Keylan schrieb:
Dazu ist dein Argument so aufgebaut, das wenn man Folgt nahezu jeder Forderung nachzukommen sei, solange Betroffene noch einen Leidensdruck verspüren. Da kann ich mit Absurden Ideen kommen, wie das alte Klassenfotos öffentlich nicht mehr gezeigt werden dürfen weil man darauf noch in der alten Identität zu sehen ist. Oder das Rothaarige keine Zöpfe mehr tragen dürfen weil man von so jemanden früher gehänselt wurde.
Aber auch nur drastisches. Wie das die öffentlich Hand doch auch den Umzug in eine neue Wohnung finanzieren soll, weil die alte und das alte Umfeld auch viel mit dem Identitätskampf verbunden ist.
Und mit diesem Argument kannst du so gut wie jede Kostenübernahme ablehnen.
Wie gesagt ... Dominotheorie.
Das Klassenfoto siehst du nicht jedes mal, wenn du an einer spiegelnden Fläche vorbeiläufst und die Wohnung kann man wechseln. Eine Frisur zu ändern ist ebenfalls recht einfach.
Aber egal, was du machst, dein Gesicht wirst du ohne OP einfach nie so wirklich los und ein komplett neues schnibbeln die dir auch nicht auf Kassenkosten zurecht.
Keylan schrieb:
Oder das Rothaarige keine Zöpfe mehr tragen dürfen weil man von so jemanden früher gehänselt wurde.
Die individuelle Freiheit endet dort, wo sie andere Freiheiten einschränkt.
Auch wegen psychischer Belastungen darfst du niemandem vorschreiben, welche Haarfarbe oder Frisur er haben darf.
Ich habe eine Person in meiner Vergangenheit, die mich etwas traumatisiert hat ... und jedesmal, wenn ich seinen Namen höre werde ich daran erinnert ... es wäre toll diesen Namen nicht mehr hören zu müssen ... leider hat mein eigener Bruder den selben.
Für mich ist relativ klar, was ich fordern würde, und was nicht ... einfach weil ich für meinen Teil denke, dass das auch jeder selbst auf die Kette kriegen kann.
Fremde Menschen zu zwingen, einen Namen zu ändern oder ihn in meiner Gegenwart nicht mehr zu benutzen, das fände ich absolut lächerlich. Und mit Haarfarben, Frisuren, der Innenausstattung meiner Wohnung oder der Wohnung allgemein (Wohngegend) sehe ich das genauso.
Hilfe sollte so weit gehen, dass jemand in die Lage versetzt wird, zum Beispiel den Wohnort oder auch den Beruf zu wechseln. Hartz4, nur weil jemand in seinem alten Job nicht mehr arbeiten will (und dabei meine Argumentation oben nutzt) halte ich für falsch.
Es geht darum die Leute in die Lage zu versetzen, Änderungen selbst vorzunehmen, ohne dabei andere Einzuschränken. Ich bin in der Lage meine Frisur zu ändern (ganz ohne fremde Hilfe) und wenn ich was finde, was mir gefällt und das ich mir leisten kann, kann ich auch ganz einfach in eine andere Wohnung umziehen.
Mit dem Gescht geht das nicht ... denn sowas gibts nunmal nicht im Baumarkt oder bei IKEA.
Was du hier vorbringst ist ein Strohmann, denn eigentlich steckt in meiner Argumentation auch mit drin, dass es ohne Bewertungen durch Gutachten zumindest über das Umlagesystem, nicht geht.
Eine Begründung wurde hier auch schon mehrmals genannt ... die Gießkanne ist eben begrenzt und wir alle haben Angst, dass wir sie zwar unser ganzes Leben lang füttern, sie aber dennoch leer sein könnte, wenn wir sie mal wirklich brauchen.
Das hilft Bittstellern allerdings wenig, denn das Wissen, warum das System so agiert, mindert ja nicht das damit verbundene Leid eines immer und immer wieder erneut erlebbaren Traumas ... und all der Stress nur, weil jeder am liebsten nur seine eigenen benötigten Behandlungen bezahlt sehen will.
Aber eigentlich ist es garnicht der Fall, bei dem die Gießkanne leer war, der die Probleme mit der Kostenübernahme bei exotischen Eingriffen erklärt. Es ist was viel einfacheres. Es geht um die Beträge ... je mehr Leistungen übernommen werden,. desto teurer wird so ein Umlagesystem für alle (die unter der Beitragsbemessungsgrenze bleiben).
Das ist das eigentliche Problem mit der Kostenübernahme bei exotischen Behandlungen. Viele denken scheinbar "Scheiße, wenn DAS jetzt auch noch übernommen wird, dann klettert mein Beitrag bald in die Wolken". Journallien wie BILD und Co. tun immer wieder ihr Bestes, um diese Ängste zu schüren.