jan-Frederik Timm et al. 391 Kommentare

Endlich Anhänge in iMessage löschen

Ein Segen ist iOS 11 für häufige Nutzer von iMessage: In den Einstellungen zum iPhone-Speicher wird ab sofort nicht mehr nur angezeigt, wie viele Gigabyte die Chat-Verläufe inklusive Anhängen in Summe belegen. Erstmal gibt es auch eine Auskunft über die Größe jedes Chats und in iMessage eingebettet Bilder und Videos lassen sich übersichtlich und nach Größe geordnet anzeigen und einzeln per Wisch löschen. Um Speicherplatz frei zu machen, müssen Anwender also nicht mehr ganze Chat-Verläufe in der App löschen, sondern können endlich die größten Speicherfresser gezielt vernichten.

Auf Wunsch kann man das iMessage auch automatisch tun lassen, in dem das Programm Anhänge nach einem Jahr löscht. Wie viel Speicherplatz dadurch frei werden würde, darüber geben die neuen Einstellungen ebenfalls Auskunft. Bisher ließen sich nur komplette Nachrichten pauschal nach 30 Tagen oder einem Jahr löschen.

Für iOS 11 angekündigt, aber bisher nicht verfügbar, ist das Ablegen der iMessage in der iCloud. Bisher findet die Speicherung zwar synchronisiert, aber immer lokal statt. Die Funktion soll mit einem Update nachgereicht werden.

Apps löschen, Daten behalten

Ebenfalls erstmals angeboten wird Anwendern die Möglichkeit, Apps bei akutem Speichermangel „auszulagern“. Ist die Option aktiv, löscht iOS ausgewählte Apps, die der Anwender selten benutzt hat, nicht aber die darin enthaltenen Daten. Das kommt dem schon länger bekannten Mechanismus beim Updaten von iOS gleich, bei dem das Betriebssystem zur Not ebenfalls temporär Anwendungen löscht, um Platz für den Installationsprozess zu schaffen. Apps auslagern auf Anwendungsebene können Nutzer auch manuell.

Aber auch über zwei weitere Neuerungen in iOS 11 lässt sich auf iPhone oder iPad in der Regel kostbarer Speicherplatz frei schaufeln.

HEIF und HEVC statt JPEG und H.264

Mit iOS 11 wechselt Apple auf iPhone und iPad zu neuen Codecs für Bilder und Videos. Statt JPEG und H.264 zu verwenden, nutzen neuere Geräte in Zukunft HEIF und HEVC (H.265). Vor allem HEIF bringt einige Vorteile bei der Aufnahme von Fotos mit, von denen auch Entwickler profitieren werden. Und in Summe sorgt auch diese Entwicklung für mehr Platz auf unterstützten Geräten.

HEVC steht für High Efficiency Video Coding und hat sich als Standard auf der Ultra HD Blu-ray durchgesetzt. Der Codec erlaubt eine höhere Kompressionsrate bei gleichbleibender oder höherer Bildqualität. Üblicherweise wird bei HEVC ein Kompressionsfaktor von zwei gegenüber H.264 genannt, sodass auf eine im Vergleich zur Blu-ray nur doppelt so viel Kapazität bietenden Ultra HD Blu-ray ein Film mit vierfacher Auflösung passt. Der Codec eignet sich zudem für höhere Auflösungen als 4K.

HEIF wiederum steht für High Efficiency Image Format und soll den modernen Ansprüchen gerecht werden. Auch HEIF verspricht kleinere Dateien bei gleichbleibender oder höherer Bildqualität. Als Vorteil gegenüber JPEG kann an dieser Stelle die Halbierung der Dateigröße erwähnt werden.

HEIF-Encoding gibt es nur ab Apple A10(X) Fusion

HEIF kann von grundsätzlich allen Apple-Geräten mit iOS und macOS decodiert werden, allerdings ist dies in Hardware nur ab dem A9(X)-Chip des iPhone 6s (Plus), iPhone SE, iPad Pro (9,7 & 12,9 Zoll), iPad 2017 sowie Intel-Prozessoren ab der sechsten Core-i-Generation (Skylake) möglich. Auf allen anderen Geräten kommt für HEIF ein Software-Decoder zum Einsatz. Encoding-Support auf Hardware-Ebene besteht ausschließlich für den A10(X) Fusion des iPhone 7 (Plus) und iPad Pro mit 10,5 Zoll sowie 12,9 Zoll der zweiten Generation sowie den neuen A11 Bionic von iPhone 8 (Plus) und iPhone X. Ein Software-Encoding wird für die Mobilgeräte nicht angeboten.

Verlassen Dateien iOS, wird konvertiert

Wie beim letztjährigen Wechsel zum erweitertem Display-P3-Farbraum werden Videos und Bilder außerhalb des Apple-Ökosystems in den älteren Formaten H.264 und JPEG geteilt – zum Beispiel bei einer E-Mail oder Druckstation.

AirPlay 2, ARKit usw. usf.

Zu den nicht sofort sichtbaren Features von iOS 11 zählt AirPlay 2, das jetzt auch Lautsprecher und komplette Audio-Systeme steuern kann. Sofern das Protokoll von den Geräten unterstützt wird, können Lieder individuell pro Zimmer oder auf allen Lautsprechern abgespielt werden. Außerdem lässt sich die Lautstärke für jeden Raum einzeln steuern.

AirPlay 2 erfordert eventuell ein Softwareupdate bei vorhandenen Lautsprechern oder eine neue Hardware, abhängig vom Lautsprecherhersteller. Änderungen an den Funktionen vorbehalten. Einige Funktionen, Programme und Dienste sind u. U. nicht in allen Regionen oder Sprachen verfügbar.

Mit dem ARKit gibt Apple Entwicklern darüber hinaus ein standardisiertes Set an APIs zur Entwicklung von AR-Anwendungen in die Hand. Neu ist außerdem ein Nicht-stören-Modus während der Fahrt im Auto. Ist die Funktion aktiviert, erkennt das Endgerät am Bewegungsprofil, dass es sich im Auto befindet, und teilt Personen, die den Fahrer erreichen wollen, das mit.

AR-Anwendung auf Basis ARKit
AR-Anwendung auf Basis ARKit (Bild: Apple)

Gemessen an der Masse der Veränderungen, die Apple exemplarisch darstellt oder die Community der Wikipedia herausgearbeitet haben, sind aber auch diese drei Neuerungen nur eine Auswahl.

Welche Neuerungen stechen hervor?

Die herausgegriffenen Veränderungen dürften für viele Anwender im Alltag eine Rolle spielen. Bei anderen kommt es hingegen auf die ganz persönlichen Nutzungsszenarien an, als wie gravierend sie wahrgenommen werden. Die Redaktion würde es im Vorfeld der Freigabe von iOS 11 für die breite Masse deshalb interessieren, welche Erfahrungen Leser im Beta-Test mit iOS 11 auf iPhone oder iPad gemacht haben. Was waren die größten Hürden, was die gefühlt besten Fortschritte? Antworten auf diese Fragen sind in den Kommentaren willkommen.

Hast du iOS 11 bereits getestet?
  • Ja, über die Beta für Entwickler
    10 %
  • Ja, über die öffentliche Beta
    23 %
  • Nein
    67 %

Fazit

iOS 11 macht Schluss mit 32 Bit. Doch weil Apple bereits seit vier Jahren auf 64-Bit-SoCs setzt, fallen trotzdem nur drei Geräte aus dem Raster. Bei den Anwendungen betrifft der Schritt hingegen potentiell alle Anwender, es kommt hier ganz auf das eigene Portfolio an. Grundsätzlich gilt: Wer in iOS 10 Anwendungen genutzt hat, die sporadisch darauf hingewiesen haben, nur noch langsam zu laufen, der wird in iOS 11 komplett auf sie verzichten müssen.

Das iPad reift per Software

Ganz neue Möglichkeiten im Umgang mit dem System bietet iOS 11 Anwendern aktueller iPads: Das neue Dock und die erweiterten Multi-Tasking-Fähigkeiten erlauben in der Tat ganz neue Anwendungsszenarien. Der flüssige Umgang mit dem neuen Dock, Multi-Tasking im Mehr-Fenster-Betrieb und Copy&Paste mit dem Finger will allerdings geübt sein. Doch wer sich darauf einstellt, kann ohne Frage noch produktiver auf dem Tablet arbeiten.

Im Alltag überzeugen auch die neuen Möglichkeiten im Kontrollzentrum und zum Freischaufeln von Speicherplatz durch das gezielte Löschen von Anhängen in iMessages. Gewöhnungsbedürftig sind hingegen der neue App Store, die neue Animationen und insbesondere auf 4-Zoll-iPhones der teilweise verschwenderisch wirkende Umgang mit Platz.

Die Leistung ist hoch, die Akkulaufzeit noch nicht

Probleme mit der Leistung der finalen Version von iOS 11 traten im Test auf keinem Gerät auf. Die Akkulaufzeit scheint mit dem Wechsel auf den Golden Master allerdings noch einmal etwas gelitten zu haben. Denn während die Laufzeit in der Betaphase nach anfänglich gravierenden Rückschritten zum Ende hin an das Niveau von iOS 10 heran reichen konnte, verlangen die mit der Golden Master genutzten Smartphones iPhone SE und iPhones 7 aktuell wieder schneller nach Strom.

Auch watchOS 4 erscheint heute

Parallel zu iOS 11 erscheint heute Abend auch das Update auf watchOS 4 für die Apple Watch. Das Update auf macOS 10.13 High Sierra wird hingegen erst kommende Woche für alle Anwender freigegeben.

Update 1: Erste Erkenntnisse der Community

Erste Erkenntnisse der Community, die sowohl auf Basis der finalen Beta als auch der gestern freigegebenen finalen Version gesammelt wurden, scheinen die von ComputerBase gesammelten Erfahrungen zu Leistung und Akkulaufzeit zu bestätigen: iOS 11 in erster Version hat in der Tat einen spürbar höheren Akkuverbrauch, der Anwender früher zum Laden zwingt. Das ist auch auf Geräten ohne A10(X)-Fusion-SoC der Fall, auf denen die vorhandenen JPEG-Dateien nicht in HEIF konvertiert werden, weil das SoC diese Funktion nicht in Hardware bietet. Auch auf unterstützten Endgeräten findet dieser Prozess allerdings nur bei eingestecktem Netzteil statt, sollte auch dort also keinen Einfluss auf die Laufzeit haben.

Überwiegend positive Aussagen zur Leistung

Bei der Leistung gibt es zwar auch vereinzelte gegenläufige Berichte, die Mehrheit der Leser, die sich bisher zu Wort gemeldet haben, können gegenüber iOS 10 hingegen keinen Leistungsverlust feststellen. Mehr Wortmeldungen von Nutzern älterer Endgeräte wären hier aber noch hilfreich. Jeder Teilnehmer an der nachfolgenden Umfrage ist dazu aufgerufen, mehr Details in den Kommentaren zu diesem Test kundzutun.

Die Leistung unter iOS 11 ist im Vergleich zu iOS 10
  • gleich geblieben
    44 %
  • gestiegen
    27 %
  • gesunken
    29 %

Die neuen Einstellungen für WLAN und Bluetooth verwirren

Für Verwirrung sorgt Apples Entscheidung, über die Schalter für WLAN und Bluetooth im Kontrollzentrum nur noch die aktuelle Verbindung zu kappen und nicht mehr die Funkmodule zu deaktivieren. Bei einigen Lesern verbinden sich die so vom WLAN getrennten iPhones oder iPads nach Sekunden bereits erneut mit dem Netz, in der Redaktion war das auf drei verschiedenen iPhones trotz anderer bekannter Netze hingegen nicht der Fall. Apples Motivation hinter der Änderung wird so nicht klar.

Update 2: Die Akkulaufzeit ist deutlich gefallen

Die von ComputerBase bereits zur Freigabe von iOS 11 am 19. September angedeuteten Probleme in Bezug auf die Akkulaufzeit haben sich über die letzte Woche global bestätigt. Nicht nur in den Kommentaren zu diesem Test beschweren sich auch weiterhin Leser über eine deutlich gesunkene Laufzeit insbesondere beim iPhone, auch bei 9to5Mac haben in einer aktuellen Umfrage siebzig Prozent der Teilnehmer angegeben, eine deutlich (42 Prozent) oder zumindest spürbare (28 Prozent) Verschlechterung der Laufzeit beobachtet zu haben.

Die Akkulaufzeit von iOS 11 ist im Vergleich zu iOS 10...
  • gesunken
    70 %
  • gleich geblieben
    26 %
  • gestiegen
    4 %

Objektive Messwerte stützen die Beobachtungen

Der App-Anbieter Wandera kann die von vielen Anwender beobachtete kürzerer Akkulaufzeit auf Basis von 50.000 überwachten iPhones und iPads auch mit Zahlen belegen: Im Schnitt können Anwender das neue Betriebssystem 96 Minuten mit einer Ladung bei aktivem Bildschirm nutzen, beim Vorgänger iOS 10 waren es 240 Minuten. Ohne Berücksichtigung der Standby-Zeiten fällt der Unterschied zwischen iOS 11 und iOS 10 demnach extrem aus.

Laut Wandera ist die Screen-On-Time drastisch gesunken
Laut Wandera ist die Screen-On-Time drastisch gesunken (Bild: Wandera)

Dass ein Update auf eine neue iOS-Version mit sinkenden Akkulaufzeiten einhergeht, ist insbesondere kurz nach dem Update nichts besonderes. Auf iPhones mit einem SoC vom Typ A10(X) Fusion oder neuer werden beispielsweise nach dem Wechsel JPEG-Dateien in HEIF konvertiert (lt. Apple allerdings nur im Netzbetrieb), aber auch die Suche Spotlight wird neu indexiert. Die Probleme bei iOS 11 halten aber bereits so lange an, dass die gesunkene Akkulaufzeit nicht allein darauf zurückzuführen ist. Apple hat sich bisher nicht dazu geäußert. Eine neue Version als Beta gibt es aktuell auch für registrierte Entwickler noch nicht.

Update 3: Akkulaufzeiten im Vergleich

ComputerBase hat sich im Laufe der letzten Wochen noch einmal mit verschiedenen Versionen von iOS beschäftigt, um die Akkulaufzeiten auf einem iPhone 7 und iPhone 7 Plus zu vergleichen. Darunter waren iOS 11.0, iOS 11.0.1, iOS 11.1 Beta 1 und iOS 10.3.3. Dafür wurde wie im Smartphone-Test üblich ein YouTube-Video in 720p über WLAN gestreamt. Die Displays waren auf beiden Gerät auf 200 cd/m² kalibriert.

Dabei zeigt sich zunächst einmal, dass die Akkulaufzeiten der neuen Tests bei weitem nicht mit früheren Messungen mithalten können. Unter iOS 11 sind die Laufzeiten durch die Bank rund 40 Prozent kürzer als noch unter iOS 10.0.1 vor einem Jahr. Eine minimale Verbesserung brachte iOS 11.1 Beta 1 mit, es sind aber nur wenige Minuten.

YouTube-Akkutest 200 cd/m²
Angaben in Stunden, Minuten
    • iPhone 7 Plus (iOS 10.0.1) (09/2016)
      11:22
    • iPhone 7 (iOS 10.0.1) (09/2016)
      8:40
    • iPhone 7 Plus (iOS 11.1 Beta 1) (09/2017)
      6:52
    • iPhone 7 Plus (iOS 11.0) (09/2017)
      6:43
    • iPhone 7 Plus (iOS 11.0.1) (09/2017)
      6:38
    • iPhone 7 (iOS 10.3.3) (09/2017)
      5:18
    • iPhone 7 (iOS 11.1 Beta 1) (09/2017)
      5:08
    • iPhone 7 (iOS 11.0) (09/2017)
      5:04

Ein testweise auf einem iPhone 7 durchgeführtes Downgrade auf iOS 10.3.3 sorgte zwar für die beste Laufzeit im Vergleich zu den anderen Versionen des Betriebssystems auf demselben Gerät, von der ersten Messung zum Test im September 2016 ist der neue Wert aber weit entfernt. Mit den ein Jahr alten Messungen zum Marktstart der Geräte sind die neuen Messungen allerdings nicht unbedingt vergleichbar, da bei beiden Smartphones ein Jahr Nutzung mit täglichem Laden und Entladen dazwischen liegt.

Die neue Messung mit iOS 10.3.3 suggeriert, dass sich die Akkulaufzeit mit iOS 11 nicht verschlechtert hat, sondern die kürzeren Laufzeiten auch auf den „abgenutzten“ Akku zurückzuführen sein könnte. Dennoch halten beide Geräte mit iOS 11 im Alltag weniger lange durch als noch mit iOS 10 wenige Tage vor dem Update (iPhone 7) oder auch mit früheren Beta-Versionen von iOS 11 (iPhone 7 Plus) vor dem Golden-Master-Wechsel.

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