Ich denke die Schotten, Katalanen, Wallonier und Flamen etc. wissen schon am besten selbst, was ihnen gut tut. Da hat sich die liebe EU nicht einzumischen. Wichtig ist bei solchen Sachen vor allem, dass es friedlich und möglichst geordnet vonstatten geht. Als Vermittlerin hat die EU aber sicher eine wichtige Rolle.
Es ist noch nicht lange her, da gab es mal eine Tschechoslowakei. Heute gibt es Tschechien und die Slowakei. Und D-Land war doch auch mal geteilt und ist jetzt wieder zusammen. Veränderungen gehören halt nun mal zum Leben und der Geschichte.
Das ehemalige Jugoslawien ist hingegen ein sehr schlechtes Beispiel. Obwohl die Trennung letztlich unausweichlich war, wäre es wünschenswert gewesen, wenn es ohne Blutvergiessen gegangen wäre.
Ich bin übrigens Schweizer und fühle mich ausserhalb (bzw. "innerhalb"

) der EU pudelwohl. (Die EU kann übrigens warten bis sie schwarz wird. Wir denken nicht daran der EU beizutreten. Nach neuesten Umfragen sind ca. 90% der Schweizer kategorisch gegen einen EU-Beitritt. Dank direkter Demokratie werden es unsere Politiker nicht so schnell schaffen daran was zu ändern. Die Ereignisse in den letzten paar Jahren - Stichwort "Eurokrise" - haben definitiv nicht dazu beigetragen, dass hier noch jemand ein positives Bild der EU hat. Zumindest nicht als Institution. Ansonsten sind natürlich alle umliegenden Staaten bzw. die Staaten der EU mit uns befreundet. Schwarzgeldstreit hin oder her. Und das ist auch richtig so.)
Innerhalb der Schweiz hatten wir vor nicht allzu langer Zeit auch eine Art "Separatismus-Problem". Ein Teil des Kantons Bern hat sich damals vom Kanton Bern gelöst und es wurde der neue Kanton Jura gegründet (welcher rein französischsprachig ist im Gegensatz zum zweisprachigen Kanton Bern). Hierzulande hat das damals sehr hohe Wellen geschlagen, aber seitdem man den neuen Kanton gegründet hat, ist wieder Ruhe im Topf. Es hat also was gebracht.
Die Situation von Schotten, Katalanen, Walloniern und Flamen kann ich recht gut nachvollziehen. Die Schotten fühlen sich seit langem von England bevormundet. Den Katalanen würde es eigentlich von der Wirtschaft her recht gut gehen, aber sie haben keine eigene Steuerhoheit und der spanische Staat hat die Kohle aus Katalanien abgezweigt. Nun sitzen sie auf enormen Schulden, welche nicht die ihrigen sind und der Rest von Spanien verbrennt das Geld der Katalanen munter weiter. Gerade auch unter Franco hatten sowohl die Katalanen wie auch die Basken kaum was zu lachen. Bei den Basken wäre eine Änderung meiner Meinung nach auch überfällig (z.B. Autonomie oder ein eigener Staat). In Belgien ist die Situation schon etwas tragisch: Neben Flamen und Walloniern gibt es noch eine sehr kleine deutschsprachige Minderheit, welche kaum ins Gewicht fällt. Im Wesentlichen sind es aber die Flamen (ca. 60%) und die Wallonier (ca. 40%), welche den Staat ausmachen. Neben sprachlichen und kulturellen Unterschieden gibt es auch starke strukturelle Unterschiede. Flandern war früher mal sehr landwirtschaftlich orientiert, während Wallonien schon früh industrialisiert wurde. Heute hat Flandern eine blühende Dienstleistungsgesellschaft, während Wallonien wirtschaftlich am Boden liegt. Politisch war der Einfluss der Wallonier in den letzten Jahrzehnten eher überproportional und mittlerweile zahlt Flandern für die Schulden der Walloniern. Dann gibt es noch den Sprachenstreit in der Region Brüssel.
Als Schweizer tun mir gerade die Belgier besonders leid. Es ist wie die Schweiz ein mehrsprachiges Land. Nur haben wir es in der Schweiz mit vier Landesprachen und 26 Kantonen/Halbkantonen einfacher. Es sind dann eben nicht nur immer "die anderen". Bei uns sind die Kräfteverhältnisse nicht ganz so festgefahren. Allerdings muss man auch festhalten, dass die Deutschschweiz ca. 2/3 der Bevölkerung stellt, während die lateinische Schweiz (Romandie, Tessin und die rhätoromanischen Gebiete) ca. 1/3 stellt. Insofern gibt es da schon Potential für Differenzen. Gerade die Romandie ist traditionell eher einen EU-Beitritt zugetan, wobei auch dort keine Mehrheiten dafür zustande kommen. Für die Romands ist es je nach Thema durchaus manchmal etwas frustrierend. Anderseits verlaufen die Trennlinien bei Abstimmungen häufig nicht entlang der Sprach- oder Regionsgrenzen. Immer mehr gibt es z.B. auch einen Stadt/Land-Gegensatz, wie in anderen Ländern auch. Auch wirtschaftlich gibt es starke Unterschiede. Das Mittelland (=> der flachere Teil der Schweiz) ist stärker entwickelt, während die Alpenregion schwächer ist. Die Deutschweiz steht wirtschaftlich auch besser da als die Romandie und darf dann via Finanzausgleich auch die Romandie mitsubventionieren. Allerdings gibt es da einen breiten Konsens und man hat sich mit der Situation gut arrangiert, was aber nicht heisst, dass es keine Probleme gibt.
Aber wie heisst es so schön: Probleme sind zum Lösen da.