Essentialismus

DerOlf schrieb:
Die Crux ist, dass es dabei nicht um dich geht.
Die allgegenwärtige Selbstbezogenheit, für die es keinen eigenen Wikipedia-Artikel gibt, sondern in vielen erwähnt wird.
Egomanie
Egozentrik
Narzissmus
Paranoia
Narzisstische Persönlichkeitsstörung
Paranoide Persönlichkeitsstörung
Histrionische Persönlichkeitsstörung
Dissoziale Persönlichkeitsstörung
Autismus
...
Das eröffnet ein weites Feld.

Selbstbezogenheit begegnet mir öfters und passiert auch mir. Dann gibts immer diesen Scham-Effekt: ooooops, jetzt ist es mir selbst passiert. Ironie.

Dass es nicht um mich geht ist mir bereits bewusst. Ebenso wie es hier in diesem Thema nicht um mich geht. Es geht nur irgendwie darum das Beobachtete und Erlebte einordnen zu können. Ich beziehe es nicht auf meine Person, da es ja auch gegenteilige (positive) Feedbacks gibt. Also kann es nicht an mir liegen, oder wenn dann nur bei bestimmten Personen / Konstellationen.

Wegen der Ironie kommt es grundlegend darauf an, wie ernst es genommen wird, da es einem ja auch selbst passieren kann. Von daher ist der Essentialismus nochmals ein gesteigertes Thema von Essentialisierung, da mittels diesem die Essentialisierung zum Ideal ernannt wird, die es anzustreben gelte (siehe Ismus). Wenn dann die Person gegenüber also an ihrer Essentialisierung festhält und diese verteidigt ohne irgendwie die Sache locker zu sehen, dann geht es in Richtung Essentialismus. Aber auch hier wieder ...

Nicht selten führt die Essentialisierung zu Diskreditierung und Diffamierung in einem Gewand aus Gelächter - so wie einer Person jegliche Ernsthaftigkeit absprechen, aber wiederum so, als sei es lustig dies zu tun. In etwa so: "hahaha, schaut mal was der noch so macht, und jetzt macht er das." Eine Art "auf lustige Weise ins Lächerliche ziehen". Es gibt aber auch die Art, bei der etwas zu ernst genommen wird, und vorher in einen falschen Kontext gestellt wird, damit es plausibel erscheint und die Diskreditierung und Diffamierung besser wirkt. In etwa so: "die ... , bei der du (anderweitig) bist, ist jetzt also frauenfeindlich."

Im Bezug zum verlinken meiner Websites, weswegen ich auf das Thema gekommen bin: Es geht zwar nicht um mich, aber ich muss es auch nicht haben, also versuche ich es zu vermeiden. Da es diese Essentialisierung nunmal gibt, muss ich sie ja nicht noch unterstützen.

Ein bisschen weitergedacht denke ich dabei auch an Search-Engines und KI, die allen Content in irgendeinen Kontext stellt. Wenn dann auf die Verlinkung meiner Websites nur Negatives kommt, ... Muss ich auch nicht haben.
 
Fotografie ... Kunst ... das ist mir jetzt schon zum x-ten Mal begegnet:

Institutionen, meist mit öffentlichen Fördergeldern finanziert, machen Kunstprojekte und benötigen für deren Durchführung Personen, die während der Events anwesend sind. Sozusagen Aufpasser, die auf/zuschließen und möglichst freundliche Ansprechpartner sind.

Da passt also irgendeine Person, meist MAE-Kraft, sogar selbst Künstler, auf die Kunstinstallation auf, öffnet und schließt die Tür, und sitzt da mehr oder minder gelangweilt die ganze Zeit da herum und bekommt sogar Geld dafür. Für mehr als das ist die Person auch nicht vorgesehen und es wird anhand des Bildungsstands auch davon ausgegangen, dass sie zu mehr gar nicht in der Lage ist. Nun passiert es, wie der Zufall will, dass eine andere künstlerisch tätige Person mit dieser Person ins Gespräch kommt. Es wird sich über Kunst, auch die eigene, und weiteres unterhalten. Und da kommt es dann raus, dass die da nur fürs Herumsitzen vorgesehene Person eine Nähe zur politisch Rechten hat, die nur nur falsch verstanden werden würde. Es wird an politisch rechte Verschwörungstheorien geglaubt, aber man sei nicht rechts.

Ist jetzt die gesamte Kunstaktion, das gesamte Kunstprojekt, die Institution wegen dieser Personen abzuwerten? Irgendwie ist dies möglich, da diesen vorgeworfen werden könnte es politisch nicht so genau zu nehmen und eben auch solche Personen zu nehmen.

Vergleichen wir mit einem Türsteher, der nachgewiesen und allgemein bekannt der politisch rechten Szene angehört. Die Clubbetreiber sehen sich der alternativen Szene zugeordnet, die wiederum politisch links zugeordnet wird. Sie sehen in der Auswahl ihres Türstehers kein Problem.
Ist der Club wegen des Türstehers politisch rechts? Das wäre Essentialisierung. Aber:
Wird bei den Clubbetreibern genauer hingesehen, sind Tendenzen zur rechten Szene zu erkennen und das "links-alternativ" Image schwindet.

Kann bei der Kunst-Institution von ähnlichem ausgegangen werden? Zumindest ist der Vorwurf gerechtfertigt, dass ihr Personal politisch rechts ist und sie es demnach politisch nicht so genau nehmen, also für politisch rechts offen sind.

Was willst du machen? Willst du es den Institutionen mitteilen? Das ist ein Risiko auf deiner Seite, weil du nicht weißt wie sie damit umgehen. Also ist es dir besser egal und auch die gesamte Institution und ihre Kunst. Es ist dann eher sowas wie ein stiller Protest. Vielleicht spricht es sich herum und dann hat die Ini ihren Ruf weg.

Korrekt wäre bei der Ini zu intervenieren und das Problem zu beseitigen, was ein riesen Aufwand ist. Also Essentialisierung und Feierabend. Essentialisierung als Form des Protestes?
 
Mirlo schrieb:
Kann bei der Kunst-Institution von ähnlichem ausgegangen werden?
Ohne weitere Details jedenfalls nicht sicher, denn das gibt die "Datenlage" in dem Fall einfach nicht her.
Mirlo schrieb:
Zumindest ist der Vorwurf gerechtfertigt, dass ihr Personal politisch rechts ist und sie es demnach politisch nicht so genau nehmen, also für politisch rechts offen sind.
Klassischer Fehlschluss ... leider wieder ziemlich in Mode.

Nicht jede Kunstinstitution ist politisch (und bei denen, die es sind, weiß und merkt man das) ... meist liegt der Fokus eher darauf, Kunst und Kunstschaffende zu präsentieren ... sekundär wäre da noch eine Werbefunktion (für die ausgestellten Kunstschaffenden) und damit auch indirekt die Funktion einer "Verkaufsplattform".

Je nach ausgestellter Kunst werden natürlich alle diese Institutionen primär drauf achten, dass ein ruhiger und geordneter Ablauf der Veranstaltung gewährleistet ist. Je nach Kunst kann das auch Einschränkungen bei der Personalauswahl bedeuten.
Wenn man nicht gerade politisch irgendwie "belastete" Kunst ausstellt, ist die politische Ausrichtung der Angestellten egal.
Sowieso ist sie Privatsache.

Der AG ist ganz allgemein garnicht befugt, Bewerber nach politischer Einstellung zu fragen. Kein Bewerber muss Fragen nach seiner politrischen Einstellung beantworten, wenn er das nicht will. Der Personaler ist gut beraten, garnicht erst zu fragen.
Laut GG gibt es so einiges, was bei einer Entscheidung für einen Posten keine Rolle spielen darf. Geschlecht, sexuelle oder politische Ausrichtung zum Beispiel.

Von der Beschäftigung eines Menschen mit rechten Tendenzen darauf zu schließen, der ganze Verein hätte rechte Tendenzen, ist ein Fehlschluss.
Leider ist er in der heutigen Zeit fast normal. "Stimmung gegen jemanden" zu machen, bringt schließlich auch Clicks und Werbeeinnahmen.
Dafür, dass sich ein gestreutes Gerücht schnell verselbstständigt, kann doch der nichts, der es gestreut hat. Das machen dann ja die Anderen.

Insgesamt:
Wie wäre es denn mal damit, eine Institution über ihr Wirken zu bewerten, statt sie auf einen Umstand zu reduzieren, den diese Institution als Arbeitgeber in Deutschland überhaupt nicht kontrollieren DARF?

Eine Gesellschaft, die ihre Institutionen so bewertet, leidet vor allem an einem Mangel an Bildung.
Das ist aber auch nichts neues.
 
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Reaktionen: Mirlo
Nicht jeder Arbeitnehmer ist direkt ein Repräsentant des Arbeitgebers. Und bei denjenigen die den Arbeitgeber repräsentieren, wird abgewogen ob sie tragbar sind oder nicht.
Wenn mein Nazi-Türsteher die halbe Kundschaft draußen stehen lässt, wird er den Job nicht lange haben. Die Meinung des Hiwi, der auf der Kunstausstellung das Licht ausschaltet wird dagegen die wenigsten interessieren. Solange ich keine Angst haben muss, dass mir der McClerk auf den Burger spuckt, ist mir auch egal was der in seiner Freizeit treibt.

Normalerweise lässt man bei Kundenkontakt seine politischen Ansichten zuhause. Lässt der Arbeitgeber allerdings so etwas wie politische Aufkleber auf den Firmenfahrzeugen zu, reflektiert natürlich auf das Unternehmen und darf auch kritisiert werden.
 
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Es passiert aber, dass Leute wegen ihrer "Privatsache" entlassen werden, wenn die Firma deswegen kritisiert wird. Cancel Culture. Es ist dann aber doch eine Essentialisierung, wenn die Person ihren Job gut macht. Es ist dann aber auch wieder wie beim bereits erwähnten Fotografen, der Aufträge von politisch rechten Personen annimmt, wenn der Kunde wie ein Angestellter betrachtet wird.

Die etablierte rechtsextreme Partei zeigt auf, wie viele politisch rechtsextreme Konservative es tatsächlich gibt. Die rein Konservativen haben bereits erkannt, dass diese politisch Rechtsextremen ebenso wie sie konservativ sind, oder zumindest so tun. Endlich kann eine jede gemeine konservative Person ihre politisch rechtsextreme Denkweise ungeniert offenbaren. Denn deswegen waren sie dahingehend bisher sehr zurückhaltend. Sie wollten nicht der dumme Dorfnazi sein. Die sogenannten Spießer waren sie schon immer. Nun wird ersichtlich, dass es sehr viele Dorfnazis gibt, im Grunde sehr viele der Konservativen Dorfnazis sind. Es ist zwar viel darüber zu lesen, aber es kann auch selbst in Erfahrung gebracht werden. Einfach mal mit den Leuten reden, geschickt. Sie wissen zwar nichts von Essentialisierung, aber sie wollen nicht essentialisiert werden. Sie wählen die erwähnte Partei rein aus Protest und sonst nichts. Dass Parteimitglieder rechtsextrem sind und das Parteiprogramm rechtsextrem ist, das wäre nicht OK und es gehöre geändert, aber da könne man nichts machen. Sie als deren Wähler wollen aber nicht rechtsextrem genannt werden, da sie ja nur protestieren würden. Sie wollen nicht auf den rechtsextremen Aspekt essentialisiert werden. Dass einzelne Personen dieser Partei einen Putsch planen, davon wollen sie nichts wissen. Sie essentialisieren die Partei auf "Protest" und essentialisieren sich somit ebenso auf "Protest", damit sie von anderen nicht auf "rechtsextrem" essentialisiert werden.

Lapidar gesagt: sie sind so dermaßen dumm, dass sie diese Partei in die Regierung wählen und sich dann aus allem rausnehmen, weil sie hätten die Partei ja nur wegen "Protest" und nicht wegen "rechtsextrem" gewählt.

Es könnte also gesagt werden, dass Essentialisierung (auf rechtsextrem) klug wäre (um rechtsextrem zu ächten). Es ist aber klüger nicht zu essentialisieren, sondern zu sagen, dass sie "auch" (also nicht nur) rechtsextrem sind, und dieses rechtsextrem alles andere als OK ist: Du bist ein guter Mensch, aber den rechtsextremen Scheiß solltest du besser sein lassen.

Da gibt es nun diese NSDAP-Mitglieder Datenbank. Reichlich spät. Nur wenige können damit noch tatsächlich etwas anfangen, weil die meisten schon verstorben sind. Diese NSDAP-Mitglieder würden heute ebenso behaupten, dass sie keine Nazi (gewesen) seien. Denn sie waren ja aus ganz anderen Gründen (freiwillig) Mitglied. Solche Personen (noch) zu kennen, die sich selbst als die Normalität begriffen ... und die hinterher nichts mehr damit zu tun haben wollten. Sie wollen nicht darauf essentialisiert werden. Aber sie waren Mitglied und somit Nazis.

"Nazi sein" war damals eben nicht etwas anderes als heute diese Partei zu wählen. Der Begriff "Nazi" muss es allerdings nicht sein, es genügt "rechtsextrem". Alle diese Wähler sind Rechtsextremisten, weil sie diese Partei wählen. Diese Partei kommt genauso daher, wie die damalige. Aber sie ist nicht die damalige, sondern an die Zeit angepasst. Sie ist modern, sie ist Protest, sie ist verführerisch, und sie ist rechtsextrem.

Sie wollen nicht essentialisiert werden (nicht "Nazi" genannt werden), weil sie "Ausländer raus!" nicht aus rechtsextremen Gründen fordern und die Partei nicht wegen ihres Rechtsextremismus wählen. Das ist schon ziemlich konfus. Da muss man erst einmal drauf kommen. Aber wie war das mit dem Universum und der Dummheit? Das ist kein Scherz. Die meinen es ernst. Dummheit ist eine Gefahr.
 
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