pedder59 schrieb:
Dann kam das Wirtschaftswunder ...
Welches es ohne massive Hilfen der Westalliierten (der "Marshall-Plan" war da lange nicht alles) wohl nicht in dem Ausmaß hätte geben können, das aber noch immer von vielen als "deutsche Leistung" betrachtet wird.
Der massgebliche Unterschied .. der Wiederaufbau nach dem Krieg hat sehr viel Arbeit bedeutet ... es gab einen unglaublichen Bauboom ... so stark, dass im Laufe der 1960er und 70er haufenweise renomierte Bauunternehmen insolvent wurden, weil der Markt eben nach der Wiederaufbauphase völlig übersättigt war.
Es gab wenige arbeitsfähige Männer (Kriegsopfer, Invalide und Kriegsgefangene standen eben nicht mehr zur Verfügung), und daher fanden die Arbeitswilligen (aus aller Herren Ländern) in Deutschland (und weiten teilen Mitteleuropas) relativ leicht einen Job.
Nach Corona muss nichts (physisch) wieder aufgebaut werden ... den der Virus benutzt nunmal keine Artilerie, Panzer oder Bomber. Die Infrastruktur ist noch intakt ... aber die Wirtschaftskraft der Bevölkerung wird gesunken sein - eben wegen minderverdiensten durch Kurzarbeit oder Totalausfall. Die Folge sind rückläufige Aufträge z.B. beim Handwerk ... eventuell fangen einige Leute sogar wieder an, selbst Dinge zu reparieren ... und wenn das passiert, müssen eventuell sogar die Versicherungsgesellschaften Einbußen hinnehmen ... denn eine Versicherung ist nunmal zunöächst ein "teurer Luxus", von dem man obendrein hofft, ihn nie in Anspruch nehmen zu müssen.
Mit weniger Geld werden vielleicht auch ein paar mehr Menschen auf die Idee kommen, dass sie doch keine "irgendwas"-Versicherung benötigen - nicht ganz wenige werden sich ihre Lebensversicherungen und Bausparverträge auszahlen lassen, um wieder auf die Beine zu kommen.
Insgesamt werden die Versicherungsgesellschaften ihre Beiträge anheben müssen ... und auch das wird nicht ohne Folgen bleiben (natürlich nur bei freiwilligen Versicherungen ... aber was spricht gegen eine firmeninterne Umverteilung von den Zwangsversicherungen (z.B. Kranken- und Rentenversicherung) auf die Produkte, die gerade nicht gut gehen?).
Die reduzierte Wirtschaftskraft der Bevölkerung wird nach Corona das weitaus größte Problem sein ... und ich befürchte, dass das vor allem Wirtschaftsbereiche betreffen wird, welche auf eine wohlhabene Kundschaft mit eigentlich etwas zu viel Geld ausgerichtet sind - z.B. im Bereich Tourismus, Beauty und Wellness "techmnische Spielereien" und noch so einiges mehr.
Eventuell könnte sogar der Absatz von SUV zurückgehen ... obwohl ich mir kaum etwas vorstellen kann, was den zurückgehen lassen könnte.
Der Kelch wird nicht an uns vorbeigehen, fürchte ich ... und ob man nun ein oder zwei wochen früher oder später die Wirtschaft wieder von der Leine lässt, ändert daran nicht wirklich viel. Die Vorsichtigeren unter uns werden sich erstmal nichts leisten wollen, bis klar ist, dass es in absehbarer Zeit keine weiteren Einschränkungen dieser Art mehr geben wird. Die Ware ist das wert, was der Kunde dafür zu zahlen bereit ist ... und das könnte in den nächsten Monaten eben etwas weniger sein ... mit entsprechenden Wirkungswellen durch die gesamte Wertschöpfungskette.
Ich fürchte, der Effekt einer Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität wird überschätzt ... denn Corona hat eventuell sogar einige Konsumzombies kuriert und der Rest hat einfach nicht mehr die nötige Kaufkraft.
Wer glaubt denn, dass die Wirtschaft von jetzt auf gleich wieder zu 100% angefahren werden kann ... in einigen Bereichen wird man zum Teil weiter Kurzarbeit fahren müssen (wegen einer nicht ganz so rosigen Auftragslage) ... und sobald es dafür keine Staatshilfen mehr gibt, wird es Kündigungen hageln.
Nach Corona wird von der wirtschaftlichen Kraft der Bevölkerung her nicht vor Corona sein, soviel ist sicher.