Die konkreten Zahlen „2 GB für Windows 7“ vs. „8–10 GB für Windows 11“ sind so pauschal nicht korrekt, die Tendenz („Windows 11 braucht deutlich mehr RAM als Windows 7“) stimmt aber.
Warum ist der RAM‑Bedarf gestiegen? Technische Gründe
a) Größeres Betriebssystem, mehr Komponenten
- Mehr Funktionen und Dienste: Telemetrie, erweiterte Update‑Mechanismen, App‑Store‑Integration, moderne Druck- und Bluetooth‑Stacks, OneDrive‑Integration, Suchindizierung usw. kosten alle RAM.
- Moderne Frameworks: UWP/WinUI‑Komponenten, moderne Shell‑Prozesse und zusätzliche Hintergrundprozesse (Widgets, Benachrichtigungen, Copilot‑Integration in neueren Builds) laufen dauerhaft im Hintergrund.
b) Höhere Sicherheitsanforderungen
Windows 11 wurde stark in Richtung
Security by Default ausgebaut:
- VBS (Virtualization-Based Security), HVCI / Memory Integrity, Credential Guard, Secure Boot, TPM‑basierte Funktionen etc. nutzen zusätzliche Kernel- und Hyper‑V‑Komponenten, die dauerhaft Speicher benötigen.
- Windows 11 verlangt u.a. TPM 2.0, UEFI Secure Boot und moderne CPUs; damit einher gehen zusätzliche Security‑Schichten und Prüfroutinen, die mehr RAM benötigen.
Das alles reduziert zwar das Risiko fĂĽr Malware und Angriffe, kostet aber spĂĽrbar Arbeitsspeicher.
d) 64‑bit‑Only und größere Datenstrukturen
- Windows 7 gab es noch in 32‑bit, was kleinere Pointer und Strukturen bedeutete.
- Windows 11 läuft nur noch als 64‑bit‑OS. 64‑bit‑Pointer und größere Datenstrukturen benötigen pro Objekt mehr Speicher. Das wirkt sich über Kernel, Treiber und User‑Mode‑Prozesse hinweg aus.
e) Aggressiveres Caching und Prefetching
- Moderne Windows‑Versionen nutzen „freien“ RAM bewusst für Datei‑Cache, Prefetch und App‑Bereitschaft (SuperFetch/SysMain, Standby‑Liste).
- Im Task‑Manager wirkt das so, als ob viel RAM „belegt“ ist, obwohl ein großer Teil sofort freigegeben würde, wenn Anwendungen ihn brauchen.
- Auf Systemen mit 16–32 GB RAM ist der Memory‑Manager deutlich „großzügiger“, weil es Performance bringt, wenn häufig genutzte Daten im Cache bleiben.
Das führt subjektiv zum Eindruck: „Windows 11 frisst alles an RAM“, obwohl ein Teil davon Cache ist und dem Nutzer effektiv zur Verfügung steht.
f) Anwendungen sind selbst deutlich schwerer geworden
Der Vergleich „Windows 7 + Office“ vs. „Windows 11 + Office“ hinkt, weil sich auch die
Anwendungslandschaft massiv geändert hat:
- Office 365 / Office 2021 ist deutlich funktionsreicher und komplexer als Office 2010 – inklusive Cloud‑Integration, KI‑Features, Real‑Time‑Collaboration etc. → mehr RAM pro Office‑App.
- Browser: Statt „IE mit ein paar Tabs“ laufen heute Chrome/Edge mit Dutzenden Tabs, jedem Tab als eigenem Prozess, oft mit Erweiterungen → mehrere GB RAM allein für den Browser sind normal.
- Zusätzliche Standard‑Tools: Teams, OneDrive, Endpoint‑Security, MDM‑Agent, evtl. VPN‑Client, Kollaborations‑Tools – alles läuft parallel im Hintergrund und summiert sich.
Unter Windows 7 war ein „reiner Office‑Betrieb“ oft wirklich: OS + Office + bisschen Browser. Unter Windows 11 ist „Office‑Betrieb“ in der Praxis: OS + Office 365 + Teams + OneDrive + Browser + AV + Management‑Agent etc.