Warum soziale Netzwerke nutzen

Chinawolf

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Warum nutzen Menschen weiterhin soziale Netzwerke, obwohl deren Schäden inzwischen empirisch belegt sind? Die nüchterne Antwort lautet: weil diese Plattformen nicht als neutrale Kommunikationsmittel gebaut sind, sondern als psychologisch hochoptimierte Bindungsmaschinen, die gezielt das menschliche Belohnungssystem ausnutzen. Likes, Kommentare, algorithmisch kuratierte Feeds und endloses Scrollen aktivieren Dopaminmechanismen, die denselben neurobiologischen Prinzipien folgen wie Glücksspiel oder andere Suchtformen, was in der Fachliteratur ausdrücklich so beschrieben wird (ResearchGate: „The Dangers and Addiction of Social Media“).

Dass dies kein theoretisches Problem ist, zeigen harte Zahlen: In Deutschland weisen rund 15 Prozent der Gesamtbevölkerung Symptome problematischer Social-Media-Nutzung auf, in der Generation Z liegen diese Werte je nach Studie bei über 25 Prozent (Macromedia Hochschule, 2023), weltweit geben in Befragungen bis zu 40–54 Prozent junger Erwachsener an, sich selbst als abhängig von sozialen Netzwerken zu erleben (Mastermind Behavior, 2024). Parallel dazu dokumentieren große Übersichtsarbeiten aus der medizinischen Forschung einen stabilen Zusammenhang zwischen intensiver Nutzung sozialer Medien und erhöhtem Risiko für Depressionen, Angststörungen, Einsamkeit, Schlafstörungen und chronischem sozialem Vergleichsdruck, insbesondere bei Menschen unter 35 Jahren (NIH / PubMed Central, Review 2021).

Auch aktuelle Daten des Pew Research Center zeigen, dass rund jeder fünfte Jugendliche angibt, soziale Netzwerke hätten seiner psychischen Gesundheit geschadet, während positive Effekte vor allem auf oberflächliche Kontaktpflege begrenzt bleiben. Das oft vorgebrachte Argument der „sozialen Verbindung“ hält dieser Datenlage nur begrenzt stand, denn reale Nähe, Verlässlichkeit und tiefe Beziehungen werden durch algorithmisch vermittelte Interaktion nicht ersetzt, sondern in vielen Fällen sogar verdrängt. Gleichzeitig verstärken diese Plattformen systematisch FOMO – die Angst, etwas zu verpassen – und sozialen Vergleich, beides Faktoren, die nachweislich Stress, Unzufriedenheit und Abhängigkeit fördern (NIH, 2021). Hinzu kommen strukturelle Risiken wie Cybermobbing, öffentliche Bloßstellung, dauerhafte Datenspur und psychologische Verletzbarkeit, die auch vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ausdrücklich als reale Gefahren benannt werden.

Dass Menschen trotzdem bleiben, ist kein Zeichen von Nutzen, sondern von Verhaltensökonomie: Plattformen sind so gebaut, dass sie Gewohnheiten erzeugen, Aufmerksamkeit binden und Ausstieg psychologisch teuer machen, selbst wenn die Nutzer die Risiken kennen (Psychology Today, 2025). Der Mensch bleibt nicht, weil soziale Netzwerke seinem Leben guttun, sondern weil kurzfristige Belohnung, sozialer Druck und algorithmisch erzeugte Abhängigkeit stärker wirken als langfristige Vernunft, und genau deshalb sind diese Plattformen wirtschaftlich erfolgreich und gesellschaftlich toxisch zugleich.
 
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Wird das jetzt eine Fragestunde mit Chinawolf (anderer Thread)?
Aber gut, dass du die Frage selber beantwortest. Dann braucht man hier nichts schreiben🤷‍♂️
 
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viel wichtiger ist doch die frage: was hat das mit "Anwendungen -> KI, Sprachmodelle und maschinelles Lernen" zu tun?
 
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Der Mensch nutzt täglich viele Produkte deren Schädlichkeit in Summe noch deutlich exakter belegt sind. Viele davon sind offensichtlich wie Alkohol, Rauchen etc. vieles aber auch Alltagsdinge wie der Individualverkehr mit dem Auto etc. Damit möchte ich nicht abstreiten das soziale Netzwerke nach allen Erkenntnis unter Abwägung von Pro und Contra schädlich sind.

Aber mal im Großen ganzen gesehen:

Wann hat die Menschheit in der Breite denn wirklich immer durchgehend das getan, was empirisch belegt als sinnvoll erscheint? Warum glauben Menschen an Horoskope? Warum bleiben wir in toxischen Beziehungen? Warum machen wir alle nicht täglich Sport? Warum konsumieren wir zu viel Zucker und Kohlenhydrate? Warum sitzen wir in vielen Berufen so lange? Und natürlich auch: Warum nutzen wir soziale Netzwerke so wie jetzt im Jahr 2026 und nicht mehr in diesem Rahmen als sie noch einen Mehrwert hatten. In der Theorie wären viele Probleme, Erkrankungen etc. viel geringer - die Frage müsste daher ja fast eher lauten – warum sind wir heute in der Lage mit einem Mausklick jegliches Wissen der Welt abzurufen und doch so dumm?
 
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So zwei Beiträge die das Thema verfehlen. Hoffe auf etwas Anspruch.
Ergänzung ()

Leider ist es so, dass selbst horoskope seriöser sind als soziale Medien. Horoskope sind einfach und jeder kann dran glauben oder nicht. Soziale Medien sind Abfall fürs Hirn, da wird systematisch alles getan die schlimmsten fake news als Wahrheit zu verkaufen.

Wir haben große Probleme weil Leute meinen Sie seien über instagram oder Telegram besser informiert als von einer vermeintlich langweiligen Zeitung. Es sind die jungen, die bekloppt sind. Nicht die Alten die immer noch Papier Zeitung lesen.

Wo soll diese Gesellschaft enden wenn und das habe ich Stern gelesen, Holocaust überlebende teilweise angesagt bekommen sie sollen ihre Beiträge kurz halten damit sie junge Leute überhaupt erreichen.

Oder wo wir beim Thema sind, ki erzeugte inhaftierte von kzs die es nie gab, die dnan was erzählen.

Also soziale Netzwerke zerstören aus meiner Sicht jegliche Fähigkeiten von Anstand und Respekt.
 
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@Chinawolf Deine Bemerkung zur Jugend kann ich nicht teilen, ich sehe Entwicklungen in der Jugend auch kritisch, aber diejenigen die größten Probleme mit der Differenzierung von Inhalten im Internet haben sind aus meiner Sicht nicht zwingend nur die jungen Menschen. Im "Edge_Browser" gibt es standardmäßig nach Windows-Installation diese News-Seite von Microsoft/MSN dort sind Artikel zu politischen Themen und es gibt dort die Möglichkeit zur Kommentarfunktion – diejenigen die dort oft sogar mit Klarnamen irgendwelchen Rotz verbreiten sind ausnahmslos Ü60 und häufig deren Adresse nur eine Google-Suche entfernt. Gleiches gilt für Facebook – kaum ein Mensch unter 40 ist noch bei Facebook, aber es wird vielfach genau von eher älteren Menschen genutzt die Telegram als seriöse Quelle ansehen. Die lokale Flohmarktgruppe entpuppt sich da nicht selten als Sprachrohr irgendwelcher Propaganda.

Bei Instagram/TikTol gibt es "bobbie.serrano" er veröffentlicht eher humorvoll manchmal Beiträge wo alte Männer auf irgendwelche KI-generierte Fotos von Blondinen Dinge schreiben wie "Boah Schätzchen, ich hab so Bock auf dich" – die raffen nicht einmal das sie da gerade von einem Roboter angemacht werden.

https://www.tiktok.com/@bobbieserrano/video/7591073356154277142
https://www.tiktok.com/@bobbieserrano/video/7598922841286888726

Die von dir genannten Dinge wie Fake News, KI generierte Inhalte usw. sind ja aber kein Erzeugnis von sozialen Netzwerken, sondern diese werden lediglich genutzt, um diese zu verbreiten. Damit will ich soziale Netzwerke nicht aus der Verpflichtung nehmen, aber ich finde, das ist zu pauschal gedacht, dass es das ohne soziale Netzwerke nicht gäbe.
 
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Das viele Dinge sehr negativ sind, weiss man. Aber was dagegen tun?
 
Ja einfach aus den sozialen Netzwerken raus?
Das finde ich am schlimmsten. Als gäbe es eine Pflicht dabei zu sein. Genau wie bei WhatsApp.

Was tun wir dagegen dass Menschen irgendwelchen Privatpersonen mehr Glauben als ausgebildeten Journalisten?
Also von mir aus können soziale Netzwerke komplett auf die Müllhalde der Geschichte. Das Leben der Menschen war besser und sozialer als es heute ist. Heute ist es befremdlich wie Millionen parallelgesellschaften in deutschland vor dem Smartphone hängen und ihre ganz eigene Form von Realität entwerfen. Teilweise ist es Wahnsinn die Diskussion verläuft.
 
Chinawolf schrieb:
Was tun wir dagegen dass Menschen irgendwelchen Privatpersonen mehr Glauben als ausgebildeten Journalisten?
Ich denk, man sollte beiden Gruppen gleich trauen/mißtrauen
 
<<<Ja einfach aus den sozialen Netzwerken raus?>>>

Gut, dann muss man ja nicht weiter rumdiskutieren. Die Lösung ist einfach, weg damit.

Nur werden das kaum Menschen tun.
 
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dms schrieb:
Ich denk, man sollte beiden Gruppen gleich trauen/mißtrauen
Aha. Einem. joutan glaubst du genau so wie einem influencer?
Man braucht keine Privatpersonen die vermeintlich die Wahrheit kennen und wir uns darauf freuen müssen dass sie dies bei instagram und Co rausposaunen.

Also dann braucht auch keiner mehr studieren oder eine Journalistische Ausbildung zu durchlaufen.
 
Lass bitte deine übergriffigen Fragespielchen!
 
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Dachte, der Thread könnte vielleicht sinnvoll, sein, dann habe ich das gelesen:
Chinawolf schrieb:
Man braucht keine Privatpersonen die vermeintlich die Wahrheit kennen und wir uns darauf freuen müssen dass sie dies bei instagram und Co rausposaunen.
Es geht um kritisches Denken. Das sollte man gegen allen Medien haben. Angebliche Wahrheiten gibt es auch ohne Soziale Netzwerke auf beliebigen Webseiten. Das ist das Internet. In jedem Forum gibt es die.

Chinawolf schrieb:
Also dann braucht auch keiner mehr studieren oder eine Journalistische Ausbildung zu durchlaufen.
Prüfst du die journalistische Ausbildung von den Journalisten, deren Meldungen du konsumierst?
 
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@Chinawolf .. bitte keine Unterstellungen oder haltlose Mutmassungen
 
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kellyfornia schrieb:
Der Mensch nutzt täglich viele Produkte deren Schädlichkeit in Summe noch deutlich exakter belegt sind. Viele davon sind offensichtlich wie Alkohol, Rauchen etc. vieles aber auch Alltagsdinge wie der Individualverkehr mit dem Auto etc. Damit möchte ich nicht abstreiten das soziale Netzwerke nach allen Erkenntnis unter Abwägung von Pro und Contra schädlich sind.

Aber mal im Großen ganzen gesehen:

Wann hat die Menschheit in der Breite denn wirklich immer durchgehend das getan, was empirisch belegt als sinnvoll erscheint? Warum glauben Menschen an Horoskope? Warum bleiben wir in toxischen Beziehungen? Warum machen wir alle nicht täglich Sport? Warum konsumieren wir zu viel Zucker und Kohlenhydrate? Warum sitzen wir in vielen Berufen so lange? Und natürlich auch: Warum nutzen wir soziale Netzwerke so wie jetzt im Jahr 2026 und nicht mehr in diesem Rahmen als sie noch einen Mehrwert hatten. In der Theorie wären viele Probleme, Erkrankungen etc. viel geringer - die Frage müsste daher ja fast eher lauten – warum sind wir heute in der Lage mit einem Mausklick jegliches Wissen der Welt abzurufen und doch so dumm?
Ich würde Alkohol Rauchen als schädlicher Einstufen als Facebook und Co. Ich bin bei Facebook noch angemeldet nutze es seit 2 Jahren aber nicht mehr im März nur kurz eingeloggt um der KI Nutzung zu widersprechen und dann nie mehr genutzt. Löschen macht meiner Meinung keinen Sinn es gibt keine Garantie ob eine Löschung nicht am Ende nur eine Deaktivierung ist und die Daten erhalten bleiben.
 
Chinawolf schrieb:
Aha. Einem. joutan glaubst du genau so wie einem influencer?
Was unterscheidet denn einen Produkttester von einem Influencer?
Stiftung Warentest "influenced" ja auch...

tollertyp schrieb:
Es geht um kritisches Denken. Das sollte man gegen allen Medien haben. Angebliche Wahrheiten gibt es auch ohne Soziale Netzwerke auf belieben Webseiten. Das ist das Internet. In jedem Forum gibt es die.
Schön geschrieben
 
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@wagga: Schwer zu sagen: Bei Alkohol und Rauchen sind die negativen Folgen halt sichtbarer bzw. "messbarer". Bei Drogen generell mitunter auch eine Gefahr für Unbeteiligte. (Passiv-Rauchen mal außen vor)
 
Klingt simpel nach :

Nehmen wir den Menschen die Platform um sich krittisch aus zu tauschen. Denen, die alles hinterfragen. Deren Meinung wollen wir nicht hören bzw. lesen.

Korrigiere mich, falls ich falsch liege.

LG
 
@amorosa: Das komische ist, dass ich unserer Regierung solche Gedanken zutraue, aber wenn manche andere Länder solche Gedanken hätten, puh, also da wäre es genau für die Leute, die gerne ein Verbot hätten, der Beweis für ein autoritäres, anti-demokratisches System...
 
Ach. Uns geht's doch gut und Austausch ist erstmal gut.
Das Problem ist seit dem es das Netz gibt haöt nur, dass die Minderheiten so laut brüllen und Modeerscheinungen sich halt auch in der Politik durchsetzen.
Siehe neueste Studien zum Thema Gendern und trans und binäre Sexualität.
Das findet natürlich auf solchen Plattformen gehör und Reichweite.
Gehört halt zum Zeitgeist und ist eben auch wichtig für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Obs gut oder schlecht ist...zeigt maximal die Zeit danach und die Retrospektive...
 
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