Dr. McCoy schrieb:
Das denke ich auch (medizinische Versorgung und Auswanderer). Wir haben hier in Deutschland zwar auch schon viele Defizite angesammelt, durch Sparen am falschen Ende, gerade bei der Pflege, bei Ärzten und Krankenschwestern, in Kliniken -- stehen aber vergleichsweise dennoch recht gut da. Zumal es uns jetzt auch gelungen ist, ein deutliches Plus an Intensivbetten innerhalb recht kurzer Zeit zu schaffen.
So ist es uns z.B. als einem der wenigen Länder weltweit überhaupt möglich, Schwerstkranke aus anderen Staaten aufzunehmen und zu behandeln. (Es könnten aber freilich noch viel mehr sein, wenn in der Vergangenheit weniger am Gesundheitssystem gespart worden wäre. Dann könnten wir locker Hunderte Schwerstkranker aus anderen Ländern zusätzlich aufnehmen; und es ist sehr bedauerlich, dass das nun nicht machbar ist).
Ich kann dein Argument verstehen, das hat auch einiges für sich, aber wir können in Deutschland auch nicht ständig sehr große Überkapazitäten vorhalten, irgendjemand muss das am Ende auch bezahlen.
Besser wäre es, wenn die Länder selber ein ausreichend starkes Gesundheitssystem betreiben können.
Wir können jetzt Stundenlang darüber streiten, aber ich sehe durchaus Versäumnisse über Jahrtzehnte in einigen Staaten, die mit Schulden zugekleistert wurden, weil es politisch opportun war und man keine "harten" Massnahmen (nicht nur sparen, sondern Korruption, Steuereintereibung etc.) durchführen wollte und der Bevölkerung nichts wirklich an Privilegienverlust zumuten wollte. In Deutschland ist man trotz Widerstände einen anderen Weg gegangen. In der jetzigen Krise zahlt sich das aus, trotzdem kann man da immer noch drüber streiten
CrunchTheNumber schrieb:
Ich bezweifle, dass der ESM dafür ausreicht. Wir haben hier eine realwirtschaftliche Krise (gleichzeitiger Schock auf der Nachfrage- und Angebotsseite), die es in dieser Form weltweit noch niemals gab. Völlig anders als die Situation 2008/2009, für dessen Nachwirkungen der ESM konzipiert wurde.
Natürlich ist der ESM ausreichend, weil du über ihn "unbegrenzt" auch Geld zur Verfügung stellen kannst, der wichtige und entscheidende Unterschied ist, dass der ESM einige sehr einschneidene Regeln für die Empfänger-Länder hat, den sie sich unterwerfen müssen, wenn sie Geld bekommen (siehe Griechenland).
Ich glaube das jeder Krieg wesentlich schlimmere Auswirkungen hat, weil einfach mit Schulden enorme Mengen an Kriegsgerät produziert/gekauft wird, was 0,0 Investitionseffekt und Nachhaltigkeit hat, deshalb halte ich diese Krise, wo wir für wahrscheinlich 1-3 Monate 50% oder in manchen Staaten weniger Wirtschaftsleistung haben, für wesentlich überschaubarer. In einem Krieg läuft es real ganz genauso, da der Staat der Wirtschaft die Kriegsgeräte abkauft, und die damit die Löhne und Gehälter zahlen und Investitionen hautsächlich nur in Maschinen für unnützes Kriegsgerät tätigen, hier gibt es eine direkte staatliche Unterstützung nur wesentlich kürzer.