nebulein schrieb:
Bei Gündogan stecken da aber auch geschäftliche Interessen dahinter. Özil traue ich sogar zu, dass der so naiv und blöd ist um nicht zu verstehen was er damit losgetreten hat. Aber bei Gündogan ist das ganz klares Kalkül und genau deswegen hätte man ihn auch ausschließen müssen.
https://www.welt.de/politik/ausland...nd-die-Naehe-zur-tuerkischen-Polit-Elite.html
Eine sehr ähnliche Situation erfährt aktuell auch Mo Salah in Ägypten. Die Schwierigkeit ist: Du kannst nicht ununterbrochen als Samariter auftreten in deiner Heimat, selbst wenn Du die finanziellen Möglichkeiten dafür hättest. Denn jedes Mal, wenn Du etwas für lau Bauen willst, fühlt sich irgendein Privatier an den Karren gepisst, denn er hätte es mit Profit bauen können. Wofür schmiert man denn seit Jahren den Dorf-Polizeichef und diverse Abgeordnete.
Und eigentlich ungewollt musst Du dir auf einmal die Klinke mit Politikern und krummen Bauherren geben. Aus Ägypten weiß ich, dass solche Geschichten eine unbarmherzige Eigendynamik entwickeln können. Und zack bist Du das Gesicht der Nation und Marionette der Regierung. Denn wenn Du deren Spiel nicht mit spielen willst, drohen Repressalien gegen Familie und Rufmord über gleichgeschaltete Medien.
Es ist ein Drahtseilakt. Manch einer fühlt sich, eben wegen dem besseren Status und der ganze Kohle, verpflichtet. Diverse Ex-Brasilianische Nationalspieler sind daher ja auch recht dicke mit schwerkriminellen Favela-Gangs.
Wiggum schrieb:
Natürlich, jetzt ist es wieder der "schwellenden Rassismus" der Deutschen...man wechselt reflexartig in die "Opfer" Stellung und schreit laut "Rassismus", wär hätte das gedacht...
Empathie ?! Für Fußballmillionäre die auch vom DFB zehntausende bis hunderttausende Euro jährlich kassieren ?
Sollen wir dankbar sein und sie von jeder Kritik abschirmen weil sie a) einen Migrationshintergrund haben und b) Nationalspieler sind ? Das ist doch lächerlich.
Das hat nichts mit einer Opferstellung zu tun, wenn man Rassismus aufzeigt. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es Studien die belegen, dass man Jobtechnisch eine schlechtere Chance als Migrant hat, siehe
hier,
hier oder
hier. Systemischer Rassismus ist immer noch vorhanden. In manchen Punkten mehr, in manchen weniger. Und davon unabhängig sollte man egal, wie viel Geld auf dem Konto eines Fussballers ist immer noch Empathie mit diesen haben. Vor Burnout und Depression sind diese mit dem ganzen Geld auch nicht sicher, und dass jemand wie Özil vor Kritik abgeschirmt wird ist ja nahezu lächerlich. Ich glaube es gibt kaum einen anderen Spieler der sich soviel anhören muss bei Vergleichsweise so hohem Leistungsniveau. Sei es in England oder Deutschland.
Mich verwundert, dass
@Wiggum soviel mit dem Pass in Verbindung setzt. Insbesondere in Deutschland, wo recht schnell visuell zugeordnet wird, wer eine andere Herkunft hat.
Wiggum schrieb:
Aha, was hat Erdogan mit Gündogans Wurzeln zu tun ? Der Mann ist hier geboren und aufgewachsen und hat keine türkische Staatsbürgerschaft.
Und dennoch wird man dann immer nach dem: "Woher kommst Du?" "Düsseldorf." krumm angeguckt und nochmal gefragt "Ne, du weißt schon was ich mein. Woher kommst Du
ursprünglich?" und hey, dessen bin ich genauso schuldig. Ich mach das auch. Einen Afro-Amerikaner würde man hingegen nie Fragen aus welchem Teil Afrikas er stammt.
Und dementsprechend, werden "Pass-Deutsche" noch sehr lange, mit Ihren Wurzeln weiterhin verbunden bleiben, auch wenn man es als "Bio-Deutscher" eventuell nicht versteht. Schließlich sind wir nahezu in jeder "ersten" Begegnung damit konfrontiert.
Und ja ich bleibe auch felsenfest bei meiner Aussage, dass der hiesige Deutschtürke, viel heftiger im Fokus ist, als zum Beispiel Deutsche mit polnischen Wurzeln. Unser direkter Grenznachbar höhlt, im Vergleich zu Erdogan, ungestört die Demokratie seines Landes aus. EU-Mitglied wohlgemerkt. Ähnliches gilt für Ungarn und Rumänien.
Keine Frage, bei Erdogan dampft es stärker, wegen der unzähligen Kriegsnebenschauplätzen die aufgemacht wurden. Dennoch: Undemokratische Nachbarn und deren Migranten haben wir recht viele.
Neben dem politischen Statement, welches in der Tat nicht in Ordnung ist, war es für Özil und Gündogan aber eben auch ein gesellschaftliches Statement. Ein Statement pro Türkei. Dass man seine Wurzeln nicht vergessen hat. Man kann Deutscher und Türke gleichzeitig sein. So wie Klose und Poldi, Deutsche und Polen gleichzeitig waren. Wenn man Sie bzw. uns lässt.
Unsere Gesellschaft muss dies viel besser lernen zu akzeptieren und ein Stück weit mehr Rücksicht auf eben jene Sensibilitäten nehmen. Denn es ist bei Gott nicht so, dass die deutsche Gesellschaft Migranten und Migrantenkinder mit Pass als vollwertiges "deutsches" Mitglied, identifiziert.