LGBTQI und das heteronormative Weltbild

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Keylan schrieb:
Ist jetzt aber auch nicht ungewöhnlich, dass bei Meinungsverschiedenheiten mal eben ein Gegenüber mit einem politischem Stempel zu versehen um den Charakter anzugreifen, weil es inhaltlich argumentativ mal wieder nicht reicht.

Das entspricht nicht meiner Erfahrung, aber das ist wohl bei jeden anders.
Wenn jemand sich eher rechts äußert, wird man das wohl sagen dürfen.

Keylan schrieb:
Neben der Fragestellung ob und inwiefern überhaupt klar wurde mit welchen Werten die "rechte Ecke" assoziiert wurde. Nicht Progressiv genug? Rassistisch? Militaristisch?

Rechts bedeutet im klassischen Sinne erst einmal nur konservativ. Rassistisch passt eher zu den Steigerungen rechtsextrem und rechtsradikal. Ich glaube, dass Hauptproblem ist, dass heutzutage die drei Begriffe rechts, rechtsextrem und rechtsradikal in einem Topf geworfen werden, ohne sich damit zu beschäftigen was diese überhaupt bedeuten.

Rechts = konservativ kommt übrigens damals aus Frankreich, weil dort im Parlament die Konservativen rechts saßen - und die progressiven / liberalen Links.

Es isr auch OK wenn man für sich selber die ganze Thematik ablehnt. Man sollte es dem gegenüber nur nicht so reindruecken wenn man weiß, dass sie betroffen ist. Art 1 u 3 GG zählen eben auch für Transidente Personen. Und die eigene Meinungsfreiheit hört da auf wo man andere einschränkt. Das ist zum Beispiel der Fall bei sogenannten TERFs. Was TERFs hatte ich ja schon gepostet, der Beitrag ist leider im Aquarium.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Art 3​

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Gleichberechtigung geht übrigens in beide Richtungen und da gibt es auch bei Männern noch viel zu tun. Beispielsweise würde mir spontan der Erzieherberuf einfallen.

Keylan schrieb:
Die Liste der Themen die gemeinhin in Links und Rechts gegliedert werden ist weder überschneidungsfrei noch finden sich viele Individuen auf der Welt die nur Punkte einer Liste vertreten, oder gar die Gesamtheit einer Liste.
Klar die Mitglieder der LBGT* Gemeinschaften sind tendenziell eher dem Linken Spektrum zugeschrieben. Aber eben bei weitem nicht durchgängig und schon gar nicht homogen.

Naja wenn ich mich als Transidente Person im rechten Spektrum aufhalten würde, dann würde ich ja ein Stückweit meine eigene Existenz leugnen. Das macht doch gar keinen Sinn.

Obwohl, wenn man sich die homophobe AfD und sich dann die Weidel anschaut ?🤷🏼‍♀️
(Quelle https://www.lsvd.de/de/ct/207-Trotz-Alice-Weidel-AfD-verfolgt-zutiefst-homophobe-Politik )
 
Karan S'jet schrieb:
@DerOlf das alles ist aber kein Beispiel dafür, dass du angeblich in die rechte Ecke gestellt wurdest weil du eine andere Meinung hast.
In die rechte Ecke schieben lasse ich mich halt auch nicht, bzw. ich biete dafür (meiner Meinung nach) nur recht wenig Angriffsfläche.
Eine andere Meinung hatte ich ebenfalls nicht ... ich fühle mich zur Queer-Theory hingezogen, und lasse jeden seine Sexualität und seine Geschlechtlchkeit ausleben, wie das Individuum das möchte.

Ich wurde einfach aufgrund meiner sexuellen Orientierung nicht akzeptiert ... und das hat mich gerade bei diesen Menschen etwas geschockt.
Ergänzung ()

Karan S'jet schrieb:
Gleichberechtigung geht übrigens in beide Richtungen und da gibt es auch bei Männern noch viel zu tun. Beispielsweise würde mir spontan der Erzieherberuf einfallen.
Mir fallen da noch viele andere Dinge ein ... nicht nur Berufe in denen Männer unterrepräsentiert sind.
Ich halte eine 50/50 Belegung in allen Berufen ohnehin für etwas utopisch ... da müssten wir erstmal die geschlechtsspezifische Sozialisation los werden ... und das ist nun wirklich keine leichte Aufgabe, denn die Mehrheit findet das ganz offensichtlich noch immer ganz richtig, Mädchen in Rot- und Jungs in Blautöne zu stecken. Das geht teilweise sogar eher von den Kindern aus, als von den Eltern (aber natürlich werden schon Kleinstkinder durch Nebensächlichkeiten wie "baby-talk", Medien und Werbung in die eine oder andere Richtung gedrängt). Mensch lernt viel am Modell ... und die meisten Modelle in unserer Gesellschaft sind eben klar geschlechtlich einzuordnen und gerade in den Medien wird das sehr gerne überzeichnet.

Ich bin in einem Ferienjob mal regelrecht angekackt worden, weil ich die Weihnachtsgeschenke für ein Mädchen nicht ganz automatisch in rottöne eingepacken wollte (ich hatte halt was neutrales gewählt, aber das war Madam nicht recht ... "Sie sehen doch, dass das für ein Mädchen ist" ... ich habe dann lieber nicht gefragt "ja ... und?").
Es wird sehr oft einfach vorrausgesetzt, dass man die Geschlechterstereotype bedient. Im Job tut man das dann, um ein Anecken zu vermeiden ... und damit bestätigt man diese Stereotypen, weswegen sie sich auch sehr hartnäckig in der Gesellschaft halten.

3 Wellen Feminismus, eine seit Jahrzehnten politisch aktive LGBTQIA*-Community - man könnte meinen, dass das auch in der Öffentlichkeit mittlerweile etwas besser reflektiert wird ... und dennoch habe ich das Gefühl, die Stereotypen wären in den letzten 25 Jahren stärker geworden. Mittlerweile gibt es alles mögliche in den Varianten "Girl" und "Boy" (früher waren es Klamotten und Spielsachen ... heute gibt es geschlechtsspezifische Süßigkeiten ... Überaschungseier z.B.).
Das wissen darüber, wie das gesellschaftlich funktioniert, hat die Markierungen eher verstärkt, als ihre Wirkung abzuschwächen. Und ich spreche hier nicht von einer Subkultur wie LGBTQIA*, sondern vom Mainstream.

Ich kann durchaus verstehen, wenn Feministinnen der ersten oder zweiten Welle angesichts dieser Entwicklung leicht enttäuscht sind. Ich bin es ehrlich gesagt auch.

Ich hatte neulich mal echt Probleme, neutrale Legosteine zu finden (halt eine ganz simple Lego Box mit verschiedenfarbigen Steinen). Es gab Boxen mit starkem Rot- oder Blau-Anteil, Themenkästen ohne Ende ... und alles war offensichtlich drauf ausgerichtet, Mädchen oder Jungs anzusprechen.
Hätte ich nicht am Ende doch noch eine neutrale Box gefunden, ich hätte wohl zwei Kästen kaufen müssen ... einen für meinen Neffen und einen für meine Nichte. Das hätte ich allerdings sinnlos gefunden, weil das bei denen eh alles in einer Schublade landet, sie oft gemeinsam damit spielen und ich die "meins"-Streitereien zwischen den beiden auch nicht unbedingt triggern wollte (das geht schon von alleine oft genug ab).
So sexistisch die Gesellschaft damals auch gewesen sein mag ... Der Kauf neutraler Spielsachen war in den 1980ern und 90ern noch um einiges einfacher ... heute wünscht man sich für sowas ja fast Spezialgeschäfte.
 
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Karan S'jet schrieb:
Beispielsweise würde mir spontan der Erzieherberuf einfallen.

Also der Job, bei dem ein Großteil der Mamis einen unterstellt sich an den Kindern zu vergehen? Ja, klar, ein Traumberuf... Und diese Unterstellungen sind nicht latent, nein, sie werden offen ausgelebt.
 
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strempe schrieb:
Und diese Unterstellungen sind nicht latent, nein, sie werden offen ausgelebt.
Und männliche Erzieher orientieren sich dran.

Natürlich spielt Mann in diesem Klima lieber nur mit kleinen Jungs "Hoppe hoppe Reiter", denn wenn man das mit einem Mädchen macht, kann ganz schnell mal die Luft brennen.
Vorlesen, während sich das Kind ankuschelt? Lieber nicht mit Mädchen.

Wie würden die von dir erwähnten Mamis wohl reagieren, wenn sie wüssten, dass der männliche Erzieher ihrer Tochter beim Umziehen oder auf der Toilette hilft oder sie wickelt?
Ich nehme an, da wird dann gleich die Kinderpsychologin konsultiert und eine Anwaltin eingeschaltet.
Zum Gkück glaube ich, dass solche Mamis relativ selten sind.

Ich bin mir ziemlich sicher ... selbst wenn man bei nahezu allen Eltern sicher ist, dass die da relativ entspannt sind, verzichtet man auf Handlungen, die irgendwer für verdächtig halten könnte ... nur, weil man es eben nie sicher wissen kann, aber genau weiß, wie sich sowas verselbstständigen kann, sobald auch nur ein Verdacht öffentlich gemacht wird.
 
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strempe schrieb:
Also der Job, bei dem ein Großteil der Mamis einen unterstellt sich an den Kindern zu vergehen? Ja, klar, ein Traumberuf... Und diese Unterstellungen sind nicht latent, nein, sie werden offen ausgelebt.


Glückwunsch, du hast das angesprochene Problem der fehlenden Gleichbehandlung erkannt.
 
Karan S'jet schrieb:
Glückwunsch, du hast das angesprochene Problem der fehlenden Gleichbehandlung erkannt.
Das ist mehr ... es ist der Grund für Forderungen, sich im Bildungswesen teilweise von der Koedukation zu verabschieden (z.B. in Sexualkunde oder Sport).

Aus pädagogischer Perspektive ist das nicht nur traurig, es ist extrem bedenklich.
Im Zeitalter strikter Geschlechtertrennung im Bildungssystem gab es weit mehr Vergewaltigungen, als heute.
Das hat auch andere Gründe, aber die gemeinsame Erziehung und Bildung der beiden großen Geschlechtergruppen ist ein wichtiger Bestandteil, denn es ermöglicht, den Umgang mit dem anderen Geschlecht schon von kleinauf zu üben.
Dabei lernen Jungs ein bisschen mehr Sensibilität und Mädchen lernen, sich gegen Dominanz zu behaupten.
Beides ist mMn wichtig und gut, gerade wenn die Geschlechter im Arbeitsleben gleichberechtigt kooperieren und sich nicht als "Macho" und "Zicke" begegnen sollen.
 
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Ok, es sollte in den bisherigen Beiträgen hier und auch im Aquarium deutlich geworden sein, dass ich Diskriminierung von Männern in unserer Gesellschaft sehe und kritisiere.

Beim Thema der der sexuellen Gewalt, hatten wir den Bezug zum LBGT* Thema aber noch weil die als Zwischenargument für die Toilettenregeln herhalten sollte.
Hier bei der generellen Diskriminierung im Kontakt zu Kindern und anderen Frauendominierten Berufen sehe ich zwar auch vollkommen die Problematik. Der Bezug zum Thema ist mir aber irgendwie weniger klar.

Kann den nochmal jemand klar stellen, oder können wir, da Off-Topic, von weitere Vertiefungen absehen? Insbesondere, da es ja gar keine Gegenposition gibt die sich hier präsentiert.
 
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Tomislav2007 schrieb:
Jetzt ist schon entscheidend was gefühlt besser passt, OK, Gefühle stehen über Gesetzen und...
Ist das gesetzlich festgelegt, wer im Restaurant / öffentliche Toilette, auf welche Toilette zu gehen hat?
Das ist doch bisher nur gesellschaftlich geregelt, oder?

Und letztlich wäre es doch in dem Fall, solange noch nicht abgeschlossene Wandlung dann tatsächlich individuell zu entscheiden. Das sollte die Person doch dann schon selbst wissen und sich dann gesellschaftlich auch so auswählen wie man sich nach außen in dem Augenblick gerade selbst darstellt.

Letztlich steht ja auch keiner im Eingang und schaut einem in die Hose.
Ob da jetzt ein Transperson in Damentoilette noch mit Penis pinkelt ist doch letztlich völlig Wurscht, weil das wiederum Privatsphäre ist und keine was angeht.

Warum muß so etwas geregelt werden?
 
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Keylan schrieb:
Hier bei der generellen Diskriminierung im Kontakt zu Kindern und anderen Frauendominierten Berufen sehe ich zwar auch vollkommen die Problematik. Der Bezug zum Thema ist mir aber irgendwie weniger klar.
Es ist der selbe bezug zum Thema wie bei sexualisierter Gewalt, denn die Situation im Kindergarten hängt direkt mit den Statistiken zur Täterschaft in Sexualdelikten zusammen ... oder mit dem "Männer sind potenzielle Sexualstraftäter".
Das sitzt in den Köpfen halt ziemlich tief drin, und wenn es in unserer Gesellschaft für wichtig gehalten wird, kleinen Mädchen zu erklären, warum sie nicht mit fremden Männern mitgehen sollen, dann ist das Misstrauen gegenüber einem Mann im Erzieherberuf eben nicht so weit weg.

Der Berührungspunkt sind die Statistiken zu Sexualdelikten und daraus ableitbare Ängste, auf die sich beides beziehen lässt.
 
Axxid schrieb:
Sollten Transpersonen selber erkennen wie sei auf ihre Umgebung wirken und die Auffassung Anderer akzeptieren, waeren sie mir gleich sympatischer.
Ist das ja nicht auch deren Wunsch das andere Geschlecht zu sein und zwar voll und Ganz?
"Anders" wollen die doch gar nicht sein?
 
SavageSkull schrieb:
Ist das ja nicht auch deren Wunsch das andere Geschlecht zu sein und zwar voll und Ganz?

Ja, aber die Formulierung finde ich etwas kritisch. Man will nicht das andere Gender sein, man ist es.

Gender = soziales Geschlecht
sex = biologisches Geschlecht
Das z.B. die Chromosomen anders sind, wird niemand in Frage stellen. Und einige Dinge werden sich nie ändern. Beispielsweise werde ich niemals eine Gebärmutter haben und meine Prostata wird wohl auch immer da bleiben wenn ich das richtig verstanden habe. Bedeutet dann auch, dass ich nach der großen OP im Thema Vorsorge nicht nur zum Gynäkologen muss, sondern auch zum Urologen. Ja, wir werden oft genug daran erinnert, dass wird anders sind.

Lediglich der Weg bis man auch so wahr genommen wird variiert. Bei jemanden wie mir wird es schneller geben, weil mir typische männliche Merkmale fehlen (Gesichtspartie, Schulterpartie, etc), bei der nächsten Person dauert es eventuell länger.

Und dann gibt es auch noch transidente Personen, welche OPs und Hormonbehandlung komplett ablehnen - zum Beispiel weil es eine Vorgeschichte gibt womit man das nicht machen kann - oder weil schlicht die Risiken zu groß sind. Denn ein ist klar, umfangreiche OPs wie die GA-OP oder die FFS (Facial Feminisation Surgery) haben eben auch großes Risikopotential. Und man darf eben auch nicht die Folgen vergessen. Nach der GA-OP ist man beispielsweise sein lebenslang auf Hormone angewiesen. Hat auch wieder gewisse Risiken.

Wäre schön wenn man bei Geburt einfach den passenden Knopf drücken könnte. So einfach ist das aber leider nicht.
 
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Karan S'jet schrieb:
Ja, aber die Formulierung finde ich etwas kritisch. Man will nicht das andere Gender sein, man ist es.
Und das zu recht. In einem Forum wie diesem ohne direkten Bezug zur Thematik, muss man aber wohl noch eine ganze Zeit etwas Nachsehen mit den Anfragen haben.

Auch wenn es genau die Notwendigkeit dies zu tun ist, die erheblich zum Leidensdruck Transsexueller beiträgt.

Für Menschen die für sich selbst nie Probleme mit dem biologischen, inneren und nach Außen dargestellten Geschlecht hatten ist es erst mal gar nicht so leicht vorstellbar, das diese Diskrepanz überhaupt bestehen kann.

Da ist die Unterscheidung der Freiwilligkeit dieser Zuordnung wohl oftmals der letzte Schritt in einer ganzen folge notwendiger Erkenntnisse, bis Verständnis erreicht werden kann.
Wir reden uns im Alltag ja sogar ein wir würden entscheiden was wir wollen, obwohl es eigentlich nahezu immer umgekehrt ist.

Wir entscheiden danach was wir wollen, und was wir wollen, ist nur die Rationalisierung des Wertesystems das wir tragen.

Ich kann mir aber zum Beispiel nicht vorstellen wie es wäre wenn ich eine Transfrau wäre. Aber sehr wohl wie ich mich versuche als Frau darzustellen, oder die Perspektive einer Frau anzunehmen. Aber die Hürde der Idee für mich selbst zu übernehmen, wie es wäre eine Frau zu sein im Biologischen Körper eines Mannes? was es Ausmacht diese Diskrepanz überhaupt realisieren zu können,? dass konnte ich bisher nicht nachvollziehen wie das sein muss.
 
strempe schrieb:
kleinen Jungs nicht?
Auch denen, aber eben weniger häufig und penetrant (eigene Beobachtungen, die Erzieher:innen immer wieder bestätigen).

Wieder ein kleines Stück Heteronormativität ... der Mann, der auf kleine Jungs steht, ist halt "doppelt unnormal" ... und daher noch seltener, Heteromänner (die eventuell auf kleine Mädchen stehen könnten) gibts aber wie Sand am Meer.

Du hast aber Recht ... eigentlich sollte sich das auf alle Geschlechter beziehen - also auch nicht nur auf den fremden Mann.

Einfach "Kind, gehe nicht mit fremden Menschen mit" - das wäre wohl die vernünftigste Variante ... aber auch die stopft alle fremden Menschen in eine "potenziell böse" Schublade.
Einige der fremden Menschen werden das wohl kritisch finden, weil die sich halt nicht für potenziell böse halten.
 
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Karan S'jet schrieb:
Was ihr ausblendet: ihr habt den Stempel erst versucht uns Trans* Personen aufzudrücken. Von daher, wie es in den Wald hinein ruft...
Kollektivschuld, Kontaktschuld und "Erbschuld" in einem und dann wundert man sich das in der breiten Masse bei der Thematik nur noch Kopfschütteln herrscht und man abwinkt.
 
@The_waron Na wenn „the waron“ es sagt muss es ja stimmen. Zu mal du ja offensichtlich nicht den ganzen Dialog kennst, der teilweise auch im Aquarium ist.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
The_waron schrieb:
Kollektivschuld, Kontaktschuld und "Erbschuld" in einem und dann wundert man sich das in der breiten Masse bei der Thematik nur noch Kopfschütteln herrscht und man abwinkt.
Da hast du vom Argument her völlig Recht. Und ich hatte auch entsprechend Reagiert.

Das war aber ein Ausschlagen nach einigen ziemlich bissigen Kommentaren. Nachdem um den inhaltlichen Punkt dann noch einige sachliche Argumente vor gebracht wurden, kam @Karan S'jet zur Einsicht und hat sich auch noch Entschuldigt.

Nicht in Bezug auf genau diesen Satz, aber hier Kleinlich zu sein und bei aller Emotionalität noch mehr Druck zu machen des Egos wegen ist auch nicht Förderlich.

@Karan S'jet diskutiert hier als einzige öffentlich als Vertreter/Mitglied der betroffenen Gruppe. Ihre Fehler stehen nicht Automatisch für Transsexuelle, aber der Druck und die Betroffenheit hier die Gruppe zu repräsentieren sollte auch berücksichtigt werden.

Das soll nicht heißen, das nicht auch künftige Fehltritte egal von wem offen angesprochen werden sollen. Aber nach dem dieses Argument in der Auseinandersetzung zwischen Ihr und mir aufkam und wir das geklärt haben
können wir diesen jetzt bitte ruhen lassen.
 
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Ich habe das Thema hier gelesen, einige Teile überflogen.
Am Anfang wurde darüber geredet, dass man Angleichungsoperationen an Minderjährigen durchführt (oder möchte?).

Ich finde die Haltung extrem bedenklich.
Ich kann durchaus nachvollziehen, wie es sich wohl anfühlen muss in einem falschen Körper zu leben. Sich nicht wiederzuerkennen. Es ist schon schwierig genug, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Wie soll das funktionieren, wenn man seinen Platz in seinem Körper schon nicht finden kann?

Wie das in der Forschung aussieht, frage ich mich. Bei einer Person mit einer solchen Krankheit (ich weiß jetzt nicht, wie man diese Diskrepanz der Identität und des körperlichen Geschlechtes anders benennen soll, ich meine ihn medizinisch und nicht wertend). Ist das hier ein neurologisch/psychisch-ursächliches Problem, oder ist hier der Körper ursächlich? Wie dem auch sei, momentan findet ja nur eine körperliche Anpassung statt. Dennoch interessiert mich das Thema. Ein kleiner Einschub.

Wie soll ich gewissenhaft eine Evaluierung durchführen können, ob so ein Eingriff kurativ oder palliativ ist, und nicht schädlich? Ich rede ja hier von einer Diskrepanz, wie sich jemand als Person fühlt, und wie der Körper aufgebaut ist. Die körperliche Entwicklung ist ja sehr schnell vorgegeben und auch eindeutig nachweisbar. Ich denke, hier komme ich auch wieder auf meine vorherige Exkursion zurück. Woher weiß ich, wie die geistige, identitäre Entwicklung abläuft bzw. wo sie enden wird? Das ist ein Prozess, der über das 18. Lebensjahr hinausgeht, und erst mit dem 25. weitestgehend abgeschlossen ist. Und damit ändert sich natürlich auch das Verhältnis.

Letztenendes treffe ich mit einer Operation eine Entscheidung, die nicht reversibel ist. Da sind auch einstellige Prozentraten ein Problem.
Damit möchte ich nicht die Kehrseite vergessen: Die psychische Belastung es nicht zu tun, mit entsprechenden Folgeschäden, die auch körperlich sein können.

Wieso begleitet man nicht einen minderjährigen Betroffenen intensiv medizinisch/therapeutisch. Aber nicht in der Angleichung, sondern in der Selbstfindung? Damit man dann, wenn die Identitätsbildung komplett abgeschlossen ist, entsprechende Maßnahmen durchführen kann?

Ich denke auch selber darüber nach, wie sehr sich mein eigenes körperliches Bild von mir in den Jahren entwickelt hat.
Mit 15 suchte ich heimlich nach Ärzten im Internet, die mir meinen Haaransatz weiter nach vorne ziehen könnten. Oder meine Nase, die auf einer Seite einen leichten Höcker hat. Oder mit 20, als ich wachstumsbedingt Dehnungsstreifen im Hüftbereich entwickelte.
Heute weiß ich, dass ich all diese Änderungen, die ich damals wollte, einfach nicht will.

Was ist, wenn die Person doch ihren ursprünglichen Körper behalten will? Oder nur bestimmte Angleichungen machen will, andere jedoch nicht?
Oder Angleichungen anders machen will?

Woher zum Teufel will man das selber in dem Alter, vor allem unter diesem eigenen Leid, überhaupt wissen?
Woher soll man als interdisziplinäres Team von Ärzten und Therapeuten gewissenhaft diese Entscheidung treffen sollen, und dann mit ihr Leben zu können?

Zeitlupe_1982 schrieb:
Nun zum Thema dieses Threads:

Herrscht eurer Meinung nach in den entsprechenden Lebensphasen ein gesellschaftliches Klima, welches es LGBTQI Menschen erlaubt ihre Geschlechtsidentität offen auszuleben ohne diskriminiert zu werden?
Wenn nein, was könnten eurer Meinung nach die bestimmenden kulturellen Ursachen für dieses Klima sein und durch welche Maßnahmen könnte man diese Beheben?

Nein, und ja.

Nein, ich sehe kein Diskriminierungsproblem, das in diesem Bereich spezifisch ist.
Ja, ich sehe Diskriminierung.

Meine Erläuterung, wenn auch knapp:
Anderssein wird immer diskriminiert. Diskriminierung ist ein allgemeines Problem, und es Bedarf allgemeiner Lösungen.

Wieso sage ich das? Naja, weil ich die Differenzierung wichtig finde, weil meiner Ansicht nach die Ursache entscheidend dafür ist, was man tun kann.
Akzeptanz wird auch nicht durch Überrepräsentation oder "Erziehung" der Allgemeinheit gefördert. Ich muss nicht alle zwei Minuten hören, dass es Männer gibt, die mit 1,70m so klein sind wie ich. Oder, dass es auch andere dunkelhaarige Menschen gibt.
Ebenso wenig muss ich alle zwei Minuten gesagt bekommen, dass es homosexuelle Menschen gibt.

Jeder gehört einfach dazu. Fertig.
 
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Wasserhuhn schrieb:
Wie das in der Forschung aussieht, frage ich mich. Bei einer Person mit einer solchen Krankheit (ich weiß jetzt nicht, wie man diese Diskrepanz der Identität und des körperlichen Geschlechtes anders benennen soll, ich meine ihn medizinisch und nicht wertend
Also zum Krankheitsbegriff, kann ich in so fern weiter helfen, dass Transsexualität selbst, heutzutage nicht mehr als Krankheit gewertet wird. Der Zustand der Gender dysphoria also das aktive Leid aus der Diskrepanz zwischen der körperlich/biologischen Geschlecht und erlebten eigenen Geschlecht hingegen ist eine Krankheit.
Damit wird aber auch klar, das es zwar theoretisch zwei Wege zur Heilung gäbe.
Aber die Anpassungen an Körper und Erscheinungsbild deutlich harmlosere Eingriffe sind, als eine Gehirnwäsche um die bestehende Identität der betroffenen zu zerstören und nach Gesellschaftsnorm zu formen.

Die Medizin hat inzwischen einige Jahrzehnte Zeit genutzt um verschiedenen Ansätze zu erproben und auch deren Langzeit Effekte zu beobachten.

Eingriffe sowohl Operativ aber auch Hormonbehandlungen bedürfen Medizinischer und auch im Speziellen langfristiger Psychiatrischer Betreuung. Das gilt insbesondere für Minderjährige.

Es ist aber auch Fakt, dass mit eintritt der Pubertät normale aber trotzdem irreversible Veränderungen im Körper Stattfinden. Unterdrückt man also eine Behandlung ist damit nicht nur die Zeit direkt nicht genutzt um das Leid der Betroffenen zu lindern, es entstehen ggf. auch Folgeschäden durch das erlauben der Pubertät.

Ich selbst, bin ganz froh diesen Spagat nicht verantworten zu müssen. Hätte ich einen Bezug zu einem Betroffenen würde mich das hin und her zwischen Empathie und Objektivität sicher belasten. Es gibt dabei viele Fragestellungen die keine Eindeutige oder einfache Antwort liefern. Dafür überlasse ich es Ärzten und Ethikkommissionen die dahingehen deutlich mehr Ressourcen investieren können und müssen um diese Fragen erst im Einzelfall, dann aber auch durch entsprechende Richtlinien zu Entscheiden.

Die sind auch nicht Unfehlbar, aber diese wissenschaftlichen Prozesse sind nach meiner Erfahrung das beste was wir haben um zur gegebenen Zeit gute Entscheidungen zu treffen und diese fortlaufend zu verbessern.
 
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