Glaubt ihr noch an etwas?

cartridge_case schrieb:
Dazu gar keine Rückmeldung?!
Achso, Entschuldigung. Manchmal antworte ich nicht bzw. gerät die Meldung in Vergessenheit, wenn mir nicht direkt etwas dazu einfällt.
cartridge_case schrieb:
Wieso sollte sowas mit Glauben zu tun haben? Das kann ich gerade echt nicht nachvollziehen, hatte allerdings nie wirklich etwas mit Religionen zu tun.
Also ich denke, dass Glauben stark mit Sehnsucht, Hoffnung, Erfüllung und Befreiung verbunden ist und sich ganz unterschiedlich äußern kann. Da kommen dann Wertvorstellungen ins Spiel, die gesellschaftlich mehr oder weniger stark etabliert sind ("ich will, dass es meinen Kindern mal besser geht"). Wir sind auch nicht selten mit Glaubenssätzen aus Prägungen konfrontiert, die uns entweder einschränken oder weiterentwickeln lassen ("ich kann das nicht", "ich schaffe das"). Ich halte gar nicht so entscheidend, ob sich Glaube auf Basis einer Transzendenz oder solcher Wertvorstellungen oder Glaubenssätze bezieht. In einer zunehmend individualistischen Gesellschaft ist vielleicht auch sowas wie eine einnehmende Freizeitaktivität der Navigator in diesem Zusammenwirken aus den oben genannten Gefühlshaltungen.
 
Ich würde mich auch nicht als gläubig im klassischen Sinn bezeichnen.
Als Kind in den frühen und späten 80er war das anders. Ich war sogar einige Jahre lang Messdiener. War auch wirklich eine schöne Zeit.
Mit den Jahren hat sich das irgendwie ausgelebt und als Jugendlicher, spätestens junger Erwachsener wollte ich nichts mehr damit zu tun haben. Der Kirchenaustritt erfolgte dann irgendwann um die 30er herum.
Bei mir war tatsächlich, so glaube ich (man beachte das Wortspiel xD), Auslöser, dass ich irgendwann begann, zu hinterfragen, wie es sein kann, dass ein Gott Abtreibung verbietet, aber gleichzeitig „gehet hin und vermehret euch.“ predigt. Nur mal als einen Punkt von mehreren genannt.
Ich glaube (schon wieder!), dass mich tatsächlich die Kirche weggetrieben hat.
Ich habe beschlossen, Gott, wenn es ihn gibt, braucht keine Religionen, Konfessionen und Kirchen. Vermutlich will er (oder sie?) sie sogar gar nicht, weil sie im Kern für eine Werteform stehen, die das christentum eigentlich gar nicht darstellt.
Nächstenliebe, Bescheidenheit, Respekt vor dem gegenüber. Dafür braucht man keine Gebäude und Religionen.
Ich habe bspw. nicht kirchlich heiraten wollen, weil ich fest davon überzeugt bin, dass „mein“ Gott überhaupt keinen Wert darauf legt, unsere Ehe in einem verschwenderisch, prunkvollen Ehrengebäude segnen und bezeugen zu müssen.

Glaube ich also an Gott? Hm, schwierig.
Ich finde auch tatsächlich, dass einige Dinge getrennt betrachtet werden müssen, oder zumindest meiner Meinung nach sollten.
Kirche? Eine längst überholte, mittelalterlich agierende Institution, welche unter dem Deckmantel des Glaubens und Legitimierung „von oben“ in erster Linie dem eigenen Wohl verpflichtet ist.
Christentum? Eine Bewegung, die vor ca. 2000 Jahren sehr erfolgreich begann, bestimmte Werte für das gemeinsame Miteinander auf dem gesamten Erdball zu verbreiten, welche auch mich in meiner Art zu Leben maßgeblich geprägt haben.
Gott? Tja… hier kommen wir zum Kern…

Ich weiß es nicht.
Was ich weiß, dass ich mich manchmal dabei erwische, im stillen für mich selbst, irgendjemanden oder irgendwas da draußen, um Hilfe oder Unterstützung zu bitten. Das kann in einer emotionalen Situation sein, etwas bedrohliches.
Ihr wisst bestimmt, was ich meine.
Ebenso kommt es vor, dass ich mich beim „lieben Gott“ bedanke, wenn etwas tolles, unerwartetes passiert.
Glaube ich also an Gott? Vermutlich irgendwie schon. Glaube ich, dass der „liebe Gott“, Wert auf die Kirche und das chistentum legt? Definitiv nein. Glaube ich, dass das Christentum, Werte vermittelt, die richtig in einer Gemeinschaft sind? Auf jeden Fall.

Abschließend ein Gedanke, den ich immer wieder mal habe: ich finde unsere Welt, die Erde, unsere Flora und Fauna, die Menschheit, das Universum, das alles ist viel zu schön und unglaublich, als dass das alles nur ein Zufall sein kann.

Edit: um meinen Post richtig einzuordnen, möchte ich noch festhalten, dass ich natürlich nur für mich spreche. Ich bin wie ich bin, weil ich so aufgewachsen bin, wie ich bin. Das Christentum ist nun mal sehr prägend in „unsere Welt“, ich kann also nur aus diesem Blickwinkel für mich sprechen.
Ich spreche Religionen nicht im allgemeinen ihre Daseinsberechtigung ab. Ich kann nur für mich und die Gesellschaft in der ich lebe sprechen.
Das nur zur Sicherheit, weil ich nichts herabsetzen oder gleichsetzen wollte.
 
Zuletzt bearbeitet:
realisingripped schrieb:
Also ich denke, dass Glauben stark mit Sehnsucht, Hoffnung, Erfüllung und Befreiung verbunden ist und sich ganz unterschiedlich äußern kann. Da kommen dann Wertvorstellungen ins Spiel, die gesellschaftlich mehr oder weniger stark etabliert sind ("ich will, dass es meinen Kindern mal besser geht").
Ne, sehe da trotzdem keinerlei Zusammenhang. Für mich ist das einfach der normale Zustand. Wer will denn bitte, dass es seinen Kindern schlechter geht? Ne, so kann ich Glauben nicht definieren.
 
Das war ein Beispiel für ein oft geäußertes Sehnsuchtsziel in dieser Gesellschaft, wie es so viele gibt. Dieses ist vielleicht aber auch oft ein Lippenbekenntnis, welches, wie du erwähnt hast, auch auf Basis sozialer Normen etabliert ist. Es wird sicherlich genügend Menschen geben, die sich so zwar äußern, denen künftige Generationen aber aus Sicht ihres eigenen verbliebenes zeitlichen Horizonts aber eher egal sein dürften. Was ich im Übrigen auch als vertretbar bewerte, denn Niemand soll gezwungen sein das Große und Ganze im Blick haben zu müssen.
 
Zurück
Oben