Der Bürgergeld Thread - Diskussionen rund ums Bürgergeld

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Ist so nicht richtig. Miete + Nebenkosten werden bezahlt, aber Strom nicht.
Und auch die Strompreise sind rapide angestiegen.
Und dann kommt dazu dass Anhand eines örtlichen Mietspiegels bezahlt wird, der aber meistens mindestens 2-3 Jahre alt ist. Zwar gibt es derzeit noch Sonderregelungen aber die laufen irgendwann aus und dann wirds hässlich für die Leute denen die Behörde schreibt "Ihre Miete/Nebenkosten ist zu hoch, es werden nur 75% davon übernommen, den Rest müssen sie aus dem Bürgergeld/HartzIV Satz zahlen. Suchen sie sich eine günstigere Wohnung!"
Und diese günstigere Wohnung gibt es vor Ort dann halt nicht.
 
Kam eigentlich schon zur Diskussion, dass das Bürgergeld weiterhin Familien/Paare extrem benachteiligt, wenn ein Teil arbeitet und durchschnittlich verdient?

Warum werden zwei Bezieher gegenüber einem Bezieher derart bevorteilt?
 
Also, ich hab mir das jetzt selbst mal angeschaut, das Bürgergeld ist in keinem Fall ein besseres H4+Inflationsausgleich, ein absolut wesentlicher Aspekt:

Wegfall des Vermittlungsvorrangs oder einfacher "Job um jeden Preis, unabhängig von Qualifikation und Vorkenntnisse". Dies wird erhebliche Auswirkungen bei der Jobsuche haben, denn dadurch entfällt das Druckmittel meist nicht besonders seriöse AG, eine billige, vom Steuerzahler manchmal auch finanzierte Arbeitskraft zu kommern.

Entscheident wird hierbei sein wie nun dieser Kooperationsplan funktioniert und wieviel Einfluss der Empfänger hat. Ähnlich verhält es sich mit der Änderung der Fortbildung/Ausbildung, hier soll stärker der Fokus auf wirklich qualitative Ausbildungen gelegt werden, anstatt nur diese Sinnlos-Maßnahmen zur Statistik-Bereinigung.

Auch Positiv ist die Erhöhung des Schonvermögens, gerade bei älteren Arbeitnehmern die durch einen Jobverlust oder Krankheit in H4 fallen war dies enorm Leistungsfeindlich im Verhältnis zu jungen Erwachsenen der beispielsweise noch nie gearbeitet hatte.
 
Ich sehe das genauso, es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
 
The_waron schrieb:
Auch Positiv ist die Erhöhung des Schonvermögens, gerade bei älteren Arbeitnehmern die durch einen Jobverlust oder Krankheit in H4 fallen war dies enorm Leistungsfeindlich im Verhältnis zu jungen Erwachsenen der beispielsweise noch nie gearbeitet hatte.
Sieht man sich die Statistik an, sind ca. 75% weniger als 1 Jahr arbeitslos. Wenn diese Leute vorher gearbeitet haben, bekommen sie doch eh ALG I und fallen gar nicht ins Bürgergeld oder?
 
Klar, für die älteren mag dieser eine Punkt vorteilhaft sein. Ob da aber ein "Fokus auf wirklich qualitative Ausbildungen" (der im Grunde natürlich überfällig war) wirklich viel nützt? Es dürfte wohl seine regionalen Gründe haben, warum die Leute mind. 1 Jahr lang (wie wirklich älteren sogar länger) nichts neues gefunden haben.

Und wo sollen plötzlich diese Ausbildungsplätze her kommen, für die man sich auch schon vorher mit Eigeninitiative hätte bewerben könnnen, falls es sie schon länger gibt? Hat der arbeitslose Industriemitarbeiter plötzlich nur wegen der Umstellung von H4 auf Bürgergeld die Chance auf dem 2. Bildungsweg eine neue, u.U. völlig artfremde Ausbildung im Handwerk zu machen um bei erfolgreichem Abschluss möglicht unbefristet vom Ausbildungsbetrieb übernommen zu werden?

D0m1n4t0r schrieb:
Ist so nicht richtig. Miete + Nebenkosten werden bezahlt, aber Strom nicht.
Und auch die Strompreise sind rapide angestiegen.
Ja gigantisch von 27 Ct/kWh auf 32,5 Ct/kWh bei 12 Monaten Preisbindung. Und das auch nur weil ich zu faul war, mir in Q2/2022 einen günstigeren Vertrag zu suchen. Etwas, das ich mit 6 Moanten Freizeit (abzüglich ein paar Zwangsterminen beim Arbeitsamt) garantiert getan hätte.

Wer noch Mitte des Jahres geglaubt hat, dass Weihnachten die Grundversorgung wieder bei 20-25 Ct/kWh liegen würde, glaubt wohl eher an den Osterhasen wie daran, dass er jemals aus H4/Bürgergeld wieder raus kommt.

D0m1n4t0r schrieb:
Und diese günstigere Wohnung gibt es vor Ort dann halt nicht.
Die zu einem passende Arbeit offensichtlich über Jahre auch nicht.
 
gymfan schrieb:
Und wo sollen plötzlich diese Ausbildungsplätze her kommen, für die man sich auch schon vorher mit Eigeninitiative hätte bewerben könnnen, falls es sie schon länger gibt?
Es geht dabei nicht um eine komplett neue Ausbildung, sondern darum, dass man Menschen, die bisher selbst keine Arbeitsstelle gefunden haben, dabei hilft, ihre bereits aufgebaute Qualifikation weiter auszubauen.
Zum Beispiel, in dem man ihnen ermöglicht, am Markt geforderte Zusatzqualifikationen zu erwerben, die in Ausbildung und/oder Studium eben keine Rolle gespielt haben.

Mir wurde nach meinem Masterabschluss als erstes (im Erstgespräch also noch vor irgendwelchen Vermittlungsvorschlägen) eine Umschulung vorgeschlagen.
Das kommt richtig gut, wenn man mit einem B.Sc. in Mathematik und einem M.A. in Pädagogik mit Schwerpunkt auf Forschungsmethoden in einer Stadt mit 15 Markt- und Meinungsforschungsinstituten und einer riesigen Universität mit aktuell über 20k Studierenden sitzt (dass sich das gegenseitig bedingt, wurde mir erst viel später klar).
Die Umschulung hatte natürlich weder mit Mathe noch mit Pädagogik oder Forschung auch nur irgendwas zu tun.

Sollte sich an diesem Verhalten nun tatsächlich was ändern, würde ich mich freuen.

Leider erinnert mich die Formulierung bei @The_waron ein bisschen an das, was Anfangs von Hartz4 behauptet wurde. Ich hoffe, das wird diesmal etwas besser ... aber ein gewisses Misstrauen bleibt.
 
Zuletzt bearbeitet:
gymfan schrieb:
Ja gigantisch von 27 Ct/kWh auf 32,5 Ct/kWh bei 12 Monaten Preisbindung. Und das auch nur weil ich zu faul war, mir in Q2/2022 einen günstigeren Vertrag zu suchen. Etwas, das ich mit 6 Moanten Freizeit (abzüglich ein paar Zwangsterminen beim Arbeitsamt) garantiert getan hätte.
Du scheinst da mit dem Strompreis Glück gehabt zu haben, denn wenn ich aktuell bei Verivox.de suche finde ich nichts unter 48 Cent/KWh. Für Leute die vor nem Jahr noch nen günstigen Tarif hatten und deren Versorger jetzt kündigt und nen neuen Tarif zu den Preisen anbietet hingegen ein echtes Problem wenn Strom auf einmal fast das doppelte kostet.

gymfan schrieb:
Die zu einem passende Arbeit offensichtlich über Jahre auch nicht.
Jaja, das alte Märchen von wegen es liegt nur an den Leuten dass die nix finden. (6 Millionen Arbeitslose+ALG2 Empfänger vs 1 Million offene Jobs).
Nehmen wir doch mal z.B. ne alleinerziehende Mutter in den neuen Bundesländern auf dem Land deren Familie dort lebt. Glaubst du echt die findet da ne Arbeit? Vielleicht auf 450 Euro Basis im Supermarkt an der Kasse, aber ganz bestimmt keinen Vollzeitjob mit dem sie sich auch noch ums Kind kümmern könnte.

Ende 2020 lebten in Deutschland 26,6 Millionen Menschen (31,9 %) in Großstädten und 22,9 Millionen (27,5 %) in Mittelstädten. Ungefähr 30 Millionen (37,5%) lebten in Kleinstädten oder auf dem Land.

Sollen diese 30 Millionen Leute die auf dem Land leben, wo es nicht so viele Jobs gibt, jetzt alle in die Städte ziehen, wo es entweder keine Wohnungen gibt oder diese nicht bezahlbar sind. Wie stellst du dir das vor?
 
D0m1n4t0r schrieb:
nichts unter 48 Cent/KWh.
Bei uns liegt der reine Arbeitspreis noch unter 40c ... NACH der Erhöhung um ca. 1/3 (und im Bereich "über 5.000 KWh pro Jahr" ... ganze 3er-WG).
Werden bei Verivox die Laufkosten (Zählermiete u.s.w.) in den KWh-Preis mit eingerechnet?
(das wäre ja nur mit konkreter Verbrauchsmenge möglich).

Ich habe die anderen Werte von meinem Schreiben der Stadtwerke aber auch nicht wirklich im Kopf ... nur der Arbeitspreis von knapp 38c pro KWh in unserem Verbrauchssegment ist hängen geblieben.
 
Kann sein dass es für ne 3er WG billiger ist weil insgesamt schon mehr verbraucht wird. Ich hab jetzt nur für Einzelpersonen geguckt mit Jahresverbrauch 1500KWH
 
D0m1n4t0r schrieb:
Ende 2020 lebten in Deutschland 26,6 Millionen Menschen (31,9 %) in Großstädten und 22,9 Millionen (27,5 %) in Mittelstädten. Ungefähr 30 Millionen (37,5%) lebten in Kleinstädten oder auf dem Land.

Sollen diese 30 Millionen Leute die auf dem Land leben, wo es nicht so viele Jobs gibt, jetzt alle in die Städte ziehen, wo es entweder keine Wohnungen gibt oder diese nicht bezahlbar sind. Wie stellst du dir das vor?
Die Verstädterung ist in Deutschland (und mit wenigen Ausnahmen auf der ganzen Welt) keine neue Sache.
Du kannst dir ja mal die Bevölkerungsverteilungen in der Entwicklung der letzten 200 Jahre anschauen.
Das war im Grunde eine konstante Landflucht mit leichten Gegenbewegungen bei fettem Wohlstandslevel.

Der Verstädterung wird wieder eine Flucht auf's Land folgen (und dieser wieder die Rückbewegung ... weil das bisher immer geschehen ist) ... aber das dauert jetzt halt mal ein paar Jahrzehnte, in denen die Städte erstmal auf den Andrang reagieren müssen und der Landwirtschaft eben die Arbeitskräfte flöten gehen (naja ... es gibt auch Menschen, die zu Arbeitsplätzen auf dem Land pendeln).
Ergänzung ()

D0m1n4t0r schrieb:
Jahresverbrauch 1500KWH
Ich habe jetzt nicht nachgeschaut, aber das ist bei uns auch definitiv teurer.
"Großkundenrabatt" krieg ich aber leider keinen für meine WG :lol:
 
gymfan schrieb:
Ja gigantisch von 27 Ct/kWh auf 32,5 Ct/kWh bei 12 Monaten Preisbindung. Und das auch nur weil ich zu faul war, mir in Q2/2022 einen günstigeren Vertrag zu suchen. Etwas, das ich mit 6 Moanten Freizeit (abzüglich ein paar Zwangsterminen beim Arbeitsamt) garantiert getan hätte.
Kann ich so auch nicht bestätigen.
Hatte bisher noch einen Vertrag über 32 cent + 10€ Grundgebühr.
Wurde mir nun erhöht auf 61 cent + 15€ Grundgebühr. Habe darauf hin gewechselt für „nur“ 43 cent + 14€ Grundgebühr. Immernoch ca 50% teurer als vorher, aber immernoch besser als der Alte.
Der alte Lieferant ist btw. der Grundversorger der Region.

DerOlf schrieb:
Mir wurde nach meinem Masterabschluss als erstes (im Erstgespräch also noch vor irgendwelchen Vermittlungsvorschlägen) eine Umschulung vorgeschlagen
Was natürlich auch irgendwie traurig ist, das jemand mit Masterabschluss zum Arbeitsamt muss. Sollte man doch meinen, dass jemand so hochqualifiziertes in jedem Fall einen Arbeitsplatz finden sollte.
Man muss aber auch sehen, dass es nicht überall für jede Fachkraft den passenden Job gibt. Dann muss man doch durchaus flexibel im Wohnort sein.

Wenn ich dem Bürgergeld etwas positives abgewinnen kann, ist das die Thematik mit der Weiterbildung. Es muss schlicht das oberste Ziel sein, die Leute wieder in Lohn und Brot zu bekommen. Die dann zum 35. Bewerbungstraining zu schicken ist so unsinnig wie Wasser in die Luft zu werfen und zu hoffen, dass es irgendwann von selbst oben bleibt.
Das die Leute da oft nur reingesteckt wurden um sie aus irgendwelchen Statistiken rausrechnen zu können ist doch sowieso ein Witz und reine Augenwischerei der Politik. Wer vom Amt betreut wird weil er keine Arbeitsstelle hat ist erstmal Arbeitslos oder "Arbeitssuchend". Nur weil er jetzt 2 Wochen Fortbildung macht ist er doch plötzlich nicht mehr Arbeitssuchend.


Das Thema Abstand zwischen Bürgergeld und Einkommen über Mindestlohn finde ich noch am kritischsten. Arbeit muss sich lohnen. Und das tut es nicht wenn ich für wenig mehr nur viel Aufwand, mehr Gesundheitsschäden und weniger Sicherheit habe.

Vermögensbehalt sehe ich wieder zwiegespalten. Einerseits will man dem, der mit Mitte 50 nochmal in die Arbeitslosigkeit fällt, nicht die gesamte Existenz nehmen. Auf der anderen Seite: Wenn doch Rücklagen und Ersparnisse da sind, warum muss dann die Allgemeinheit trotzdem dafür aufkommen?

Vom Thema Steuererhöhung für Spitzenverdiener in astronomische Höhen von 60%+x halte ich garnichts.
Einkünfte über 300k€, über wieviele Menschen sprechen wir da?
https://www.finanzen.net/nachricht/...n-reichsten-zehn-prozent-deutschlands-8964662
Wenn man danach geht, zählt man mit einem Jahresbrutto von ca. 150k€ (7180€ netto  12.400€ brutto*12) zu dem reichsten Prozent.
Weiter oben wurde mal die Zahl von ca. 35 Mio Erwerbstätigen genannt. Das würde bedeuten, dass etwa 350.000 Menschen mehr als 150k€ im Jahr verdienen. Wieviele dann sogar noch über 300k€ liegen kann man ggf. sogar nur schätzen.
Wenn man denen nun die Steuern um 30-40% erhöht (Steigerung von 42 auf 60% oder mehr) wird das doch primär dazu führen, dass nochmehr Steuervermeidungsmodelle forciert werden. Dann werden die Vorstandsposten offiziell in der ausländischen Gesellschaft angestellt oder andere Steuerschlupflöcher gesucht. Wir stehen auch im internationalen Wettbewerb und Führungskräfte und hochspezialisierte Wissensträger. Denen dann wiederum über 50% des Gehalts abknöpfen zu wollen, ist in jedem Fall keine gute Werbung.

Man kann an der Steuerschraube schon drehen. Z.B. durch weitere Anpassung des Freibetrags nach unten oder Verschiebung des Progressionsverlaufs bis zur Bemessungsgrenze. Letztere könnte z.B. auch konsequent mit der Inflation steigen womit sich auch die Kurve verändern würde. Davon hätten alle unterhalb der Bemessungsgrenzen etwas. Dagegen könnte man das „Reichenprozent“ (die 3% ab 250k€) nach unten korrigieren z.B. auf die Hälfte.
 
Arbeiten tun in Deutschland aktuell um die 45 Millionen Personen.
Sozialversicherungsabgaben (Arbeitslosen-, Kranken-, Renten-, Pflegeversicherung ) zahlen davon 35 Millionen.
Diese 10 Millionen die nichts in die Sozialsysteme einzahlen verdienen im Durchschnitt mehr als die 35 Millionen die was einzahlen. Da könnte man doch mal ansetzen.
Entweder hätte man dann höhere Einnahmen als jetzt, also mehr Geld für Bedürftige, oder man könnte die Sozialversicherungsbeitragssätze senken wovon ebenfalls alle profitieren würden.
Jeder der arbeitet zahlt aktuell 19,9% Sozialversicherungsbeiträge.
Wenn man jetzt 30% mehr Leute hätte die was einzahlen, könnte man die Beiträge für alle z.b. auf 15% senken wovon wiederum alle profitieren würden da man so direkt mehr Netto vom Brutto hätte.
 
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Khaotik schrieb:
Z.B. durch weitere Anpassung des Freibetrags nach unten
Der Grundfreibetrag bei der Einkommenssteuer für SIngles liegt aktuell schon unter 10.000 (€9.744,- im Jahr ... das macht monatlich dann €812,- ... ich glaube, das Amt zahlt tatsächlich schon heute besser ... und steuerfrei).
Mit einer weiteren Verringerung des Grundfreibetrags rutschen nur noch mehr Menschen aus Steuergründen in die Bedürftigkeit.
Linke Tasche - rechte Tasche und so.

Ich halte eher eine Erhöhung des Grundfreibetrags auf deutlich über €12.000,- Jahresbrutto für angezeigt. Ich beziehe mich dabei lediglich auf den Grundfreibetrag ohne Zusatzfreibeträge. Ich konzentriere mich auf das, was wirklich alle betrifft.

Der ganze Bereich, in dem sich die Steuerprogression abspielt, sollte erst später beginnen. Damit, bereits für alles über €150.000,- Jahresbrutto, mit 45% zu besteuern, habe ich allerdings nicht viel ... momentan haben wir eine Range von fast €200.000,-, in der einfach pauschal 42% gezahlt wird. Egal, ob man bei 80.000 oder 240.000 Jahresbrutto liegt. Fast die gesamte Steuerprogression spielt sich im Bereich UNTER €60.000 ab ... und dann kommt erstmal Ewigkeiten nichts.
Da sollte man meiner Meinung nach ansetzen.
D0m1n4t0r schrieb:
Sozialversicherungsabgaben (Arbeitslosen-, Kranken-, Renten-, Pflegeversicherung ) zahlen davon 35 Millionen.
Diese 10 Millionen die nichts in die Sozialsysteme einzahlen verdienen im Durchschnitt mehr als die 35 Millionen die was einzahlen. Da könnte man doch mal ansetzen.
Moment ... ich gehöre auch zu diesen 10 Mio ... ich zahle lediglich in die Kranken- und Pflegekasse. Ich zahle keine Steuern und auch keine Sozialabgaben anderer Art, weil mein Verdienst bei ca. 1.000 Brutto liegt, und ich durch den AG-Anteil für Kranken- und Pflegeversicherung wieder unter den Grundfreibetrag rutsche.
Ein ziemlich großer Teil dieser 10 Mio Menschen, dürften Niedriglöhner, Teilzeitler und Minijobber sein, die eben nicht viel verdienen.
 
Steuern und Sozialversicherungsabgaben sind zwei verschiedene Sachen.
Der Steuersatz varriiert und ist vom Einkommen abhängig, wohingegen die Sozialversicherungsbeiträge immer bei 19,9% bleiben, solange Lohn/Gehalt unter der Beitragsbemessungsgrenze liegt.

Wenn du Kranken- und Pflegeversicherung Beiträge zahlst zahlst du vermutlich auch Arbeitslosen- und Rentenversicherungsbeiträge. Wäre zumindest sehr unüblich dass man nur 2/4 Beiträgen zahlen muss.

Die Sozialversicherungsbeiträge setzen sich wie folgt zusammen:
14,6 Prozent Krankenversicherung, 18,6 Prozent Rentenversicherung, 3,05 Prozent Pflegeversicherung und 2,4 Prozent Arbeitslosenversicherung. Davon zahlt ungefähr die Hälfte der Arbeitgeber und die andere Hälfte der Arbeitnehmer.

Dass die Sozialversicherungsbeiträge immer diese knapp 20% sind ist auch gerade für Menschen die wenig verdienen ein echtes Problem. Steuern sind in dem Bereich gar nicht so schlimm, da die extrem niedrig sind, aber wenn jemand 1000 Euro Einkommen hat und davon direkt dann erstmal 200 Euro weg sind, dann tut das schon weh.
Wenn man daher dafür sorgen würde dass wirklich alle einzahlen und im Gegenzug die Beiträge senken würde, wäre das gerade für Niedriglöhner eine echte Entlastung.
 
DerOlf schrieb:
Ich halte eher eine Erhöhung des Grundfreibetrags auf deutlich über €12.000,- Jahresbrutto für angezeigt. Ich beziehe mich dabei lediglich auf den Grundfreibetrag ohne Zusatzfreibeträge. Ich konzentriere mich auf das, was wirklich alle betrifft.
Ja, so war es tatsächlich auch gemeint. Habe ich mich schlecht ausgedrückt, mein Fehler. Gemeint ist natürlich eine Erhöhung um im unteren Bereich zu entlasten und die Progressionskurve nach oben zu schieben.
DerOlf schrieb:
momentan haben wir eine Range von fast €200.000,-, in der einfach pauschal 42% gezahlt wird. Egal, ob man bei 80.000 oder 240.000 Jahresbrutto liegt.
Das ist eben auch der Punkt, der mich stört. Dazu kommen dann noch die Bemessungsgrenzen für die Sozialversicherungen. Die liegen auch in einer ähnlichen Höhe wie das momentane Ende der Progressionskurve.
D0m1n4t0r schrieb:
Wenn man daher dafür sorgen würde dass wirklich alle einzahlen und im Gegenzug die Beiträge senken würde, wäre das gerade für Niedriglöhner eine echte Entlastung.
Würde ich auch zustimmen, dass die ganzen Sonderkassen aufgelöst werden. Warum genau brauchen denn Juristen, Ärzte und co. eigene Versorgungskassen?
D0m1n4t0r schrieb:
Diese 10 Millionen die nichts in die Sozialsysteme einzahlen verdienen im Durchschnitt mehr als die 35 Millionen die was einzahlen. Da könnte man doch mal ansetzen
Warum zahlen 10 Mio. nicht in die Kassen ein? Sind das dann eben jene mit eigenen Systemen? Selbstständige? Oder wie ist der Punkt zu verstehen?
 
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D0m1n4t0r schrieb:
Wenn du Kranken- und Pflegeversicherung Beiträge zahlst zahlst du vermutlich auch Arbeitslosen- und Rentenversicherungsbeiträge. Wäre zumindest sehr unüblich dass man nur 2/4 Beiträgen zahlen muss.
Du hast Recht ... beides taucht auch auf meiner Lohnabrechnung auf (aber mit über €150,- hauen Kranken- und Pflegekasse schon am meisten rein).

Ich zahle auch knapp ein Fünftel meines Lohnes an Sozialabgaben ... aber ich finde nicht, dass das irgendwie weh tut. Es ist halt einfach so ... wenn mir jemand sagt, "bei mir bekommst du 1.000 brutto" dann klingt im Hiunterkopf gleich mit "Ok ... knapp 800,-".
So ist das nunmal.
Sich darüber zu ärgern wäre Kraftverschwendung und Ich "verliere" dieses Geld ja nicht, sondern zahle es z.B. in ein System ein, von dem ich profitieren kann.
Ich habe dank dieses Geldes die Möglichkeit, jederzeit zum Arzt gehen zu können ... oder in dem Fall, dass ich meine Stelle verliere, nicht sofort komplett ohne Geld dazustehen (naja ... mit ALG1 wäre ich trotzdem zum Aufstocken gezwungen ... aber das liegt ja am geringen Verdienst).
Insgesamt verzichte ich für diese Möglichkeiten sehr gerne auf ein Fünftel meines Gehaltes ... ich kann vom Rest ja für meine Begriffe gut genug leben.
Ergänzung ()

Khaotik schrieb:
Sind das dann eben jene mit eigenen Systemen? Selbstständige? Oder wie ist der Punkt zu verstehen?
Selbstständige zahlen nicht in die Sozialsysteme ein. Aber eventuell sollte man bei Durchschnittswerten auch etwas vorsichtig sein.
Wenn die genannten 10 Mio im Durchschnitt mehr verdienen, als die 35Mio Einzahler in die Sozialsysteme, dann bedeutet das nicht zwingend, dass auch das Medianeinkommen in dieser Gruppe über dem der anderen Gruppe liegt.
Der "normale feld-wald-wiesen-Durchschnitt" (arithmetisches Mittel) ist extrem anfällig für Ausreißer, und dadurch kann das schon durch wenige Einkommensmillionäre untrer den 10 Mio einen recht hohen Wert ergeben. Darüber, ob 50% der 10 Mio vielleicht nur geringfügig Selbstständig ist, trifft das arithmetische Mittel keinerlei Aussage.
Auch ein selbststänsiger Instrumentallehrer mit 15 Schülern zahlt nicht in die Sozialsysteme ein, landet bei 60,- pro Unterrichtsvertrag aber auch noch unter 1.000,- an Bruttoeinnahmen, und hat ausserdem arbeitsbedingte Ausgaben, die in einigen Monaten auch mal ein Fünftel dieses Einkommens übersteigen.

Die Schwächen des normalen Durchschnitts fallen schon auf, wenn die Differenzen nicht so gewaltig sind, wie beim Einkommen (z.B. bei der Körper- oder Schuhgröße).
 
Zuletzt bearbeitet:
DerOlf schrieb:
Selbstständige zahlen nicht in die Sozialsysteme ein.
Also ich tu das schon. Zwar freiwillig und wer will, kann es vermeiden, klar. So pauschal kann man die Aussage aber nicht stehenlassen. ;P
 
D0m1n4t0r schrieb:
wohingegen die Sozialversicherungsbeiträge immer bei 19,9% bleiben, solange Lohn/Gehalt unter der Beitragsbemessungsgrenze liegt.
Das zu Flexibilisieren würde den Armen ja mehr bringen und zur Arbeitssuche animieren. Das geht aus Sicht des Staates nicht da dann Gelder fehlen die man zum Fenster raus werfen kann.
 
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