Beraterleben - ein paar Fragen

haunt schrieb:
naja... Das kann ich SO nicht bestätigen. Natürlich arbeitet man als Berater nur so lange wie man braucht. Man hat keine 40 Stunden Woche.....

Ich sprach nicht von 40 Stundenwoche, sondern von 40 Dienststunden beim Kunden, so sehen Standardverträge aus, für Beratung als Arbeitswoche, damit a) evtl Überstunden extra gehen und b) der Berater auch noch zum atmen kommt. Daneben kommt dann Reisezeit und die Zeit, die dann noch nebenher anfällt. Und Überstunden neben den 40 Stunden sind möglich, aber nicht der Normalfall, darum heißen sie ja Überstunden.
Und dass ein Produktivsystem stehen bleibt sollte nicht der Normalfall sein und die Basis, um das Beraterleben zu bewerten ;). Normal ist, das ein System erstellt und aufgebaut wird, auch wenn Krisen deutlicher hervorstechen.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Und dass ein Produktivsystem stehen bleibt sollte nicht der Normalfall sein und die Basis, um das Beraterleben zu bewerten

War ja nur als Beispiel gedacht ;) Es kann halt von einem 2 Stündigem Presales Gespräch bis zu mehreren 16 Stunden Tagen alles dabei sein...
Gut wenn man als SAP Berater Berechtigungen oder ähnliches macht, wahrscheinlich nicht.

Wobei wenn man immer Feuerwehr spielt, dann hat man halt auch immer Stress...

Ich verstehe auch Deine Aussage nicht ganz. Also wenn ich 40 Stunden von Montag bis Donnerstag pressen muss, Sonntag abend oder Montag früh die Anreise und Donnerstag abend die Abreise haben...
Wann hab ich nochmal Zeit zum verschnaufen? :D
Und wie Du schon richtig gesagt hast - interne Abläufe muss man auch noch bespaßen.

auch wenn Krisen deutlicher hervorstechen.
Vielleicht liegst auch an mir... Der Restore der eigentlich 6 Stunden läuft, läuft sei heute morgen um 9:30 immer noch. Ich muss jetzt nicht erwähnen, dass ich ab Montag Urlaub habe und eigentlich gar nicht am WE arbeiten wollte.
 
Zu 5.)
Als Anfang sollten 3-4 Anzüge in gedeckten Farben, 12-15 Hemden, 4-5 Paar Business-Schuhe, farblich passende Gürtel und eine Handvoll Krawatten genügen.
Der Preis spielt dabei eigentlich eher eine untergeordnete Rolle, das wesentliche ist, dass dir die Dinge passen und du dich darin wohl fühlst.
Ob du nun Hemden mit Umschlagmanschette und Manschettenknöpfen magst ist dir überlassen. Persönlich halte ich es bei Berufseinsteigern meist für unnötig und ich kenne auch Kollegen, die das bei Juniors eher belächeln.
Bei Hemden würde ich mir die Business-Klassiker (Eterna, Olymp und Seidensticker) anschauen und aus diesen eine Serie suchen die dir am besten steht und passt. Der Trend geht meines Erachtens aktuell zu Hemden ohne Brusttasche. Mein persönlicher Favorit unter diesen ist die Modern-Line von Eterna.
Was ich dir allerdings raten würde ist ein Bügelfreies/-leichtes Hemd zu kaufen, da diese auch beim Tragen nicht so schnell knittern. Dies liegt daran, dass sich die Fasern durch Körperwärme und -feuchtigkeit selbst glätten. Zu Beginn hatte ich mir mal "Business"-Hemd von Esprit gekauft und die sahen schon nach der U-Bahn oder Autofahrt zur Arbeit verknittert aus, also ob ich diese nie gebügelt hätte. Meine Eterna Hemden sind zwar abends nach einem Bürotag auch nicht mehr frisch gebügelt, aber noch vollkommen in Ordnung.

Zu 1.)
Bei Koffern muss es nicht Rimowa sein, da macht auch keinen besseren oder schlechteren Eindruck beim Kunden. Vor allem zu Beginn hast du genug andere Ausgaben. So dass es für die ersten paar Jahre auch ein günstiger Koffer bzw. zwei, ein Handgepäck (1-2 Nächte) und ein größerer (4 Nächte und mehr) tun. Wenn diese dann das Zeitlich gesegnet haben, kannst du immer noch zu einem Premium-Koffer greifen, wie Rimowa oder die Cosmolite-Serie von Samsonite.

Zu 2.)
Bezüglich Networking, was leider bei den großen sehr wichtig ist um auf ordentliche Projekte zu kommen, nimm zu Beginn an allen Veranstaltungen und Angeboten teil. Such dort das Gespräch mit den Seniors, denn nur wen sie kennen, werden Sie auch gezielt anfragen für ein Projekt.

Zu 3.)
Zu Beginn durchläufst du eh erst mal ein paar Schulungen die das ganze System betreffen ala TERP10. Die ersten Monate bist du dann zwar offiziell auf Projet(en) aber das ist mehr "Training on the Job" als irgendetwas anderes. In der Zeit solltest du einen ganz guten Überblick bekommen.
Bevor du dir Sorgen um eine Leitungsposition machst, übersteh erst mal die ersten Jahre.

Zu 4.)
Work-Life-Balance ist in der Beratung nicht immer ganz einfach und sicher auch der Hauptgrund warum der Großteil aller Berater nach 2-3 Jahren das Handtuch wirft gepaart mit der Erfahrung, dass der Alltag dann doch nicht das ist, was man im Vorstellungsgespräch oder Assessment-Center gehört hat.
 
Erklärts einem Standard-Büro-Menschen.
Was reizt an dem Leben, so oft auf Achse zu sein, so oft aus dem Koffer zu leben?
Ich muss da an George Clooney in "Up in the Air" denken.
Ist es die Abwechslung? Büro zu langweilig? Ist es, weil man in schickem Anzug von möglichst vielen Leuten gesehen wird?

Nicht bös gemeint, mich interessiert das wirklich. Ich bin jemand der gerne im Büro hockt und nach Feierabend auf seiner eigenen Couch.
 
Ich gebe mal meine persönlichen Erfahrungen dazu wieder.
Nach dem Studium hatte ich auch erst den Weg in eins der großen Beratungshäuser gesucht. Persönlich hatte ich sicher auch ein wenig ein falsches Bild im Kopf vom Standard Beraterleben. Bei uns im Studium haben diverseste Senior Berater bzw. Partner nette Praxisvorträge zu verschiedensten Themen gehalten und dabei Werbung für ihren Beruf gemacht. Entsprechende Verdienstmöglichkeiten, abwechslungsreiche Projekte, schnelle interne Karriere, diverse Geschichten von Mitarbeitern die dann in hohe Positionen abgeworben werden, dennoch die Möglichkeit es gut mit dem Privatleben vereinen zu können und Teamevents waren die Bilder die man (ich und viele Studienkollegen) im Kopf hatten.
Die Realität war dann bei mir und fast allen die ich in dem Umfeld kenne deutlich anders aus. Was sicher zutraf war, dass ich in vielen Projekten tätig war und dadurch sicher sehr schnell viele und breite Erfahrungen gemacht habe die ich in einem 'klassischen' Unternehmen wahrscheinlich nicht gehabt hätte. Persönlich habe ich gelernt mich in Projekte schnell hinein zu arbeiten, mich auf meinen Teilbereich zu fokussieren und nicht versuchen das gesamte Projekt zu hinterfragen, kleine Fortschritte als große Meilensteine zu verkaufen ;), schnell mit verschiedenen Organisationsformen zurecht zu kommen und sich an den Umgang mit höheren Führungsebenen gewöhnt.
Work-Life-Balance wurde versucht damit zu erreichen, dass man für vielen Teamevents, Teamsport und feucht fröhlichen Abendende gesorgt hat. Allerdings immer mit Kollegen, und Kollegen sind nun mal keine Freunde. Das echte Privatleben aus in dem man abschalten kann, neue Kraftschöpft blieb dabei eher hinten dran. Tatsächlich stand der Job unter der Woche auch in der 'Freizeit' im Mittelpunkt, da auch beim Teamsport reichlich weiter diskutiert wurde.
Für die interne Karriere gibt es relativ klare Pfade, ob diese nun schneller als in anderen Unternehmen sind würde ich zumindest nicht unterschrieben. Gleiches gilt auch für das Maß an Verantwortung welches man übertragen bekommt.
Die Verdienstmöglichkeiten sind zu Beginn (wie ich rückblickend feststellen durfte) auch nicht sonderlich viel besser als in anderen Unternehmen. Nach über 3 Jahren wird es absolut gesehen meist besser, allerdings auch meist nicht wenn man Stundenlöhne direkt vergleicht. Wenn man mit 60 Stunden Arbeit die Woche 50% mehr verdient als jemand der tatsächlich die 40 Stunden die Woche arbeitet muss jeder für sich selbst entscheiden ob es einem das wert ist.

Persönlich bin ich froh, die Erfahrung gemacht zu haben, dies aber inzwischen auch hinter mir gelassen zu haben. Ob ich ohne diese Erfahrungen sonst auch schon eine Teamleitung hätte kann ich nicht beurteile. Allerdings bin ich froh nur noch selten reisen zu müssen (1x im Monat für 2 Nächte), wieder ein geregeltes Privatleben zu haben, ohne schlechtes Gewissen auch mal früher gehen zu können und vieles mehr.

Wie gesagt, sind dies mein persönlichen Meinungen dazu, das kann bei jedem ganz anders aussehen.
 
Nun, wie du es beschreibst, stell ichs mir auch vor.
Viele Träumen ja vom "hippen" Beraterleben, viel Kohle.
Erst mit dem steigenden Alter (ich rede jetzt mal um die 30 oder Anfang 30) merkt man dann schon eher, dass es manchmal verlockender ist, abends zuhause bei der Torte zu sein, private Freunde treffen zu können.
So wie du es beschreibst, nämlich die Events mit Kollegen - das sehe ich auch hier bei der Arbeit als 100%ige Arbeitszeit (also im gefühlten Sinne). Wenn ich die Kollegen noch in der Freizeit sehen muss, ist es keine Freizeit.
Ich hab schon im Studium gemerkt, ich will nicht Reisen. Entsprechend verläuft meine Karriere auch mehr über Zentralstellen und Hauptquartiere und nicht über Aussenposten, Kundentermine usw. und ich bin zufrieden damit, meine Gesundheit dankt es mir auch.
Aber ich habe wirklich Respekt vor Leuten, die ihre Gesundheit für ihre Arbeit Opfern. Und das IST so bei 60 Stunden Wochen oder mehr...egal wie viel man verdient. Der Körper und die Psyche leiden langfristig drunter.
 
es gibt natuerlich viele schattenseiten, das ist mir absolut bewusst!

wieso ich mich trotzdem hierfuer und gegen eine karriere in der industrie entscheide? masochismus? ich denke, dass es in meinem alter einfach das richtige ist, staendig herausgefordert zu sein, dass ich jetzt seit kurzem wieder single bin und keinem rechenschaft darueber ablegen muss wenn ich weit von meinem wohnort weg bin. nicht umsonst heisst es, dass ein jahr als berater so viel wert sein soll wie vier jahre in der wirtschaft. ich sehe es gewissermassen auch als karriereturbo an um dann irgendwann mal in die industrie/in den mittelstand zu gehen. also ich mache mir vor dem einstieg auch gedanken ueber die exit-moeglichkeiten und von meinem wesen bin ich kein 9 to 5-typ ...
 
PaladinX schrieb:
Aber ich habe wirklich Respekt vor Leuten, die ihre Gesundheit für ihre Arbeit Opfern. Und das IST so bei 60 Stunden Wochen oder mehr...egal wie viel man verdient. Der Körper und die Psyche leiden langfristig drunter.

Das kann ich so nicht unterschreiben.

Ich kann als Beispiel meinen Vater nennen. Bekannter Workoholic. Er war im Letzten Jahr 1 mal Krank, in dieser Zeit war er verhindert zu arbeiten, und er wusste nicht was er machen soll. Hab soetwas noch nie gesehen, weil er nie Krank ist oder Verhindert. Er arbeitet am Tag 10-14 Stunden (Hauptberuflich nur noch Halbtags, rest Privat).

Ich habe diesen Menschen noch nie entspannen sehen wirklich. Ich hab keine Ahnung wie er das anstellt, aber so ist er eben. Er arbeitet einfach immer und das macht ihm unendlich viel Spaß und ohne Arbeit wird er verrückt. Also es gibt durchaus Menschen, die so Leben können, und Berater sind doch im Prinzip genau das, was er wollte. Leider ist er eben schon zu alt, für ein Studium, hat direkt angefangen zu arbeiten damals und macht seinen Job seit 30 Jahren.

Es ist eben immer so die Sache. Zwingt man sich dazu, 60 Stunden zu arbeiten oder will man es einfach freiwillig? Das ist der Springende Punkt. Mein Vater schaut 1-2 mal die Woche Fußball, macht viel Sport und sonst arbeitet er. Davor habe ich großen Respekt.
 
PaladinX schrieb:
Erklärts einem Standard-Büro-Menschen.
Was reizt an dem Leben, so oft auf Achse zu sein, ....

Ich versuchts mal. Ich bin ca. 10-15 Tage pro Woche (edit: ähm ... Monat, danke) unterwegs, immer 2-3 Tage pro Kunde, immer wieder unterschiedliche Kunden, so ca. 15-20 verschiedene pro Jahr, ab und dann wieder beim selben.

Es ist die Anerkennung der Kunden ("heute kommt der Berater, bitte lassen sie keine Telefonate durch" :D), die kleinen täglichen Erfolge, das eingeladen werden zum Mittagsessen, die Abwechslung in der Tätigkeit, die vielen Branchen und unterschiedlichen Firmen (Metall, Pharma, Werkzeughersteller, Wohnungsbau, Einzelhandel, Rüstung) und meine Auslandstätigkeit. Fliegen, Meilen sammeln, coole Mietwagen, neue Städte und Orte, interessante Menschen.

Kleine Firma, Bereich BI und Controlling

Es ist einfach geil. :bier

PS: ich bin aber auch nicht der typische Berater, der 3-6 Monate beim Kunden hockt, ich habe viel Abwechslung, wie in "Up in the Air", aber ich muss keine Leute kündigen.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Du meintest 10-15 Tage pro Monat, nehme ich an. Sonst wären deine Beraterwochen merkwürdig lang :D

Im Ernst: Also muss man wirklich dafür gemacht sein und es wollen, ständig auf Achse zu sein. Klar ist es abwechslungsreich. Und ich mache auch ab und zu geschäftliche Reisen. Aber nach einer Woche China oder allein schon UK oder Italien reichts mir dann und ich bin froh wenn ich wieder nen Monat im Büro und meine kuschelige Couch daheim habe :D

So unterschiedlich sind die Vorlieben :)
 
Wie sieht das eigentlich aus bei euch mit euer Berufserwartung? Wie lange wollt ihr als Auslands Consulter arbeiten? Ich meine bei dem Gehalt könnt ihr das doch bis 40 machen, und dann halbtags euer Leben genießen oder?

Habt ihr euch da mal etwas zusammengelegt und geplant?
 
braucht man für diesen job eine spezielle berufsausbildung oder kann man auch angelernt werden. ich häzze als ledige person keine probleme, ständig zu reisen und dabei geld zu verdienen.
 
Kleine Firma, Bereich BI und Controlling

Business Intelligence wird aber auch momentan gehyped wie doof...

braucht man für diesen job eine spezielle berufsausbildung oder kann man auch angelernt werden

Angeblich bietet die Agentur für Arbeit Umschulungen genau zum Thema BW/BI an. Ansonsten bei einem großen Beraterhaus bewerben und versuchen Erfahrung zu sammeln. Danach geht alles wie von selbst :D

Aber ich bin auch froh kein Berater mehr zu sein: zuhause bei Frau und Kind zu sein ist mir mehr wert als coole Mietwagen oder Firmenevents.

Dann lieber einen spontanen Grillabend mit Freunden und ein planbares Leben und jedem Abend der Frau einen gute Nacht Kuß geben können! :)
 
Zuletzt bearbeitet:
am montag gehts bei mir los ... dann hoff mer mal, dass die lufthansa da nicht mehr streikt ;) ... wobei muc - str ja noch halbwegs gut mit dem zug machbar waere ;)
 
Zurück
Oben