Essentialismus

Und warum steht dann etwas anderes im Threadtitel?
 
Denke nicht daß man als Fotograf tendenziell reich werden kann, möglicherweise gehört das zur Kategorie "brotlose Kunst" oder worauf zielt die Eingangsfrage ab?

Normalerweise verfügen Profis über gut gefüllte Auftragsbücher, wenn man gute Arbeit leistet, wenn der TE also ein guter Fotograf ist, dann muss irgendwas anderes sein was die Leute massiv abstößt, will heißen wenn der "Weirdfaktor" zu groß ist, dann wirkt sich das schlecht auf die Kommerzialisierung aus. Diese Pastafari Satire z.b. mögen ja viele Leute lustig finden, aber im Geschäftsleben schreckt das ab. Das wäre wie ein Finanzberater der sich an Karneval als Clown verkleidet - er wird es nicht machen.
 
Mirlo schrieb:
Thema: Essentialisierung
Unterthema: Essentialismus
Kommt aber auch darauf an, welche Aspekte man betrachtet. Die Natürliche und von Geburt an, wie Geschlecht, Hauptfarbe, Größe usw. Kulturelle wie Religion, Nationalität. Dinge die sich im laufe erst entwickeln wie Sexuelle Orientierung, Sozialgeschlecht, eventuell auch Religion (ist da auch etwas fließend). Oder sehr bewusste Dinge, wie Beruf (im Rahmen was die Bildung zulässt), politische Ausrichtung, Hobbys, nochmals Religion?

Je nach Ebene bin ich da toleranter oder nicht. Wenn wir beim Fotografen bleiben. Es ist mir egal, welche Hautfarbe, Geschlecht, oder Proportionen er oder sie hat. Die Person soll einfach nur die Bilder machen. Nur bei der Wahl einer Partnerin bin ich etwas kleinlich und gebe zu, dass das Geschlecht schon eine Rolle spielt.

Auch die zweite Ebene ist mir im Grunde egal, solange mich der Fotograf nicht während dem Shooting nicht von seiner Religion bekehren will, oder die ganze Zeit über Fußball redet (mal als kulturelles Beispiel). Ich würde jetzt auch z.B. kein Autohändler/Autowerkstatt meiden, weil ich zufällig mitbekam, dass einer ihrer Kunden ein Sympathisant einer mir unliebsamen Partei ist. Allein schon aus dem Grund, weil das statistisch gesehen wohl kaum noch möglich ist, dass das nicht vorkommt.

Aber jetzt auf der dritten Ebene (als kurzer Einschub. Diese Ebenen habe ich jetzt so definiert. Das sind keine offizielle Ebenen), wie politische Ausrichtung, oder sehr fragwürdige Hobbys, wie "Pferderennen". Und das so offensichtlich, dass man das mit etwas googlen leicht herausfindet, halt ich es als legitim eine Person schon anhand dem als ganzes zu beurteilen und als Ausschlusskriterium zu benützen. Ich hätte auch Verständnis, wenn man das auch bei mir macht (Ich muss sogar sagen, leider passiert das bei einigen Situationen nicht). Wie auch gesagt, man muss für sich selbst wissen, ob man sich das leisten kann.

Ich hoffe, dass diese Antwort entsprechend des Thema war.
 
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Mirlo schrieb:
Das Thema ist "Essentialisierung". Es hat zwar einige Postings gedauert, bis dies eruiert werden konnte, wurde aber bereits vor einigen Post erledigt.

Thema: Essentialisierung
Unterthema: Essentialismus

Dann möchte ich bitten Threadüberschrift als auch Eingangspost entsprechend zu überarbeiten
 
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CCIBS schrieb:
Kommt aber auch darauf an, welche Aspekte man betrachtet.
Es ist auf jedenfall ein sehr vielschichtiges Thema. Vermutlich kann sich (gegenwärtig) keiner vollkommen freisprechen. Ich finde es sehr interessant wie vielfältig das Thema ist und welche Bereiche es alles tangiert, sowie wie aktuell es ist.
CCIBS schrieb:
solange mich der Fotograf nicht während dem Shooting
Es kann auch andersherum gesehen werden, dass der Fotograf dich essentialisierend ausmustert. Das ist sogar eindrücklicher. Stell dir vor du als Kunde wirst wegen irgendeiner Sache, die nichts damit zu tun hat, abgelehnt. Wie fühlt sich das an?
Noxiel schrieb:
Dann möchte ich bitten Threadüberschrift als auch Eingangspost entsprechend zu überarbeiten
Das ist dem TE nicht möglich. Da kann nur die Moderation drum gebeten werden, was hiermit geschehen ist.
Bzw. wird es wohl so sein, dass die Threadüberschrift nicht veränderbar ist, aber der Eingangspost. Da kann ich eine Anmerkung dazu machen.
 
@Mirlo
Du kannst deinen eigenen Eröffnungsbeitrag nicht editieren?

Sag mir wie dein Thread per Überschrift lauten soll, das ändere ich dann gerne. Deinen geänderten Eröffnungsbeitrag kannst du mir ansonsten auch per PM zukommen lassen.
 
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Noxiel schrieb:
Du kannst deinen eigenen Eröffnungsbeitrag nicht editieren?
Doch das schon, aber nicht den Titel. Ich habe den TE jetzt am Anfang editiert. Wenn du den Titel anpassen willst, dann mach. Schreib dann bitte am Anfang eine kleine Anmerkung zur Titel-Änderung.
 
So funktioniert das nicht @Mirlo
Bitte überarbeite den Eingangsbeitrag aber noch einmal so, dass die allgemeine Fragestellung stärker im Mittelpunkt steht. Aktuell enthält dein Beitrag sehr viele persönliche Erfahrungen und Wertungen. Dadurch besteht die Gefahr, dass die Diskussion nicht über das gesellschaftliche Phänomen läuft, sondern über deinen konkreten Fall oder deine Person. Der Eingangsbeitrag ist zu lang und das eigentliche Thema ist ja auch erst im Laufe der Diskussion entstanden. Neue User sollen einen einfachen Zugang in dieses Thema haben und wie gesagt, das Thema soll allgemein gehalten sein und nicht dich als Person betreffen.
 
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Noxiel schrieb:
Bitte überarbeite den Eingangsbeitrag aber noch einmal so, dass die allgemeine Fragestellung stärker im Mittelpunkt steht.
Ich habs probiert. Ob es mir gelungen ist weiß ich nicht. Schau es dir einfach mal an.
 
Mirlo schrieb:
Es kann auch andersherum gesehen werden, dass der Fotograf dich essentialisierend ausmustert. Das ist sogar eindrücklicher. Stell dir vor du als Kunde wirst wegen irgendeiner Sache, die nichts damit zu tun hat, abgelehnt. Wie fühlt sich das an?
Weiß ich nicht. Ist mir noch nie passiert. Auf jeden Fall nicht wenn ich Kunde bin. Sobald das Geld winkt, ist vieles nicht wichtig. Aber die Leute wissen dann auch nichts von mir, außer dass ich der Kunde bin. So bekannt bin ich nicht, dass sie mehr über mich in Erfahrung bringen könnten.
Als Kunde wird man nach meiner Erfahrung eigentlich nur abweisend behandelt, wenn der Verkäufer merkt, dass man das Produkt nicht wirklich kaufen will, und deutlicher, man es sich nicht leisten kann und man nur da ist, es sich anzuschauen.
 
CCIBS schrieb:
Sobald das Geld winkt, ist vieles nicht wichtig.
Ist mir auch schon passiert. Obwohl schon einige Male vorher vage Andeutungen gemacht wurden, mir wen anderes zu suchen ... als ich dann einmal ein fettes Trinkgeld gegeben hatte, war ich auf einmal König Kunde und wurde mit Samthandschuhen bedient. Wobei ich für mich persönlich sagen muss, dass mir manchmal das Gefühl dafür fehlt gewisse Abneigungen mir gegenüber wahrzunehmen. Vielleicht weil ich sie nicht wahrhaben will? Aber das wird jetzt zu persönlich, und das wollen wir hier vermeiden. Es geht dann eher in die Richtung, dass einer bereits vorhandenen Essentialisierung ausgewichen werden will, indem sie ignoriert wird? Aber wenn sie unausweichlich tatsächlich stattfindet, ist das keine gute Idee.

Ich bin in meiner Jugend noch mit der Spaltung in Popper und Metler aufgewachsen, wobei es da noch mehr Lager gab und auch echte handgreifliche Anfeindungen. Von der Idee einer Spaltung und Lager war ich nicht abgeneigt, und auch nicht von Anfeindungen, aber von handgreiflich schon. Es sollte mehr ein illusorisches Szenario sein. Der Nebeneffekt war, dass dadurch Personen anhand ihres Musikgeschmacks beurteilt wurden, was auch eine Art Essentialisierung ist. Zwei aus verschiedenen Lagern unterhielten sich Mal ganz locker über die unterschiedlichen Musikrichtungen, da sie zusammen zur Schule gingen. Das war spannend, aber verwunderte mich auch, da diese doch verbitterte "Feinde" sein müssen! Was war ich dumm und einfältig! Da hatte ich eine Lektion gerlernt, dass diese Feindschaften besser nur Show sind und so auch viel mehr Spaß machen, wenn man die Grenzen kennt.
 
Mirlo schrieb:
Ich bin in meiner Jugend noch mit der Spaltung in Popper und Metler aufgewachsen, wobei es da noch mehr Lager gab und auch echte handgreifliche Anfeindungen. [... ]Das war spannend, aber verwunderte mich auch, da diese doch verbitterte "Feinde" sein müssen! Was war ich dumm und einfältig! Da hatte ich eine Lektion gerlernt, dass diese Feindschaften besser nur Show sind und so auch viel mehr Spaß machen, wenn man die Grenzen kennt.
Dies sind Feindschaften innerhalb der eigenen Bubble. Vom Gefühl macht das kein Unterschied und fühlt sich Real an. Für einen Außenstehenden wirkt das dann aber nur Absurd. Aber das hast du überall. Schon allein hier auf Computerbase. Eigentlich kommt man hier her, aus Interesse an Computer. Wir haben alle das selbe Interesse. Und dann kommen die Lager "Apple vs. Windows-PC", "Intel vs. AMD vs. Nvidia" "Windows vs. Linux".

Und das selbe kannst du bei Automarken machen, und beim Fußball. Ich bin Star Trek Fan und meine Erfahrung ist, ein Trekkie hasst nichts mehr, als andere Trekkies, deren Lieblings Star Trek Serie nicht die eigene ist.

Als meine Eltern ende der 80iger ein Haus gekauft haben, zogen wir in ein kleines Dorf. Gleich daneben, nicht einmal einen Kilometer weiter gab es ein weiteres Dorf. Beide Dörfer gehörten aber der selben Stadt an und hatten vielleicht nur in ihren besten Zeiten zusammen 1.000 Einwohner. Die Dörfer haben also die selbe PLZ. Das Dorf, in welches wir zogen war zu klein, um eine eigene Schule zu haben, weshalb die Grundschule im anderen Dorf war. Also bis zur vierten Klasse, gingen die Kinder da in die selbe Schule. Und trotzdem betrachteten sich diese beiden Dörfer damals (vielleicht heute auch noch, aber nicht mehr so stark wie damals) argwöhnisch. Und wenn man in eine der Dörfer zog, war es eigentlich schon vorbestimmt, in welches Dorf man ziehen würde. Und dies alles Lag einzig und allein daran, dass das eine Dorf Evangelisch war, und das andere Katholisch.

Worauf ich also hinaus will ist. Das alles, worum es hier gerade geht, hat man so ziemlich in jeder Ebene der Gesellschaft. Von Nerdige, über Gesellschaftliche, bis über Ländergrenzen hinaus. Selbst bei mir im Büro gibt es so etwas zwischen den Abteilungen. Man versteht sich mit den Kollegen der anderen Abteilungen, geht mal essen, oder unternimmt etwas. Aber wenn es ums Geschäft geht, sind das die größten Idioten, wegen denen es nie funktioniert und die Abneigung der Abteilungen wird nur von der gemeinsamen Abneigungen gegenüber den externen Büros übertrumpft, mit denen man zusammenarbeiten muss.

Und trotz alldem gibt es diesen einen Kollegen, aus der eigenen Abteilung, den ich wohl von allen am weniger leiden kann. Und zwar, weil er der Meinung ist, jeden Tag seine politische Meinung kund zu tun, obwohl ihn niemand danach gefragt hat! Es geht mir nicht einmal darum, dass er die Meinung hat, sondern darum, dass er es nicht für sich behalten kann.
 
Womit wir dann wieder bei meiner ersten Antwort wären, dass sich die Menschen immer noch im Affenstadium befinden. Die Frage ist nur, hat uns das geholfen hier her zu kommen, oder wird es unser Untergang sein.

Das soll aber nicht bedeuten, dass jeder Weirdo frei das machen können soll, was er grade will.

Hier mal ein Beispiel mit Websieten und Internet. Wenn du ein bekannter Impfgener bist, oder sogar der "Forscher" der "herrausgefunden" hat, dass es das Masern Virus gar nicht gibt. Dann wird es da zu Recht einen Wikipedia Eintrag geben und wenn du dann neben deiner Fotografie, auf einer anderen Webseite, auch noch Quanten-Realm-Seelen-Heilungsgeräte verkaufst .... sorry .... dann gibts da keine Gnade von mir und von Google sicherlich auch nicht.

Würde ich im Impressum schauen wo du wohnst? Wahrscheinlich eher nicht.

Mein Beispiel ist natürlich rein fiktiv, denn das kann es nicht sein ... Schwurbler haben immer ein großes Following :-)

Edit: Nur kurz zur Absicherung da Ironie heute nicht mehr so gut erkannt wird...

der "Forscher" der "herrausgefunden" hat, dass es das Masern Virus gar nicht gibt.

Das hier ist Bull ... natürlich gibt es das Masern-Virus ... just saying
 
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CCIBS schrieb:
Und das selbe kannst du bei Automarken machen, und beim Fußball. Ich bin Star Trek Fan und meine Erfahrung ist, ein Trekkie hasst nichts mehr, als andere Trekkies, deren Lieblings Star Trek Serie nicht die eigene ist.
Diese Feindschaften sind vermutlich so alt wie die Menschheit.
Insbesondere die Religionen sind sich ja oft Spinnefeind, selbst bei nur - fuer aussenstehende - laecherlich wirkende Kleinigkeiten.
Man muss sich ja auch nur mal vor Augen fuehren, dass der Gott der drei grossen abrahamischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) der selbe ist.
Und was wurden unter Berufung auf die Religon fuer Schreckenstaten begangen und werden immer noch begangen.

Filmtipp: "Das Leben des Brian". Unter dem ganzen Humor steckt einiges tiefgruendiges. Der Sketch mit der "Volksfront von Judaea" gegen "judaeische Volksfront" ziehlt genau darauf ab.

Mirlo schrieb:
Es sollte mehr ein illusorisches Szenario sein.
Sollte so sein. Bei vernuenftigen Menschen.

Aber wenn sich solche Gruppen bilden, kommen da oft frueher oder spaeter Leute dazu, denen das nicht genug ist. Die den anderen mal Zeigen wollen wo es lang geht. Und dabei auch vor Gewalt nicht halt machen.
Dass das bei IT Rivalitaeten (nVidia gegen AMD, Intel gegen AMD, Microsoft gegen Linux) nicht passiert schieb ich drauf dass wir ITler alle Nerds und Kellerkinder sind die schon beim darueber nachdenken aus der Puste kommen :P Ob wir (als Nerds kollektiv) wirklich vernuenftiger sind, wage ich naemlich dann doch zu bezweifeln.

Ich selber versuche weitestetgehend offen zu sein. Gelingt mir das immer? Natuerlich nicht. Ich hoffe aber mir das nicht anmerken zu lassen :D
Es gibt aber einige Menschen und Meinungen mit denen ich nichts zu tun haben will.
Da schlaegt schon das Paradoxon der Toleranz zu: Ich tue mich schwer damit, es zu tolerieren, wenn jemand anderem die Toleranz fehlt und das auch zur Schau stellt.
 
CCIBS schrieb:
Aber jetzt auf der dritten Ebene (als kurzer Einschub. Diese Ebenen habe ich jetzt so definiert. Das sind keine offizielle Ebenen), wie politische Ausrichtung, oder sehr fragwürdige Hobbys, wie "Pferderennen".
Ich musste schmunzeln...Gemeint sind vermutlich Leute, die auf Pferderennen wetten? Könnte man bei entsprechend stark ausgeprägter Abneigung vermutlich auch auf Veranstalter, Wettannahmestellen, Ross, Reiter und letztlich den finalen Verwerter für "Traditionellen-Sauerbraten" ausdehnen...und würde dort dann eher die wirklich Verantwortlichen finden.

Dass das mehrheitsfähig zur gesellschaftlichen Ächtung führen könnte, glaube ich aber nicht. Da dürfte politische Ausrichtung deutlich stärkere Wirkung erzielen.
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Klar, in Zeiten des Internets kann sich alles Mögliche bis maximal laut aufschaukeln und derbe Konsequenzen haben. Ich beobachte, dass vermutlich genau deshalb viele Menschen - insbesondere "prominente" - sehr genau darauf achten, was wann wie wo mit wem...letztlich dann doch besser nicht wirklich diskutiert wird....
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Selbst in der Nachbetrachtung gibts "Abwägung":
 
Laie1 schrieb:
Ich musste schmunzeln...Gemeint sind vermutlich Leute, die auf Pferderennen wetten?
Nein. Gemeint sind in dem Fall wirklich alle. Wobei ich vermute, dass die Wahrscheinlichkeit einen zu finden, der nur darauf wettet größer ist, weshalb das Bild in meinem Kopf, als ich das schrieb, jemand war, der darauf wettet.
 
Laie1 schrieb:
Ich beobachte, dass vermutlich genau deshalb viele Menschen - insbesondere "prominente" - sehr genau darauf achten, was wann wie wo mit wem...letztlich dann doch besser nicht wirklich diskutiert wird....
Kann meinerseits bestätigt werden. Habe Presseanfragen und lehne diese ab, weil diese nur einseitig berichten wollen, auf das worauf diese Bock haben, und ihnen alles andere, letztendlich ich, egal bin. Das ist auch eine Art Essentialisierung. Die Erfahrung zeigt, dass die Presse-Autoren bereits vorher wissen was sie schreiben wollen und nur eine Bestätigung als Legitimierung einholen wollen. Dabei wenden sie alle (legalen) Tricks an. Sie wollen mich nur für sich benutzen. Manche "Promis" denken dann so und gehen so vor, dass es auch für sie nützlich ist. Ich halte davon gar nichts. Die Leser scheinen aber auf diese Art von Essentialisierung zu stehen.
 
Essentialismus ist ein guter Threadtitel ... aber das ist nicht Ich-bezogen.
Es geht dabei nicht um die auf eine "Essenz" reduzierte Person, sondern eigentlich um die Identität dessen, der eine Person auf eine Essenz reduziert.

Oben brachte jemand ein Beispiel aus seinem berufsleben. Die eigene Abteilung vs. alle anderen Abteilungen ... und alle zusammen vs. externe Partner (ich nehme an, bei der Rolle des Kunden werden sich dann alle Beteiligten einig sein ... das ist ein Trottel).

Das ist die einfachste politische Formel ever: Schaffe Gemeinschaft durch einen gemeinsamen (äusseren) Feind (andere Abteilung, anderes Büro, Auftraggeber).

Man kann das sogar auf etwas ganz simples wie Essen und Trinken herunterbrechen ... denn auch der gleiche Mageninhalt schafft Gemeinschaft und damit "Gruppen-)Identität. Ein gemeinsames Thema, bei dem man sich weitestgehend einig ist, schafft das gleiche ... und wenn das gemeinsame Thema nur ist "unsere lokale Fussballmannschaft ist die beste" (Fanclubs sind hier ein wirklich tolles und uraltes Beispiel).

Kurz: Bubblebildung ist KEIN Phänomen der Neuzeit sondern eines, welches man schon bei Tieren beobachten kann ... auch da bilden sich (wie im Büro) Kleingruppen, die sich gegenseitig nicht den Dreck unter den Krallen gönnen aber zusammenhalten wie Pech und Schwefel, sobald eine komplett fremde Gruppe auf den Plan tritt (diese Gruppe muss nichtmal irgendwas wollen).

Vieles von dem, was ich auf den letzten drei Seiten gelesen habe, hat mich an einen Begriff aus meinem Studium erinnert. Essentialismus, Naturalismus und Biologismus sind dabei eigentlich nur Hilfsmittel.
Der Begriff ist "Andern". In Deutsch klingt das seltsam, also nehme ich mal den englischen Begriff "Othering". Dazu werden Gruppen definiert ... interessanterweise aber nicht die eigene Gruppe (deren Definition ergibt sich als negativ aus dem, was "die Anderen" eben nicht sind).*

Blödes Beispiel "deutsche Tugenden" .... Fleiß, Pünktlichkeit. Gründlichkeit ... nicht, dass alle Deutschen fleißig pünktlich und gründlich sind, aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, dass man sich damit über jede Gruppe stellen kann, der man einen Mangel bei diesen Eigenschaften attestiert ... meist unbesehen ... denn es geht dabei ja nicht um die Anderen, sondern um die eigene Identität als Mitglied eines nur sehr schwammig definierten "Wir". Wir sind besser als die anderen, weil WIR sind fleißig(er), pünktlich(er) und gründlich(er). Das wird dann auf alle ausgeweitet, die man aufgrund anderer Tatsachen als "Deutsche" sehen möchte ... auch wenn die stinkend faul sind, ständig zu spät kommen und ihre Arbeiten immer nur halb erledigen.


Idenitätsbildung ist in unserer Gesellschaft der ständige Drahtseilakt zwischen Individualisierung (sich selbst von anderen absetzen) und Uniformierung (sich mit anderen gemein machen). Gleichzeitig verlangt es Balance ... denn niemand von uns ist in nur einer Gruppe vertreten und jede Gruppe verlangt von ihren Mitgliedern andere Dinge (Verhalten, Accesssoires, Vorlieben).
Die extrem vereinfachte Sicht auf die Anderen hilft dabei enorm, denn sie ordnet eine Welt aus Individuen, die sich nur durch diese vereinfachende Verkürzung überhaupt so weit ordnen lässt, dass sich Handlungsoptionen ableiten lassen.

*) Für die, die tiefer in das Themengebiet "Othering" einsteigen wollen, hier noch ein Name: Paul Mecheril.
 
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DerOlf schrieb:
Es geht dabei nicht um die auf eine "Essenz" reduzierte Person, sondern eigentlich um die Identität dessen, der eine Person auf eine Essenz reduziert.
Wieso nicht gleich mal verlinkt?
https://de.wikipedia.org/wiki/Othering

Essentialisierung kann auch etwas mit Identität zu tun haben, muss aber nicht, bzw. kann es so gesehen werden, muss aber nicht. Es wird zwar durch Essentialisierung eine Fremdzuweisung einer Identität vorgenommen (was auch als "Übergriff" gewertet werden kann), aber das ist ein daraus sich ergebendes (eigenes) Thema.

Das Thema wäre die Dualität von "eigen und fremd". Dabei besteht grundlegend keine Pauschalisierung, sondern eine Möglichkeit einer Assoziation von:
eigen = freundlich
fremd = feindlich
Im Weiteren betrifft dies auch die Täter-Opfer-Denkweise (schädigende und geschädigte Person).

Dass durch Essentialisierung eine Identitätszuweisung durch "fremde" Personen geschieht (Fremd-Machung), ist möglich. "Othering" ist ein Thema innerhalb von Essentialisierung, oder ein eigenständiges Thema - je nach Thematik.

"eigen und fremd"

Es kann auch von der Dualität von "Essenz" und "Identität" die Rede sein. "Essenz" ist dabei das Wesen einer Person sowie das gesamte Wesen einer Person, dass das Verhalten der Person betrifft - die/alle Eigenschaften der Person. "Identität" ist dabei die Objektivierung einer Person (Subjekt) zu einem Objekt. Die Benutzung des objektivierten Subjekts wird Objektifizierung genannt. Am bekanntesten ist dabei die sexuelle Objektivierung. Wobei es da Begriffsverdrehungen im Deutschen und Englischen gibt.
Objektivierung = objectivation: Subjekt zu Objekt
Objektifizierung = objectification: subjektiviertes Objekt benutzen

Objektivierung ist zB der Akt ein Foto einer Person machen.
Objektivierung ist zB der Akt ein Verhalten zu einer Identität machen.

machen oder sein?
Ich mache schön. (Ich verhalte mich schön.)
Ich bin schön.

Innerhalb dieser Thematik gibt es themeninterne Probleme. "Wesen" wird dabei gerne objektiviert und zu "Identität" ernannt. Das Verhalten einer Person sei ihre Identität. Es werden Begriffe gleichgesetzt und somit das Thema nichtig gemacht.

Siehe auch Genus und Sexus:
Genus: maskulin / feminin / neutrum
Sexus: männlich / weiblich / Chromosomensyndrome
Sozial: maskulin, feminin, neutral

Es wird verdreht, indem männlich und weiblich soziales Verhalten anstatt sexuelle Identität wären. Im Weiteren solle männlich und weiblich soziale Identität sein. Im Gegenzug wird maskulin und feminin ebenso zu sozialer Identität anstatt sozialem Verhalten.

Die Gleichsetzung von Genus und Sexus schafft den Genus ab.
maskulin = männlich
feminin = weiblich
neutrum = divers

übrigens, english "Gender" ist deutsch "Genus". deutsch "Sexus" ist englisch "natural Gender" (Sex). Wenn
maskulin = männlich und feminin = weiblich, dann ist "social Gender" = "natural Gender". Thema Sexualisierung, die Teilgebiet von Objektivierung ist.

Problematischer wird es bei "Substantivierung", da "Substanz" gleichbedeutent mit "Wesen" ist, aber Substantive eine kognitive Objektivierung von Verben und Adjektiven sind.

Siehe auch: Materialismusstreit
"Materie" ist eben nicht Objekt, sondern in anderen Worten gesagt: Gegenstand, Ding, Sache, Angelegenheit.
Das "matter" in "Black Lives Matter" ist dasselbe wie bei "Dark matter".
Materie = Subjekt.
Etwas festest wie ein Objekt ist Illusion. Alles ist in stetiger Bewegung/Veränderung. Von daher ist auch Identität eine Illusion.

Die Physik sei die Wissenschaft des "Wesens" (Physis, Essenz). Physis ist Natur, Körper (Objekt). Das Pendant ist die Psyche (Geist, Subjekt). Körper und Geist. Somit wäre die Physik die Wissenschaft der Körper. Das Pendant von Physik ist aber die Ontologie, die auch die Wissenschaft des "Wesens" sein soll, aber als "Existenz" und "Sein", also Identität (Körper) anstatt Verhalten (Geist). Das Wirrwar entsteht durch Wechsel der Thematiken, bei Einbehaltung der Zuordnungen. Die Soziologie ist durch und durch durchdrungen davon. Deshalb wird bei "Othering" vollkommen in die Irre geleitet "Niklas Luhmann" mit seiner verdrehten Systemtheorie genannt, die ebenso alles verdreht und unter der wir seit Jahrzehnten leiden, da sie als anerkannt gilt. Sie basiert auf Objektivierung - und ja, ihr wird allein deshalb ein "wahr" zugesprochen, weil es so unends viel Objektivierung in der Welt gibt, die dadurch aber nicht "wahr" oder richtig oder rechtens wird.

https://de.wiktionary.org/wiki/Physik
https://de.wiktionary.org/wiki/Ontologie

Es ist ein eigenes Thema, dass beim Thema Essentialisierung tangiert wird. Zumindest konnte hierbei etwas essentielles über "Essenz" mitgeteilt werden. Essentialisierung ist so gesehen eine Objektivierung und demnach ein Übergriff. Die Essenz (Wesen, Subjekt) wird zu Identität (Körper, Objekt) gemacht, und zudem von "fremd", was wegen "Übergriff" so gesehen "feindlich" anstatt "freundlich" ist.
 
Je deutlicher die Abgrenzung hervorgehoben wird, desto einseitiger und unrealistischer werden „die Anderen“ wahrgenommen.
Aus dem Wiki-Artikel zu "Othering" (den ich nicht verlinkt habe, weil ich ihn für schlecht halte).

Du hast dich beschwert, dass andere dich vollkommen unabhängig von dem, was sie eventuell von dir haben möchten, anhand irgendeiner deiner anderen Aktivitäten eintüten und du deswegen Ablehnung erfährst.
Du hast haufenweise fiktive Beispiele gebracht ... und alle ließen mich an Othering denken, denn immer gibt es da jemanden, dessen Wahrnehmung durch andere vereinfacht, einseitig und insgesamt unrealistisch erscheint, weil eine Person auf eine vermeindliche "Essenz" ihres Seins reduziert wird.

Die Crux ist, dass es dabei nicht um dich geht. Es ist eben Teil des Selbstbildes deines Gegenüber, dass er/sie/es mit "jemandem, der auch sowas macht" nichts zu tun haben möchte. Was danach noch kommen mag, sind nichts als Legitimationen für diese bereits vorher feststehende Entscheidung, die meist nur lautet "Sowas will ich nicht unterstützen".

Du wirst das wahrscheinlich sogar selbst genauso machen (ich persönlich habe noch keinen Menschen erlebt, der das nicht gemacht hätte). Auch bei dir wird das wenig mit der anderen Person zu tun haben, sondern mehr mit deiner eigenen ... mit deinen Vorstellungen davon, welche Handlungen zu dir passen, und welche eher nicht.

Der einzige Tipp: Beziehe das nicht auf deine Person, denn damit hat das eigentlich garnichts zu tun.

Das, was du dir wünschst (holistisch wahrgenommen zu werden), kannst du allenfalls von Menschen erwarten, die dich sehr gut kennen ... und sogar die können dich enttäuschen.
In der Geschäftswelt sind solche Kontakte generell ziemlich selten. Da wirst du ständig auf irgendwas reduziert werden, weil einfach die Zeit fehlt, sich eingehend mit deiner Person zu beschäftigen.
Ich bin Musiker (im Selbstbild), und dennoch einigermaßen froh, dass die Kunden in der Tankstelle nur einen Kassierer sehen (Fremdbild), und daher nicht erwarten, dass ich ihnen den Rechnungsbetrag vorsinge.

Zuletzt noch: Es geht nicht um Identität, sondern um das Spannungsfeld zwischen Gruppenzugehörigkeiten und Individualität, in dem sich unsere wechselnden Identitäten herausbilden.
Geht man ins Detail, dann besitzt kein Mensch eine monolithische Identität.

Um es mit Heraklit zu sagen: Auch die Identität befindet sich in ständigem Wandel, denn "du steigst nicht zwei mal in den selben Fluss" bezieht sich nicht nur darauf, dass der Fluss sich geändert hat, sondern auch darauf, dass das "du" beim zweiten mal nicht mehr das selbe ist.
 
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