340facher Missbrauch - Stiefvater erhält Bewährungsstrafe

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modiple

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Habe gerade diesen Bericht auf Spiegel.de gelesen:
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,796640,00.html

Da hat jemand 340fachen Missbrauch an seine Stieftochter (Zitat "das zu Beginn der Tatserie neun Jahre alte Mädchen") begangen, und bekommt eine Bewährungsstrafe dafür. Das kann doch nicht sein.
Jeder Kleinkriminelle bekommt da mehr. Vor allem die "Raubkopierer".

Sollte man solche Menschen nicht härter bestrafen, damit es andere eventuell abschreckt?

Ist schon ziemlich hart, unsere Welt.
 
modiple schrieb:
Sollte man solche Menschen nicht härter bestrafen, damit es andere eventuell abschreckt?

Mal abgesehen davon, dass sich so ein Täter kaum abschrecken lässt (aber trotzdem 'richtig' bestraft werden sollte), ist diese Fragestellung als Eröffnung in diesem Unterforum vermutlich etwas dünn.
Sollte man erweitern, sonst könnte der Thread bald weg sein. :-)
 
Es ist doch aber schon ziemlich hart, das so Menschen immer so lasch bestraft werden.
Man muss doch irgendwas machen können? Als Gemeinschaft. - Ist ja nicht das erste Mal.
 
Immer das selbe! Es gibt für solche Extremtäter eh kein vernünftiges Strafrecht.
Imho sollen die hängen!
 
Und wie so oft wird ohne die genauen Rahmenbedingungen zu kennen, sofort argumentiert, dass Täter XY viel zu lasch bestraft wurde.
Die Richter orientieren sich bei ihren Urteilssprüchen aber wider Erwarten nicht daran, wie groß die Schlagzeile in der Tageszeitung beim nächsten Erscheinen ausfallen wird, sondern was Recht und Gesetz als rechte und linke Grenze vorgeben.

Die Idee des TE mit härteren Strafen Leute vor irgendetwas abzuschrecken ist populistisch oder von Unkenntnis geprägt, denn offenbar weiß er nicht, dass trotz Todesstrafe in den USA die dortige Kriminalitätsrate um keinen Deut gesunken ist.
 
Ich glaube nicht das hier etwas mit Abschreckung erreicht werden kann! Aber das Gesetz und das Rechtssystem soll doch wenn schon "Gerechtigkeit" walten lassen und den Herrn so bestrafen wie es sich für so einen Fall gehört. Es kann ja nicht als gerecht angesehen werden wenn einer in einem Laden etwas mit gehen lässt fast so hart bestraft wird wie einer der seine Tochter jahrelang missbraucht hat?!

meiner Meinung nach müsst der Kerl für den Rest seines Lebens in den Knast! Dort wird er dann sicherlich erfahren was er seiner Tochter angetan hat. Kinderschänder sind im Knast sehr beliebt.
 
Aber da zeigst du doch schon wieder dein subjektives Gerechtigkeitsempfinden, dass nichts mit der Rechtsprechung zu tun hat, die an unsere Gesetze gebunden ist. Natürlich sagt einem das Gefühl, dass der Typ härter bestraft werden müsste, weil Kinder unserem besonderen Schutz bedürfen und wir als Schutzbefohlene Aufsicht und Verantwortung übernehmen müssen. Aber vergleiche mich anderen Punkten im Strafgesetzbuch sind müßig, denn deine Anklage beruft sich allein auf den Sechszeiler von Spiegel, der - was Informationen zum eigentlich Fall angeht - ziemlich dürftig ausfällt.

Es ist fatal ohne genaue Sachkenntnis pauschal nach härteren Strafen zu schreiben, weil es en vogue erscheint. Ich bin sicher nicht dafür Kinderschänder zu lasch abzustrafen, aber in diesem Fall muß es einige Punkte gegeben haben, die strafmildernd gewirkt haben. Also immer ruhig mit den jungen Pferden.
 
Zitat von HNA.de: (Quelle)

Gleich zu Verhandlungsbeginn hatte der Beschuldigte ein Geständnis abgelegt. Ein Auslöser für die Übergriffe war wohl die Alkoholabhängigkeit des Angeklagten. Er ging in eine stationäre Therapie und ist inzwischen von der Trunksucht geheilt. Zusammen mit dem Geständnis habe er damit die Grundlage für das äußerst milde Urteil geschaffen.

Also ist mit Alkohol alles zu entschuldigen? Ich glaub wir sollten alle das saufen anfangen. Dann haben wir Narrenfreiheit. :freak:
 
Willst du diskutieren oder bloß mit Stammtischparolen polarisieren?

Grundlage heißt Basis, es gab also noch andere Gründe für das milde Urteil. Hört doch mal auf auf BILD Niveau zu bemühen. -_-
 
Also ich bin auch kein Freund von Populismus, aber wenn ein Mensch einen anderen Menschen körperlich oder psychisch stark schädigt, sollte er schon angemessen bestraft werden.
Stell dir mal vor deine Tochter wird vergewaltigt und ist für ihr Leben lang psychisch gestört und der Täter bekommt dieses Strafausmaß, ich weiß echt nicht was ich da machen würde.

(Und ist eine Bewährungsstrafe nicht nur formal? Das heißt, wenn er sich ab jetzt benimmt hat er praktisch keine Strafe erhalten?)
 
Nein, das stimmt nicht. Der Vergewaltiger ist rechtskräftig verurteilt und somit vorbestraft auch wenn er sich in der Zeit zur Bewährung nichts zu Schulden kommen lässt.

Und nochmal, solche Dinge wie: "Stell Dir vor es ist deine Tocher...", ist für die Rechtssprechung unerheblich. Es darf nicht sein, das Strafen je nachdem welchen Teilaspekt des Lebens sie betreffen und wie der Richter moralisch dazu eingestellt ist unterschiedlich ausfallen. Das wäre das offizielle Ende der Rechtsstaatlichkeit.
 
Was mich stört ist folgendes:
Es mag vielleicht sein das härtere Strafen nicht abschrecken, aber letzten Endes geht es aber auch um denn Schutz der Gesellschaft und des Opfers. Und ich würde jetzt nicht sagen aber es betraff doch nur das eine Mädchen und der arme Kerl war doch Alkoholiker. Aber stattdessen demütigt man das Opfer nochmal damit das es vor Gericht im Angesicht ihres Peinigers alles wiedergeben muss was es alles erdulden musste und muss mit ansehen wie das Gericht mit mildernden Umständen ankommt.

Niemand hat ihm beispielsweise dazu gezwungen zu trinken! Was das saufen angeht, ist das sowieso was strafmildernde Umstände angeht der absolute Overkill! Jemand hat mal mit einer Mischung aus Alk und Koks vier Jugendliche mit seinem Auto getötet und behauptete dann auch noch nicht gefahren zu sein - was sich ziemlich schnell als Lüge entpuppte. Bewährungsstafe und darf sogar sein Führerschein behalten. Begründung: Es ist nicht genau erforscht was diese Mixtur mit der Fahrtauglichkeit macht. Und da man ihm ja ganz bestimmt gezwungen hat zu trinken, harte Drogen zu nehmen und dann auch noch selbst zu fahren:rolleyes: Und da manche Richter denn Grundsatz "Im Zweifel für denn Angeklagten" völlig missinterpretieren... Normalerweise gebietet es dem Richter entsprechend zu handeln wenn er Zweifel hat und nicht wann er Zweifel zu haben hat.
Sicher wenn man - vor allem durch die Medien manipuliert - überreagiert ist das nicht schön, aber durchaus menschlich (wie ihr seht schliesse ich mich da nicht aus). Dies liese sich jedoch vermindern wenn die Rechtfindung etwas nachvollziehbarer wäre. Aber allein wie unsere Gesetze vormuliert sind, ist das schier unmöglich. Ich weiss, die sind deswegen so formuliert das es keine Schlupflöcher gibt, aber gerade deswegen sie sind ganz besondern ausnutzbar weil keiner mehr durchsteigt.
Zumal was mich auch nervt ist, das Richter eigentlich einen ziemlich großen Spielraum haben was Stafen angeht, diesen aber nicht mal Ansatzweise ausnutzen. Und wenn dann noch dem Opferschutz nur Geringschätzung gegenüber gebracht wird wärend Täterschutz groß geschrieben wird ist das sowieso alles schon Asche. Ich meine vor einigen Jahren wurde eine Zeugin vom Angeklagten im Gerichtssaal erschossen. Komisch, das Opfer wurde auf Waffen durchsucht, der Angeklagte nicht. Wenn man die rechtlichen Möglichkeiten mehr ausnutzen und dabei nicht ständig denn Täter mit gütigem Gebaren im Fokus behalten würde, bräuchte man auch nicht soviel in denn Täterschutz stopfen. Einfach deswegen weil sich die Opfer nicht so gef*** fühlen das sie selbst zu Tätern werden. Zumindest sinkt dadurch die Wahrscheinlichkeit. Aber nein, man lässt es so, weil es so gut funktioniert. Opfer bleiben meist Opfer weil sie sich an die Gesetze halten und nicht so sein wollen wie ihr Peiniger. Wärend diese Schlussfolgerung ständig auch auf denn Täter gezogen wird. Völlig ausser acht lassen, das der Täter vielleicht schon bewiesen hat wie rechtshörig er ist. Aber ich komme vom eigentlichen Thema ab und werde wieder viel zu emotional, tut mir leider:(


Edit: Was Bewährungstrafen angeht. Mag sein das man dann vorbestraft ist. Aber eine Bewährungstrafe ist deswegen schon mal keine Strafe weil man X Jahre nichts tuen darf was nicht sowieso verboten wäre. Mir ist der Nutzen schon klar, ja, aber mal ehrlich - klingt lächerlich und der Verurteilte wird bestimmt fast vor Ehrfurcht und Grauen erstarren.
Mein Bruder hat mal in einer Strassenbahn ein Gespräch mitgehört. Jemand äusserte sich fast angewidert als ihm jemand sagte das der Gesprächspartner nicht vorbestraft ist.
 
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Aber die Rechtsprechung muss sich nach dem Rechtsempfinden der Bevölkerung richten. So ist ja auch die Rechtsprechung entstanden. Wenn diese zu weit voneinander abweichen werden viele Bürger dies selbst in die Hand nehmen und ich hoffe dass es nie so weit kommen wird.
Btw. wollte ich mit diesem Beispiel auch nicht sagen, dass der Richter dadurch beeinflusst werden soll, sondern dass man als Bürger an irgendeinem Punkt nicht mehr mitmacht und die Bestrafung selbst in die Hand nimmt. (vllt ein guter Film zu Thema: Gesetz der Rache)
 
Zuletzt bearbeitet:
Der Staat und nur der besitzt das Gewaltmonopol. Wir sollten dankbar sein, dass unsere Gerichte unabhängig und nur sich selbst und dem Gesetz verpflichtet sind. Wir wollen keine Zustände, in denen das Staatsoberhaupt die Rechtsprechung beeinflusst und Urteile entstehen, in denen Menschen kein fairer Prozess gemacht wird.

Davon abgesehen hätte ich gerne mal Zahlen gesehen, die eure These zum Täter- respektive Opferschutz belegen. Hier wird etwas zur Grundlage einer Argumentation, das nur auf Hörensagen und dem eigenen Gefühl beruht. Natürlich kenne ich auch Situationen in denen ich den Täter härter bestraft hätte. Ich wurde mal von einem stadtbekannten Schläger im Schwimmbad geschlagen, wir haben in verklagt und letztendlich wurde das Verfahren eingestellt, weil er Minderjährig und nicht belangt werden konnte. Er wußte das auch und mit Vollendung des 16. Lebensjahres hat er sich sehr zurückgehalten.

Und im Zweifel für den Angeklagten impliziert genau das, was ich zu erklären versuche. Es ist nicht die Aufgabe des Richters die Schuld des Angeklagten zu beweisen, sondern Recht zu sprechen und eine Verurteilung aufgrund der Fakten- bzw. Indizienlage zu verfassen. Wenn es also die Staatsanwaltschaft nicht schafft die Schuld zu belegen, dann bleibt dem Richter garnichts anderes übrig als den Angeklagten freizusprechen. Es ist nicht seine Aufgabe weitere Ermittlungen in Gang zu bringen, nur damit doch noch Gefängnis draus wird.
 
Wenn es also die Staatsanwaltschaft nicht schafft die Schuld zu belegen, dann bleibt dem Richter garnichts anderes übrig als den Angeklagten freizusprechen.
Mag sein, aber ich störe mich jetzt daran das von Bewährungsstrafe zu Freispruch gewechselt wird. Zumindest dir, der (oder die?) offensichtlich über solche Themen intensiv nachgedacht hat, sollte der Unterschied bewusst sein. Ich denke du bist gerade nur gedanklich auf das falsche Gleis gekommen;)
Was denn Rest angeht hast du wohl schon recht. Aber wenn der Richter nicht auf Erfahrung und Vernunft setzen kann wenn es dann selbst um das Strafmaß geht (soweit ich weiss können die Anwälte nur drauf plädieren), sondern auf denn hört wer am besten reden/argumentieren kann... nun, ich will nicht Richer sein. So siehst, so einfach die Aufgaben zu teilen is nich.

Ich frag mich gerade warum nicht jeder Jura-Student Amok läuft. Wäre nachvollziehbar:D



@ knabba
Wo du das mit dem manipulierten Richter sagst. Einige Richter haben, wie ich gehört habe, sich darüber ausgelassen das sie von denn Medien massiv unter Druck gesetzt wurden. Daher Prozess verkürzt (mit dem Problem mit noch offenen Fragen oder missinterpretierten Äusserungen) bishin zu Urteilen die nicht ganz fair waren. Das ist die andere Seite der Medaille.
 
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Und wer gründete den Staat? Und wer ist im prinzip der Staat? Die Bevölkerung! Und diese hat den Staat als auch die Gesetze geschaffen. Wenn diese irgendwann nicht mehr dem entsprechen was sich ein Großteil der Bevölkerung unter Rechtsprechung vorstellt ist etwas nicht mehr richtig. Vllt siehst du und viele Diktatoren nicht so und das ist dein gutes Recht.
Was ich damit sagen möchte:" Der Staat mag die ausübende Macht in allen Belangen des Lebens sein aber wenn er sich zu weit von der Bevölkerung entfernt wird es früher oder später zu einem Bruch kommen!" Und genau deswegen sind solche Sätze nämlich überflüssig denn sowas suggeriert, dass der Staat machen kann was er will.
Der Staat und nur der besitzt das Gewaltmonopol.
Genauso wie ich suggeriert habe, dass du mit die gleiche Linie fährst wie viele Diktatoren.
 
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