e-hahn schrieb:
@Naturtrüb Ich habe mit Videoschnitt nichts zutun, aber für diejenigen sicher eine feine Sache, die können sich da ein weiteres Programm sparen, wenn sie einen Pixelschupser nur für ihre Videoprojekte brauchen.
Für mich wäre das glaube ich nichts.
Meine Hoffnung ist ja, das es Affinity irgendwann nativ und ohne Einschränkungen auch für Linux geben wird. Gerüchte und wage gehaltene Aussagen gab es dazu ja mal ...
Du sprichst ein wichtiges Thema an.
Das größte Problem von Linux auf dem Desktop ist der Mangel an kommerziellen Applikationen, die in ihrem Bereich de facto Standard sind.
Ich befürchte außerdem, dass die aktuellen Finanzspritzen für Projekte wie KDE am eigentlichen Problem vorbeigehen. Dem Anwender ist es im Grunde egal, wie das Betriebssystem heißt. Die GUI ist zwar nicht unwichtig, aber längst nicht so entscheidend wie das Vorhandensein der gewohnten Anwendungen – erst danach kommt der Workflow.
KDE wirkt in diesem Zusammenhang überladen. Wenn man hier punkten möchte, sollte man sich eher an den grundlegenden Funktionen und dem Startmenü von Windows 7 orientieren, ergänzt um einige sinnvolle Erweiterungen aus Windows 10. Bitte auch wieder mit 3D‑Design, nicht diesem weniger ergonomischen 2-D‑Look, der die Bereiche einer Applikation oftmals nicht so wirkungsvoll abgrenzt und meist schlechter aussieht.
Es gibt noch viel zu standardisieren, um für Hersteller attraktiv zu werden. Sicher nicht mit über 800 Distributionen, die alle ihre eigenen Macken haben. So entsteht keine konsistente Qualität. Alle Beteiligten sollten an einem Strang ziehen.
Sinnvoll wäre ein „EU‑Linux“, bei dem - ähnlich wie bei kommerziellen Unix‑Systemen - das Betriebssystem als Gesamtheit gepflegt wird. Das erfordert aber kontinuierliche Wartung und Garantien, dass das Projekt nicht nach drei Jahren wieder eingestellt wird.
Von einem solchen Linux erwarte ich, dass es von Haus aus für alle Applikationen geeignet ist – auch für Low‑Latency‑Audio‑Bearbeitung. Es kann nicht sein, dass man für jede komplexere Anwendung eine andere Distribution benötigt oder selbst herausfinden muss, wie man sie überhaupt zum Laufen bekommt. Viele Dinge erledigt ein Installer nun einmal nicht, und weder Anwender noch Support‑ oder Entwicklungsabteilungen wollen ihre Zeit damit verschwenden.
Man könnte sagen: Linux ist ein Spiegel seiner Anwender – oft verspielt, unreif und ohne klare Vision, wie man Windows auf dem Desktop wirklich Konkurrenz machen könnte. Linux-Aktivisten, die seit Jahrzehnten überall verkünden, wie toll Linux sei, lösen dieses strukturelle Problem nicht. Die Vielfalt der Distributionen schadet dem Produkt.
Wenn man ausschließlich mit Open‑Source‑Applikationen auskommt und genug Zeit hat, sich intensiv mit Linux zu beschäftigen, kann es eine gute Wahl sein. Aber dann wird Linux schnell zum Selbstzweck – besonders, wenn man sich erst durch den Berg an Arbeit kämpfen muss, um die passende Distribution zu finden. Ein Betriebssystem wechselt man schließlich nicht wie ein Hemd, und es ist reine Zeitverschwendung, sich überhaupt damit befassen zu müssen.
Wer natürlich nur ein wenig im Internet browsed und E-Mails liest oder ein Entwickler ist, für den reicht es sicherlich auch so. Aber das deckt nicht die insgesamt benötigte Bandbreite an Anwendungen ab, so wie es nun mal Windows kann.