Leserartikel [Kurzreview] Remarkable2 - Digitaler Notizblock in chic

2Stoned

Lieutenant
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Eins vorneweg: Ich wurde weder von irgendjemanden dazu aufgefordert, noch in irgendeiner Weise für diesen Beitrag entlöhnt. Ich hatte einfach Lust, euch ein neues digitales Gadget vorzustellen, dass vor Kurzem seinen Weg in meinen Alltag gefunden hat: den digitalen Notizblock remarkable2.

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Es ist ein puristisches Tablet mit einem 10.3'' e-Ink display (S/W). Die Auflösung entspricht 1872 x 1404 (226 DPI). Viel können tut es eigentlich nicht. Es kann PDFs darstellen, kann diese aber nicht bearbeiten (man kann keine zusätzlichen Seiten einfügen, man kann keine Lesezeichen setzen, man kann keinen Text verschieben oder das Layout ändern), dafür aber annotieren. Sprich, man kann von Hand Dinge markieren oder sich eben Notizen oder Zeichnungen direkt ins PDF machen. ePub soll es wohl mehr schlecht als recht darstellen—habe ich aber nicht getestet. Des weiteren kann man sich verschiedene Vorlagen kreieren (am PC) z.B. für To-Do-Listen, Wochenplaner, D&G-Charakterübersichten oder was auch immer, und diese dann, ebenfalls von Hand, jeweils ausfüllen und nutzen. Ich nutze selbst eigentlich nur blanko "Papier", sprich leere Seiten. Darauf notiere ich dann meine Ideen oder probiere ein paar Rechnungen aus (theoretische Physik). Es ersetzt für mich also prinzipiell ein Notizbuch. Statt mehrerer loser Blätter und angefangener Notizbücher liegt auf meinem Schreibtisch nun also nur noch ein Tablet—das schafft Ordnung!

Das Annotieren von Facharbeiten ist so für mich super angenehm: Ich muss nichts mehr ausdrucken und kann direkt in digitaler Form arbeiten. Mit der Tastatur wären all die mathematischen/griechischen Symbole, die ich nutze, relativ mühsam einzugeben (klar, LaTeX macht das 1A, doch Adobe Acrobat Pro unterstützt meines Wissens keine direkte LaTeX-Eingabe...). Doch von Hand geht alles schnell, nun ja, von der Hand. Besonders praktisch finde ich, dass man Text auch verschieben oder wieder löschen kann. So bleibt alles schön sauber und ordentlich.

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Das Schreibgefühl finde ich ist wirklich gelungen. Es ist nicht so komisch rutschig wie auf dem iPad. Und es ist auch viel direkter als das alte Wacom Bamboo, das ich noch habe, da man die Eingabe ja direkt dort sieht, wo man schreibt oder zeichnet. Verzögerung gibt es für mich keine wahrnehmbare. Der Strich ist sofort da. Es ist für mich genauso angenehm auf dem Tablet zu schreiben, wie auf Papier.

Wie kommen Texte aufs Tablet? Wie wieder auf den PC? Nun, am einfachsten über die proprietäre Cloud von reMarkable. Etablierte Drittanbieter werden nicht unterstützt. Auf dem PC läuft dann die remarkable App, die den Zugriff auf die Cloud ermöglicht. Die läuft bei mir unter Linux einfach unter Wine. Ging problemlos, ohne irgendwelche Anpassungen oder Modifikationen. Um PDFs direkt aufs Tablet zu senden, gibt es auch ein Chrome plug-in. So muss man ein PDF nicht zuerst downloaden und die App starten. Möchte man die Cloud nicht nutzen, kann wohl die USB-Verbindung nutzen, sich das Dokument per Email zusenden oder einen der zahlreichen Hacks verwenden, um eine andere Cloud zu nutzen. Auf dem Gerät selbst läuft nämlich einfach ein Linux. Der Zugang dazu wird einem auch nicht irgendwie gesperrt. IP und SSH credentials sind sogar in den Einstellungen eingetragen, so, dass man nicht mühsam was rooten muss oder so.

Die App bietet auch noch ein weiteres Feature, dass aber offiziell noch beta Status hat: LiveView. Dabei sieht man auf dem Computer direkt die Seiten des Tablets. Dabei gibt es aber eine kleine Verzögerung: auf dem Tablet sieht man Striche während des Ziehens schon. Auf dem Computer sieht man aber immer nur abgeschlossene "Pinselstriche". Also, erst, wenn man den Stift wieder vom Tablet abhebt, und die Linie so zu sagen "fertig" ist, wird sie an den Computer gesandt. Dies sieht dann in einem online Meeting etwas unnatürlich aus, wenn man das reMarkable Fenster shared. Aber eben, dieses Feature ist auch noch beta. Vielleicht wird da ja noch was gemacht.

Das Tablet ist super verarbeitet und fühlt sich sehr wertig an. Mit knapp unter 5 mm ist es auch sehr dünn und mit etwas über 400 g handlich. Eine Akkuladung reicht bei mir knapp 2 Wochen, wobei ich es täglich etwa 2 Stunden nutze, es aber nie in den Flugmodus versetze, was die Laufzeit noch massiv verbessern soll.
Auch der Stift (Marker Plus, der einen "Radierer" am Ende hat), wirkt solide, relativ schwer und ist aus rutschsicherem Gummi. Die Stifteingabe reagiert auch auf die Neigung des Stiftes, was Schattierungen oder ähnliches beim Zeichnen ermöglicht.
Andere Stifte funktionieren auch, der Staedtler Noris Jumbo wird oft als Alternative empfohlen. Dieser soll sehr viel leichter sein.

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Das Tablet macht das, was es soll, super. Es ersetzt für mich viel Papier und erlaubt mir, einfach und schnell Notizen von Hand zu machen. Das Schreiben fühlt sich natürlich an und wird ohne Verzögerung angenommen. Es erfüllt einen sehr spezifischen Anwendungszweck. Negativ fallen die fehlende Unterstützung für weitere Cloudanbieter auf und die fehlende Möglichkeit, bestehende PDFs immerhin durch zusätzliche Seiten und Lesezeichen zu ergänzen. Selbst habe ich noch keine Erfahrung mit dem Support gemacht. Dieser scheint aber momentan absolut überfordert zu sein und sich teils wochenlang nicht zurückzumelden und dies z.B. auch bei bereits erfolgten Retouren wegen Mängel oder Nichtgefallens. Auf reddit finden sich etliche Beschwerden und Beiträge zu diesem Thema. Aber auch sehr viele Zeichnungen und sleepscreens (man kann ersetzen, was für ein Bild angezeigt wird, wenn das Tablet schlafen geht - kostet auf dem eInk ja nichts. :p - die Community ist sehr kreativ).
 

Orson

Commander
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Nabend und Glückwunsch dazu, dass Du zufrieden bist!

Nach den sehr guten ausführlichen Videos von My Deep Guide zum Remarkable 2 und Note Air würde ich das Note Air zum gleichem Preis (nach Import vom RM2) bevorzugen.
Aber die Faszination eines solchen Gadgets kann ich sehr gut verstehen als Besitzer eine Max Lumi :)

Schönes Wochenende
 
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