Ein paar Dinge vorweg.
Intels Lynnfield taktet die Verbindung Uncore-Core mit 2,4 GHz, die EX-Versionen mit 2,66 und die kleineren Bloomfields mit 2,2 GHz. Das macht sich letztlich auch im Speicherdurchsatz bemerkbar.
Ein Lynnfield kann im Turbo-Modus einzelne Kerne noch höher als ein Bloomfield takten, weshalb in vielen Benchmarks ein Lynnfield einen Bloomfield bei gleichem Ausgangstakt schlagen kann. Allerdings sind diese Benchmarks am Thema vorbei, da Lynnfield nur unwesentlich höher takten kann, wenn alle vier Kerne durch gute parallelisierte Software gleichermaßen ausgelastet werden. Solche Tests zeigen nur wie schlecht sie skalieren. Darunter fallen auch einige der sehr beliebten Render-Tests unter Windoof.
Es ist ein offenes Geheimnis, daß man alle Bloomfields mit den gleichen Taktspezifikationen wie ihre EX-Kameraden betreiben kann, also auch DDR3-1333, 2,66 GHz Uncore-Takt, QPI mit 3,2 GHz oder 6,2 GT/s. Zudem läßt sich ein i920 recht gut übertakten.
Unter UNIX mit klassischen SPEC-Benchmarks, die intensiv die FPU auslasten und hohe Speicherbandbreiten anfordern, ist ein Bloomfield einem Lynnfield bei gleichem Takt überlegen, wenn eine gleichermaßen hohe Auslastung der Kerne gewährleistet werden kann.
Es gibt in einschlägigen Foren zum Thema HPC Empfehlungen, den Turbo-Modus abzustellen, wenn man intensiv rechnen möchte. Die Umstände kenne ich nicht mehr genau, jedenfalls sind diese Meldungen in *BSD- und Linux-Foren einschlägig bekannt. In einigen Fällen lohnt sogar das Abschalten des SMT, wobei sowohl Bloomfield als auch Lynnfield auf das Niveau eines normalen Penryn sinken - nicht gerade eine Meisterleistung.
Lynnfield hat einige architektonische Eigenschaften, die von Gainstown, hier die Modelle X55XX (z.B. X5570) geerbt wurden: niedrigere TDP (95W statt 130W), die XEON-Versionen können mit reg. ECC RAM, Bloomfield kann nur mit ungepuffertem RAM umgehen! Mit entsprechend großen riegeln käme man bei DDR3-800 auf bis zu 32GB! Lynnfield hat auch einen von Hause aus höheren Core-Uncore Takt, was die interen Bandbreite involviert. Bloomfield hat zwar drei Speicherkanäle, aber dafür einen um ca. 266 MHz langsameren Interlink zwischen Core-Uncore.
Technisch ist Lynnfield der bessere Chip - wenn da nicht noch ein paar andere Dinge wären. Lynnfield ist auf einen P55 Chipsatz angewiesen, der nicht viel mehr ist als ein etwas modernisierter ICH10R. Lynnfield bringt 2x 16 Lanes nach PCIe 2.0-Standard mit. Eine X58-Plattform hingegen bedient 2 x 16 Lanes PCIe 2.0 plus 4x PCIe 2.0 (oder zwei 2x PCIe 2.0) und bindet eine ICH10R an. Der P55 ist einfach zu sehr limitiert für meinen Geschmack, weshalb ich sehr zu einer X58-Plattform mit W3565 CPU tendiere, da für meine Arbeit ECC RAM sine conditio qua non ist. Manche Modellrechnungen laufen 4 bis 6 Wochen, sind speicherlastig und da zählt jedes Prozent Leistung. SAS Controller und unter Umständen GPGPU-Karten (sofern OpenCL endlich flächendeckend diese Rechenkraft nutzbar machen könnte) sollten mit ins Gepäck - da wird es auf den meisten P55-basierten Systemen leider sehr eng.
Die Hoffnung, Intel würde bei den LGA1366 CPUs einige Schwächen mit Einführung des i960 und W3565 ausmerzen, sind leider unerfüllt geblieben. Gerüchte sagen, daß der für das kommende Frühjahr geplante i930 gar schon in 32nm produziert werden soll, wobei ich das bezweifle. Im Moment hat man die Wahl zwischen einem Heizkraftwerk (Bloomfield) mit drei Speicherkanälen oder einer modernisierten CPU (Lynnfield) mit Kastrationen. Daß es auch besser geht, zeigt der X5570, TDP 95 Watt bei 2,93 GHz Takt und schnelleres QPI als seine kleineren Bloomfield-Ableger.
Damit die Verarsche nicht genug ist, setzt Intel mit Lieferzeiten der W35XX CPUs größer als W3520 eins oben drauf: Man darf zwei Wochen auf diese 'Small Enterprise' CPU warten, während die Lynnfield-XEONS sofort lieferbar sind! man hat also eigentlich nur die Wahl zwischen maßloser Schikane oder maßloser Kastration.
Schade, daß AMD nichts Vergleichbares auf dem Markt hat, unter den gegebenen Umständen wäre das eine Alternative, um sich den Intelschen schikanösen Gebärden entziehen zu können.