Bright0001 schrieb:
als ob es eine Oberinstanz bräuchte, die entscheidet, wer sprechen darf, und wer nicht.
Braucht es grundsätzlich nicht, aber manchmal eine Moderation, die eingreift, wenn bestimmte Grenzen und rote Linien überschritten werden, die für alle sichtbar und nachvollziehbar definiert sein sollten.
Aber auch das wäre nicht notwendig, wenn jeder bei sich anfangen würde. Hate-Speech oder generell das Überschreiten roter Linien mit Aggression und Wut schadet allen, auch der sprechenden Person selbst.
Es geht nicht darum, dass es nicht auch mal heiß hergehen kann, etwas rauher und emotional wird. Das bringen Kontroversen manchmal mit sich. Und emotionale Beteiligung kann auch ein Gradmesser dafür sein, wie wichtig das Anliegen oder wie hoch der Grad der Betroffenheit für bestimmte Personen ist.
Es gibt jedoch Grenzen, die akzeptiert werden sollten, aber in diesem Kontext gerne überschritten werden und durch einen Algorithmus, der darauf getrimmt ist, Aufmerksamkeit und Zeit seiner User möglichst lange zu binden, verstärkt wird. Anstelle vernünftigerweise deeskalierend zu arbeiten, wird Eskalation und Empörung bevorzugt.
Das heißt, der Algorithmus könnte indirekt moderierend lenken, in dem er tonal und inhaltlich gemäßigten, auch gegenläufige Äußerungen mehr oder zumindest das gleiche Gewicht einräumt, um einen Ausgleich zu schaffen.
Weil aber auf individueller Ebene Zustimmung besser funktioniert hinsichtlich der Bindung an den Dienst oder der Steigerung der Screene Time als zusätzliche oder gar abweichende Perspektiven, wird automatisch Zustimmung und Verstärkung priorisiert.
Was ursprünglich dazu gedacht war, mehr Inhalte passend zu den Interessen der User zuzuspielen, geht in diesem Kontext der Negativität und Aggression, insbesondere ohne Moderation, nach hinten los.
Und darauf bezieht sich die Kritik Stevensons.