Bedingungsloses Grundeinkommen für jeden

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[Ironie]Ah, mein gottgegebener Name wurde erwähnt! ;) [/Ironie]

Ab und zu kommt jemand neues in diesen Thread, dann antwortet einer von uns auf den neuen und schwubbsdiewubbs werfen du, ich, Lübke und OnkelHitman uns unsere seit Jahren gleichbleibenden Positionen um die Köpfe....
Mittlerweile versteh ich es etwas besser. Für mich selbst jedenfalls. Ich halte ein BGE für möglich,aber nicht heute unmittelbar mit unserem jetzigen System in irgend einer Form für durchführbar. Eine jahrelange Änderung des jetzigen Systems und am Ende ein BGE würde durchaus funktionieren. Das geht dann aber erst, wenn alle Länder dieser Welt mitmachen, denn das BGE gibt ja allen, also auch Menschen die immigrieren, das Geld zum leben. Wir würden von Flüchtlingen überhäuft.

Das heißt, nicht nur in einem Land muss die Veränderung stattfinden, sondern in allen. Das ist zwar utopisch, aber machbar.

Natürlich muss man das, was man den Ärmeren mehr gibt, den reicheren Wegnehmen - so isset.
Das nur bedingt. Man müsste einfach nur die Besserstellung abschaffen. Wenn alle gleich prozentual besteuert, gleich prozentuale Sozialabgaben leisten würden, hätten wir dieses Problem erst gar nicht. Leider werden aber Schlupflöcher, Grenzen, Ausnahmen, Subventionen und immer andere Leistungen mit einbezogen, sodass es letztlich so komplex wie heute ist, da blickt fast niemand mehr durch. Was man weiss ist folgendes: H4-Empfänger (auch Aufstocker die Arbeiten gehen und auch Rentner deren Rente zu niedrig ist) dürfen ein bestimmtes Sparguthaben nicht übersteigen. Andernfalls sind sie gezwungen, diese Rücklagen aufzubrauchen. Mit der Begründung, dass ansonsten zuviele Steuergelder ausgegeben würden (H4 ist Steuergeldfinanziert) für die, die es nicht brauchen.

Mit einem Wort: Enteignung.

Ich pers. bin gegen jede Art von Enteignung. Ich sehe Steuern und Sozialabgaben nicht als Enteignung. Sondern als solidarischen Beitrag um Menschen, Städte, Land und Welt zu erhalten. (wenns denn nur so wäre)
 
MountWalker: du hast das prinzip noch immer nicht verstanden: im moment bekommen zwei drittel vom kuchen (bip), diejenigen, die ihn backen (arbeiter, unternehmen), die anderen müssen sich das letzte drittel teilen (steuern, sozialsystem, rentensystem). jetzt willst du die hälfte vom kuchen schon mal direkt auf alle verteilen und dann den rest. denjenigen, die den kuchen backen, bekommen also kaum noch mehr als die, die nicht mitmachen. dann backen sie halt so nach und nach nicht mehr sonderen begnügen sich auch mit dem, was sie sowieso bekommen, da es kaum noch weniger ist und man die ganze arbeit und den dreck nicht hat. die die küche aufräumen müssen und relativ wenig von den ersten zwei dritteln bekommen haben, machen den anfang. nur wird der kuchen dadurch immer kleiner. dann bekommen die, die nicht mitbacken zwar einen prozentual größeres stück, das aber tatsächlich viel kleiner ist als vorher, weil der ganze kuchen kleiner ist.
jetzt sagst du, wir lösen das problem, in dem wir von dem kuchen noch mehr wegnehen und es den küchenaufräumern geben. was willst du dann bitte noch den bäckern geben, damit die einen grund zum backen haben?
 
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@ MountWalker

Dann passt ja unser aktuelles System auch in die Rubrik bedingunsloses Grundeinkommen (da wir unter dem Begriff jegliche Art von Grundsicherung unterordnen können, weil das wort bedingungslos anscheinend keine(?) Bedeutung hat). Also Hartz 4 = BGE (denn auch bei den aufgelisteten Modellen zB Althaus (welches sich ja zum BGE ist die Grundsicherung nicht bedingungslos und es droht beim Nichteinhalten definierter Kriterien ein Verlust des Grundeinkommens (z.B. bei Schwarzarbeit)).
Dann lassen wir einfach den Begriff bedingungsloses Grundeinkommen weg und nennen die Thematik einfach "Alternative Ideen zur Grundsicherungung".

Warum hängst du dich so sehr an Begrifflichkeiten auf , ignorierst aber das gesteigerten Abwanderungspotentials?
 
Hartz4 ist noch nichtmals ein Grundeinkommen, da dieses gekürzt werden kann durch Sanktionen.
 
richtig, es soll als stütze dienen, bis man wieder berufstätig ist. das setzt aber vorraus, das man eine berufstätigkeit anstrebt. ist das nicht der fall, kann gekürzt werden. somit ist es nicht bedingungslos und auch kein grundeinkommen. es ist eine bedarfsorientierte gezielte hilfe.

und jetzt bitte nicht wieder die übliche diskussionen, wo einer mal faul war und trotzdem geld bezogen hat oder einer ungerechtfertigte kürzungen erhalten hat. es geht um das system, nicht um einzelfälle, wo was schiefgelaufen ist, egal in welche richtung.
 
Dito.

@ Seppuku

Wie der Begriff "bedingungslos" zu verstehen ist, erschließt sich, wenn man sich die Finanzierungskonzepte mal anschaut. Wer den Wikipedia-Artikel gefunden hat, kann dort im Fließtext einfach auf die Hyperlinks klicken. Wenn man die negative Einkommenssteuer, die als ein Beispiel für ein BGE-System genannt wird - das älteste und vielleicht einfachste - sieht, sieht man: Je mehr Einkommen jemand hat, desto höher der Steuersatz, je weniger Einkommen hat, desto niedriger bis in den negativen Bereich wird er besteuert. Sorry, aber wenn das keine umverteilung ist - was ist dann Umverteilung?

@ Lübke

Wenn niemand den rasen im Park mäht, haben alle Parkbesucher weniger: Sie haben nämlich keinen gemähten Rasen mehr. Es existiert also sehr wohl noch NBeweggrund, im Park den rasen zu mähen, falls man denn einen gemähten Rasen im Park haben will. Man hat allerdings nur noch Motivation, wenn man das Ergebnis der Arbeit gutheißt. Wenn man mit dem Ergebnis der Arbeit nichts anfangen kann, hat man natürlich keine Motivation - dann stellt sich aber auch die Frage, warum ein unerfordertes Arbeitsergebnis durch Sanktionszwang "quermotiviert" werden muss. Mir persönlich ist es vollommen egal, ob der Telefondienstleister von eBay in Deustchland oder in Namibia (geringes Lohnniveau, hohe Deutschkenntnisse) sitzt. Warum muss ich also den deutschen dazu zwingen, für 7,50 die Stunde bei CCC zu arbeiten, wenn der einzige Vorteil dessen in Deutschland darin besteht, dass er 7,50 dafür bekommt?

P.S.
Nochmal kurz Negative Einkommenssteuer: Wer viel hat, zahlt viel ein, wer sehr wenig hat, erhält Geld direkt aus dem Topf, in den die, die viel haben, viel einzahlen.
 
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Onkelhitman schrieb:
Hartz4 ist noch nichtmals ein Grundeinkommen, da dieses gekürzt werden kann durch Sanktionen.
Also ist das Althaus-Modell auch kein Grundeinkommen, weil es gekürzt wird bei Schwarzarbeit oder Steuerhinterziehung? Wo ist also der Unterschied zu anderweitigen Sanktionen? In beiden Fällen ist die finanzielle Stütze an ein entsprechendes Verhalten innerhalb eines Norm/Wertebereichs gekoppelt (also in beiden Fällen nicht bedingungslos). Nur der Erwartungswert des entsprechenden Normbereichs unterscheidet sich.
 
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@MountWalker: es muss nichtmal ums rasenmähen gehen, es geht noch viel einfacher: sieh dir mal an, wieviel müll da in den büschen rumfliegt. allem vorran der dreck von mc donalds und burgerking (einwegspritzen, benutzte tampons und kondome nicht zu vergessen). jedem steht es frei den müll wegzuräumen, aber niemand tuts. hast du schon mal den park von müll befreit? es steht dir frei und du hättest nen schön sauberen park... jedenfalls für ein zwei tage...
 
Also die Bedenken kann ich sowohl verstehen, als auch ausräumen. Ich geh auch gern an Badeseen. Ich kenne einen Badesee, der DAV-Gewässer ist - eigentlich badeverbot, aber gegen durchschnittlich tausende Bader bemüht sich das Ordnungsamt erst gar nicht. Seit gefühlt zehn Jahren ist das Müllproblem dort im Griff: Alle 50 Meter steht ein Pfahl mit einem Müllbeutel und die werden ehrenamtlich von DAV-Mitgliedern entsorgt. Am Starnd bleibt selten was liegen, weil sich die Bader auch gegenseitig zur Rechenschaft ziehen, wenn einer von ihnen ihren badeplatz verschmutzt. Ich denke, das kann hervorragend funktionieren, weil es an diesem Beispiel funktioniert.

Ich bin selbst jemand, der sich nicht viel drauß macht, eine Kippe auf den Bahnsteig zu werfen - weil ich mir seit 15 Jahren sage: Dann hat der Kippenpicker seine ABM und muss sich weniger mit dem Amt plagen. Wenn er die Amtplage nicht hätte, wäre ich sorgsamer mit der Entworgung meiner Kippen. Aber an jedem badesee, den ich in den letzten Jahren besucht habe, war es undenkbar, nicht eine Art eigenen Aschenbecher (Flasche mit Wasser oä.) mitzunehmen und zu verwenden.
 
dann sind deine erfahrungen da besser als meine. ich bin zwar auch der meinung, dass jeder seinen eigenen dreck wieder mitnehmen kann bzw den ordentlich zu entsorgen und halte mich selbst daran, aber ein blick in die landschaft verrät mir, dass viele menschen sich da nicht im geringsten drum scheren und deren dreck räume ich sicher auch nicht weg.
hier gibt es immer mal wieder so müllsammelaktionen z. b. von den schulen. das hält einen tag dann sehen die grünflächen wieder aus wie zuvor. -.-
 
Ich weiß auch nicht, worans liegt, dass das hier besser klappt, als in den 90ern - in den 90ern war hier auch alles verdreckt. Ich glaub mit eintscheidend ist, dass hier Saufen am See (bisher) nie verboten wurde und so auch Leute am See saufen, die auf Ordnung achten und nicht nur die, denen Regelverstöße egal oder besonders erwünscht sind. Wenn ein 15 jähriger Säufer von einem 50 jährigen ermahnt wird, ist ihm die Ermahnung egal - wenn er aber von jemandem ermahnt wird, der 20 ist und grad am Joint zieht, wirkt das.
 
Ich würd auch nicht sagen, dass es definitiv klappen müsse - ich sag nur, es könnte, es steht im Bereich des Möglichen, es ist nicht undenkbar. ;)
 
es geht um das system, nicht um einzelfälle
Verdammte Hacke, wie oft noch: Das ist genau das Problem! Es sind keine Einzelfälle - Hartz 4 besitzt in sich selbst, von 4,33Millionen Menschen 1,3 Millionen die jetzt schon arbeiten, die also überhaupt nicht das Kriterium erfüllen, welches du angibst:
richtig, es soll als stütze dienen, bis man wieder berufstätig ist. das setzt aber vorraus, das man eine berufstätigkeit anstrebt. ist das nicht der fall, kann gekürzt werden.
Die sind berufstätig. 1,3 Millionen sind für mich keine Einzelfälle, mal von den Rentenaufstockern abgesehen.

@Seppuku
Nur der Erwartungswert des entsprechenden Normbereichs unterscheidet sich.
So ist es. Bedingungslos wäre wirklich bedingungslos. Was jedoch "Grundeinkommen" meint ist schon verschieden. Grundeinkommen kann ein fiktiv ausgerechneter Wert sein, oder sowas wie H4, welches jedoch ein Existenzminimum sichern sollte, was es aber nicht macht wenn es Sanktionen gibt.

@Lübke
Dein Problem ist so einfach zu lösen. Du stellst einen Müllsammler ein, der zwar wenig Lohn bekommt, sagen wir mal, weil das Beispiel doch gern genommen wird, er würde genau das H4 Niveau bekommen. Keinen Cent mehr. Jetzt ist die Frage: Wie macht man das? Nummer 1 ist, ihn zur Zwangsarbeit zu zwingen. Immerhin hat er "ja genug Zeit". Dann gibt es noch die Möglichkeit des Anreizes. Kann man das mit dem Lohn machen? Nein, wie auch, der kann niemals mehr verdienen, denn er hat keinerlei Verantwortung (im Sinne von untergebenen Mitarbeitern; im Sinne von Gefährdung anderer Menschen durch den Müll; im Sinne von Ausbildungsniveau um diesen Job machen zu können). Das heißt, der "Lohn" kann nicht höher sein, wenn er das macht. Ein BGE hilft ihm auch nicht weiter, würde dadurch das Geld entwertet werden und ggf. diejenigen, die es erwirtschaften könnten nicht mehr hier sein.

Was also bleibt ist der Anreiz für später. Erhöhe ich nämlich die Rentenzahlung dieser Person, würde sich jeder Arbeitslose um solch eine Stelle prügeln. Auch das hatten wir schonmal ausdiskutiert, daher nur am Rande. Das heißt: Ja, es liegt ansich nur am System, wie du es sagst. Dieses System ist von außen betrachtet gar nicht mal so schlecht. Von innen jedoch krankt es genau an dem, was man sieht, es krankt an der Umsetzung und der Ungleichheit.

Es würde also jeder Müll aufsammeln, selbst auf H4 Niveau, wenn er dafür einen Anreiz hat für später, also mehr Altersrente. Das ist machbar, das ist finanzierbar, das ist übersichtlich, das ist.... tja, leider auch Ausbeutung. Denn ohne eine Regelung würden dann viele Arbeitsplätze wegfallen und genau auf dieses Lohnniveau runtergedrückt werden. Das heißt es muss doch noch zwingend ein Mindestlohn her.
 
Es sind keine Einzelfälle....
das meinte ich damit doch gar nicht. ich wollte nur nicht wieder diese ewigen yt-videos wo besonders krasse einzelschicksale einseitig beleuchtet und zur sensation übersteigert hier gepostet und diskutiert werden.
von aufstocker allgemein hab ich gar nicht geredet. und übrigends: mit dem bge machst du aus jedem arbeiter einen aufstocker ;)

Nummer 1 ist, ihn zur Zwangsarbeit zu zwingen. Immerhin hat er "ja genug Zeit".
also genau das, was du aktuell monierst, ja? Oô

es krankt an der Umsetzung
genau das. und daher hilft es imho herzlich wenig, das rad neu erfinden zu wollen, wenn wir schon ein grundsätzlich gutes system haben. viel mehr sollten wir uns darauf konzentrieren, das aktuelle system mal besser anzuwenden. die ganze bge-geschichte ist in meinen augen vor allem blinder aktionismus, der am eigentlichen problem vollkommen vorbei geht.
 
Was ich moniere ist vielfältig, aber das wissen wir ja. Das ist zum einen, dass man gezwungen wird, sich auf Stellen zu bewerben, was nur dazu führt, dass die Bewerbungsprozesse länger andauern weil Menschen kommen, die für den Job ungeeignet sind oder keine Lust haben. Dann, dass dieser Zwang auch Folgen hat im Sinne der Entziehung von Lebensgrundlagen (ein Minimum kann und darf man nicht unterschreiten) Und dann moniere ich, dass die Leute zum Teil (ja es sind nicht alle, ist wie überall) arbeiten wollen, dies aber für nichts und wiedernichts tun. Denn die Aufstocker und die Personen in Niedriglohnjobs, denen kann man zu einem gewissen Teil nicht mehr Lohn zahlen weil dieser nicht zur Arbeit passen würde, ihre Arbeit jedoch hilft ihnen ja weder jetzt finanziell, noch bietet er einen Anreiz für später (Rente). Er entlastet nur "das System" und was im System so alles falsch gemacht wird, wird mitbezahlt. Und das ist das Schlimme. Würde ich einen Vergleich ziehen müssen würde ich einen Religionsvergleich nehmen und sagen, dass damit die Sünde gezeigt wird.
Jeder fühlt sich in einer bestimmten Art schuldig, sündig, und das völlig grundlos. Die Bedürftigen, sowie die Geber.

die ganze bge-geschichte ist in meinen augen vor allem blinder aktionismus, der am eigentlichen problem vollkommen vorbei geht.
Stell dir vor, die würden sagen: "Wir verändern das Sozialsystem zum Besseren". Da kommen direkt alle an und sagen: "Wieso denn? Ist doch alles schon geregelt, da muss man nichts ändern. Das war schon immer so." (womit sie natürlich falsch liegen) Was erstmal gebraucht wird ist nen Keil, etwas, was total im Gegensatz zum jetzigen steht und auch kaum durchführbar ist, einzig um dagegen zu sein. Das klappt mit dem BGE wunderbar.
 
holgerkra schrieb:
Warum würde sich die Motivation, Risiko tragen zu wollen, verändern? Verstehe ich nicht.

Das lässt sich ganz einfach beantworten: Rendite. Wenn man als Wirtschaftsteilnehmer ein Risiko eingeht, zum Beispiel mit einer Investition aus Fremdkapital, dann muss sich eine entsprechende Rendite einstellen. Und zwar nicht nur für den eigenen Einsatz sondern, im Besonderen, für den FK-Geber.

Und wie ich hier schon x-mal dargelegt habe, muss man nicht mal zur Bank laufen um ein Darlehen für Investitionen zu bekommen sondern der Staat selbst tritt mit seiner Steuerlast auch als Gläubiger auf.

Das bedeutet, Du _musst_ Rendite für Dich, den Staat, und die FK-Geber aufbringen. Das BGE hier einen erheblichen Umverteilungsfaktor bedingt, wäre es ganz einfach ökonomisch unsinnig Risiko einzugehen. Denn wenn der Laden den Bach runter geht, dann steht der Staat und die FK-Geber trotzdem an der Tür und wollen Geld sehen.

Wenn der Laden läuft hast Du vielleicht 30% der Rendite für Dich (Für privaten Konsum, Reinvestition, Vorsorge, etc). Mit BGE sind es womöglich nur noch 5-10%. Das ist, völlig wertfrei, ökonomisch unsinnig! Warum sind es nur noch 5%? Na weil im BGE-System mehr umverteilt wird als vorher. (Ja, so einfach ist das)

holgerkra schrieb:
Postulierst du einfach mal so. Es ist ja z.B. nicht so, dass sich bereits jetzt 1/3 der Bevölkerung ehrenamtlich engagieren. [1] Warum lassen diese Leute denn nicht nach der Arbeit den "Bleistift fallen"? Ganz einfach: aus innerer Motivation heraus.

Ich störe ja nur ungern das Weltbild von anderen, wenn sie sich schon so schön darin eingerichtet haben.

Ich möchte Deinen Blick mal in Richtung Bundestag richten. Oder auch nur auf Deinen lokalen Gemeinde-, VG- oder Stadtrat. Die relevante Größe, auf die es hier zu achten gilt, ist die Zahl der Beamten, die sich in solchen Institutionen, oftmals ehrenamtlich, "engagieren". Das sind bereits BGE-Empfänger. Nur tun die nichts in System rein, sondern nehmen nur raus. Ich dachte wir hätten uns schon darauf verständigt, dass unter dem Strich eine schwarze Null stehen muss am Ende das Monats(!)

Das Beispiel mit dem Ehrenamt war da leider ein besonders treffendes. Denn die Zahl der Menschen, die in der Privatwirtschaft 40h die Woche ranklotzen und/oder unternehmerisches Risiko tragen, sind im Ehrenamt deutlich unterrepräsentiert. Diese sind es aber, auf die Du deinen Blick richten musst.

holgerkra schrieb:
Und ich halte es für vernünftig, anzunehmen, dass der Anteil der ehrenamtlich tätigen nicht abnimmt, sondern zunimmt: schließlich haben potentiell mehr Leute Zeit, zu tun, was sie selbst für wichtig halten. Und warum sollten jetzige ehrenamtlich tätige plötzlich damit aufhören?
Der meiste sogenannte "soziale Realismus" zu diesem Thema ist verkappter sozialer Pessimismus und scheitert an der Realität.

Siehe oben.

holgerkra schrieb:
Selbst wenn ich deine These kaufe, dass Ungleichheit für eine stabile wirtschaft notwendig ist: Ungleichheit wird durch das BGE nicht abgeschafft.

Das schöne am BGE ist, dass es konzeptuell de fakto nichts Neues ist. Es geht um soziale (solidarische?) Umverteilung. Was leider immer in solchen Diskussion passiert, ist, dass manche sehr schnell in der Diskussion den Blick dafür verlieren, wer den Kuchen denn backt, der Umverteilt wird.
Warum dieser Kuchen denn heute noch gebacken wird, und, vor allem, ob der Kuchen morgen auch nur gebacken würde?

Ich habe oben dargelegt, dass es ökonomisch unsinnig wäre, weiter zu wirtschaften.


holgerkra schrieb:
Du verwechselst das BGE mit radikalem Sozialismus. OP schreibt z.B.: "Arbeit wird zusätzlich entlohnt, dass heißt es ist immer noch ein Anreiz zu arbeiten vorhanden"

Das BGE ist ein Forderungsposten im Haushalt der bedient werden muss. Bis zur BGE-Grenze haben wir also keine "freiwillige Arbeit".

Wenn es 240 Milliarden zu bedienen gilt, dann müssen die auch irgendwo eingezogen werden. Nix mit "zusätzlich" und "freiwillig".

Gruß
 
Checkup schrieb:
...Warum dieser Kuchen denn heute noch gebacken wird, und, vor allem, ob der Kuchen morgen auch nur gebacken würde? ...
Naja, aktuell werden "Risikoträger", also Unternehmer, vor allem Selbstständige ohne Angestellte, nur durch nicht dauerhaft zulässige Zuschüsse aus dem Steuerhaushalt zu den Sozialkassen herangezogen. Rein nach Regelwerk nehmen sie eigentlich am Solidarsystem überhaupt nicht teil. (werden aberim Notfall genauso durch ALG-II versorgt, wie jeder andere auch) BGE-konzepte wollen, so wie ich das verstehe, vor allem diese Ungerechtigkeit ausbügeln. Es geht also ua. auch um das, was Unternehmensverbände seit den 80ern als "Maschinenstürmerei" bezeichnen.

P.S.
Seit um 2000 rum gibts vor allem im Handwerk/Bau viel (Schein-) Selbstständigkeit, also "Tochterunternehmen", die vorher mal Angestellte waren, aber als Freiberufler vorerst mehr Geld in der Tasche haben, weil sie keine Sozialabgaben mehr zahlen und oft wenig bis kaum Rentenvorsorge betreiben. Diese Leute werden vermutlich mehrheitlich Umverteilungsnehmer werden, nehmen aber erst an der Umverteilung teil, wenn sie Nehmer werden. In einem BGE-System wäre das so nicht möglich, da das BGE halt aus dem Steuerhaushalt kommt, in den auch jeder Freiberufler zahlt.
 
Zuletzt bearbeitet:
aber als Freiberufler vorerst mehr Geld in der Tasche haben, weil sie keine Sozialabgaben mehr zahlen und oft wenig bis kaum Rentenvorsorge betreiben.

das ist aber das "trinkgelddilemma". viele leute sind zu kurzsichtig und lassen sich zu solchen jobs verleiten, die im mom viel geld netto abwerfen, aber nur geringfügig am sozialsystem partizipieren, sprich auch keinen ordentlichen rentenanspruch aufbauen weil kaum bis gar nicht einbezahlt wird. es ist aber die schuld der betreffenen leute, wenn sie meinen, so das sozialsystem austricksen zu können und am ende, wenn sie auf einmal auf der anderen seite des sozialsystems stehen, entsprechend geringer bezahlt werden. ich weiß nicht, wie viel mitleid man mit jemandem haben muss, der nicht geben will, wohl aber nehmen will. der grund für solche maßnahmen soll ja eigentlich sein, dass hier dem existenzgründer in der zeit der existenzbedrohenden investitionen die belastung so gering wie eben möglich ausfällt. wenn aber einige meinen, sie müssten diese regelung ausnutzen, um den staat um ihren anteil am sozialsystem zu betrügen, sind entsprechende abschläge später bei der leistung imho vollkommen gerechtfertigt.

ist das gleiche mit der schwarzarbeit: erst auf kosten des steuerzahlers leben und an den sozialkassen vorbei arbeiten und wie die made im speck leben und später dann rumjammern, wie ungerecht doch das sozialsystem sei, weil man mit der kleinen rente seinen hohen lebensstandard nicht mehr halten kann.
 
Ich hab da auch kein Mitleid, aber ALG-II als Ersatzrente bekommt der ehemalige Freiberufler auch jetzt, wo er nichts dafür tut. BGE-Konzepte würden sowas weniger zulassen - da müsste sich der Betreffende schon für sein Arbeitsleben ausbürgern und anschließend wieder einbürgern lassen.
 
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