Warum solltest du selbst ein Audit beauftragen wollen oder müssen? Gerade für ein kleines Unternehmen wäre ein "ich vertraue etablierten Zertifikaten wie BSI C5 oder ISO oder ... nicht" doch wirklich Aluhut-Level.SavageSkull schrieb:Naja, wie will ich denn von außen das auch so feinsäuberlich trennen können? Sind denn die Ergebnisse der Audits für die Zertifizierung öffentlich zugänglich? Soll ich als privat Person oder ein kleiner Mittelständler mit 50 Angestellten jedesmal ein eigenes Audit beauftragen?
Gibt es nicht, man muss sich nur mal wirklich damit befassen. Das minimale Schutzniveau (und die großen Services gehen weit darüber hinaus) ist, dass Ruhedaten stets verschlüsselt sind. Die Keys müssen benutzerbezogen sein und "Entschlüsselung" läuft zwar automatisiert, aber über eine Mischung aus deinen Accountdaten, Credentiels wie Passwort, usw.SavageSkull schrieb:Für mein Verständnis gibt es da eine Schnittmenge, dass wenn es die Möglichkeit geben muß, dass man Daten weitergibt, diese irgendwie verfügbar sein müssen, was sich eben damit beisst, dass die Daten "sicher" abliegen.
Nutzt du dann z.B. Google Docs und Konsorten, existieren die Daten zwar temporär entschlüsselt, aber dies darf nur im RAM oder anderen temporären filesystems sein, die garantiert nach Nutzung abgeräumt werden. Zugriff auf diese Bereiche muss umfangreich protokolliert und etwaige Verstöße untersucht und gemeldet werden. Meldung ist hierbei (wie bei allen auditfähigen System) automatisiert; da kann also nicht SysAdmin XY entscheiden, ob ein incident irgendwo auftaucht oder nicht, sondern in Audit Logs taucht ein potentieller Verstoß auf und wird weitergeleitet, ohne dass SysAdmins darauf Einfluss haben können (oder das audit log verändern können).
Und in Klartext dürfen deine Daten sowieo zu keinem Zeitpunkt irgendwo liegen, auch nicht in temporären Speicherorten...die sind dann dort nur halt temporär mit einem App Key oder Dergleichen verschlüsselt (sodass etwa Google Docs das Dokument lesen kann, solange du es gerade bearbeitest).
100%ige Sicherheit kannst du niemals und nirgends haben, aber solchen Systemen und Audit Logs kann man effektiv ausschließen, dass irgendwas im Regelbetrieb passiert oder gar großangelegt. Selbst ein SysAdmin kann so nicht einfach an deine Daten kommen, selbst wenn er wollte. Und passiert es trotzdem, ist es zumindest protokolliert. 100%igen Schutz beispielsweise fordert auch eine DSGVO nicht, sondern vielmehr, dass nachweisbar protokolliert wird, was wie und warum / durch wen passiert ist.
Deshalb gibt es darüber hinausgehende Zertifikate, die durchaus echte Audits erfordern.SavageSkull schrieb:Es bleibt für mich daher intransparent und nüchtern betrachtet muss ich hier vom Worst Case ausgehen.
Da hilft das Zertifikat mir leider auch nicht weiter. In meinem Umfeld sehe ich nur immer nett das ISO 9001 Zertifikat, was genauso wenig aussagt, dass man eine (hohe) Qualität(skontrolle) erwarten kann, sondern was nur zertifiziert, dass man sich einen Workflow ausgedacht hat, der auf dem Papier die Qualität gleichbleibend hoch halten sollte.
Das ist so ein hätte wäre wenn.
Du kannst ja nicht einem Zertifikat, welches echte Audits voraussetzt, nicht trauen, nur weil ein ganz anderes Zertifikat maximal einen schönen Papierplan vorsieht und die Umsetzung in keinster Weise kontrolliert.
Darüberhinaus ist das wichtige für ein Unternehmen sowieso nie der 100%ige Schutz, sondern die Haftung und was vertraglich zugesichert wurde.
Das ist aber sehr indifferenziert.SavageSkull schrieb:Wo kommt die Paranoia her? Klar durch Snowden und Co. Gerade die älteren Jahrgänge sind mit lokalen Daten aufgewachsen und heutzutage liegen Daten in nicht geringer Menge in der Cloud, genauso wie BigTech intransparent Daten sammelt. Es ist bekannt, dass sie Daten sammeln, seit geraumer Zeit und nicht gerade wenig, aber was genau, was damit gemacht wird und wie diese behandelt werden ist für Außenstehende nicht bewertbar.
Google Cloud oder MS Azure oder ... haben z.B. selbstredend ganz andere Datenschutzpraktiken, Sicherheitsstandard, ... (und sammeln auch deine B2B Daten nicht) als etwa Google Search, weil es andere (Sub)Unternehmen sind, sie voneinander autark sind, und ganz andere Kerngeschäfte haben.
Vorallem (Snowden & Co.) vermischt du hier ja, was ein kommerzieller Anbieter dir vertraglich zusichert, für geprüft wurde und was ein Geheimdienst eventuell trotzdem macht, weil die in gewissen Fällen außerhalb des regulären Rechts arbeiten.
Deine Privatfotos und was man sonst noch so gegen dich direkt verwenden oder zur biometrischen Identifizierung verwenden kann, kannst du ja in deiner privaten Nextcloud oder so lagern...gerade bei Geschäftsdaten der lokalen 50-Mann Klitsche wird aber ein Geheimdienst einfach 0 Interesse haben. Da ist die Paranoia wirklich Aluhut-Level.
Finde ich nicht. Wenn ich keine ausreichende Expertise besitze, um etwas bewerten zu können, dann kann ich es schlichtweg gar nicht bewerten. Gerade dann sollte man sich auf Durchschnittsszenarien einstellen (nicht den worst case) und vor allem dann sollte man Experten, Zertifikaten, ... trauen. Oder halt Geld/Zeit investieren - je nachdem, welche Priorität das ganze hat.SavageSkull schrieb:Du schreibst ja selbst, man muß das adäquat bewerten können. Versetze dich mal in meine Lage, als nicht ITler. Das ist mir nicht möglich, ich muß daher vom Worst Case ausgehen und den habe ich oben beschrieben. Für Lieschen Müller, die sich gar nicht mit dem Thema auseinandersetzt, kann erst gar nicht verstehen, warum von ihr Daten erhoben werden und dass MS und Co plötzlich Kartei über sie führen.
Wenn man das nicht macht und einfach aus dem Bauch heraus entscheidet, dann landest du bei:
- Ich bin kein Physiker, also sind Mikrowellen bösartige Strahler, die mich und mein Essen vergiften.
- Ich bin kein Metereologe, sieht nicht nach Wolke aus, muss Chemtrail sein.
- Ich bin kein Mediziner, aber ich fühle mich wunderbar, Pillen brauche ich nicht schlucken.
Insbesondere auch deshalb, weil ein Laie ja nicht mal selbst einschätzen kann, was denn das Worst-Case-Szenario wäre. Und dann installiert sich der Laie "Internetz-Schutz" und "NextKloud" und ... schwups sind die eigenen Daten weg, was dem Laien bei Default Google nie passiert wäre.
Das eine ist Geschäftspraxis (man möchte schlichtweg möglichst viele Märkte erobern; einen geheimen Plan "ich will alle deine Daten" gibt es nicht) und das andere würde ich mit "jein" beantworten =>SavageSkull schrieb:Ich sehe KI in dieser Form, wie sie gerade überall hinein gedrückt wird (Thema vom Thread, integrierter Copilot in Outlook, der die Emails bewertet) sehr kritisch, da auch hier wieder nicht transparent ist, wo das LLM läuft und wie mit der Berechnung und entstandenen Daten umgegangen wird. Mir fehlt jegliche Basis um Vertrauen in Microsoft aufbauen zu können. Das geht vielen Anderen leider auch so.
Ja, die Kennzeichnung von KI könnte einfacher sein (kein Laie wird sich die Nutzungsbedingungen durchlesen; sowas sollte irgendwo in Miniform in der Tat direkt in der App selbst ersichtlich sein).
Nein, die Kennzeichnung findet definitiv immer statt. Das wäre gerade in der EU auch verboten, sowas nicht zu kennzeichnen. Auch bei MS, Google, ... steht in den Nutzungsbedinungen und auf weiterführenden Seiten ganz genau, was verarbeitet wird, wie es verarbeitet wird, wo es verarbeitet wird, in welchen Rechenzentrumsstandorten usw. Nur halt verklausuliert und auf diverse Seiten verteilt. Jura-Deutsch (oder -Englisch) halt.
Das ist doch auch wieder eine vollkommen andere Debatte. Selbst das unknackbare Enigma haben die Alliierten irgendwann im 2. WK dadurch geknackt, dass immer wieder ähnliche Worte wie etwa "Heil ..." auftauchten.SavageSkull schrieb:Offtopic:
Die USA greifen andere Länder an. Aktuell Iran und vor nicht kurzem Venezuela. Beides hat sicherlich auch eine große Menge digitale Vorarbeit hinter sich. Da habe ich und auch die aktuellen deutschen Gesetze ein andere moralische Vorstellung von und genau da ist auch mein Problem mit dem Thema.
Zum Einen sind die Betroffenen in deinem Fall hochrangige Politker, Militärs, ... => das hat nichts aber auch gar nichts mit typischen kommerziellen Produkten zu tun. Es wird wohl auch kaum der Fall sein, dass dort jemand getötet wurde, weil er GMail verwendet hat.
Zum Anderen kannst du dich gegen Militärgeheimdienste sowieso nicht wehren, vor allem nicht als Laie. Das liegt vollkommen außerhalb deiner Möglichkeiten und Ressourcen. Genausowenig wie du etwa dein Haus gegen Spezialeinheiten schützen kannst...selbst in den gesicherten Bunker würden die, wenn sie es wirklich wollten, natürlich hineinkommen.
Abgesehen davon: über Vorgehensweise und Legitimität lässt sich streiten, aber bei Maduro (und genauso beim Regime im Iran) kann man schwerlich davon reden, dass es da "die Falschen" getroffen hat. Selbst wenn du hier Hobby-Reichsbürger oder Hobby-Islamist oder ... wärst, bist du davon meilenweit entfernt.