Ich gebe mal meine
persönlichen Erfahrungen dazu wieder.
Nach dem Studium hatte ich auch erst den Weg in eins der großen Beratungshäuser gesucht. Persönlich hatte ich sicher auch ein wenig ein falsches Bild im Kopf vom Standard Beraterleben. Bei uns im Studium haben diverseste Senior Berater bzw. Partner nette Praxisvorträge zu verschiedensten Themen gehalten und dabei Werbung für ihren Beruf gemacht. Entsprechende Verdienstmöglichkeiten, abwechslungsreiche Projekte, schnelle interne Karriere, diverse Geschichten von Mitarbeitern die dann in hohe Positionen abgeworben werden, dennoch die Möglichkeit es gut mit dem Privatleben vereinen zu können und Teamevents waren die Bilder die man (ich und viele Studienkollegen) im Kopf hatten.
Die Realität war dann bei mir und fast allen die ich in dem Umfeld kenne deutlich anders aus. Was sicher zutraf war, dass ich in vielen Projekten tätig war und dadurch sicher sehr schnell viele und breite Erfahrungen gemacht habe die ich in einem 'klassischen' Unternehmen wahrscheinlich nicht gehabt hätte. Persönlich habe ich gelernt mich in Projekte schnell hinein zu arbeiten, mich auf meinen Teilbereich zu fokussieren und nicht versuchen das gesamte Projekt zu hinterfragen, kleine Fortschritte als große Meilensteine zu verkaufen

, schnell mit verschiedenen Organisationsformen zurecht zu kommen und sich an den Umgang mit höheren Führungsebenen gewöhnt.
Work-Life-Balance wurde versucht damit zu erreichen, dass man für vielen Teamevents, Teamsport und feucht fröhlichen Abendende gesorgt hat. Allerdings immer mit Kollegen, und Kollegen sind nun mal keine Freunde. Das echte Privatleben aus in dem man abschalten kann, neue Kraftschöpft blieb dabei eher hinten dran. Tatsächlich stand der Job unter der Woche auch in der 'Freizeit' im Mittelpunkt, da auch beim Teamsport reichlich weiter diskutiert wurde.
Für die interne Karriere gibt es relativ klare Pfade, ob diese nun schneller als in anderen Unternehmen sind würde ich zumindest nicht unterschrieben. Gleiches gilt auch für das Maß an Verantwortung welches man übertragen bekommt.
Die Verdienstmöglichkeiten sind zu Beginn (wie ich rückblickend feststellen durfte) auch nicht sonderlich viel besser als in anderen Unternehmen. Nach über 3 Jahren wird es absolut gesehen meist besser, allerdings auch meist nicht wenn man Stundenlöhne direkt vergleicht. Wenn man mit 60 Stunden Arbeit die Woche 50% mehr verdient als jemand der tatsächlich die 40 Stunden die Woche arbeitet muss jeder für sich selbst entscheiden ob es einem das wert ist.
Persönlich bin ich froh, die Erfahrung gemacht zu haben, dies aber inzwischen auch hinter mir gelassen zu haben. Ob ich ohne diese Erfahrungen sonst auch schon eine Teamleitung hätte kann ich nicht beurteile. Allerdings bin ich froh nur noch selten reisen zu müssen (1x im Monat für 2 Nächte), wieder ein geregeltes Privatleben zu haben, ohne schlechtes Gewissen auch mal früher gehen zu können und vieles mehr.
Wie gesagt, sind dies mein persönlichen Meinungen dazu, das kann bei jedem ganz anders aussehen.