downforze schrieb:
Also all die jenigen, die gestern so klug daherplapperten, wie die gelbe Spottdrossel, man müsse sich halt nur an die Regeln halten und was mit einem nicht stimme , mögen das mal Kindern im einstelligen Alter erklären.
Das eine hat aber nur bedingt etwas mit dem andere zu tun zumal man hier auch etwas unterscheiden muss.
Bei einem Kind um die 0 - 10 Jahre habe ich zum Beispiel wesentlich mehr Verständnis dafür, wenn es sich über die Maßnahmen beschwert und es doof findet, dass es die Freunde nicht mehr sehen darf, nicht raus darf spielen und so weiter. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass man hier Kindern sehr wohl auch Sicherheit bieten kann und man selbst bei den kleinsten Kindern Verständnis wecken kann, wenn man entsprechend selbst als Erwachsener als gutes Beispiel vorangeht. Ich hab ja im Freundeskreis die Beispiele für beides: Die einen haben eine 3-jährige Tochter, die sich sogar auf ihre Maske freut, weil die Mutter mit ihr diese Masken gebastelt haben und die Kleine ihre Masken bemalt hat. Immer ganz Stolz, weil ein "die Maske habe ich gemacht" mit schwingt. Bei der anderen Familie endet das mit der Maske beim 4-jährigen Sohn immer im Drama, jedes Mal, weil die Mutter als auch der Vater am Fluchen sind und es nicht einsehen.
Als eher "introvertierter" Mensch, auch wenn ich gerne Kommunikativ bin, wenn sich die Möglichkeit bietet, bin zum Beispiel recht gelassen, immer noch. Klar kann man jetzt sagen: Ich bin kein Partygänger, Menschenmassen machen mir Angst, für dich ist das doch alles easy. Das stimmt aber so nicht. Denn während ich früher selbst bestimmen konnte, wann ich wie mit Menschen zu tun habe, hab ich mich jetzt sehr lange selbst so eingeschränkt, weil ich niemanden gefährden will, dass ich ständig immer nur höre, wie scheiße, doch alles ist und wie schlecht es allen geht, während mich kaum einer mal gefragt hat, selbst von sehr guten Freunden, wie es mir denn geht. Da kommt oft eben dieses: "Ja, du bist ja eh ein ruhiger Stiller, dir fällt das sicher total einfach!" Da wird dann oft aber vergessen, dass wir eben auch durchaus darunter leiden, nur wir teilen es halt nicht so mit.
Und genau hier kommt durchaus ein großes Defizit unsere Gesellschaft zum Vorschein: Jeder schaut primär erst mal auf sich. Das ist per se nicht mal schlimm, weil wir Menschen durchaus sowohl egozentrisch als auch philanthropisch sein können, nur vergessen viele in dieser Zeit gerne ihr Gegenüber und das Jammern zieht dann die Stimmung allgemein noch mal nach unten.
Man bewegt sich dann schnell in einer Spirale nach unten, weil sich die negativen Emotionen noch verstärken und das aktuelle Wetter tut dann je nach Ort das Übrige noch dazu.
Deswegen versuch ich da auch - weil ich aktuell Übergangsweise bei einem Kumpel wohne - immer positiv zu sein und Ärger zumindest durch positives Denken und ruhiges Handeln direkt zu minimieren und ggf. sogar zu beseitigen, denn am Ende bringt einem die schlechte Laune nichts und ist ungesund.
downforze schrieb:
Bei beiden Kindern bemerke ich langsam ein gesteigertes aggressives Verhalten und der Große hat mir auch direkt bestätigt, dass er vom Inhousing die Schnauze voll hat.
Was durchaus verständlich ist, aber du selbst kannst da auch was gegen machen. Ist dann halt auch die Frage der Zeit, die du investieren kannst und möchtest, wobei auch "Sport" draußen für Kinder ja immer noch möglich ist und ein Spaziergang kann auch Wunder wirken.
Dazu auch Möglichkeiten zur Beschäftigung schaffen: Gemeinsames Kochen, Backen, selbst wenn es schiefgeht, es macht Spaß. Basteln, Gesellschaftsspiele usw. Einfach versuchen etwas zu finden, womit man den trüben Alltag auflockern kann.
Sind aber auch im Endeffekt eher Binsenweisheiten von meiner Seite aus, man kann aber aktuell halt nur sagen: Versucht etwas zu machen, um den ganzen anderen Mist irgendwie auszublenden oder abzumildern.
Mustis schrieb:
Bei den Insolvenzen fragen die Zweifler komischerweise nicht ob "an oder mit Corona"....
So etwas ist ja auch wirklich schwer fest zustellen, ob jetzt Corona wirklich schuld hat, oder ob es nicht einfach nur ggf. als Beschleuniger diente.
Ich hatte vorhin einen interessanten Artikel zu dem Thema bei Firmen-Insolvenzen und das Corona in den meisten Fällen die vorhandenen Probleme "verstärkt" und gleichzeitig kaschiert, weil es wunderbar als Ausrede dient, sodass man ggf. - wenn man die Pandemie übersteht - nicht die richtigen Schlüsse zieht und man dann eben nicht jetzt pleite geht, sondern vielleicht erst in 3 oder 4 Jahren, weil dann die eigentlichen Probleme wieder durchschlagen.
miwob schrieb:
Wäre es dir lieber, wenn die Leute früher das Zeitliche segnen? Welches Alter darf es denn gerne sein?
So dumm sich das jetzt liest, was ich schreibe: Mir persönlich wäre es durchaus lieber, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland wieder sinkt, allgemein wieder sinkt. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich den Menschen diese Lebenserwartung nicht gönne, sondern es hat in dem Fall dann eher pragmatische Gründe und zum Teil auch humanistische Gründe.
Die "Vereinsamung" der Rentner, die aktuell hier angesprochen wurde, ist zum Beispiel jetzt kein spezielles Problem von Corona, sondern erneut nur eine verstärkende Maßnahme. Dazu ist die "Altenpflege" seit mehreren Jahren, eher schon Jahrzehnten ein "Armutszeugnis" für ein Land wie Deutschland. Auf der einen Seiten steigen die Kosten für Pflegedienste und auch für Heime an, gleichzeitig werden die Leistungen immer schlechter und so manches Altenheim wirkt eher wie eine Abstellkammer für Senioren, wo sie auf den Tod warten dürfen, als dass man sich um sie kümmert.
Dazu kommt, dass im hohen Alter gewisse Krankheitsbilder massiv zu nehmen, ich weiß ja nicht welche Erfahrungen du mit Menschen gemacht hast, die an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz leiden und wie anstrengend das für Angehörige werden kann und wie schlimm das sogar für die Patienten sein kann.
Genau so entsprechende körperliche Leiden, wenn die dazu kommen, wenn man denn ein gewisses Alter erreicht und dann gehäuft auftreten.
Genau so wird jede OP ab einem gewissen Alter eher zu einem Lottospiel. Klar, wenn man wie meine Oma - 95 Jahre geworden - bis 90 wie ein Feldwebel die Familie regieren kann und fit ist: Tolle Sache, nur leider haben nicht so viele das Glück wie meine Oma.
Dazu kommen durchaus dann auch die gesellschaftlichen Herausforderungen und da sehe ich leider auch immer mehr der Unwille der Gesellschaft im Ganzen. Klar, viele stehen auf der einen Seite für die hohe Lebenserwartung, gleichzeitig wird hier dann aber gerne von vielen auf die Pflichten des Einzelnen verwiesen und die Kosten scheuen, die es bedeutet, den öffentlichen Raum möglichst arm an Barrieren zu gestalten. Da wird dann jede Ausgabe der öffentlichen Hand gerne dreifach, vierfach und fünffach hinterfragt, weil es ja nur paar Personen betrifft und man ja nicht für diese paar Personen dann das Geld in die Hand nehmen möchte.
Unsere Gesellschaft ist da durchaus als Ambivalent zu bezeichnen, denn auf der einen Seite verteidigen wir das Leben teilweise sogar über ein vernünftiges Maß hinaus, gleichzeitig lassen wir viele Menschen und auch Familien dann mit ihrem Schicksal alleine und erwarten dann, dass diese Menschen ihre Bürde alleine stemmen und es geht sogar teilweise so weit, dass wir die typische klassische Neiddebatte von Oben nach Unten haben, wenn der Staat doch hilft.