Der Bürgergeld Thread - Diskussionen rund ums Bürgergeld

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Was bringen Sanktionen wenn die Realität folgende ist?

Im Jahr 2020 wurden 48 Prozent aller Widersprüche gegen Sanktionen, die nicht vorab z.B. durch Rücknahme erledigt wurden, ganz oder teilweise stattgegeben.

Von allen Klagen gegen Sanktionen, die nicht vorab z.B. durch Rücknahme erledigt wurden, wurden 2020 sogar 70 Prozent ganz oder teilweise stattgegeben.

Sanktionen sind eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Verwaltungsfachangestellte und Juristen.
 
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MichaelaRegena schrieb:
Das passiert, weil die Gesetze nicht klar geregelt sind.
Das stimmt nicht. Soweit ich weiß arbeitet Lipovitan auch in dem Bereich. Ich denke er weiß aus erster Hand, wovon er spricht und sieht es tagtäglich. Im Gegensatz zu deiner Behauptung, die wohl einfach jedweder Grundlage entbehrt.

Aber du kannst ja mal aufzeigen, wo genau die Gesetze konkret hier nicht klar geregelt sind.
 
Es liegt nicht an den fehlenden "klaren" Gesetzesregelung. Bei Verwaltungsfachangestellten handelt es sich um Fachkräfte denen man zumuten können sollte auch unklare Gesetze richtig anzuwenden.

Viele Gesetze erlangen auch erst "Klarheit" durch die Interpretation von Gerichten. Die Hartz IV Reform hatte inzwischen genug Zeit zu reifen und sind inzwischen klar genug. Und dennoch sind die Zahlen niederschmetternd und sprechen "klar" gegen Sanktionen.

Du kannst auf Basis unseres Grundgesetzes einfach niemanden so hart sanktionieren, dass er mittellos wird. Das hat das Bundesverfassungsgericht 2019 festgestellt. Da wurde der Regelsatz teilweise zu 100% gekürzt.

Hinzu kommt das Sanktionen regelmäßig auch Drittwirkung entfalten. So lebten im Pandemiejahr 2020 gut einhunderttausend Kinder in Bedarfsgemeinschaften, die einer Sanktion unterlagen.

Sowas muss man berücksichtigen. Hier geht es nicht "klar", weil das auch eben einfach bedeutet. Eine einfache Bewertung von Menschen und deren Lebensumstände ist aber auch nicht möglich und daher weniger "klar".

Mittlerweile existiert eine umfangreiche Literatur zu den negativen Auswirkungen von Sanktionen. Sie schaden der Beschäftigungsqualität, führen zu Verschuldung und Wohnungsnotfällen.

Und all das, wofür?
 
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Hab letztens mit einem Bekannten gesprochen, der Elektriker ist.

Der wollte sich eigentlich mal Selbstständig machen.
Er sagt aber, er wäre blöd wenn er das macht.
Er will nicht die ganzen Arbeitslosen mitfinanzieren.
Er sieht es an allen neuen Kollegen, die sein Chef über das Arbeitsamt bekommt.
Die haben 0 Bock auf arbeit und sind nach ein paar Tagen alle dann gleich krankgeschrieben und bald wieder weg.

Jetzt arbeitet er noch 2 Tage bei seinem alten Chef, damit er Krankenversichert ist und den Rest macht er alles schwarz.
 
@Lipovitan
Jepp, Sanktionen sind kurz gesagt Schwachfug, sowohl als Aufwand in der Verwaltung, als auch für die Betroffenen und Angehörigen.

Und die 4% oder was es sind der Bezieher kann und muss der Sozialstaat aushalten können.
Wahrscheinlich wäre das sogar schon finanziert, wenn man den Sanktionsapparat abschafft. :)
 
MarkusMaier schrieb:
Er sieht es an allen neuen Kollegen, die sein Chef über das Arbeitsamt bekommt.
Die haben 0 Bock auf arbeit und sind nach ein paar Tagen alle dann gleich krankgeschrieben und bald wieder weg.
Wer als Arbeitgeber einen passenden Kandidaten über das Arbeitsamt erwartet, hat die letzten 17 Jahre geschlafen, wer als Arbeitnehmer ein passendes Angebot vom Arbeitsamt erwartet, hat die letzten 17 Jahre gleich daneben gelegen.
 
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oft suchen die Elektro Betriebe ja keine fähigen Leute, sondern jemanden der die fähigen Mitarbeiter etwas entlastet. er müsste dafür nur da sein und die simplen Arbeiten machen.
die haben zwei bis drei gute Gesellen und nen Meister, das reicht wenn man noch zwei drei Hiwis hat.
 
MarkusMaier schrieb:
Die haben 0 Bock auf arbeit und sind nach ein paar Tagen alle dann gleich krankgeschrieben und bald wieder weg.
Was erwartet man von Arbeitskräften die quasi gezwungen sind da zu sein um eine Sanktion zu vermeiden?
MarkusMaier schrieb:
Er will nicht die ganzen Arbeitslosen mitfinanzieren.
2,4% beträgt aktuell der Anteil zur Arbeitslosenversicherung. Nur deswegen arbeitet man nicht schwarz.
 
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MarkusMaier schrieb:
Jetzt arbeitet er noch 2 Tage bei seinem alten Chef, damit er Krankenversichert ist und den Rest macht er alles schwarz.
Klassiker! Andere mit Schmutz bewerfen, den man selbst verursacht. Andere als sozialschmarotzer bezeichnen während man schwarz arbeiten geht. Das ist die krönung der ignoranz…
 
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und dann Grundsicherung im Alter :D

das ist doch ausgedacht
 
Fördern und Fordern kollidiert einfach komplett mit der Realität.

Angeblich verhalten sich 97% der Bezieher korrekt. Das bedeutet doch aber nur, dass sie nicht sanktioniert werden, aber sicherlich nicht, dass sie tatsächlich Arbeit suchen.

Dennst sonst wäre dies nicht die Standardaussage:

The_waron schrieb:
Wer als Arbeitgeber einen passenden Kandidaten über das Arbeitsamt erwartet, hat die letzten 17 Jahre geschlafen, wer als Arbeitnehmer ein passendes Angebot vom Arbeitsamt erwartet, hat die letzten 17 Jahre gleich daneben gelegen.

Lipovitan schrieb:
Hinzu kommt das Sanktionen regelmäßig auch Drittwirkung entfalten. So lebten im Pandemiejahr 2020 gut einhunderttausend Kinder in Bedarfsgemeinschaften, die einer Sanktion unterlagen
Und das wusste man bei Einführung der Gesetze nicht?

Das Bürgergeld ist für Leute, die nie gearbeitet haben quasi ein BGE.

Verarscht dürfen sich zurecht alle fühlen, die gearbeitet und was angepart haben und Leute in unteren Lohngruppen/Teilzeitler.
 
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Andy8891 schrieb:
Verarscht dürfen sich zurecht alle fühlen, die gearbeitet und was angepart haben und Leute in unteren Lohngruppen/Teilzeitler.
Nee, genau für die ist doch das Schonvermögen gedacht. Wenn ich jetzt z.b. eine ex-Freundin von mir ausschaue, die hat so um 30k in ihren paar Berufsjahren nach dem Studium angespart weil sie sehr sparsam lebt.
Raucht nicht, macht selten Urlaub, fährt nen gebrauchten skoda.

Jetzt ist sie seit etwa zwei Jahren krank und rutscht wohl aus dem Krankengeld in H4/Bürgergeld.

Soll sie jetzt echt ihr Erspartes aufbrauchen, weil sie krank geworden ist? Ist nicht genau dafür die Solidargemeinschaft, die sie ja auch jahrelang unterstützt hat da?
Soll sie schnellstmöglich mit denen gleichgestellt werden die ihr Geld verprasst haben??
 
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D0m1n4t0r schrieb:
Wie seht ihr das? Ist das Bürgergeld zu niedrig/zu hoch/angemessen? Vor allem jetzt in Zeiten hoher Inflation und explodierender Energiepreise/Mieten/Nebenkosten?
Das bürgergeld hat in meinen Augen eine sehr gute höhe, in Anbetracht der kosten die jeder einzelne hat.
D0m1n4t0r schrieb:
Lohnt es sich zum Mindestlohn zu arbeiten? Bzw. besteht überhaupt ein Anreiz dazu wenn am Ende fast das selbe an Geld überbleibt?
Nein.
D0m1n4t0r schrieb:
Falls nicht, welches Nettoeinkommen wäre nötig damit sich Arbeiten lohnt?
Mindestens 2000€
D0m1n4t0r schrieb:
Wie groß sollte der Lohnabstand zwischen Bürgergeld und Arbeiten sein?
Aufjedenfall größer als momentan, ich bin da aber auch nicht gut informiert, vielleicht so 700€ mehr für die die Arbeiten.
D0m1n4t0r schrieb:
Bräuchte es weniger Bürgergeld oder höhere Mindestlöhne? Oder vielleicht beides oder keines oder was ganz anderes?
Ich denke ein höherer Mindestlohn wäre sinnvoll. Allgemein sollte aber jedem das bürgergeld gestrichen werden, sollte dieser mehrere Jobs ablehnen oder sich gar nicht erst bemühen einen zu bekommen. Wer kündigt um dann Bürgergeld zu beziehen sollte ebenfalls nichts erhalten.
Wer zu Mindestlohn oder leicht darüber arbeitet oder gar bürgergeld bezieht kann sich natürlich auch nie ein Haus oder ähnliches leisten, spätestens das wäre für mich ein Grund etwas zu ändern, aber die meisten denken da wohl anders. Die Inflation ist natürlich auch allgemein ein Problem, wodurch das ganze Thema nochmals schwieriger wird.
Ergänzung ()

Corto schrieb:
Soll sie jetzt echt ihr Erspartes aufbrauchen, weil sie krank geworden ist? Ist nicht genau dafür die Solidargemeinschaft, die sie ja auch jahrelang unterstützt hat da?
Da hat zwar nichts mit dem bürgergeld zu tun, jedoch ist bei solchen fällen unser System echt der letzte Dreck. Mmn sollten Personen die das betrifft ihr Gehalt weiterhin bekommen, dafür sollte u.a. das Steuergeld da sein und nicht damit die Regierung erstmal 10mrd an Indien oder ähnlichen spendet....
 
Lipovitan schrieb:
2,4% beträgt aktuell der Anteil zur Arbeitslosenversicherung. Nur deswegen arbeitet man nicht schwarz.
seit wann werden Hartz4er von der Arbeitslosenversicherung finanziert ?

alles was mit Hartz4 zutun hat ( SGB2/SGB12 ) wird von Steuern finanziert, SGB3 dagegen von der Arbeitslosenversicherung
 
Ben_computer_Ba schrieb:
Da hat zwar nichts mit dem bürgergeld zu tun, jedoch ist bei solchen fällen unser System echt der letzte Dreck. Mmn sollten Personen die das betrifft ihr Gehalt weiterhin bekommen, dafür sollte u.a. das Steuergeld da sein und nicht damit die Regierung erstmal 10mrd an Indien oder ähnlichen spendet....

das hat nur mit Bürgergeld zu tun und nicht damit das du irgendwie da deine Ressentiments gegen Ausländer mit reinbringst.
Entwicklungshilfe, egal wie bescheuert, hat mit dem Thema hier garnichts zu tun.
 
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Es gibt schlichtweg auch nicht genug Arbeit für alle.

https://www.arbeitsagentur.de/jobsuche/suche?angebotsart=1&id=16725-k58571.1000-S
1.020.000 Jobs

Offizielle Anzahl Arbeitsloser:
https://www.arbeitsagentur.de/news/arbeitsmarkt-2022
2.440.000

Anzahl Hartz IV, demnächst Bürgergeld:
https://de.statista.com/statistik/d...arbeitslosengeld-ii-jahresdurchschnittswerte/
3.600.000

Wir haben hier also ungefähr 1 Million freie Jobs und denen stehen 6 Millionen Arbeitslose/HartzIVer gegenüber.
Selbst wenn diese 1 Million Jobs nicht teils doppelt oder mehrfach eingetragen sind, oder schlichtweg fake Jobangebote sind um an Daten zu kommen, selbst wenn diese Jobs alle sofort besetzt würden, dann hätten wir immer noch 5 Millionen Leute übrig, für die keine Arbeit da wäre.
Was sollen die machen? Sich auf nicht vorhandene Jobs bewerben? Und wenn das nicht geht werden die dann sanktioniert oder wie?
Sanktionen machen nur dann Sinn wenn es dazu die Alternative gibt "Arbeiten gehen oder sanktioniert werden". Wenn es aber gar nicht genug Arbeit für alle gibt, wie sollen dann Sanktionen dafür sorgen dass man wieder Arbeit findet?

Und ganz ehrlich, die 3% die sanktioniert werden, die kann man auch einfach mit durch schleifen. Was übrigens bedeutet 3% werden jedes Jahr sanktioniert, allerdings nicht 1 Jahr lang, sondern diese Sanktionen dauern im Schnitt 3 Monate, d.h. von allen Beziehern werden 0,75% permanent sanktioniert bzw. 3% werden einmal im Jahr für 3 Monate sanktioniert. (Berechnung: 3%*3/12).
Und die ganzen Mitarbeiter die aktuell prüfen ob wer sich "Sanktionswürdig" verhalten hat und die dann Sanktionen verhängen und die Widersprüche bearbeiten, die könnte man viel besser für die Weiterbildung und Jobvermittlung verwenden. So ein riesen Aufwand für gradmal 3% ist einfach nicht effizient.
Das Geld und das Personal kann man besser dafür verwenden den Leuten wirklich zu helfen. Z.b. indem man Leute finanziell unterstützt während diese einen Schulabschluss machen oder eine Ausbildung oder ähnliches.
 
Ben_computer_Ba schrieb:
Wer kündigt um dann Bürgergeld zu beziehen sollte ebenfalls nichts erhalten.
Dafür gibt es die Sperrzeit.

Wer kündigt, um Bürgergeld zu beziehen, war eh nicht lange beim alten Arbeitgeber beschäftigt.
 
Was glaub viele hier auch nicht verstehen, Bürgergeld gibts ja eh erst wenn man aus dem Arbeitslosengeldbezug raus ist. Wer seinen Job kündigt, der bekommt drei Monate ne Sperre und dann gibts erstmal Arbeitslosengeld das meist höher ist als das Bürgergeld. Und nach nem Jahr wird aus Arbeitslosengeld dann Bürgergeld.
 
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