emulbetsup
Lieutenant
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Ein Hinweis vorab
Der Sihoo Doro C300 Pro V2 wurde mir im Rahmen eines ComputerBase-Lesertests kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Vorgaben waren überschaubar: mindestens 800 Wörter, mindestens sechs eigene Fotos und ein klarer Fokus auf den Alltagseinsatz am eigenen Schreibtisch. Inhaltlich gab es ansonsten weitgehend freie Hand.
Der Sihoo Doro C300 Pro V2 im Lesertest - Was bringt der "Full-Body Adaptive Support"?
Inhaltsverzeichnis
1. Lieferung und Zusammenbau
Der Stuhl wird gut verpackt in zwei getrennten Kartons geliefert, die sich auch allein noch gut transportieren lassen. Der Zusammenbau ist mit der bebilderten Anleitung grundsätzlich unkompliziert. Wer schon einmal Möbel eines bekannten schwedischen Möbelhauses aufgebaut hat, wird die Schritte gut nachvollziehen können. Verbessern ließe sich die Anleitung mit wenig Aufwand, wenn die Buchstaben aus der Anleitung auch auf den Kartons beziehungsweise den jeweiligen Kleinteilen wiederzufinden wären. So müsste man Schrauben und Unterlegscheiben nicht erst anhand der Zeichnungen zuordnen.
Die Unterlegscheiben aus dem ersten Schritt bestehen aus zwei einzelnen und sind absichtlich verklebt. Man bekommt sie jedoch mit etwas Fingerspitzengefühl auseinander, was bei mir zu kurzer Verwirrung geführt hat. Es sind aber insgesamt elf doppelte Unterlegscheiben vorhanden, weswegen dadurch klar wird, dass eine einzelne zu verwendende Unterlegscheibe aus zwei mehr oder weniger leicht zu trennenden Unterlegscheiben
Durch die flüssige blaue Schraubensicherung gehen die Schreiben in der Mitte etwas schwerer und man glaubt, dass man mglw. beim Ansetzen im Gewindegang verkommen ist. Das war bei mir aber bei keiner einzigen Schraubverbindung der Fall.
Schwierigster Aufbauschritt ist die Anbringung der Rückenlehne an die Sitzfläche. Man muss die Rückenlehne in die dafür vorgesehene Position halten und die vier M8 Schrauben nebst passender Unterlegscheibe einfädeln und anziehen. Dafür braucht es eine stabile Unterlage und optimalerweise kurz eine helfende Hand.
Folgt man der Anleitung, wird die neu entstandene Einheit aus Rückenlehne und Sitzfläche nun mit den Armlehnen versehen. Das Handling ist aber aufgrund von Gewicht und Schwerpunkt der Einheit aus Sitzfläche und Rückenlehne an der Stelle nicht einfach. Wenn man den Stuhl alleine aufbaut, würde ich empfehlen, die Sitzfläche schon davor mit dem Stuhlkreuz zu verbinden und die Armlehnen dann im Liegen anzuschrauben. Ist man zu Zweit kann einer die Sitzfläche fixieren. Insgesamt ist der Stuhl in einem gemütlichen Tempo nach etwa 30 Minuten fertig aufgebaut und ist für das erste Probesitzen bereit.
Sicher verpackt und rückenschonend geliefert
Inhalt der ersten Box
Inhalt der zweiten Box
Das Montagematerial
Aus eins mach zwei - Die zusammengesetzten Unterlegscheiben
2. Allgemeine Verarbeitungsqualität
Die Verarbeitungsqualität ist durch die Bank auf einem hohen Niveau. Die verwendeten Materialien machen einen wertigen Eindruck. Grate konnte ich nicht feststellen, Bohrlöcher und Gewinde sind sauber und leichtgängig. Alle Spaltmaße sind gleichmäßig. Im aufgebauten Zustand ist der Stuhl überraschend schwer und vermittelt einen sehr soliden Eindruck. Auch bei größeren und schwereren Personen wirkt die Konstruktion stabil und belastbar. Knarzen, Klappern oder übermäßiges Spiel sind mir bislang nicht aufgefallen.
Detailaufnahme von unten
Einwandfreie Oberfläche an der Gasdruckfeder
Verchromung am Stuhlkreuz. Sichtbar ist hier die Unterseite
Auch die Bohrlöcher sind einwandfrei
Eine der Armstützen von unten
Verstellmechanismus der Kopfstütze
Die Spaltmaße sind überall sehr gut. Hier am Übergang von der Basis zum Ausleger für Armlehne.
Übergang vom Ausleger der Armlehne zum "Armlehnenrohr" selbst
Auch die eigentliche Lehne ist tadellos
Etwas Glanz darf nicht fehlen
3. Bürostuhlrollen und Bodenbelag
Bürostuhlrollen sind nicht universell für jeden Bodenbelag gleich gut geeignet. Für weiche Böden wie Teppich oder Nadelvlies werden üblicherweise harte Rollen verwendet. Auf Hartböden wie Parkett, Laminat, Vinyl oder Fliesen sind dagegen Rollen mit weicher Lauffläche aus PU oder Gummi sinnvoll, weil sie den Boden schonen und meist auch leiser laufen. Sihoo stellt hierzu in einem eigenen Ratgeber recht ausführliche Informationen zur Wahl der passenden Rollen bereit.
Da der Doro C300 Pro V2 bei mir auf Parkettboden zum Einsatz kommt, wollte ich hier kein Risiko eingehen und habe statt der beiliegenden Rollen direkt Hartbodenrollen aus Vollgummi aus dem Zubehör verwendet. Der Austausch ist unkompliziert: Die Rollen werden nur gesteckt und lassen sich ohne Werkzeug aus dem Fußkreuz ziehen beziehungsweise wieder einsetzen.
Wichtig ist dabei der Durchmesser des Rollenstifts. Viele Bürostühle verwenden Rollen mit 11mm-Stift, während etwa bestimmte Modelle eines bekannten schwedischen Möbelhauses häufig 10mm nutzen. Ein kurzes Nachmessen betätigt die Vermutung. Sihoo greift beim Doro C300 Pro V2 auf Rollen mit 11mm-Stiftdurchmesser zurück.
Zu den mitgelieferten Rollen kann ich deshalb keinen Praxiseindruck abgeben. Verarbeitung und Sitz im Fußkreuz machten beim Auspacken aber einen ordentlichen Eindruck.
Hinterlassen einen ordentlichen Eindruck - die mitgelieferten Bürostuhlrollen
Stiftdurchmesser sind 11mm
4. Mein erster ungefilterter Eindruck nach dem Aufbau
Um den ersten Eindruck möglichst ungefiltert festzuhalten: Nach dem Aufbau macht der Sihoo Doro C300 Pro V2 erst einmal einen sehr soliden Eindruck. Das ist bei meiner Körpergröße und meinem Gewicht nicht ganz selbstverständlich. Der Stuhl wirkt nicht so, als sollte man ihn besser nur vorsichtig benutzen. Von Anfang an hatte ich eher das Gefühl: Ja, das passt grundsätzlich.
Die Sitzfläche fällt allerdings eher kompakt aus. Ich fülle sie ziemlich gut aus. Das ist nicht direkt unbequem, aber besonders großzügig ist die Sitzfläche eben nicht. Für mich geht das noch in Ordnung, bei sehr breiten Personen könnte das aber durchaus zum Thema werden.
Was ebenfalls sofort auffällt, ist die dynamische Rückenlehne. Mit offener Arretierung fühlt sich der Stuhl irgendwie anders an, ohne dass man das sofort genau benennen könnte. Wenn man auf dem Stuhl die Position verändert oder sich nach hinten lehnt, geht die Rückenlehne wie selbstverständlich mit. Sie fühlt sich dabei nicht einfach nur federnd an, sondern eher so, als würde sie sich tatsächlich immer wieder passend zur eigenen Haltung sortieren.
Sinnvoll finde ich auch, dass die Armlehnen mit der Rückenlehne zurückgehen. Das klingt erst einmal nach einem Detail, macht in der Praxis aber einen spürbaren Unterschied. Bei den Stühlen, auf denen ich bis jetzt saß, blieben die Armlehnen parallel zur Sitzfläche stehen. Lehnt man sich auf diesen Stühlen zurück, entfernt sich der Oberkörper von den Armlehnen, was diese dann ein Stück weit ihres eigentlichen Zwecks beraubt. Beim C300 Pro V2 bleiben Armlehnen und Rückenlehne zusammen was total Sinn ergibt.
Ebenfalls gelungen ist die Bedienung. Ein Blick in die Bedienungsanleitung kann weitgehend entfallen. Entweder wird die Einstellung direkt an dem Teil des Stuhls vorgenommen, das man verstellen möchte, oder sie erfolgt über den zentralen Hebel unter der Sitzfläche. Stellt man diesen nach vorne, lässt sich die Sitzfläche vor- oder zurückschieben. In der Mitte kann durch Ziehen ganz klassisch die Sitzhöhe verstellt werden. In der hinteren Stellung wird dagegen die Rückenlehne freigegeben.
Ungewohnt ist dagegen der vergleichsweise offene Sitzwinkel. Selbst in der aufrechtesten Position sitzt man leicht nach hinten geöffnet. Das muss nicht schlecht sein, fühlt sich aber anders an als bei Stühlen, die einen stärker in eine aufrechte Arbeitsposition bringen. Ob einem das gefällt, hängt vermutlich stark davon ab, wie man normalerweise sitzt und arbeitet.
Ein erster Kritikpunkt ist für mich der Widerstand der Rückenlehne. Die Lehne gibt für mein Empfinden zu leicht nach. Optimal wäre es, wenn man den Gegendruck an das eigene Körpergewicht anpassen könnte. So könnte man den Wippmechanismus der Rückenlehne auch beim aufrechten Arbeiten offen lassen und sich immer wieder leicht zurücklehnen, ohne das der Stuhl zu weit nachgibt.
5. Statische Einstellmöglichkeiten
Neben den eher klassischen Einstelloptionen wie Sitzhöhe und Neigungswinkel der Lehne lassen sich bei diesem Stuhl zahlreiche weitere Elemente individuell anpassen:
Die Lenden- und Kreuzbeinstütze wird über einen separaten Hebel direkt an der Stütze selbst verändert. Die Höhe der Rückenlehne wird direkt an der Rückenlehne eingestellt, indem diese Stück für Stück nach oben gezogen wird. In der obersten Position löst die Rasterung wieder aus, sodass die Rückenlehne erneut nach unten geführt werden kann. Auch die Armlehnen lassen sich durch einfaches Ziehen und Drehen in nahezu jede gewünschte Position bringen. Die Kopfstütze wird am Trägerarm in der Höhe und am Gelenk in der Neigung verstellt. Zusätzlich lässt sie sich in der Aufnahme selbst nochmals nach oben verschieben.
Der zentrale Einstellhebel
WYSIWYG - die Bedienung gibt keine Rätsel auf
6. Dynamische Anpassungen: SynchroFlex als Star des DynaCore Systems
Hinzu kommt der adaptive Aufbau der Rückenlehne, die zwei Betriebsarten kennt. Grundsätzlich kann die Lehne über einen Schalter arretiert werden, wodurch sie sich wie bei anderen Stühlen statisch verhält. Interessant wird es, wenn man die Rückenlehne über den Schalter freigibt: Dann passt sie sich dynamisch an die Sitzposition an und folgt im Rahmen eines Gleitmechanismus den Veränderungen der Sitzhaltung.
Diese dynamische Rückenlehne nennt Sihoo „SynchroFlex System“. Sie ist der für den Oberkörper relevante Teil des DynaCore Systems. Da an dieser dynamischen Rückenlehne auch die Lenden- und Kreuzbeinstütze fest mitgeführt wird, bewegt sich diese ebenfalls mit. Sihoo beschreibt dieses Zusammenspiel als „Domino“. Tatsächlich liegt der entscheidende Punkt auch hier im Gleitmechanismus des Rückenteils: Die Position der dynamischen Rückenlehne orientiert sich spürbar an der Position des unteren Rückens. Bewegt sich der untere Rücken, folgt die Rückenlehne dieser Bewegung. So bleibt die Unterstützung auch dann erhalten, wenn man seine Position auf dem Stuhl ändert.
Der Unterkörper beziehungsweise das Gesäß wird beim Zurücklehnen dagegen leicht angehoben. Auch dieser Mechanismus gehört laut Werbeunterlagen zum DynaCore-System. Von außen ist diese Bewegung zu erkennen; als Nutzer konnte ich sie jedoch nicht bewusst wahrnehmen.
7. There is another?!? – Die versteckte Einstellschraube
Beim Zusammenbau ist mir eine ovale Aussparung unter der Sitzfläche aufgefallen, durch die der Kopf einer Schraube mit Kreuzschlitz sichtbar wird. Ein Pfeil im Uhrzeigersinn und die Beschriftung mit „+“ und „-“ scheinen auf eine Einstellmöglichkeit hinzuweisen, zu der ich aber weder im Handbuch noch online etwas finden konnte.
Meine erste Vermutung war daher, dass es sich dabei eher um eine Art Grundeinstellung ab Werk handeln könnte, nicht aber um eine reguläre Einstellmöglichkeit für den Nutzer. Gleichzeitig war die Sache interessant, weil in zwei Testberichten, die ich zum Sihoo Doro C300 Pro V2 gelesen hatte, ausdrücklich erwähnt wurde, dass der Stuhl keine Möglichkeit biete, den Widerstand der Rückenlehne zu verstellen.
Um das zu klären, habe ich den Support von Sihoo angeschrieben und ein Foto der Stelle mitgeschickt. Die Antwort war überraschend eindeutig:
Damit war natürlich meine Neugier geweckt, ergab sich doch so die Chance dem Leser hier einen echten Mehrwert zu bieten. Also habe ich versucht, die Einstellung praktisch nachzuvollziehen. Die Öffnung ist sehr schmal, sodass man einen entsprechend langen und dünnen Schraubendreher benötigt. Gleichzeitig bekommt man durch die enge Führung kaum Rückmeldung, ob man wirklich sauber im Schraubenkopf sitzt oder nur halbwegs greift.
Bei meinem Stuhl ließ sich die Schraube schließlich tatsächlich um etwa zwei volle Umdrehungen im Uhrzeigersinn drehen. So richtig nach einer gewollten Nutzereinstellung fühlte sich das aber nicht an. Dafür ist die Schraube zu schlecht erreichbar und das Feedback beim Drehen zu unklar. Ich habe den Schraubenkopf dabei mindestens leicht in Mitleidenschaft gezogen. Der Schraubendreher greift zwar noch, die Schraube lässt sich bei mir mit vertretbarer Kraft aber weder weiter hinein- noch zurückdrehen. Es fühlt sich so an, als sei sie blockiert.
Subjektiv bilde ich mir ein, dass der Widerstand der Rückenlehne dadurch tatsächlich minimal zugenommen hat. Der Unterschied ist aber gering, und für mein Empfinden bleibt die Rückenlehne weiterhin zu leichtgängig.
Für mich bleibt hier deshalb ein zwiespältiger Eindruck: Ja, wahrscheinlich lässt sich an dieser Stelle tatsächlich etwas am Widerstand verändern. Praktisch wirkt die Lösung aber eher wie eine werksseitige Justageschraube als wie eine reguläre Einstellfunktion. Ich würde davon abraten, sie ohne Not zu verstellen.
Die geheimnisvolle Schraube
Der dazu passende Schraubenzieher wird mit dem Alpenföhn mitgeliefert
"Rien ne va plus" - Nichts geht mehr.
Tatsächlich sitzt die Schraube direkt an oder in der betreffenden Feder
8. Praxiseindruck nach zehn Arbeitstagen
Nach dem ersten Eindruck ging es für mich vor allem um die Frage, wie sich der Stuhl in meinem echten Alltag schlägt. Ich habe den Sihoo Doro C300 Pro V2 inzwischen an etwa zehn vollen Arbeitstagen genutzt, also jeweils acht Stunden plus. An den Wochenenden kam noch etwas kürzere private Nutzung dazu.
Nach 6 bis 8 Stunden steht man natürlich auch von diesem Stuhl nicht so auf, als hätte man den Tag nicht größtenteils sitzend verbracht. Im direkten Vergleich zu meinem bisherigen IKEA Nominell ist der Unterschied für mich aber deutlich. Ich bin abends spürbar weniger ermüdet. Vor allem zwickt der untere Rücken jetzt deutlich weniger.
Ich neige grundsätzlich zu Verspannungen im Nacken. Das war mit meinem bisherigen Stuhl so und ist auch mit dem Sihoo nicht verschwunden. Hier spielt wohl eher die Monitorhöhe und die gesamte Arbeitsplatzergonomie eine größere Rolle als der Stuhl selbst. Der C300 Pro V2 verursacht bei mir aber jedenfalls keine zusätzlichen Nackenprobleme. Die Schultern fühlen sich durch die gut einstellbaren Armlehnen entspannter an. Das Gesäß macht sich nach acht Stunden plus natürlich auch irgendwann bemerkbar und moniert, dass man doch sehr lange gesessen ist.
Der für mich größte Unterschied liegt klar im unteren Rücken. Hier fühlt sich der Sihoo deutlich anders an. Ich stehe nach einem langen Tag nicht völlig frisch auf, aber eben doch deutlich entspannter als vom Nominell.
Mein Arbeitsplatz - keine LEDs - dafür meterweise Aktenordner
9. Mein bevorzugter Nutzungsmodus: Rückneigung gesperrt, SynchroFlex aktiv
Der C300 Pro V2 hat hier im Grunde zwei Dinge, die man auseinanderhalten muss. Zum einen gibt es die große Neigefunktion, bei der man sich als Ganzes weiter nach hinten lehnen kann. Diese Funktion ist mir vom Widerstand her zu leichtgängig. Wenn ich sie offenlasse, gibt die Lehne für mein Empfinden zu schnell und zu weit nach.
Davon unabhängig bleibt bei mir aber das SynchroFlex-System aktiv. Die Rückenlehne kann also weiterhin nach oben und unten gleiten und sich dynamisch über die Lenden- und Kreuzbeinstütze an der Sitzhaltung orientieren. Ich sitze also meistens mit gesperrter großer Rückneigung, aber mit aktivem SynchroFlex-System. In dieser Kombination funktioniert der Stuhl für mich am besten.
10. Der Schreibtisch: das Bergwerk des 21. Jahrhunderts.
Mein Hauptszenario ist klassisches Homeoffice. Viel Tippen, viel Bildschirmarbeit, Videokonferenzen und immer wieder längere Phasen, in denen ich eher statisch auf Logs, Monitoring, Konfigurationen oder Fehlermeldungen schaue.
Normalerweise nimmt man in solchen konzentrierten Phasen kaum bewusst wahr, wie man gerade sitzt. Während des Tests habe ich darauf natürlich stärker geachtet. Wenn ich mich wirklich konzentrieren muss, sitze ich eher aufrecht. Gleichzeitig bewege ich mich auf dem Sihoo hin und wieder ein Stück mit dem Stuhl nach vorne oder verändere leicht meine Position.
Beim reinen Tippen nutze ich die Armlehnen gerne nach innen zum Körper gedreht und ungefähr auf Höhe der Schreibtischplatte. Meine Tastatur wandert dann etwas weiter nach vorne. Dadurch kann ich etwas zurückgelehnter sitzen und muss mich nicht nach vorne beugen. Das funktioniert erstaunlich gut, weil die Armlehnen sehr variabel einstellbar sind.
Wenn ich dagegen viel mit der Maus arbeite, sieht es anders aus. Ich nutze eine eher niedrige Mausempfindlichkeit ohne Mausbeschleunigung und brauche entsprechend Platz auf dem Schreibtisch. In solchen Situationen nutze ich die Armlehnen nicht aktiv, sondern drehe sie aus dem Weg und lege die Unterarme eher auf dem Tisch ab. Das ist aber kein Manko des Stuhls, sondern eher meiner Art, die Maus zu nutzen. Positiv ist, dass die Armlehnen dabei nicht stören, weil sie sich eben sehr flexibel wegdrehen lassen.
Mein Schreibtisch hat eine Plattenoberkante von ungefähr 72 cm. Wenn ich mit der Sitzhöhe etwas heruntergehe, komme ich mit den Armlehnen auch bequem unter den Tisch. Insgesamt passt das Zusammenspiel aus Sitzhöhe, Armlehnen und Schreibtisch für mich gut.
11. Bildbearbeitung und Gaming
Bildbearbeitung und Gaming waren bei mir keine Hauptszenarien, ich habe beides aber kurz ausprobiert. Bei der Bildbearbeitung ging es um einige Fotos für eine Einladungskarte, also eher um eine halbe Stunde konzentrierte Mausarbeit. Einschränkungen hatte ich dabei keine. Wie auch im normalen Arbeitsalltag nutze ich die Armlehnen bei viel Mausarbeit eher nicht aktiv, weil ich auf dem Schreibtisch mehr Bewegungsfreiheit brauche. Das ist aber kein Problem des Stuhls; positiv ist eher, dass sich die Armlehnen flexibel genug aus dem Weg drehen lassen. Die Rückenunterstützung durch SynchroFlex bleibt auch in dieser Haltung erhalten.
Gaming habe ich mit PUBG per Maus und Tastatur sowie The Witcher 3 mit Gamepad ausprobiert, jeweils weniger als eine Stunde. Mit Maus und Tastatur sitze ich ähnlich wie beim Arbeiten eher aufrecht. Mit Gamepad lehnt man sich automatisch weiter zurück. Gerade hier machen die mitgehenden Armlehnen Sinn, weil sie im gleichen Winkel mit der Rückenlehne zurückgehen. Würde ich den Stuhl vor allem für entspanntes Spielen mit Gamepad nutzen, wäre die Variante mit Fußstütze wahrscheinlich die naheliegendere Wahl.
12. Passform bei 190 cm und rund 110 kg
Bei meiner Größe und meinem Gewicht war ich gespannt, ob der Stuhl irgendwo offensichtlich an seine Grenzen kommt. Das ist bei mir jedoch nicht der Fall. Die Sitzhöhe bietet sogar noch etwas Luft nach oben. Die Rückenlehne nutze ich aktuell auf Stufe 4 von 8. Gestartet bin ich hier mit Stufe 3. Das passt für mich besser.
Die Lenden- und Kreuzbeinstütze hatte ich am Anfang auf Stufe 3. Das war zunächst angenehm, wurde mir nach einiger Zeit aber etwas zu präsent. Aktuell nutze ich Stufe 1. Das reicht mir im Alltag aus, gerade weil die Stütze über das SynchroFlex-System ohnehin gut an der richtigen Stelle bleibt.
Die Sitztiefe nutze ich ungefähr in der Mitte. Die Sitzfläche selbst hatte ich anfangs als eher kompakt wahrgenommen. Nach zehn Arbeitstagen habe ich mich daran gewöhnt und sie passt mir inzwischen gut. Ein eingeengtes Gefühl habe ich nicht. Allerdings würde ich schon sagen: Deutlich breiter sollte man aus meiner Sicht nicht sein. Sonst könnte es bei entspannter Beinposition passieren, dass man seitlich auf dem Kunststoffrahmen sitzt.
Bei sehr großen Menschen mit langen Armen könnten meiner Einschätzung nach eher die Armlehnen an ihre Grenzen kommen als Sitzhöhe oder Rückenlehne. Wenn man sehr aufrecht sitzt und nicht oder nur wenig unter den Tisch kommt, hätte ich mir bei den Armlehnen teilweise noch einen Tick mehr Spielraum nach unten gewünscht. In der normalen Computernutzung relativiert sich das aber, weil die Arme ohnehin nach vorne Richtung Tastatur und Maus gehen.
13. Vergleich zum IKEA Nominell
Mein bisheriger Stuhl war ein etwa 15 Jahre alter IKEA Nominell. Der war zu Studienzeiten sicher einmal völlig in Ordnung, passt aber nicht mehr zu meinem heutigen Nutzungsprofil. Ich hätte ihn ehrlich gesagt schon viel früher ersetzen sollen.
Ein direkter Vergleich aus dem Gedächtnis ist natürlich nicht ganz sauber, weil man alte Sitzgefühle nicht exakt wie eine alte Telefonnummer abrufen kann. Für mich war der Unterschied im Alltag trotzdem deutlich. Auf dem Nominell hat es vor allem im unteren Rücken schneller gezwickt. Dadurch hat man zwar ebenfalls immer wieder die Position verändert, aber eher, weil es unangenehm wurde. Auf dem Sihoo bewege ich mich vermutlich nicht weniger, aber aus anderen Gründen: weniger als Ausweichbewegung wegen Beschwerden, sondern eher weil der Stuhl die kleinen Bewegungen sinnvoll mitmacht.
Nach einem langen Arbeitstag bin ich auf dem C300 Pro V2 merklich entspannter. Vor allem im Lendenbereich merke ich die Unterstützung durch den neuen Stuhl klar.
Hat nominell ausgedient - mein alter Bürostuhl
Macht aus einem Ackergaul kein Rennpferd, stützt aber ganz entspannt den Rücken - der Sihoo Doro C300 Pro V2
14. Mein Fazit und das Testversprechen: Entlastung oder Komfortfeature?
Meine zentrale Frage aus der Bewerbung war, ob der „Full-Body Adaptive Support“ im Alltag tatsächlich einen spürbaren Mehrwert bietet oder am Ende vor allem ein Komfortversprechen bleibt. Nach dem Test kann ich klar sagen: Ja – aber.
Ja, weil der von Sihoo SynchroFlex genannte Gleitmechanismus der Rückenlehne tatsächlich eine spürbare Entlastung bringt. Die Rückenlehne samt Lenden- und Kreuzbeinstütze sortiert sich durch diesen Mechanismus erstaunlich natürlich zur eigenen Körperhaltung. Rutscht man etwas nach hinten, um aufrechter zu sitzen, folgt die Lenden- und Kreuzbeinstütze. Sinkt man tiefer ein, folgt sie wiederum. Gerade im unteren Rücken bin ich nach langen Tagen deutlich entspannter als vorher. Für mich ist das die größte Stärke des Stuhls.
Aber: Durch den ab Werk sehr leichtgängigen und nicht - beziehungsweise nicht praktikabel - in seinem Widerstand verstellbaren Wippmechanismus bleibt hier Potenzial liegen. Wäre der Widerstand passend zum Körpergewicht einstellbar, könnte man sich immer wieder ein Stück weit gegen den Widerstand zurücklehnen, während die SynchroFlex-Mechanik Lenden- und Kreuzbeinstütze passend zur jeweiligen Körperhaltung ausrichtet.
Man merkt an dieser Stelle vielleicht, dass ich den Stuhl hier nicht nur mit meinem bisherigen Bürostuhl vergleiche, sondern auch mit dem theoretisch möglichen Stuhl, der das erkennbare Potenzial des SynchroFlex-Mechanismus vollständig ausschöpft. Vielleicht kommt Sihoo in einiger Zeit tatsächlich mit einer dritten Version dieses Stuhls, die meine zwei einzigen wirklichen Kritikpunkte abstellt: eine etwas aufrechtere Position in der obersten Lehneneinstellung und eine praktikable, wirksame Einstellmöglichkeit für den Widerstand der Rückenlehne.
Bis dahin (und darüber hinaus) bleibt der Sihoo Doro C300 Pro V2 ein sehr guter Stuhl, der sehr vieles richtig macht. Materialauswahl und Verarbeitung sind tadellos; der Stuhl wirkt belastbar und wertig. Das Design ist absolut bürotauglich. Die Armlehnen sind durchdacht und können in jede mögliche und unmögliche Position gebracht werden. Der Stuhl bleibt dabei einfach zu bedienen, lässt sich unkompliziert an die eigenen Bedürfnisse anpassen und — was für mich der eigentliche Clou ist — er passt sich im Alltag auch ein Stück weit an die Person an, die gerade auf ihm sitzt. Und daran, wie sie sitzt.
15. TL;DR - Pro und Contra
Pro
Contra
Der Sihoo Doro C300 Pro V2 wurde mir im Rahmen eines ComputerBase-Lesertests kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Vorgaben waren überschaubar: mindestens 800 Wörter, mindestens sechs eigene Fotos und ein klarer Fokus auf den Alltagseinsatz am eigenen Schreibtisch. Inhaltlich gab es ansonsten weitgehend freie Hand.
Der Sihoo Doro C300 Pro V2 im Lesertest - Was bringt der "Full-Body Adaptive Support"?
Inhaltsverzeichnis
- Lieferung und Zusammenbau
- Allgemeine Verarbeitungsqualität
- Bürostuhlrollen und Bodenbelag
- Mein erster ungefilterter Eindruck nach dem Aufbau
- Statische Einstellmöglichkeiten
- Dynamische Anpassungen: SynchroFlex als Star des DynaCore Systems
- There is another?!? – Die versteckte Einstellschraube
- Praxiseindruck nach zehn Arbeitstagen
- Mein bevorzugter Nutzungsmodus: Rückneigung gesperrt, SynchroFlex aktiv
- Der Schreibtisch: das Bergwerk des 21. Jahrhunderts.
- Bildbearbeitung und Gaming
- Passform bei 190 cm und rund 110 kg
- Vergleich zum IKEA Nominell
- Mein Fazit und das Testversprechen: Entlastung oder Komfortfeature?
- TL;DR - Pro und Contra
1. Lieferung und Zusammenbau
Der Stuhl wird gut verpackt in zwei getrennten Kartons geliefert, die sich auch allein noch gut transportieren lassen. Der Zusammenbau ist mit der bebilderten Anleitung grundsätzlich unkompliziert. Wer schon einmal Möbel eines bekannten schwedischen Möbelhauses aufgebaut hat, wird die Schritte gut nachvollziehen können. Verbessern ließe sich die Anleitung mit wenig Aufwand, wenn die Buchstaben aus der Anleitung auch auf den Kartons beziehungsweise den jeweiligen Kleinteilen wiederzufinden wären. So müsste man Schrauben und Unterlegscheiben nicht erst anhand der Zeichnungen zuordnen.
Die Unterlegscheiben aus dem ersten Schritt bestehen aus zwei einzelnen und sind absichtlich verklebt. Man bekommt sie jedoch mit etwas Fingerspitzengefühl auseinander, was bei mir zu kurzer Verwirrung geführt hat. Es sind aber insgesamt elf doppelte Unterlegscheiben vorhanden, weswegen dadurch klar wird, dass eine einzelne zu verwendende Unterlegscheibe aus zwei mehr oder weniger leicht zu trennenden Unterlegscheiben
Durch die flüssige blaue Schraubensicherung gehen die Schreiben in der Mitte etwas schwerer und man glaubt, dass man mglw. beim Ansetzen im Gewindegang verkommen ist. Das war bei mir aber bei keiner einzigen Schraubverbindung der Fall.
Schwierigster Aufbauschritt ist die Anbringung der Rückenlehne an die Sitzfläche. Man muss die Rückenlehne in die dafür vorgesehene Position halten und die vier M8 Schrauben nebst passender Unterlegscheibe einfädeln und anziehen. Dafür braucht es eine stabile Unterlage und optimalerweise kurz eine helfende Hand.
Folgt man der Anleitung, wird die neu entstandene Einheit aus Rückenlehne und Sitzfläche nun mit den Armlehnen versehen. Das Handling ist aber aufgrund von Gewicht und Schwerpunkt der Einheit aus Sitzfläche und Rückenlehne an der Stelle nicht einfach. Wenn man den Stuhl alleine aufbaut, würde ich empfehlen, die Sitzfläche schon davor mit dem Stuhlkreuz zu verbinden und die Armlehnen dann im Liegen anzuschrauben. Ist man zu Zweit kann einer die Sitzfläche fixieren. Insgesamt ist der Stuhl in einem gemütlichen Tempo nach etwa 30 Minuten fertig aufgebaut und ist für das erste Probesitzen bereit.
Sicher verpackt und rückenschonend geliefert
Inhalt der ersten Box
Inhalt der zweiten Box
Das Montagematerial
Aus eins mach zwei - Die zusammengesetzten Unterlegscheiben
2. Allgemeine Verarbeitungsqualität
Die Verarbeitungsqualität ist durch die Bank auf einem hohen Niveau. Die verwendeten Materialien machen einen wertigen Eindruck. Grate konnte ich nicht feststellen, Bohrlöcher und Gewinde sind sauber und leichtgängig. Alle Spaltmaße sind gleichmäßig. Im aufgebauten Zustand ist der Stuhl überraschend schwer und vermittelt einen sehr soliden Eindruck. Auch bei größeren und schwereren Personen wirkt die Konstruktion stabil und belastbar. Knarzen, Klappern oder übermäßiges Spiel sind mir bislang nicht aufgefallen.
Detailaufnahme von unten
Einwandfreie Oberfläche an der Gasdruckfeder
Verchromung am Stuhlkreuz. Sichtbar ist hier die Unterseite
Auch die Bohrlöcher sind einwandfrei
Eine der Armstützen von unten
Verstellmechanismus der Kopfstütze
Die Spaltmaße sind überall sehr gut. Hier am Übergang von der Basis zum Ausleger für Armlehne.
Übergang vom Ausleger der Armlehne zum "Armlehnenrohr" selbst
Auch die eigentliche Lehne ist tadellos
Etwas Glanz darf nicht fehlen
3. Bürostuhlrollen und Bodenbelag
Bürostuhlrollen sind nicht universell für jeden Bodenbelag gleich gut geeignet. Für weiche Böden wie Teppich oder Nadelvlies werden üblicherweise harte Rollen verwendet. Auf Hartböden wie Parkett, Laminat, Vinyl oder Fliesen sind dagegen Rollen mit weicher Lauffläche aus PU oder Gummi sinnvoll, weil sie den Boden schonen und meist auch leiser laufen. Sihoo stellt hierzu in einem eigenen Ratgeber recht ausführliche Informationen zur Wahl der passenden Rollen bereit.
Da der Doro C300 Pro V2 bei mir auf Parkettboden zum Einsatz kommt, wollte ich hier kein Risiko eingehen und habe statt der beiliegenden Rollen direkt Hartbodenrollen aus Vollgummi aus dem Zubehör verwendet. Der Austausch ist unkompliziert: Die Rollen werden nur gesteckt und lassen sich ohne Werkzeug aus dem Fußkreuz ziehen beziehungsweise wieder einsetzen.
Wichtig ist dabei der Durchmesser des Rollenstifts. Viele Bürostühle verwenden Rollen mit 11mm-Stift, während etwa bestimmte Modelle eines bekannten schwedischen Möbelhauses häufig 10mm nutzen. Ein kurzes Nachmessen betätigt die Vermutung. Sihoo greift beim Doro C300 Pro V2 auf Rollen mit 11mm-Stiftdurchmesser zurück.
Zu den mitgelieferten Rollen kann ich deshalb keinen Praxiseindruck abgeben. Verarbeitung und Sitz im Fußkreuz machten beim Auspacken aber einen ordentlichen Eindruck.
Hinterlassen einen ordentlichen Eindruck - die mitgelieferten Bürostuhlrollen
Stiftdurchmesser sind 11mm
4. Mein erster ungefilterter Eindruck nach dem Aufbau
Um den ersten Eindruck möglichst ungefiltert festzuhalten: Nach dem Aufbau macht der Sihoo Doro C300 Pro V2 erst einmal einen sehr soliden Eindruck. Das ist bei meiner Körpergröße und meinem Gewicht nicht ganz selbstverständlich. Der Stuhl wirkt nicht so, als sollte man ihn besser nur vorsichtig benutzen. Von Anfang an hatte ich eher das Gefühl: Ja, das passt grundsätzlich.
Die Sitzfläche fällt allerdings eher kompakt aus. Ich fülle sie ziemlich gut aus. Das ist nicht direkt unbequem, aber besonders großzügig ist die Sitzfläche eben nicht. Für mich geht das noch in Ordnung, bei sehr breiten Personen könnte das aber durchaus zum Thema werden.
Was ebenfalls sofort auffällt, ist die dynamische Rückenlehne. Mit offener Arretierung fühlt sich der Stuhl irgendwie anders an, ohne dass man das sofort genau benennen könnte. Wenn man auf dem Stuhl die Position verändert oder sich nach hinten lehnt, geht die Rückenlehne wie selbstverständlich mit. Sie fühlt sich dabei nicht einfach nur federnd an, sondern eher so, als würde sie sich tatsächlich immer wieder passend zur eigenen Haltung sortieren.
Sinnvoll finde ich auch, dass die Armlehnen mit der Rückenlehne zurückgehen. Das klingt erst einmal nach einem Detail, macht in der Praxis aber einen spürbaren Unterschied. Bei den Stühlen, auf denen ich bis jetzt saß, blieben die Armlehnen parallel zur Sitzfläche stehen. Lehnt man sich auf diesen Stühlen zurück, entfernt sich der Oberkörper von den Armlehnen, was diese dann ein Stück weit ihres eigentlichen Zwecks beraubt. Beim C300 Pro V2 bleiben Armlehnen und Rückenlehne zusammen was total Sinn ergibt.
Ebenfalls gelungen ist die Bedienung. Ein Blick in die Bedienungsanleitung kann weitgehend entfallen. Entweder wird die Einstellung direkt an dem Teil des Stuhls vorgenommen, das man verstellen möchte, oder sie erfolgt über den zentralen Hebel unter der Sitzfläche. Stellt man diesen nach vorne, lässt sich die Sitzfläche vor- oder zurückschieben. In der Mitte kann durch Ziehen ganz klassisch die Sitzhöhe verstellt werden. In der hinteren Stellung wird dagegen die Rückenlehne freigegeben.
Ungewohnt ist dagegen der vergleichsweise offene Sitzwinkel. Selbst in der aufrechtesten Position sitzt man leicht nach hinten geöffnet. Das muss nicht schlecht sein, fühlt sich aber anders an als bei Stühlen, die einen stärker in eine aufrechte Arbeitsposition bringen. Ob einem das gefällt, hängt vermutlich stark davon ab, wie man normalerweise sitzt und arbeitet.
Ein erster Kritikpunkt ist für mich der Widerstand der Rückenlehne. Die Lehne gibt für mein Empfinden zu leicht nach. Optimal wäre es, wenn man den Gegendruck an das eigene Körpergewicht anpassen könnte. So könnte man den Wippmechanismus der Rückenlehne auch beim aufrechten Arbeiten offen lassen und sich immer wieder leicht zurücklehnen, ohne das der Stuhl zu weit nachgibt.
5. Statische Einstellmöglichkeiten
Neben den eher klassischen Einstelloptionen wie Sitzhöhe und Neigungswinkel der Lehne lassen sich bei diesem Stuhl zahlreiche weitere Elemente individuell anpassen:
- die Armlehnen sehr granular in Höhe, Position und Neigung, wobei vorderer und hinterer Teil getrennt justiert werden können,
- die Kopfstütze in Höhe und Neigung,
- die Rückenlehne als Ganzes in der Höhe in insgesamt acht Positionen,
- die Lenden- und Kreuzbeinstütze in ihrer Intensität in drei Positionen,
- die Sitztiefe.
Die Lenden- und Kreuzbeinstütze wird über einen separaten Hebel direkt an der Stütze selbst verändert. Die Höhe der Rückenlehne wird direkt an der Rückenlehne eingestellt, indem diese Stück für Stück nach oben gezogen wird. In der obersten Position löst die Rasterung wieder aus, sodass die Rückenlehne erneut nach unten geführt werden kann. Auch die Armlehnen lassen sich durch einfaches Ziehen und Drehen in nahezu jede gewünschte Position bringen. Die Kopfstütze wird am Trägerarm in der Höhe und am Gelenk in der Neigung verstellt. Zusätzlich lässt sie sich in der Aufnahme selbst nochmals nach oben verschieben.
Der zentrale Einstellhebel
WYSIWYG - die Bedienung gibt keine Rätsel auf
6. Dynamische Anpassungen: SynchroFlex als Star des DynaCore Systems
Hinzu kommt der adaptive Aufbau der Rückenlehne, die zwei Betriebsarten kennt. Grundsätzlich kann die Lehne über einen Schalter arretiert werden, wodurch sie sich wie bei anderen Stühlen statisch verhält. Interessant wird es, wenn man die Rückenlehne über den Schalter freigibt: Dann passt sie sich dynamisch an die Sitzposition an und folgt im Rahmen eines Gleitmechanismus den Veränderungen der Sitzhaltung.
Diese dynamische Rückenlehne nennt Sihoo „SynchroFlex System“. Sie ist der für den Oberkörper relevante Teil des DynaCore Systems. Da an dieser dynamischen Rückenlehne auch die Lenden- und Kreuzbeinstütze fest mitgeführt wird, bewegt sich diese ebenfalls mit. Sihoo beschreibt dieses Zusammenspiel als „Domino“. Tatsächlich liegt der entscheidende Punkt auch hier im Gleitmechanismus des Rückenteils: Die Position der dynamischen Rückenlehne orientiert sich spürbar an der Position des unteren Rückens. Bewegt sich der untere Rücken, folgt die Rückenlehne dieser Bewegung. So bleibt die Unterstützung auch dann erhalten, wenn man seine Position auf dem Stuhl ändert.
Der Unterkörper beziehungsweise das Gesäß wird beim Zurücklehnen dagegen leicht angehoben. Auch dieser Mechanismus gehört laut Werbeunterlagen zum DynaCore-System. Von außen ist diese Bewegung zu erkennen; als Nutzer konnte ich sie jedoch nicht bewusst wahrnehmen.
7. There is another?!? – Die versteckte Einstellschraube
Beim Zusammenbau ist mir eine ovale Aussparung unter der Sitzfläche aufgefallen, durch die der Kopf einer Schraube mit Kreuzschlitz sichtbar wird. Ein Pfeil im Uhrzeigersinn und die Beschriftung mit „+“ und „-“ scheinen auf eine Einstellmöglichkeit hinzuweisen, zu der ich aber weder im Handbuch noch online etwas finden konnte.
Meine erste Vermutung war daher, dass es sich dabei eher um eine Art Grundeinstellung ab Werk handeln könnte, nicht aber um eine reguläre Einstellmöglichkeit für den Nutzer. Gleichzeitig war die Sache interessant, weil in zwei Testberichten, die ich zum Sihoo Doro C300 Pro V2 gelesen hatte, ausdrücklich erwähnt wurde, dass der Stuhl keine Möglichkeit biete, den Widerstand der Rückenlehne zu verstellen.
Um das zu klären, habe ich den Support von Sihoo angeschrieben und ein Foto der Stelle mitgeschickt. Die Antwort war überraschend eindeutig:
"Die auf Ihrem Foto gezeigte Stelle verfügt tatsächlich über eine Einstellfunktion. Diese reguliert die Spannung des Verstellmechanismus der Rückenlehne. Durch Drehen in Richtung des „+“-Zeichens wird der Widerstand erhöht (die Verstellung wird fester), durch Drehen in Richtung des „-“-Zeichens verringert (die Verstellung wird lockerer). Sie können diese Einstellung mit dem entsprechenden Werkzeug an Ihre Bedürfnisse anpassen."
Damit war natürlich meine Neugier geweckt, ergab sich doch so die Chance dem Leser hier einen echten Mehrwert zu bieten. Also habe ich versucht, die Einstellung praktisch nachzuvollziehen. Die Öffnung ist sehr schmal, sodass man einen entsprechend langen und dünnen Schraubendreher benötigt. Gleichzeitig bekommt man durch die enge Führung kaum Rückmeldung, ob man wirklich sauber im Schraubenkopf sitzt oder nur halbwegs greift.
Bei meinem Stuhl ließ sich die Schraube schließlich tatsächlich um etwa zwei volle Umdrehungen im Uhrzeigersinn drehen. So richtig nach einer gewollten Nutzereinstellung fühlte sich das aber nicht an. Dafür ist die Schraube zu schlecht erreichbar und das Feedback beim Drehen zu unklar. Ich habe den Schraubenkopf dabei mindestens leicht in Mitleidenschaft gezogen. Der Schraubendreher greift zwar noch, die Schraube lässt sich bei mir mit vertretbarer Kraft aber weder weiter hinein- noch zurückdrehen. Es fühlt sich so an, als sei sie blockiert.
Subjektiv bilde ich mir ein, dass der Widerstand der Rückenlehne dadurch tatsächlich minimal zugenommen hat. Der Unterschied ist aber gering, und für mein Empfinden bleibt die Rückenlehne weiterhin zu leichtgängig.
Für mich bleibt hier deshalb ein zwiespältiger Eindruck: Ja, wahrscheinlich lässt sich an dieser Stelle tatsächlich etwas am Widerstand verändern. Praktisch wirkt die Lösung aber eher wie eine werksseitige Justageschraube als wie eine reguläre Einstellfunktion. Ich würde davon abraten, sie ohne Not zu verstellen.
Die geheimnisvolle Schraube
Der dazu passende Schraubenzieher wird mit dem Alpenföhn mitgeliefert
"Rien ne va plus" - Nichts geht mehr.
Tatsächlich sitzt die Schraube direkt an oder in der betreffenden Feder
8. Praxiseindruck nach zehn Arbeitstagen
Nach dem ersten Eindruck ging es für mich vor allem um die Frage, wie sich der Stuhl in meinem echten Alltag schlägt. Ich habe den Sihoo Doro C300 Pro V2 inzwischen an etwa zehn vollen Arbeitstagen genutzt, also jeweils acht Stunden plus. An den Wochenenden kam noch etwas kürzere private Nutzung dazu.
Nach 6 bis 8 Stunden steht man natürlich auch von diesem Stuhl nicht so auf, als hätte man den Tag nicht größtenteils sitzend verbracht. Im direkten Vergleich zu meinem bisherigen IKEA Nominell ist der Unterschied für mich aber deutlich. Ich bin abends spürbar weniger ermüdet. Vor allem zwickt der untere Rücken jetzt deutlich weniger.
Ich neige grundsätzlich zu Verspannungen im Nacken. Das war mit meinem bisherigen Stuhl so und ist auch mit dem Sihoo nicht verschwunden. Hier spielt wohl eher die Monitorhöhe und die gesamte Arbeitsplatzergonomie eine größere Rolle als der Stuhl selbst. Der C300 Pro V2 verursacht bei mir aber jedenfalls keine zusätzlichen Nackenprobleme. Die Schultern fühlen sich durch die gut einstellbaren Armlehnen entspannter an. Das Gesäß macht sich nach acht Stunden plus natürlich auch irgendwann bemerkbar und moniert, dass man doch sehr lange gesessen ist.
Der für mich größte Unterschied liegt klar im unteren Rücken. Hier fühlt sich der Sihoo deutlich anders an. Ich stehe nach einem langen Tag nicht völlig frisch auf, aber eben doch deutlich entspannter als vom Nominell.
Mein Arbeitsplatz - keine LEDs - dafür meterweise Aktenordner
9. Mein bevorzugter Nutzungsmodus: Rückneigung gesperrt, SynchroFlex aktiv
Der C300 Pro V2 hat hier im Grunde zwei Dinge, die man auseinanderhalten muss. Zum einen gibt es die große Neigefunktion, bei der man sich als Ganzes weiter nach hinten lehnen kann. Diese Funktion ist mir vom Widerstand her zu leichtgängig. Wenn ich sie offenlasse, gibt die Lehne für mein Empfinden zu schnell und zu weit nach.
Davon unabhängig bleibt bei mir aber das SynchroFlex-System aktiv. Die Rückenlehne kann also weiterhin nach oben und unten gleiten und sich dynamisch über die Lenden- und Kreuzbeinstütze an der Sitzhaltung orientieren. Ich sitze also meistens mit gesperrter großer Rückneigung, aber mit aktivem SynchroFlex-System. In dieser Kombination funktioniert der Stuhl für mich am besten.
10. Der Schreibtisch: das Bergwerk des 21. Jahrhunderts.
Mein Hauptszenario ist klassisches Homeoffice. Viel Tippen, viel Bildschirmarbeit, Videokonferenzen und immer wieder längere Phasen, in denen ich eher statisch auf Logs, Monitoring, Konfigurationen oder Fehlermeldungen schaue.
Normalerweise nimmt man in solchen konzentrierten Phasen kaum bewusst wahr, wie man gerade sitzt. Während des Tests habe ich darauf natürlich stärker geachtet. Wenn ich mich wirklich konzentrieren muss, sitze ich eher aufrecht. Gleichzeitig bewege ich mich auf dem Sihoo hin und wieder ein Stück mit dem Stuhl nach vorne oder verändere leicht meine Position.
Beim reinen Tippen nutze ich die Armlehnen gerne nach innen zum Körper gedreht und ungefähr auf Höhe der Schreibtischplatte. Meine Tastatur wandert dann etwas weiter nach vorne. Dadurch kann ich etwas zurückgelehnter sitzen und muss mich nicht nach vorne beugen. Das funktioniert erstaunlich gut, weil die Armlehnen sehr variabel einstellbar sind.
Wenn ich dagegen viel mit der Maus arbeite, sieht es anders aus. Ich nutze eine eher niedrige Mausempfindlichkeit ohne Mausbeschleunigung und brauche entsprechend Platz auf dem Schreibtisch. In solchen Situationen nutze ich die Armlehnen nicht aktiv, sondern drehe sie aus dem Weg und lege die Unterarme eher auf dem Tisch ab. Das ist aber kein Manko des Stuhls, sondern eher meiner Art, die Maus zu nutzen. Positiv ist, dass die Armlehnen dabei nicht stören, weil sie sich eben sehr flexibel wegdrehen lassen.
Mein Schreibtisch hat eine Plattenoberkante von ungefähr 72 cm. Wenn ich mit der Sitzhöhe etwas heruntergehe, komme ich mit den Armlehnen auch bequem unter den Tisch. Insgesamt passt das Zusammenspiel aus Sitzhöhe, Armlehnen und Schreibtisch für mich gut.
11. Bildbearbeitung und Gaming
Bildbearbeitung und Gaming waren bei mir keine Hauptszenarien, ich habe beides aber kurz ausprobiert. Bei der Bildbearbeitung ging es um einige Fotos für eine Einladungskarte, also eher um eine halbe Stunde konzentrierte Mausarbeit. Einschränkungen hatte ich dabei keine. Wie auch im normalen Arbeitsalltag nutze ich die Armlehnen bei viel Mausarbeit eher nicht aktiv, weil ich auf dem Schreibtisch mehr Bewegungsfreiheit brauche. Das ist aber kein Problem des Stuhls; positiv ist eher, dass sich die Armlehnen flexibel genug aus dem Weg drehen lassen. Die Rückenunterstützung durch SynchroFlex bleibt auch in dieser Haltung erhalten.
Gaming habe ich mit PUBG per Maus und Tastatur sowie The Witcher 3 mit Gamepad ausprobiert, jeweils weniger als eine Stunde. Mit Maus und Tastatur sitze ich ähnlich wie beim Arbeiten eher aufrecht. Mit Gamepad lehnt man sich automatisch weiter zurück. Gerade hier machen die mitgehenden Armlehnen Sinn, weil sie im gleichen Winkel mit der Rückenlehne zurückgehen. Würde ich den Stuhl vor allem für entspanntes Spielen mit Gamepad nutzen, wäre die Variante mit Fußstütze wahrscheinlich die naheliegendere Wahl.
12. Passform bei 190 cm und rund 110 kg
Bei meiner Größe und meinem Gewicht war ich gespannt, ob der Stuhl irgendwo offensichtlich an seine Grenzen kommt. Das ist bei mir jedoch nicht der Fall. Die Sitzhöhe bietet sogar noch etwas Luft nach oben. Die Rückenlehne nutze ich aktuell auf Stufe 4 von 8. Gestartet bin ich hier mit Stufe 3. Das passt für mich besser.
Die Lenden- und Kreuzbeinstütze hatte ich am Anfang auf Stufe 3. Das war zunächst angenehm, wurde mir nach einiger Zeit aber etwas zu präsent. Aktuell nutze ich Stufe 1. Das reicht mir im Alltag aus, gerade weil die Stütze über das SynchroFlex-System ohnehin gut an der richtigen Stelle bleibt.
Die Sitztiefe nutze ich ungefähr in der Mitte. Die Sitzfläche selbst hatte ich anfangs als eher kompakt wahrgenommen. Nach zehn Arbeitstagen habe ich mich daran gewöhnt und sie passt mir inzwischen gut. Ein eingeengtes Gefühl habe ich nicht. Allerdings würde ich schon sagen: Deutlich breiter sollte man aus meiner Sicht nicht sein. Sonst könnte es bei entspannter Beinposition passieren, dass man seitlich auf dem Kunststoffrahmen sitzt.
Bei sehr großen Menschen mit langen Armen könnten meiner Einschätzung nach eher die Armlehnen an ihre Grenzen kommen als Sitzhöhe oder Rückenlehne. Wenn man sehr aufrecht sitzt und nicht oder nur wenig unter den Tisch kommt, hätte ich mir bei den Armlehnen teilweise noch einen Tick mehr Spielraum nach unten gewünscht. In der normalen Computernutzung relativiert sich das aber, weil die Arme ohnehin nach vorne Richtung Tastatur und Maus gehen.
13. Vergleich zum IKEA Nominell
Mein bisheriger Stuhl war ein etwa 15 Jahre alter IKEA Nominell. Der war zu Studienzeiten sicher einmal völlig in Ordnung, passt aber nicht mehr zu meinem heutigen Nutzungsprofil. Ich hätte ihn ehrlich gesagt schon viel früher ersetzen sollen.
Ein direkter Vergleich aus dem Gedächtnis ist natürlich nicht ganz sauber, weil man alte Sitzgefühle nicht exakt wie eine alte Telefonnummer abrufen kann. Für mich war der Unterschied im Alltag trotzdem deutlich. Auf dem Nominell hat es vor allem im unteren Rücken schneller gezwickt. Dadurch hat man zwar ebenfalls immer wieder die Position verändert, aber eher, weil es unangenehm wurde. Auf dem Sihoo bewege ich mich vermutlich nicht weniger, aber aus anderen Gründen: weniger als Ausweichbewegung wegen Beschwerden, sondern eher weil der Stuhl die kleinen Bewegungen sinnvoll mitmacht.
Nach einem langen Arbeitstag bin ich auf dem C300 Pro V2 merklich entspannter. Vor allem im Lendenbereich merke ich die Unterstützung durch den neuen Stuhl klar.
Hat nominell ausgedient - mein alter Bürostuhl
Macht aus einem Ackergaul kein Rennpferd, stützt aber ganz entspannt den Rücken - der Sihoo Doro C300 Pro V2
14. Mein Fazit und das Testversprechen: Entlastung oder Komfortfeature?
Meine zentrale Frage aus der Bewerbung war, ob der „Full-Body Adaptive Support“ im Alltag tatsächlich einen spürbaren Mehrwert bietet oder am Ende vor allem ein Komfortversprechen bleibt. Nach dem Test kann ich klar sagen: Ja – aber.
Ja, weil der von Sihoo SynchroFlex genannte Gleitmechanismus der Rückenlehne tatsächlich eine spürbare Entlastung bringt. Die Rückenlehne samt Lenden- und Kreuzbeinstütze sortiert sich durch diesen Mechanismus erstaunlich natürlich zur eigenen Körperhaltung. Rutscht man etwas nach hinten, um aufrechter zu sitzen, folgt die Lenden- und Kreuzbeinstütze. Sinkt man tiefer ein, folgt sie wiederum. Gerade im unteren Rücken bin ich nach langen Tagen deutlich entspannter als vorher. Für mich ist das die größte Stärke des Stuhls.
Aber: Durch den ab Werk sehr leichtgängigen und nicht - beziehungsweise nicht praktikabel - in seinem Widerstand verstellbaren Wippmechanismus bleibt hier Potenzial liegen. Wäre der Widerstand passend zum Körpergewicht einstellbar, könnte man sich immer wieder ein Stück weit gegen den Widerstand zurücklehnen, während die SynchroFlex-Mechanik Lenden- und Kreuzbeinstütze passend zur jeweiligen Körperhaltung ausrichtet.
Man merkt an dieser Stelle vielleicht, dass ich den Stuhl hier nicht nur mit meinem bisherigen Bürostuhl vergleiche, sondern auch mit dem theoretisch möglichen Stuhl, der das erkennbare Potenzial des SynchroFlex-Mechanismus vollständig ausschöpft. Vielleicht kommt Sihoo in einiger Zeit tatsächlich mit einer dritten Version dieses Stuhls, die meine zwei einzigen wirklichen Kritikpunkte abstellt: eine etwas aufrechtere Position in der obersten Lehneneinstellung und eine praktikable, wirksame Einstellmöglichkeit für den Widerstand der Rückenlehne.
Bis dahin (und darüber hinaus) bleibt der Sihoo Doro C300 Pro V2 ein sehr guter Stuhl, der sehr vieles richtig macht. Materialauswahl und Verarbeitung sind tadellos; der Stuhl wirkt belastbar und wertig. Das Design ist absolut bürotauglich. Die Armlehnen sind durchdacht und können in jede mögliche und unmögliche Position gebracht werden. Der Stuhl bleibt dabei einfach zu bedienen, lässt sich unkompliziert an die eigenen Bedürfnisse anpassen und — was für mich der eigentliche Clou ist — er passt sich im Alltag auch ein Stück weit an die Person an, die gerade auf ihm sitzt. Und daran, wie sie sitzt.
15. TL;DR - Pro und Contra
Pro
- Sehr gute Materialauswahl und Verarbeitung
- Stabiler, wertiger Gesamteindruck auch bei großen und schweren Personen
- SynchroFlex-System bringt im Alltag spürbare Entlastung im unteren Rücken. Lenden- und Kreuzbeinstütze folgen der eigenen Sitzhaltung sehr natürlich
- Umfangreiche, einfach zu bedienende Einstellmöglichkeiten
- Sehr flexible und durchdachte Armlehnen
- Gute Alltagstauglichkeit für Homeoffice, Bildschirmarbeit und lange Arbeitstage
Contra
- Wippmechanismus ab Werk sehr leichtgängig
- Widerstand der Rückenlehne nicht, beziehungsweise nicht praktikabel, einstellbar
- Aufrechteste Sitzposition mit 105° etwas offen
- Versteckte Einstellschraube in Funktion unklar und nicht sinnvoll dokumentiert
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