Gehaltswunsch

Als Arbeitgeber würde ich bei der Schaltung einer Stellenanzeige dazu raten, die Angabe einer Gehaltsvorstellung zu verlangen. Das erspart eine Menge Arbeti, weil man Bewerber mit völlig überzogenen Vorstellungen gleich aussortieren kann. Und ja, die gibt es leider auch.

Bewerbern rate ich, sich an das zu halten, was in der Anzeige steht. Wenn ich bestimmte Qualifikationen oder Kenntnisse verlange, dann mache ich das nicht zum Spaß. Jede Zeile der Stellenanzeige kostet richtig Geld und jeder Bewerber sollte sich vor Augen halten, dass "erforderliche" Qualifikationen oder Angaben als solche zu sehen sind. Wenn ich einen Gehaltswunsch sehen will, dann ist die Angabe in der Bewerbung zwingend.

Ich weiß sehr wohl, dass manche "Personalberater" von der Nennung eines Betrages abraten und eher empfehlen, sich darum zu drücken. Ich sage aber auch, dass man nach einer Stellenanzeige täglich locker 20 oder sogar 40 Bewerbungen auf den Tisch bekommt. Die normale Arbeit läuft aber weiter

Man hört am Abend also 30 Minuten früher mit seinen sonstigen Tätigkeiten und schaut 60 oder 90 Minuten lang Bewerbungen durch. Aber spätestens nach der 15. Bewerbung macht das keinen Spaß mehr. Und dann wird umso gnadenloser aussortiert. Eine fehlende Gehaltsangabe kann dann leicht den Unterschied ausmachen, ob man noch in die zweite Wahl kommt oder in die Tonne.

Ein Gehaltswunsch ist auch kein Diktat oder eine Gehaltsforderung. Man kann im Gespräch immer noch argumentieren, dass man von seinem ursprünglichen Wunsch abrückt, weil man dort bestimmte Informationen bekommen hat, die zuvor nicht bekannt waren.

Wer clever ist, koppelt gleich in der Bewerbung seinen Gehaltswunsch an die "sonstigen Leistungen". Es zählt ja nicht nur das Geld, sondern vielleicht auch der kostenlose Kaffee sowie das Obst, der Betriebsausflug, die Gleitzeit, der freie Rosenmontag, der überdachte Parkplatz, die Länge der Probezeit, das Gehalt nach der Probezeit usw.

Man kann daher ruhig schreiben, dass man sich ein Gehalt im Bereich von xy Euro vorstellt, aber dass man in einem persönlichen Gespräch ohnehin über das Gesamtpaket reden müsste.

P.S.:
Falls ich den letzten Satz so oder sehr ähnlich in einer Bewerbung lesen sollte, bekommt der Bewerber wegen mangelnder Kreativität sofort eine Absage.
 
@keshkau

Danke für die Erläuterung. Ich kann nur bestätigen, dass die Meinungen einiger Headhunter und Personalberater z.T. unterschiedlicher nicht sein können.

Dabei gehört bei einem Jobwechsel u.a. das Einkommen/Benefits zu einem der entscheidensten Punkte. Ich hatte allerdings oft das Gefühl, dass hier gern herumgeschifft wird und das nicht nur vom Bewerber.


MFG
 
Gerade für Berufseinsteiger ist es sicherlich nicht einfach, seinen "Marktwert" ausloten zu können. Die Kosten für die Einarbeitung des neuen Mitarbeiters darf man ja nicht unterschätzen.

Wenn hier nach einem Gehaltswunsch gefragt wird, müsste man genau recherchieren - zumal auch ortsgegebene Faktoren das "übliche" Gehalt beeinflußen können. Vielleicht sollte man sich daher durch den Kopf gehen lassen, was denn das absolute Minimum für einen persönlich wäre, was man zum Leben in der nähe eines neuen Arbeitsplatz benötigen würde. (Miete, Fahrtkosten, usw.) und dann noch ein wenig aufschlagen, um etwas Verhandlungsspielraum bekommen zu können.

Ist es denn für einen Arbeitgeber nicht interessant, wenn man sich "preiswert" verkauft? Man könnte ja einen potentiellen Arbeitnehmer erstmal günstig als Praktikant für ein paar Monate arbeiten lassen und anhand der dort vollbrachten Leistungen das Gehalt und die weiteren Konditionen festmachen. Je nach Branche (z.B. Softwareentwicklung in java(EE)) könnte man diese Praktikumsphase auch zur Einarbeitung und die betriebsintern verwendenten Tools, Verfahren und Sprachen verwenden. .... ah major offtopic

Mich wird diese Tortur innerhalb der nächsten 6 Monaten auch noch erwarten, wenn ich hoffentlich mein Studium (Dipl. Inf. [UNI]) erfolgreich abgeschlossen haben werde und dann irgendwann langsam in die Bewerbungsphase hineinrutsche. Da ich eigentlich bisher immer um "richtige" Bewerbungen (Praktika, Nebenjobs oder ohne Lohnsteuerkarte,... usw.) herumgekommen bin - ging alles "irgendwie", "unter der Hand" und ohne jede Form - nicht einfach....
 
Ich ging in meinem Beispiel von einer regulären Festanstellung. Praktika und dergleichen sind zeitlich befristete Sonderfälle. Die Probezeit gilt ohnehin. Es spricht auch nichts dagegen, dem Arbeitgeber einen Abschlag während der Probezeit anzubieten, wenn er nicht schon selbst auf die Idee kommt, z. B. 2.600 Euro während der Probezeit (oder während der ersten drei Monate) und 2.800 Euro danach. Oder man fängt im März an und vereinbart gleich schon eine Gehaltserhöhung zum Januar des nächsten Jahres. Alles ist möglich.

Niemand sollte sich freiwillig unter Wert verkaufen. Und jeder Bewerber hat seine "Schmerzgrenze". Wenn jemand einen bestimmten Job nicht unter 2.800 Euro machen will und 2.500 Euro benötigt, um über die Runden zu kommen, dann sollte er nicht mit 2.500 Euro pokern, die ihn unglücklich machen. Davon hat auch der Arbeitgeber nichts. Entweder es passt oder es passt eben nicht.

Es gibt doch das Schlagwort der Überqualifizierung. Wenn ich da einen sehr fähigen Bewerber habe, der zuvor vielleicht 3.500 Euro verdient hat und mir jetzt sagt, er wolle nur 2.800 Euro verdienen, dann frage ich mich natürlich, ob er die Stelle nicht nur zur Überbrückung annimmt und nach sechs Monaten wieder weg ist. In der Regel nehme ich ihn dann nicht, weil sich die ganze Einarbeitung dann nicht lohnt.
 
Also das mit dem 'Marktwert' sehe ich eigentlich unproblematisch. Von diversen Umfragen weiß ich, dass Absolventen meines Studiengangs durchschnittlich 35.000€ Anfangsgehalt im Jahr bekommen.

Dann kann ich mich fragen, ob ich ein durchschnittlicher Absolvent bin, oder vielleicht von Noten / Praktika usw. her überdurchschnittlich - habe ich als Jahrgangsbester abgeschlossen würde ich ein paar Tausender drauf legen. Wichtig ist natürlich auch, wo man sich bewirbt. Lande ich bei einer kleinen aber wachsenden Unternehmensberatung lasse ich mich gerne zu einem niedrigeren Grundgehalt überreden, würde dann aber auf Erfolgsabhängige Vergütungsteile bestehen. Lande ich bei einem großen, rennommierten Unternehmen, würde ich die Vorstellung etwas höher ansetzen oder auf das 'drumherum' achten (darf ich den Firmenwagen auch privat nutzen, verzichte ich zum Beispiel gerne auf ein paar hundert Euro im Monat).

Wenn man sich gut informiert hat, sollte es nicht zu schwer sein, zumindest eine ungefähr realistische Selbsteinschätzung zu treffen, und die sollte man dann auch an den evtl. Arbeitgeber so weiterreichen (und nicht noch 10% draufschlagen, für den Verhandlungsspielraum). Manchmal ist es sicher schwierig, an die benötigten Informationen zu kommen, aber man sollte auf jeden Fall sein bestes dafür geben. Wenn man sich schon ein Bisschen in der Branche oder der Gehaltspolitik des Unternehmens auskennt kann das im Bewerbungsgespräch sicher nciht schaden ;-)
 
anmerkung:

- entweder ich kriege die 1800-2000 nach tarif, dann sollte ich bei meiner jahresgehaltsvorstellung eigentlich von 13,7 gehältern (oder so) ausgehen, dann wären wir bei 27.4000, die von einem jungen profi (eben einer, der sich auskennt, kein laie ist) zu fordern wären, oder


- ich denke an 12x 2000 = 24.000 - das wäre dann aber nach landläufiger kodifizierung ein at-vertrag, ein außertariflicher vertrag. (wobei 24t p.a. kein at-gehalt ist, sondern viel zu niedrig dafür, logo.;))


in die üblichen branchenspiegel schauen hilft.


capital z.b., weil die gehälter eben auch noch nach branche usw. für gleiche tätigkeiten so sehr verschieden sein könnnen (worin durchaus ein anreiz liegen kann, in einem auf zeit angelegten selbstmanagement in ein paar jahren in einer überdurchschnittlichen zahlenden branche (siehe link) tätig zu sein.)


p.



mal schauen (aber nix von 1998 kaufen, sondern nur neu)

http://cgi.ebay.de/Gehaltsverhandlung-Brenner-Gatz-100-clevere-Tipps_W0QQitemZ130282722228QQcmdZViewItemQQptZSach_Fachb%C3%BCcher?hash=item130282722228&_trksid=p3286.c0.m14&_trkparms=72%3A1229%7C66%3A2%7C65%3A12%7C39%3A1%7C240%3A1318

http://cgi.ebay.de/Wer-verdient-wie...14&_trkparms=72:1229|66:2|65:12|39:1|240:1318


es ist halt so. "wie man sich bettet, so liegt man", will sagen, die wahl der branche hat gerade bei der ersten stelle oft die weitreichendsten konsequenzen fürs restliche leben, sollte bestens erwogen sein. (und recht eigentlich nur großunternéhmen kommen in frage, keine "krauter") - hier

"..Die höchsten Gehälter zahlen die großen überregionalen Energieversorger und die Banken. Am Ende der Gehaltstabelle liegen die Telekommunikations- und IT-Branche sowie die kommunalen Versorgungsunternehmen. .. In der zweiten Unternehmensebene liegen die Führungskräfte aus kommunalen Versorgungsunternehmen sowie aus dem Bereich Textil, Bekleidung mit 90.000 € am Tabellenende. Davor liegen mit jeweils 94.000 € die Branchen Medien, Druckerei, Verlag und Telekommunikation. Auch in der dritten Ebene behalten die kommunalen Versorgungsunternehmen mit 68.000 € die „rote Laterne“. Davor platziert ist der Bergbau mit 85.000 €. ..."


da würde ich also nicht anfagen. bestimmt nicht "zufällig" *g*.

http://www.die-fuehrungskraefte.de/...48&PHPSESSID=64c02443f1576103d80e98456cdca915


auch wenn das für den anfang evtl. vielllicht ein wenig zu viel an input erscheint: 10 jahre oder 15 sind so schnell rum, und dann in der sackgasse zu sitzen, obwohl wir eine informationsgeselllschaft sind ... .
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CoolHandLuke schrieb:
Gerade für Berufseinsteiger ist es sicherlich nicht einfach, seinen "Marktwert" ausloten zu können. Die Kosten für die Einarbeitung des neuen Mitarbeiters darf man ja nicht unterschätzen.
An diese Werte kommt man am billigsten heran. Diverse Zeitschriften veröffentlichen ständig die Gehälter, zeigen noch den Median und diverse andere Werte. Es gibt auch Berechnungsverfahren, wonach Unternehmen ab 500 Mitarbeitern soundsoviel Prozent mehr zahlen als Firmen mit 50 Angestellten. Dann kommen da noch regionale Unterschiede dazwischen, etwa zwischen München und Leipzig. All das muss man als Bewerber wissen. Ich weiß, dass eine Bekannte nach Ende der Ausbildung dies nicht gemacht hat und locker flockig ins Bewerbungsgespräch ging. Später durfte ich mir anhören, dass die Chefin so "fies" war, obwohl sie armes Ding doch gar nicht wissen könnte, was die Firma ihr zahlen würde.
Ist es denn für einen Arbeitgeber nicht interessant, wenn man sich "preiswert" verkauft?
Ja, das gilt aber nur für austauschbare Arbeiter, nicht für hochqualifizierte Fachkräfte, an die schwerer heranzukommen ist. Auch der Arbeitgeber hat ein Interesse daran, dass der AN sich fair behandelt fühlt. Ansonsten leidet die Motivation, die Produktivität und das Unternehmen läuft Gefahr, dass derjenige innerhalb der nächsten zwölf Monate wieder weg ist.

Was auch noch wichtig wäre, ist die Mitarbeiterfluktuation. Die ist meiner Meinung nach der beste Indikator dafür, ob man glücklich wird oder nicht. Doch diese Werte werden nur veröffentlicht, wenn sie sehr gering sind.
 
Eine Gehaltsvorstellung, oder zumindest das jetzige (Jahres-) Gehalt gibt man immer an! Außer vielleicht als Absolvent, da ist es nicht so wichtig.
Stellt Euch mal einen Laden vor, in dem erst an der Kasse über den Preis diskutiert wird. Die Angabe des Gehalts ist eine Bringschuld des Bewerbers, er bewirbt sich ja um eine Stelle! Und da möchte der Bewerbungsempfänger natürlich wissen, was dieser Mensch mit diesen und jenen Fähigkeiten denn so kosten wird. (Nachzulesen u.a. bei Heiko Mell (www.heiko-mell.de), oder der wöchentlichen Karriereberatung der VDI nachrichten (www.vdi-nachrichten.com) ).
 
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@ keshkau

findest du deine einschätzung nicht ziemlich obeflächlich? gerade in diesen zeiten kann es doch wohl vorkommen, dass jemand dringen einen beruf benötigt und sich deshalb unter wert verkauft obwohl er(sie) weiß, dass dies unter wert ist.

ich finde den ansatz eine gehaltsvorstellung anzugeben gut, aber deine interpretation erscheint mir übertrieben.
 
fjmi schrieb:
gerade in diesen zeiten kann es doch wohl vorkommen, dass jemand dringen einen beruf benötigt und sich deshalb unter wert verkauft obwohl er(sie) weiß, dass dies unter wert ist.

Gedanklicher Fehler. Der Wert deiner Arbeit bemisst sich ja nicht danach, was du tust, sondern danach, wie sehr man gebraucht wird.
 
voraussetzung ist ja bereits eine gesuchte stelle, also benötigt man jemanden. und nur weil man sich unter wert verkauft, davon auszugehen man wäre überfordert oder dgl. finde ich schon sehr 'geraten'.

ein produkt kann in den meisten fällen nicht günstig genug sein und viele (auch firmen) nehmen bei der qualität auch abstriche in kauf aber bei der arbeitskraft darf man sich nichtmal unter wert verkaufen selbst wenn man über genügend qualifikation verfügt?
 
Naja, eigentlich doch. Aber du musst dich eben an eine Gehaltsspanne halten, davon darf man nur in begründeten Fällen abweichen. Wer sich bei der Angabe des Gehaltswunsches im oberen Segment ansiedelt, sagt damit auch, dass er bereit ist, zu handeln.
Wie schon gesagt, es wäre keine besonders gute Idee, wenn man sich zu billig anbietet, auch wenn man den Job (dringend) braucht. Im Idealfall vermittelt man immer das Gefühl, dass man auch woanders Arbeit finden könnte. Gerade bei gut qualifzierten Leuten kann das Unternehmen darauf verzichten, alle zwei Jahre jemanden neu einzuarbeiten oder Ressourcen darauf zu verschwenden, dass die Stelle unbesetzt ist.
Zumindest wäre das meine langfristige Strategie, wenn ich für das Personal zuständig wäre. Es gibt natürlich auch Firmen, die nehmen den günstigsten Mitarbeiter und finden sich mit einer extrem hohen Mitarbeiterfluktuation ab.
 
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