5G: US-Kredite für Ericsson und Nokia sollen Huawei bremsen

Nicolas La Rocco 61 Kommentare
5G: US-Kredite für Ericsson und Nokia sollen Huawei bremsen
Bild: Huawei

Einem Bericht der Financial Times zufolge plant die US-Regierung billige Kredite für Firmen wie Ericsson und Nokia, damit diese im 5G-Wettrennen gegen Huawei besser gegenüber potenziellen Kunden aufgestellt sind. Ziel sei es, den Abnehmern des 5G-Equipments die gleichen Zahlungsbedingungen wie bei Huawei zu ermöglichen.

In ihrem Bericht zitiert die Financial Times namentlich nicht genannte Offizielle aus der US-Regierung, denen zufolge derzeit überlegt werde, Unternehmen wie Ericsson und Nokia günstige Staatskredite anzubieten, damit diese Firmen wiederum ihren Kunden bessere Zahlungsbedingungen mit späteren Fristen für die Zahlung einräumen können.

Mit dieser Maßnahme will die US-Regierung andere Netzausrüster besser gegenüber Huawei aufstellen. Huawei werde von chinesischen Staatsbanken mit Kreditlinien in Milliardenhöhe gestützt und könne so den Abnehmern von 5G-Equipment, darunter vor allem Mobilfunkanbieter, deutlich spätere Zahlungsziele anbieten. Durch günstige Kredite für Ericsson und Nokia sollen auch diese Firmen diese Möglichkeiten erhalten.

Exportbann ohne Auswirkung auf Netzsparte

Der von US-Präsident Donald Trump verhängte Exportbann für US-Technologien hat die Netzsparte von Huawei bisher nicht getroffen, stattdessen leidet vor allem die für Smartphones zuständige Consumer-Sparte unter der Maßnahme. Einer Ende August von Dell’Oro veröffentlichten Studie zufolge hält Huawei unverändert einen globalen Marktanteil von 28 Prozent unter den Netzausrüstern und ist damit die Nummer eins.

USA sind von internationalen Firmen abhängig

Die Vereinigten Staaten sind bei dem Aufbau des 5G-Netzes von internationalen Firmen abhängig, da keine eigenen Anbieter in diesem Bereich vorhanden sind. Lucent, als ehemaliger Bestandteil von AT&T Technologies, ging 2006 an Alcatel in Frankreich. Motorolas Sparte für Infrastruktur wurde hingegen 2011 von Nokia Siemens Networks gekauft, bevor Nokia 2015 auch Alcatel-Lucent kaufte.

In Washington gibt es die Überlegung, das 5G-Netz von der US-Regierung entwickeln und aufbauen zu lassen. Newt Gingrich, Politiker der Republikanischen Partei und ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses, sagte während einer Konferenz in Washington, dass man sich für 5G in Amerika an das Verteidigungsministerium wenden müsse. Andere Stimmen raten Trump hingegen dazu, die Realität zu akzeptieren und Verbündete dazu zu drängen und notfalls dazu zu zwingen, Produkte europäischer statt chinesischer Anbieter zu kaufen. Die USA haben bereits damit gedroht, andernfalls keine Erkenntnisse von Geheimdiensten mehr zu teilen. Beim wichtigsten Verbündeten, dem Vereinigten Königreich, sind die USA damit allerdings bereits gescheitert. Hier darf Equipment von Huawei für den Aufbau des 5G-Netzes zum Einsatz kommen.