@SabrinaCB
Ich gehe Ihre Antworten einmal der Reihe nach durch, Versuche sachlich zu bleiben, weil hier einige Dinge als technische Argumente dargestellt werden, die bei genauerer Betrachtung entweder an meiner Aussage vorbeigehen oder schlicht nicht das belegen, was Sie daraus ableiten.
1. „Wie haben Sie das denn ergründet?“
Sie beziehen sich damit auf meine Aussage, dass man ohne entsprechende Kenntnisse Dinge zusammenschreibt.
Genau deshalb argumentiere ich mit konkreter Kamerahardware und nachvollziehbaren technischen Eigenschaften. Man muss dafür weder Kameratechniker noch Berufsfotograf sein. Sensorgröße, Brennweite, Blende, Pixelgröße, Ausleseverfahren, Objektiv und Bildverarbeitung sind keine Glaubensfragen.
Wenn ich bei einem Smartphone beispielsweise einen deutlich größeren Hauptsensor oder Tele-Sensor mit einem wesentlich kleineren Sensor eines Konkurrenten vergleiche, ist dessen lichtempfindliche Fläche objektiv unterschiedlich groß.
Über die Qualität des fertigen Fotos entscheidet selbstverständlich das Gesamtsystem. Aber technische Unterschiede verschwinden nicht dadurch, dass einem das Ergebnis des kleineren Sensors persönlich besser gefällt.
2. „Waren es nicht sogar drei kalibrierte Monitore?“
Nein es sind zwei.
Und selbst wenn es 10 wären, würde sich an meinem eigentlichen Argument nichts ändern.
Ein kalibrierter hochauflösender Monitor ist sinnvoll, um Bilder unter definierten Wiedergabebedingungen zu beurteilen.
3. „Das ist nicht meine Spielwiese. Ich mache im Wesentlichen Architektur.“
Das erklärt immerhin, weshalb Sie eine möglichst große Schärfentiefe bevorzugen.
Aber daraus lässt sich kein genereller technischer Vorteil kleiner Sensoren ableiten.
Für Architektur kann große Schärfentiefe ausdrücklich erwünscht sein. Bei Portrait, Tierfotografie, Makro, Low-Light oder anderen Anwendungen können die Prioritäten vollkommen anders aussehen.
Und gerade bei Smartphones ist die größere Sensorfläche interessant, weil mehr verfügbare Sensorfläche grundsätzlich mehr Licht erfassen kann. Das verbessert die physikalische Ausgangsbasis für Signal Rausch Verhältnis und Low Light Aufnahmen.
Dass für Ihre persönliche Art der Fotografie große Schärfentiefe wichtiger ist, ist völlig legitim.
Es macht einen kleinen Sensor aber nicht zum besseren Sensor.
4. „Die kleinen Sensoren haben gerade bei der Schärfentiefe große Vorteile.“
Ja –
wenn große Schärfentiefe das einzige Ziel ist.
Sie stellen hier eine Eigenschaft als generellen Qualitätsvorteil dar.
Ein kleiner Sensor erzeugt bei vergleichbarem Bildwinkel und vergleichbaren Aufnahmebedingungen tendenziell eine größere Schärfentiefe. Das kann beispielsweise für Architektur praktisch sein.
Ein größerer Sensor bietet dagegen mehr Möglichkeiten zur optischen Freistellung und eine größere Fläche.
Das Interessante daran ist:
Mit einem größeren Sensor kann ich bei Bedarf die Schärfentiefe erhöhen. Die physisch nicht vorhandene Sensorfläche eines kleinen Sensors kann ich dagegen nicht durch eine Einstellung hinzufügen.
Genau deshalb verwenden hochwertige Kameras schließlich auch keine winzigen Smartphone-Sensoren, nur weil damit leichter alles scharf wird.
5. „Sie hingegen haben noch nicht mal die Spinne auf dem ersten Bild vollständig scharf bekommen.“
Das ist als Kritik an der Kamera technisch ziemlich kurios. Bis hier bin ich sachlich geblieben aber sorry, Sie haben echt keine Ahnung von Fotografie.
Dass ein räumliches Motiv vor und hinter der Fokusebene zunehmend unscharf wird, nennt sich
Schärfentiefe.
Gerade bei kurzen Aufnahmeabständen kann diese extrem gering werden. Das gilt übrigens genauso für APSC und Vollformat.
Warum gibt es in der Makrofotografie wohl Focus Stacking?
Weil selbst professionelle Makroobjektive an großen Kameras nicht plötzlich das komplette dreidimensionale Motiv von vorne bis hinten scharf abbilden.
Dass ein Bein einer Spinne außerhalb der Fokusebene unschärfer wird, ist deshalb kein Beleg für eine schlechte Kamera.
Eher im Gegenteil: Sie kritisieren hier praktisch genau die geringe Schärfentiefe, die größere Sensoren beziehungsweise längere reale Brennweiten überhaupt erst ermöglichen.
6. „Kann man diesen Glauben irgendwo nachlesen?“
Ja. Sogar direkt bei Ihrem Fan Hersteller Google.
Google beschreibt beispielsweise bei Super Res Zoom, wie Sensordaten per Remosaicing verarbeitet und anschließend mehrere unterschiedlich belichtete Bilder mittels HDR+ zusammengeführt werden. Google erklärt ausdrücklich, dass dabei Software und Machine Learning Algorithmen (MLA) mehrere Aufnahmen zu einem Endergebnis verarbeiten.
Apple macht im Prinzip dasselbe Konzept mit einer anderen Pipeline. Apple beschreibt bei seiner Photonic Engine beispielsweise, dass für ein 24-MP-Foto zunächst aus zusammengefassten Sensorpixeln ein 12-MP-Multi-Frame-HDR-Bild erzeugt und dieses anschließend mit hochauflösenden Sensordaten kombiniert wird.
Apple führt außerdem Photonic Engine, Deep Fusion, Smart HDR und Objektivkorrektur als Kamerafunktionen auf.
Das ist keine Interpretation meinerseits, sondern exakt das Prinzip von
Computational Photography.
Software kann selbstverständlich die Physik nicht außer Kraft setzen. Sie kann keine Photonen rekonstruieren, die niemals auf dem kleinen Sensor angekommen sind.
Aber gerade Smartphones kompensieren Einschränkungen ihrer kleinen Optiken und Sensoren seit Jahren massiv durch Multi-Frame-Fusion, HDR, Rauschunterdrückung, Super Resolution, Objektivkorrekturen, elektronische Stabilisierung und weitere Algorithmen.
Die interessante Frage ist daher eher, wie man 2026 ernsthaft bestreiten kann, dass Smartphonehersteller Hardwaregrenzen mit Software zu kompensieren versuchen.
Das wirklich interessante daran ist aber, dass Vivo diese Softwaretricks ebenso beherrscht, Softwareseitig und Hardwareseitig mehr liefert.
7. „Ihr Leidensdruck muss sehr groß sein. Man könnte denken, Sie kommen aus der Marketingabteilung der Chinesen.“
Das ist jetzt leider überhaupt kein technisches Argument mehr und geht für mich in die Richtung eines Trolls.
Wenn meine Aussage zu Sensoren oder Kamerahardware falsch ist, können Sie gerne konkret erklären,
welcher technische Punkt falsch ist und warum, bitte mit Quellenangaben.
Meine angebliche emotionale Verfassung oder eine imaginäre Beschäftigung in einer chinesischen Marketingabteilung verändert weder Sensorgrößen noch Brennweiten, Blenden oder die Eigenschaften eines Kameramoduls, geschweige denn die Physik.
Ich bewerte Hardware, keine Nationalitäten.
Wenn Vivo, Xiaomi, Oppo oder Honor bessere Kamerahardware einsetzen, darf man das genauso feststellen, wie man Apple, Google oder Samsung loben kann, wenn diese technisch etwas besser lösen.
8. Das Zitat über „nachweisliche physikalische Fehler“ und „besonderen Charakter“
Das ist ein interessantes Zitat, ersetzt aber ebenfalls kein technisches Argument.
Natürlich sollte man einen physikalischen oder optischen Fehler nicht romantisieren und als „Charakter“ verkaufen.
Nur hat das mit meiner Aussage wenig zu tun.
Ein größerer Sensor ist kein „Charakter“. Eine größere Eintrittspupille ist kein „Charakter“. Brennweite ist kein „Charakter“. Auslösegeschwindigkeit ist kein „Charakter“.
Das sind technische Eigenschaften.
9. „Die Pixelfotos sehen beispielsweise nicht so gelbstichig aus wie eine andere bekannte Marke oder so völlig unnatürlich wie manche Geräte aus Südkorea.“
Damit widersprechen Sie interessanterweise direkt meiner Aussage vom „Einheitsbrei“ gar nicht so sehr, wie Sie offenbar glauben.
Denn Sie beschreiben hier selbst unterschiedliche Herstellerlooks.
Wenn Hersteller A für Sie gelbstichiger aussieht, Hersteller B natürlicher und Hersteller C „völlig unnatürlich“, dann unterscheiden sich offensichtlich Weißabgleich, Tonemapping, Sättigung, Kontrast, lokale Bearbeitung oder andere Teile der Processing Pipeline.
Genau diese herstellerspezifische Verarbeitung ist Teil von Computational Photography.
Man kann darüber diskutieren, welcher Look einem persönlich besser gefällt.
Aber „gefällt mir besser“ ist etwas anderes als „ist technisch richtiger“.
Für Letzteres müsste man unter kontrollierten Bedingungen messen.
10. „Ich staune, dass Ihnen das selbst auf 2 kalibrierten Monitoren nicht auffällt.“
Auch hier werden zwei Dinge miteinander verwechselt.
Displaykalibrierung sorgt dafür, dass der Monitor definierte Farben möglichst korrekt wiedergibt.
Sie beweist nicht, dass die darauf betrachtete Smartphoneaufnahme die ursprüngliche Szene farbmetrisch korrekt wiedergegeben hat.
Wenn eine Kamera beispielsweise den Weißabgleich verschiebt und mein kalibrierter Monitor diese Verschiebung perfekt wiedergibt, sehe ich lediglich eine sehr präzise Darstellung des von der Kamera erzeugten Ergebnisses.
Um zu beurteilen, welche Kamera die Realität genauer getroffen hat, brauche ich eine Referenz.
Deshalb arbeitet man für ernsthafte Farbvergleiche beispielsweise mit standardisierten Farbtafeln und kontrollierter Beleuchtung und nicht nach dem Prinzip:
„Auf meinem kalibrierten Monitor sieht Kamera A natürlicher aus.“
Jedoch kann man auf einem 5K Monitor ziemlich gut beurteilen ob das Foto scharf ist, an den Ecken ausgefranst, die Farben ausgebrannt sind etc. Und genau hier an dieser Stelle hat man das Problem der kleinen Sensoren.
11. „Sie kaufen erst die Geräte und hinterher informieren Sie sich, was die können.“
Nein. Und auch das ist wieder eine Behauptung über meine Person statt über die Technik.
Vor allem wäre das bei Smartphonekameras ohnehin ein ziemlich schwaches Argument.
Unterm Strich scheint mir unser grundlegender Unterschied folgender zu sein:
Sie bewerten bestimmte Eigenschaften danach, ob sie zu Ihrer bevorzugten Art der Fotografie passen. Das ist vollkommen legitim.
Ich kritisiere dagegen, wenn bei sehr teuren Smartphones vergleichsweise kleine oder ältere Sensorhardware eingesetzt wird und ein erheblicher Teil des Ergebnisses anschließend computational erzeugt beziehungsweise verbessert werden muss. Da man die Physik eben nicht austricksen kann sind die Ergebnisse eher ernüchternd.
Aber aus „mir gefällt das Ergebnis besser“ folgt weder, dass kleinere Sensoren technisch überlegen sind, noch dass größere Sensoren überflüssig wären.
Und vor allem sollte man nicht gleichzeitig Computational Photography loben und so tun, als würden Google, Apple und Samsung überhaupt nicht versuchen, Hardwaregrenzen durch Software zu kompensieren.
Genau das ist seit Jahren eines der Grundprinzipien moderner Smartphonefotografie. Nur das die Chinesen eben zu der Software nun große Sensoren packen. Das Vivo X300U hat nun in der vierten Generation einen eigen Bildprozessor der nicht im SOC ist sondern selbst entwickelt.