ViewSonic XG270QG im Test: Display-Messungen und Fazit

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Frank Hüber
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Helligkeit und Farbraum

Am hellsten ist der ViewSonic XG270QG wie fast alle Monitore in der Bildmitte mit 377 cd/m². Nur hier werden allerdings die vom Hersteller als „typisch“ bezeichneten 350 cd/m² tatsächlich überschritten. Zu den Rändern und insbesondere der linken oberen und rechten unteren Ecke fällt die Helligkeit deutlich ab. In der linken oberen Ecke werden mit 278 cd/m² so nur 74 Prozent der Maximalhelligkeit erreicht. Die Homogenität des XG270QG fällt allerdings in Summe minimal besser aus als beim Gigabyte Aorus AD27QD (Test), dafür ist das Gigabyte-Display deutlich heller. Andere Modelle mit derselben Auflösung, aber 31,5 Zoll und langsamerer Reaktionszeit bieten im Testfeld eine bessere Homogenität.

Dafür ist das Display des XG270QG auch bei niedrigerer Helligkeit flackerfrei, da keine Pulsweitenmodulation (PWM) zur Steuerung genutzt wird, sondern „Direct Current“.

Zu inhomogenes Display mit schwachem Kontrast

Der Schwarzwert des XG27QG liegt bei maximaler Display-Helligkeit bei durchschnittlich 0,455 cd/m², wobei die hellste Stelle links unten aber 0,644 cd/m² hell leuchtet und die dunkelste Stelle rechts unten mit 0,370 cd/m². In sehr dunklen Umgebungen ist diese unterschiedliche Helligkeit bei schwarzen Bildinhalten sichtbar.

Der resultierende maximale Kontrast des Displays liegt bei 1019:1, durchschnittlich kommt der XG270QG aber nur auf einen Kontrast von 712:1 – ein vergleichsweise niedriger Wert. Die Farbtemperatur des Monitors beträgt angenehme 6.200 Kelvin.

Bei minimaler Helligkeit leuchtet der Monitor von ViewSonic bei der Darstellung von Weiß mit mindestens 53 cd/m² (links oben) und maximal 75,3 cd/m² (Display-Mitte). Abseits der sich auch hier zeigenden Inhomogenität ist das vergleichsweise hell, ein weiteres Absenken der Helligkeit wäre wünschenswert.

Gute Farbtreue des IPS-Panels

ComputerBase testet die Farbwiedergabe des XG270QG mit CalMAN ColorMatch, das die dargestellte Farbe des Monitors mit der vom Programm angezeigten Farbe vergleicht. Interessant an dieser Stelle sind insbesondere der durchschnittliche und der maximale Delta-E-Wert und das Delta-E-2000-Diagramm, da diese angeben, wie stark die Farbwiedergabe von dem ausgewählten Farbstandard abweicht. Eine Abweichung von 1 dE ist für das menschliche Auge so gut wie nicht sichtbar. Ein kalibriertes Display sollte so eingestellt sein, dass die durchschnittliche Abweichung unter 3 dE und das maximale dE unter 5 liegt. Eine Abweichung über 3 dE wird als sichtbar für das menschliche Auge aufgefasst. Unkalibrierte Monitore liegen normalerweise weit darüber. Das Delta-E-2000-Diagramm zeigt die Abweichung für jeden gemessenen Farbwert an.

Im dargestellten CIE-1976-Chart des ViewSonic XG270QG ist zu sehen, welche Farbpunkte wie stark vom angestrebten Farbwert abweichen. Bei einem optimal eingestellten Display sollten alle Punkte innerhalb der Quadrate liegen.

Die Farben des XG270QG weichen minimal von den echten Farbwerten ab, die Grenzen von 3 und 5 dE werden knapp verfehlt. Die durchschnittliche Farbabweichung liegt bei 3,3 dE und ist somit noch akzeptabel. Die maximale Abweichung beträgt zwar 6,4 dE und scheitert somit deutlicher an der Vorgabe von 5 dE, für einen Gaming-Monitor ist aber auch dieser Wert noch akzeptabel. Mit minimalen Anpassungen lassen sich die Abweichungen auf 3,2 und 5,1 reduzieren, wofür die Farbtemperatur des Profils „Custom 1“ auf „Manuell“ gestellt wird und folgende Werte eingestellt werden: R Gain 98, G Gain 97, B Gain 100. Mit diesen lässt sich die Abweichung einiger Farben deutlich nach unten korrigieren.

Der Gaming-Monitor ViewSonic XG240R (Test) mit Full HD, TN-Panel und 144 Hz schneidet mit 7 und 14 dE beispielsweise deutlich schlechter ab, der ViewSonic XG3240C (Test) mit 32 Zoll, WQHD und 144 Hz hingegen minimal besser.

Deutlich besser performt etwa der Samsung C32HG70 (Test), der nur auf eine Abweichung von durchschnittlich 1,1 dE und maximal 2,9 dE kommt.

Display- und Input-Lag (Beta)

Die eingeführten Messungen zum Display- und Input-Lag befinden sich weiterhin im Betastadium und ComputerBase bittet sie auch als solche zu verstehen, da beide Messmethoden Vor- und Nachteile haben. Darüber hinaus wirken sich viele Faktoren bei den Display-Einstellungen auf das Ergebnis aus, die es noch näher zu analysieren gilt. Sie sind insbesondere als Vergleich der Displays unter gleichen Testbedingungen zu verstehen, statt als absolute Messwerte. Bei den Messungen wird immer die schnellste Display-Einstellung („Response Time“ oder „Overdrive“) im OSD gewählt, sofern in den Diagrammen nicht anders angegeben.

Display-Lag

Beim Display-Lag wird die reine Verzögerung durch die Bildverarbeitung und Ausgabe des Displays betrachtet. Sie ist vom Input-Lag, also der Verzögerung, bis eine Eingabe auf dem Bildschirm wahrnehmbar umgesetzt wird, zu unterscheiden. Den Display-Lag misst ComputerBase dabei mit der sogenannten CRT-Methode, bei der ein analoger CRT alias Röhrenmonitor als Basis und Referenzwert dient und anhand eines präzisen Millisekundenzählers auf dem CRT und LCD die Ausgabe durch zahlreiche Fotos mit sehr kurzer Verschlusszeit verglichen wird. In der Praxis muss einschränkend gesagt werden, dass auch diese Messungen nur als Näherungswerte betrachtet werden sollten, die nicht immer den tatsächlichen Wert darstellen müssen. Aufgrund immer gleicher Testbedingungen ermöglichen sie aber einen guten Vergleich verschiedener getesteter Monitore untereinander, weshalb einige bereits getestete und zukünftig im Test vertretene Displays als Vergleich dienen.

Display-Lag
Einheit: Millisekunden
    • Samsung S24F356FH
      0,00
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag an)
      0,50
    • ViewSonic VX3258-2KC (Ultra Fast/Low Input Lag an)
      0,50
    • ViewSonic XG240R (Standard)
      0,72
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 5)
      1,01
    • ViewSonic XG270QG (Ultra Fast)
      1,18
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 0)
      1,90
    • LG 32GK850F
      1,91
    • ViewSonic XG3240C
      2,05
    • BenQ EX3203R
      2,05
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Speed)
      2,57
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Picture Quality)
      2,70
    • Dell U3219Q (schnell)
      9,16
    • Dell U3219Q (normal)
      12,22
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag aus)
      17,00
    • ViewSonic XG2530
      17,24
    • ViewSonic VX3211-4K
      19,95
    • Dell U4919DW (normal)
      20,75
    • ViewSonic XG3220
      21,10
    • Eizo EV3285 (Standard)
      29,46

Beim XG270QG von ViewSonic kann neben dem Übertakten der Bildwiederholfrequenz auf 165 Hz auch die Reaktionszeit von „Standard“ auf „Advanced“ und „Ultra Fast“ gestellt werden. Da der Betrieb mit 165 Hz im Test keine Probleme bereitet, wurde diese Einstellung gewählt, auch wenn sie sich minimal negativ auf die Reaktionszeit auswirken soll.

Beim Display-Lag erreicht der ViewSonic XG270QG sehr schnelle 1,18 ms, mit denen er sich vor keiner Konkurrenz verstecken muss. Die Einstellung „Ultra Fast“ führt zu minimalem Ghosting um sich bewegende Objekte, bei „Advanced“ tritt dies noch nicht auf. Für die beste Bildqualität sollte deshalb „Standard“ oder „Advanced“ gewählt werden.

Input-Lag

Den Input-Lag misst ComputerBase hingegen mit Hilfe einer umgebauten Maus, an deren Schalter eine LED gelötet wurde, um die Verzögerung zwischen Knopfdruck und wahrnehmbarer Umsetzung auf dem Display optisch analysieren zu können. Diese Messung ist ebenfalls nicht als absoluter Wert zu betrachten, da der Input-Lag von den eingesetzten Komponenten des PCs abhängig ist und die Auswertung ebenso Toleranzen beinhaltet. Auch in diesem Fall ist das Ziel somit, vielmehr einen Vergleich unter getesteten Monitoren zu ermöglichen, als einen allgemein gültigen absoluten Wert zu ermitteln. Displays mit nur sehr geringem Unterschied sollten aufgrund der nicht zu verhindernden Messtoleranzen als ebenbürtig angesehen werden. Während die Monitore beim Display-Lag methodenbedingt alle mit 60 Hz, aber deaktiviertem V-Sync betrieben werden müssen, kommt bei der Messung des Input-Lags die maximale Bildwiederholfrequenz des Bildschirms bei deaktiviertem V-Sync zum Einsatz.

Input-Lag
Einheit: Millisekunden
    • BenQ EX3203R
      38,54
    • ViewSonic XG270QG (Ultra Fast)
      38,54
    • ViewSonic XG3240C
      38,88
    • LG 32GK850F
      39,16
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 5)
      39,58
    • ViewSonic VX3258-2KC (Ultra Fast/Low Input Lag an)
      39,58
    • Samsung S24F356FH
      41,17
    • ViewSonic XG240R (Fastest)
      41,20
    • ViewSonic XG240R (Standard)
      41,60
    • Dell U4919DW (schnell)
      41,67
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Picture Quality)
      41,67
    • ViewSonic XG2530
      43,75
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag an)
      43,75
    • ViewSonic XG270QG (Standard)
      43,75
    • ViewSonic VX3211-4K
      44,79
    • Dell U4919DW (normal)
      44,79
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Speed)
      45,01
    • Dell U3219Q (schnell)
      46,67
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag aus)
      50,00
    • Eizo EV3285 (Standard)
      60,42
    • ViewSonic XG3220
      66,70
    • Eizo EV3285 (Enhanced)
      77,50

Beim Input-Lag platziert sich der XG270QG ebenfalls ganz vorne im Testfeld. „Ultra Fast“ im Vergleich zu „Standard“ macht sich dabei tatsächlich in einer durchschnittlich rund 5 ms schnelleren Reaktionszeit bemerkbar. Auch dieser Test disqualifiziert den XG270QG somit nicht für Spieler.

Fazit

Der XG270QG überzeugt im Test als Gaming-Monitor mit einer schnellen Reaktionszeit von fast 1 ms und einer variablen Bildwiederholfrequenz von bis zu 165 Hz (OC), der für diese Werte nicht auf ein TN-Panel zurückgreifen muss, sondern sie mit einem IPS-Panel samt hoher Abdeckung des DCI-P3-Farbraums erreicht. Die matte Display-Oberfläche hinterlässt im Alltag einen ebenso positiven Eindruck wie das dezente Gaming-Design, bei dem die Ambiente-Beleuchtung durch zusätzlich nach unten gerichtete LED-Streifen profitiert. Die Beleuchtung hat sich im Vergleich zur kritisierten Umsetzung beim XG240R somit verbessert, die Software ist allerdings noch im Betastadium und bedarf noch einiger Anpassungen, um zu überzeugen. Noch ist der Funktionsumfang zu gering, um mit der erstklassigen Konkurrenz etwa von Gigabyte beim Aorus AD27QD (Test) mitzuhalten.

Ganz ohne Abstriche sind die Vorzüge der schnellen Reaktionszeit und der Bildwiederholfrequenz des Nano-IPS-Panels im Vergleich zur Konkurrenz aber nicht. Die 2.560 × 1.440 Pixel des 27-Zoll-Monitors sind für viele Spieler in Kombination mit 165 Hz optimal, offiziell beschränkt sich ViewSonic aber auf ein G-Sync-Modul, anstatt auf Adaptive Sync zu setzen und FreeSync und G-Sync-Kompatibilität zu gewährleisten – sollten alle ausgelieferten Monitore schon FreeSync trotz des G-Sync-Moduls bieten, wäre dieser Kritikpunkt hinfällig und ViewSonic sollte entsprechend damit werben. Auch die Helligkeit des Panels ist zwar meistens völlig ausreichend, auf HDR und eine entsprechende DisplayHDR-Zertifizierung muss jedoch verzichtet werden, so dass eine höhere Helligkeit auch nicht punktuell genutzt werden kann.

Zudem ist das Display etwas zu inhomogen ausgeleuchtet, wobei die dunklere Ausleuchtung in der linken oberen Ecke nur bei einfarbigem Bildschirminhalt zu erkennen ist. Auch die hellere linke untere Ecke bei der Darstellung von Schwarz ist in erster Linie bei abgedunkeltem Raum und vollständig schwarzem Bildschirminhalt zu sehen, dann aber deutlich.

Die einzigartige Kombination treibt den Preis

Ein eingebautes G-Sync-Modul treibt seit jeher die Preise der Monitore in die Höhe, so auch beim ViewSonic XG270QG. Erschwerend kommt hinzu, dass der Bildschirm bislang nur bei wenigen Händlern verfügbar ist. Das Modell ist so erst ab 800 Euro erhältlich – ein sehr hoher Preis, der nur durch die Kombination aller Aspekte – schnelles IPS-Display mit Nano-Beschichtung, G-Sync, 165 Hz und RGB-Beleuchtung – gerechtfertigt werden kann, denn ein 1-ms-IPS-Display mit G-Sync-Modul gibt es sonst mit dieser Größe und Auflösung nicht auf dem Markt. Mit einem offiziellen FreeSync-Support könnte ViewSonic noch weiter punkten.

LG setzt das 1-ms-IPS-Panel selbst im 27GL850-B ein, bietet aber maximal 144 Hz und Adaptive Sync mit G-Sync-Kompatibilität – ein Testbericht folgt. Dies macht sich positiv im Preis bemerkbar, der mit rund 550 Euro deutlich niedriger ausfällt. Der 27GL850G mit G-Sync-Modul sollte 700 Euro kosten, wird allerdings nicht mehr erscheinen und wurde von LG gestrichen, da er in Zeiten von G-Sync-Kompatibilität als obsolet angesehen wurde. Der ViewSonic XG270QG könnte somit ein Monitor mit exklusiver Eigenschaftenkombination bleiben.

ComputerBase hat den XG270QG leihweise von ViewSonic zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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