YBa-Mek schrieb:
Natürlich "darf" man als Hobby Fundamental- oder Chartanalysen durchführen und entsprechend Aktien kaufen, allerdings sollte man sich davon definitiv keine Überperformance erwarten, sondern bestenfalls Marktperformance. In diesen Bereichen hat man als Privatanlager ohne besondere Insiderinformationen keine Chance gegenüber den institutionellen Anlegern und kurzfristigen Spekulanten. Es sind jederzeit alle öffentlich verfügbaren Informationen bereits in den Kursen eingepreist. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die institutionellen Anleger permanent Computerprogramme am Laufen haben, die in Echtzeit die Auswirkung von Wechselkursen und Rohstoffpreisen auf die 100 wichtigsten Unternehmen ausrechnen.
Die Sache mit den Computern ist mir auch schon mal in den Kopf gekommen.
Dabei dachte ich eher an folgendes:
Gibt es überhaupt noch unterbewertete Wertpapiere? So viele Leute suchen hochprofessionell nach unterbewerteten Wertpapieren (eben die Computer), da wird es für den normalen Privatinvestor doch fast unmöglich sein, da mitzuhalten?
Eine Unterbewertung ist für diese Computer doch anhand bestimmter Verhältnisse, Berechnungen, etc. festzustellen (Kapital, Schulden, Cashflow, Umsatz, Gewinn, KGV, KBV, etc. pp).
Wenn eine Reihe professioneller Investoren solche Programme verwenden, wird es doch für den Privatinvestor quasi unmöglich, noch unterbewertete Wertpapiere zu finden, weil diese durch die Markteffizienz schon den "richtigen" Kurs haben.
YBa-Mek schrieb:
Als Privatanleger hat man somit nur eine Chance: auf Buy&Hold gehen. Die Institutionellen haben nämlich oft sehr begrenzte Risikobudgets und wenn die Kurse zu stark sinken, müssen sie raus wenn sie ihre Kunden nicht verärgern wollen. Dadurch haben sie erstens höhere Kosten und zum zweiten verpassen sie dann günstige Zeitpunkte zum Nachkaufen und Wiedereinsteigen. Wenn man als Privatanleger diese kurzfristigen Schwankungen aussitzen kann und evtl. dann noch nachkauft wenn bei vielen die Stop-Losses greifen kann man sogar den Markt leicht outperformen.
Ja, Buy & Hold scheint für Privatanleger wirklich das sinnvollste zu sein. Ist es bei einer Buy&Hold-Strategie mit Aktien eigentlich so, dass man nur Unternehmen wählen soll, die eine Dividende ausschütten?
Holt schrieb:
Finanzsystem ist mir viel zu allgemein, den Produkten der Finanzindustrie stehe ich aber sehr skeptisch gegenüber. Aber mit meinen Aktien (Einzeltiteln) habe ich mit denen ja nicht viel am Hut, die Banken verwalten meine Depots und führen die Orders aus, mein Geld ist aber in Anteile an Unternehmen investiert.
Das mit dem Misstrauen gegenüber dem System ist darauf bezogen, dass viele halt wissen, dass immer größere (finanzielle) Aufwendungen gemacht werden müssen, um das System am laufen zu halten. Momentan ist das beispielsweise die extreme Niedrigzinspolitik der EZB. Das System wird damit doch immer mehr auf Sand gebaut.
Generell noch eine Sache:
Auch wenn man sich für Buy&Hold entscheidet, gibt es ja bestimmte Situationen, in denen man nicht einfach nur das Wertpapier hält, sondern auch handelt. Bspw. wenn man eine starke Überbewertung ausmacht oder man dem Wertpapier (bzw. dem Unternehmen dahinter) keine guten Zukunftsaussichten zutraut.
Da frage ich mich immer, welcher dieser beiden Grundsätze wohl eher stimmt:
1. "Gewinne laufen lassen, Verluste realisieren."
2. "Wer die Aktie nicht hat, wenn sie fällt, hat sie auch nicht, wenn sie steigt."
Was meint ihr dazu?
Ist es sinnvoll, den Dividendenabschlag als Einstiegszeitpunkt für den Aktienkauf zu wählen?