Ein weiterer Dorn im Auge ist Microsoft der Handel mit gebrauchten OEM-Lizenzen – zumindest dann, wenn der Konzern nicht daran mitverdient. Und de facto ist bei Windows 8 auch damit Schluss. Und zwar nicht nur, weil schon das Auslesen des Keys verboten sein könnte, sondern auch, weil der Händler schlicht nichts mehr in der Hand hat, mit dem er seinem Kunden beweisen kann, dass er die Lizenz wirklich nur an ihn weiterverkauft. Den Aufkleber, mit dem der Käufer bislang gegenüber Microsoft den rechtmäßigen Besitz nachweisen konnte, gibt es ja nicht mehr. Da zudem Microsoft nun weiß, zu welchem PC der Key gehört, kann es gut sein, dass Windows nach einer der regelmäßigen Key-Überprüfungen sich irgendwann für nicht-lizenziert hält und Microsoft die Reaktivierung verweigert.
Für Gebraucht-Lizenzen-Händler werden die Zeiten also härter. Die verdienen ihr Geld unter anderem damit, palettenweise alte PCs aufzukaufen, die Aufkleber mit dem Fön abzulösen und dann mit den dazugehörigen Installationsmedien einzeln weiterzuverkaufen. Softwarebilliger.de beispielsweise schlug sich deshalb jahrelang mit Microsoft vor Gericht herum und schien dank einer EuGH-Entscheidung im Fall UsedSoft gegen Oracle dem Ziel sogar schon recht nahe gekommen zu sein [1]. Doch nun sind alle bisherigen Erfolge plötzlich wertlos.
Offenbar schon leicht resigniert äußerte Philipp Andres, Geschäftsführer von Softwarebilliger.de, gegenüber c’t die Hoffnung, dass die Kunden die Änderungen bei dem OEM-Lizenzen so negativ aufnehmen, dass Microsoft zum Ändern gezwungen sei. Und vielleicht gebe es ja später im Rahmen des Microsoft-Refurbish-Programms auch wieder Aufkleber, die man abföhnen könne. Doch wenn nicht, habe sich der Verkauf von OEM-Lizenzen langfristig erledigt. Für die Kunden bedeutet das letztlich, dass Gebraucht-Lizenzen teurer werden. Schließlich hält dann bei jedem Kauf nicht nur der Händler die Hand auf, sondern auch Microsoft. Juristische Chancen, dagegen vorzugehen, sieht Andres nicht: „Wir sind chancenlos. Wir müssen das hinnehmen.“ (axv)