Alphanerd schrieb:
Wer zahlt die ganze Chose? Jeder einzelne von uns.
Aber wer zahlt denn da was? Der
Steuerpflichtige zahlt doch Steuern auf den fingierten geldwerten Vorteil.
Es gibt keinen Geldfluss vom Staat an den Steuerpflichtigen / Arbeitgeber / Autobauer.
Es gibt auch kein Privileg, Du kannst das nicht abschaffen, was es nicht gibt.
Es gibt eine Regelung (von mir genau benannt oben) die kannst Du "abschaffen" auf zwei Arten: Die Überlassung eines Fahrzeugs ist kein geldwerter Vorteil mehr, Fiskus bekommt gar nichts. Oder Du verteuerst die Regelung auf z.B. 2% - das benachteiligt dann fast alle, dann passiert das was ich geschrieben habe in 286.
Ich glaube, der Denkfehler liegt aber woanders: Du kannst in einer freien Marktwirtschaft nicht verbieten, dass Marktteilnehmer für sie vorteilhafte und sinnvolle Vereinbarungen treffen - das ist ja das, was Du eigentlich forderst: Jeder "darf" nur das Eigene nutzen, keine Dienstwagen mehr.
Daher anderes Beispiel, gibt es in jeder Branche: Der Bauer sagt zum Knecht: 50% Deines Lohns gibt es direkt in Kartoffeln - ich berechne Dir einen rabattierten Marktpreis: Beide gewinnen. Wir sind uns aber einig, dass auch diese 50% besteuert werden müssen: Grundsatz der Gleichmässigkeit der Besteuerung. Würde das nicht passieren, wäre auch das
keine Subvention, aber das Steuersubstrat würde erodieren, da Löhne überwiegend über Naturalien ausgezahlt würden. Die Höhe des Ansatzes der Kartoffeln bei der Besteuerung bestimmt darüber, ob das wirtschaftlich sinnvolle Verhalten dann noch möglich ist, oder nicht.
Daran, dass nicht jeder Arbeitsnehmer einen Dienstwagen hat siehst Du übrigens auch, dass das Konstrukt nicht ausschliesslich und in jeder Konstellation vorteilhaft für die Vertragsparteien ist.
Niemand würde zum Beispiel die "Dienstwohnungsprivilegien" angreifen, die sehr weitgehend sind. Schau Dir die Vorteile bei Interesse mal an: DAS ist ein geldwerter Vorteil, der im Übrigen in weiten Teilen NICHT in die Steuerberechnung eingeht. Aber eine Eisenbahnersiedlung für die untere Mittelschicht erzeugt eben keinen Neid wie der glänzende 5er des Nachbarn aus der Buchhaltung
Alphanerd schrieb:
Wenn man viel für den AG fahren muss: mit deinem Pkw oder Öffis zum AG und von da aus mit dem Firmenwagen weiter.
Das ist eben nicht immer praktikabel und - Grundsatz der Privatautonomie - der Fiskus beurteilt nicht die Sinnhaftigkeit betrieblicher Entscheide und Vereinbarungen. Wir sind (noch) nicht im Sozialismus und der Staat erkennt an, dass die Steuerpflichtigen über den Markt die sinnvollsten und praktikabelsten Regelungen finden. So wird Wachstum und Wohlstand erzeugt, Eingriffe verringern beides.
Vom Ergebnis her gebe ich Dir übrigens recht: Der starke Dienstwagenmarkt hat in der Vergangenheit den Deutschen Herstellern das Geld für die globale Expansion beschert, von der alle profitiert haben. Die Innovationskraft hat aber massiv nachgelassen und es wird Zeit, dass man sich massiv an die neue Welt anpasst.
Und: Ich finde die Diskussion sehr wertvoll, da auch in den Medien so viel Unqualifiziertes zum Thema Dienstwagen nachgeplappert wird und es auch hier immer wieder auftaucht, dass es sinnvoll ist, dem mal auf den Grund zu gehen 🤝👍