Tomislav2007 schrieb:
Wer nicht arbeiten will muss nicht in teuren Ballungsgebieten wohnen.
Ganz schwierig. Zumal das ja nicht nur Menschen betrifft, die nicht arbeiten, sondern auch die arbeitende Bevölkerung. Wie oft sieht man an Laternen Aushänge von Familien mit guten Einkommen, die keine Wohnung finden, weil die Kosten zum Teil echt absurd hoch sind?
Wenn eine 70-80 Quadratmeter Wohnung im Randgebiet(!) bereits gut und gerne 1.500-2.000 Euro warm kostet, dann läuft etwas gewaltig schief. Wenn sich Studenten Studenten-WGs nicht mehr leisten können, weil 30 Quadratmeter Baracken noch für einen 1.000er vermietet werden, dann muss man schon sagen, dass das mit den Mieten Wahnsinn ist.
Klar. Angebot<->Nachfrage. Aber eigentlich kann es nicht sein, dass der Wohnungsmarkt in Ballungszentren der Spielball von Investoren ist. Ein Dach über den Kopf ist nun einmal die Basis eines geordneten Lebens.
Ich finde es schon etwas erschreckend, dass die meisten Mitarbeiter der hiesigen Stadtverwaltung inzwischen eher aus dem (weiten) Umland kommen. Sie leben selbst nicht mal mehr in der Gemeinde, die sie verwalten. Weil sie sich das nicht leisten können (oder wollen).
Wobei ich, obwohl ich Links wähle und eher mit den Grünen sympathisiere, durchaus nachvollziehen kann, Menschen, die nicht Arbeiten
wollen durchaus stärker verpflichten würden. Sie profitieren von der Gesellschaft, sie haben etwas zur Gesellschaft beizutragen!
Da finde ich dann so Aussagen wie "Sklavenarbeit" schon extrem populistisch. Ich bin kein Freund von Niedriglohn-Jobs und verabscheue die 1-Euro-Beschäftigungsmaßnahmen, die man irgendwann mal erfunden hat. Es gibt genügend "würdevolle" Arbeit.
Ich mache auch nicht meinen Traumjob. Ich mache etwas was mir Spaß macht. Aber ich könnte mir viel vorstellen, was spannender wäre. Meine Frau ist Erzieherin in einem Kindergarten. Für sie ist das Berufung. Sie könnte sich nichts anderes vorstellen. Außer bessere Arbeitsbedingungen.
Man muss sich mal vorstellen. Wir haben einen Arbeitskräftemangel vor allem in sozialen Berufen. Und das ist keine "aus der Luft gegriffenen Aussage", sondern eigene Erfahrung. Wenn die Kita früher zu macht oder die Betreuungszeiten reduziert, weiß man ganz genau, welche Familien am lautesten schreien. Das sind in der Regel nicht diejenigen, die irgendwie auf die schnelle eine Betreuung organisieren oder mit ihren AG kommunizieren müssen, sondern die, bei denen man meint, die hätten ja mehr als genug Zeit...
(Wobei es deren Kinder häufig tatsächlich auch am Nötigsten haben...)
Komplexe Themen halt und da irgendwo die Mitte zu finden ist durchaus schwierig. Aber mit solchen Aussagen quasi auszudrücken, dass teure Ballungsgebiete halt nur für "reiche" Menschen sind...
Nazrael schrieb:
Die Hauptursache der wachsenden Kluft besteht ja gerade darin, dass große Unternehmen und reiche Menschen ihre Gewinne nicht „horten“, sondern reinvestieren.
Deswegen richtet sich eine Reichensteuer ja auch gar nicht an Unternehmen. Weil Unternehmen selbst sind gar nicht das Problem. Die haben aufgrund der gesetzlichen Gestaltung ja schon ein Interesse daran, keine dickschwarzen Zahlen zu schreiben, sondern für den Fortschritt zu investieren. Geld zu horten kostet Geld. Mehr, als es zu investieren. Selbst wenn eine Investition fehlschlägt, war es vermutlich sinnvoller, dass Geld in den Fortschritt zu stecken.
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Mir war klar, dass die Zustimmung der Grünen kein Selbstläufer wird. Und das ist auch gut so. Wenn man die Zustimmung einer Partei möchte, muss man eben auch Zugeständnisse machen. Mehr, als es aktuell der Fall ist. Und ich bin eigentlich immer noch der Auffassung: Dann muss ich die Grünen ins Bündnis holen und ihr auch ermöglichen, diese Zugeständnisse umzusetzen... Auf Zusagen kann man sich heutzutage ja nicht mehr verlassen.