WLAN Bridge über >3km ohne Sichtverbindung

TheManneken

Wokie Ultra Pro
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Moin,

Im folgenden Fall geht es um die Vernetzung zweier Standorte über Richtfunk über 3,5 km. Standort A ist theoretisch mit Glasfaser 1 GBit/s angebunden. Standort B bietet maximal VDSL bis zu 50 Mbit/s, kein DOCSIS verfügbar und maximal 4G. Da im Grunde eine Site-2-Site Anbindung vorgesehen ist, war hier die Frage, ob das statt über zwei Firewalls und S2S-VPN auch "besser" mit Richtfunk hinzubekommen ist.

Gewünscht sind, dass tatsächlich auch >100 Mbps in beiden Richtungen möglich ist, also würde hier sowieso Standort B das Problem sein. Als technische Lösung hab ich mir vorab mal die Unifi Device Bridge Pro angeschaut.

Die Anfrage kommt von einem Bekannten mit einer kleinen Firma. Seine Aussage war: Sichtverbindung. Doch als ich mir die Gegebenheiten vor Ort angeschaut habe, ist mir noch ein anderes Problem gleich beim Blick aus dem höchstgelegenen Fenster aufgefallen: man hat gar keine Sichtverbindung.

Sicherheitshalber hab ich mir das dann mal mit den GPS Koordinaten von einem Online Tool die RF Line of Sight berechnen lassen und das sieht ziemlich ernüchternd aus:
1768226441169.png


In der Berechnung hab ich auch noch 20m Höhe rausrechnen lassen, die in etwa die Höhe beider Gebäude (dreistöckig) und einem Mast auf dem Dach berücksichtigen sollen.

Ob die Erdkrümmung bei 3,5 km relevant ist, sei mal dahingestellt. Aber selbst ohne ragen da ja mindestens 3-4 Hügel voll in die Line-of-sight rein. Wenn da nur die Fresnel Zone betroffen wäre, hätte ich ja noch gesagt: wir probieren's aus. Aber die größte der 3 Erhebungen ragt ja ~40m in die Sichtlinie rein.

Jetzt besteht mein Bekannter darauf, es dennoch mal zu versuchen. Ich rate ab. Wie seht ihr das?
 
Zuletzt bearbeitet:
Ohne ’nen 50-Meter-Mast auf beiden Seiten wird da nix ankommen. Ich seh’s wie du und rate auch ab. Für das Geld, was man in Mast etc. für eine Richtfunkstrecke investieren müßte, bekommt man an Standort B auch Glasfaser durch etwas wie Mehr Breitband für mich der Telekom oder einen anderen Carrier. Er sollte lieber zwei, drei Angebote für eine LWL-Anbindung des B-Standorts einholen.
 
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Keine Arme keine Kekse. Richfunk benötigt Sichtverbindung. Keine Versuche notwendig, das wird nicht funktionieren.

Ansonsten Starlink
 
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Wenn du das Ding mit dem Fernglas nicht sehen kannst, brauchste es erst meiner Meinung nach gar nicht versuchen.

was evtl. eine Option wäre: mehrere VDSL50 selbst als SD-WAN bonden. Der LANCOM 1936VAG sollte zumindest mal 2 VDSL Anschlüsse als SD-WAN bonden können.
 
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Einfache Antwort, "Keine Sicht keine Verbindung!". 🙄
 
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Direkt wird das nichts. @TheManneken
Da braucht nichts probiert werden.
Wir hatten damals im Harz eine aehnliche Situation ueber 2.5 km. Da wurden A und B auf 25 m Masten und in der Mitte ein 50 m Mast als Relais hingestellt. Das war aber fuer eine Behoerde mit richtigen Richtfunk.

1768228503480.png


Vermutlich waere das der einzige Weg auch bei Dir fuer die Realisierung wenn kein anderes Medium zur Verfuegung steht.
 
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TheManneken schrieb:
Die Anfrage kommt von einem Bekannten mit einer kleinen Firma.
Was möchte der mit einer kleinen Firma denn mit einer dicken Leitung zwischen den Standorten? Was kommt da an Traffic?

Das kann man doch sicher mit einem geschickten Konzept auch ohne riesige Datenmenge zu transferieren anbinden.

Ohne Sicht und ohne Umleitungen wird das definitiv nichts.
 
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Ganz wie ich dachte. Nein, ich habe auch keine Hardware rumliegen.

Ja, ich werde da nun alternative Lösungen vorschlagen. Er hatte nur im Blick, dass die Bridge ansich ja relativ günstig ist. Die Alternativen werden auf jeden Fall teurer, aber würden funktionieren.
 
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VDC schrieb:
Was möchte der mit einer kleinen Firma denn mit einer dicken Leitung zwischen den Standorten? Was kommt da an Traffic?
Allein schon für offsite Backup ist sowas extrem nützlich...
 
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Nicht dass ich wüsste, wie genau und zu welchen Kosten. Aber ich weiss, dass Folgendes technisch möglich ist und geht:
Besteht für Richtfunk keine direkte Sichverbindung, kann der Richtstrahl über eine "Umlenk-Schüssel" gewissermassen im Dreieck geführt werden. Diese Umlenkschüssel wird auf einer Anhöhe platziert, die von beiden Seiten aus sichtbar ist; sie sieht grob gesagt wie eine sehr grosse flache Satellitenschüssel aus.

Aber: Dabei entsteht eine Streuung des Signals, die bei einer Richtfunkverbindung für Internetanbindung möglicherweise zu nicht mehr hinnehmbaren Verlusten führt.

Zur Erklärung: Ich habe vor Jahren ein Projekt begleitet, welches UKW-Signale in (kleine und abgelegene) Täler gebracht hat, die nur auf Umwegen mit Signalen versorgt werden konnten. Also wurden vom Sender X die Signale mittels Richtfunk über die 'Umlenk-Schüssel' zu einem Empfänger mit Sichtverbindung zum Umlenkpunkt gebracht und von dort einem (kleinen) Sender eingespeist. Für solche Täler reichte dann ein Sender mit 10W Leistung :D

Es braucht wohl keiner weitere Hinweise darauf, dass eine solche Lösung sehr teuer ist und das Budget eines Kleinunternehmens (oder einer abgelegenen Gemeinde ...) überfordert.
 
Da ja schon gesagt wurde, dass es ohne Sicht nicht funktioniert:
Kann man denn am Ende des Tages nicht einfach einen USB-Stick mit den zu "übertragenden" Daten mitm Rad oder Auto von einem Standort zu nächsten bringen?

Man sollte nicht unterschätzen, wie viel Bandbreite so ein Vorgehen hat. Nur der Ping ist lausig. ^^
 
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Ich finde das Projekt interessant. Eine Diffraction der Frequenz gibt es in der Physik, wenn niedrige Frequenzen genutzt werden (auf Kosten der db). Dadurch kann ein durchgehendes Signal entstehen aber es wird nicht stabil genug sein.

Ich nehme Bezug auf die Bearbeitung von @BFF. Ist es möglich ein Relais auf Punkt C zu setzen?
 
Krik schrieb:
Kann man denn am Ende des Tages nicht einfach einen USB-Stick mit den zu "übertragenden" Daten mitm Rad oder Auto von einem Standort zu nächsten bringen?

Es geht ja nicht nur um ein paar Dateien und wir sprechen hier von einem Unternehmsumfeld. "Kuriere", um sie mal so zu nennen, sind da keine Alternative.

By the way konkurrierte diese Lösung gegenüber einem Site-2-Site VPN, mit permanent >100 Mbps Anbindung zwischen beiden Standorten. Da geht's also nicht nur um den Stand des Tages. Es gibt eine Produktivumgebung, die simultan an zwei voneinander getrennten Standorten produktiv genutzt werden soll.

Wie gesagt: Mit Richtfunk wäre das auch aus meiner Sicht eine feine Sache. Aber meine Vermutung wurde hier ja schon bestätigt -> nicht machbar. Und auch ein Relay dazwischen ist nicht machbar.

Also von meiner Seite aus: Frage geklärt, Danke an alle :)
 
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TheManneken schrieb:
Es geht ja nicht nur um ein paar Dateien und wir sprechen hier von einem Unternehmsumfeld.
Dann lasst die Maßnahme durch ein Unternehmen planen welches sich auf diesem Gebiet auskennt. Die geben oder suchen auch Alternativen aka LWL in den Waldboden.
 
Ein privates Unternehmen wird wohl kaum öffentlichen Grund für eine Datenverbindung nutzen können oder dürfen. Es sei denn es zahlt soviel Gewerbesteuer, dass es den Haushalt der Gemeinde fast alleine bestreitet ;).
 
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