piccolo85 schrieb:
Genau richtig so! Ich bin sogar der Meinung, dass "ohne Ausweiskopie kein Account" gelten sollte.
Es gibt Grenzen dessen, was man für vermeintliche „Sicherheit“ opfern sollte. Eine Ausweispflicht in Onlinediensten würde in ihrer Konsequenz die Anonymität im Netz zerstören, inklusive aller Folgen für Meinungsfreiheit, Whistleblowing, queere & politische Communities usw.
ruthi91 schrieb:
Ist er denn erfolgreich bzw. effektiv? Dann kommt das doch allen Spielern zu gute.
Niemand hat Bock auf Cheater... und wenn die sich damit effektiv aussperren lassen, dann ist es doch gut?
Effektivität rechtfertigt nicht automatisch jedes Mittel. Selbst wenn Kernel-Level-Anticheats wie bei Vanguard oder auch zukünftig BF6 kurzfristig Cheater reduzieren, erkaufen wir uns diesen „Erfolg“ mit tiefen Systemeingriffen, die in puncto Datenschutz, Transparenz und Missbrauchspotenzial hochproblematisch sind.
Kernel-Level-Anticheats laufen mit den höchsten Rechten auf dem System – sie haben Zugriff auf alles, was du tippst, sie können Software blockieren, Prozesse beenden, Netzwerkverkehr überwachen. Dass eine privatwirtschaftliche Software solche Befugnisse erhält, wäre in jedem anderen Kontext völlig undenkbar.
Dazu kommt: Es gibt keine vollständige Transparenz darüber, was diese Tools im Hintergrund genau tun – geschweige denn eine Möglichkeit, sie sicher zu isolieren.
Die Argumentation „Hauptsache, sie funktionieren“ blendet leider aus, dass hier ein enormes Missbrauchspotenzial geschaffen wird, das nicht durch demokratische Kontrolle oder Sicherheitskonzepte legitimiert ist. Das ist eine gefährliche Schieflage.
Zacco93 schrieb:
Ist das jetzt der neue Trend das hier jetzt ständig ein paar Leute über kernel Level Anti-Cheat meckern genauso wie die jenigen die unter jeder Smartphone News "zu groß!" Brüllen?
Keiner zwingt dich das Spiel zu installieren oder zu spielen.
Es gibt genug Story Games ohne Anti-Cheat. Finde dich damit ab das Multiplayer Spiele nunmal sowas nutzen und auch zukünftig nutzen werden oder lass es bleiben.
Lass valorant Mal mit easy Anti-Cheat laufen und du wirst sofort eine Flut an cheatern bemerken.. vanguard macht einen absolut gutes Job.
"Dann spiel halt was anderes" ist kein Argument sondern ein Totschlagargument...
Wir führen hier keine Debatte über Vorlieben, sondern über grundlegende Fragen von Privatsphäre, Systemhoheit und akzeptablen Eingriffen durch Software. Die Aussage „Keiner zwingt dich“ ignoriert, dass Marktmonopole und fehlende Alternativen für beliebte Multiplayer-Titel in der Praxis selbstverständlich Zwang erzeugen. Es ist kein freier Markt, wenn ich zwischen „Spiel X + Eingriff in Kernel“ oder „Verzicht auf Freunde & Community“ wählen muss.
Dass KLACs technisch wirksam sind, bestreitet kaum jemand, aber der Preis ist ein Sicherheits- und Vertrauensbruch. Der Nutzer gibt Rootrechte an ein Programm ab, das nach außen hin wenig Rechenschaft ablegt.
Nur weil diese Praxis zur Norm wird, macht sie sie nicht legitim. Es geht hier nicht um Smartphone-Größen, sondern um die schleichende Normalisierung gefährlicher Eingriffe in unsere Systeme.
Kombiniert man das mit den AGB großer Anbieter (z. B. PSN ToS, Abschnitt 6.2 und 6.3), ergibt sich ein gefährlicher Spielraum: Unternehmen könnten faktisch Zugriff auf persönliche Dokumente, Medien, Quellcode, Browserdaten, Streaming-Material etc. erhalten – ohne dass Nutzer davon überhaupt erfahren. Es geht nicht darum, was
aktuell geschieht – sondern was mit den bestehenden Strukturen in der Theorie möglich ist. Ein späterer Missbrauch ist dann nur eine Richtlinienänderung entfernt.
Anbei einige Quellen für alle, denen ich nun geantwortet habe:
https://medium.com/the-berkeley-tab...kernel-level-anti-cheat-software-6c889798a1bd
https://arxiv.org/html/2408.00500v1
https://gist.github.com/stdNullPtr/2998eacb71ae925515360410af6f0a32