LAN in einem anderen Raum

Hummel+

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Hallo zusammen,

nachdem ein Elektriker uns hängen lassen hat, versuche ich nun mich mit dem Thema selber zu befassen...

Im EG steht unsere Fritzbox, die über einen Glasfaseranschluss versorgt wird. Im OG möchte ich mittels Kabelverbindung über einen Switch Fernseher und Spielkonsole an das Internet anbinden.

Dazu muss ich vier Wände durchbohren, das Kabel teilweise unter Putz verlegen bzw. in einer Abseite verlegen - gesamte Strecke ca. 20 Meter - Bohrer habe ich aktuell einen 10mm Durchmesser.

Dazu ein paar Fragen:
1a)Sollte ich ein Verlegekabel (Simplex/Duplex) verlegen?
1b)Klemme ich daran direkt ein RJ45-Stecker?
1c)Macht es Sinn dafür ein Krimpwerkzeug anzuschaffen oder lieber hochwertige Stecker, die ohne Werkzeug funktionieren?
1d)Ist das zwischenschalten von LAN-Dosen erforderlich oder kann ich mit Verlegekabel + Stecker direkt von Router in den Switch?

2a)Macht es Sinn ein fertiges LAN-Kabel zu nehmen - ohne Dosen und direkt von Router in Switch?
2b)Da der Stecker ein ca. 20 mm-Loch benötigt - wäre es auch denkbar ein Steckerende zu kappen, durch alle Löcher zu ziehen und am Ende einen neuen Stecker -siehe 1c- aufzusetzen?

3a)Welches Cat-Kabel sollte es in beiden Fällen sein?

Ich entschuldige mich schon jetzt für die doofen Fragen und freue mich über eure Hilfe...

Viele Grüße, Hummel
 
Hummel+ schrieb:
1a)Sollte ich ein Verlegekabel (Simplex/Duplex) verlegen?
1b)Klemme ich daran direkt ein RJ45-Stecker?
1c)Macht es Sinn dafür ein Krimpwerkzeug anzuschaffen oder lieber hochwertige Stecker, die ohne Werkzeug funktionieren?
1d)Ist das zwischenschalten von LAN-Dosen erforderlich oder kann ich mit Verlegekabel + Stecker direkt von Router in den Switch?
1a) duplex verlegen, weil man dann die dosen doppelt patchen kann, so hast du man im fall des ausfalls eine zweite dose oder nutzt direkt beide dosen (entweder für seperate geräte oder für Link Aggregation, sofern Fritzbox und switch das unterstützen)
1b) gar nicht, da werden dosen angeschlossen, die man dann aufputz oder ggf. unterputz aufsetzen kann
1c) unbedingt, alles andere endet in nicht funktionierendem pfusch
1d) sollte man machen

Hummel+ schrieb:
2a)Macht es Sinn ein fertiges LAN-Kabel zu nehmen - ohne Dosen und direkt von Router in Switch?
2b)Da der Stecker ein ca. 20 mm-Loch benötigt - wäre es auch denkbar ein Steckerende zu kappen, durch alle Löcher zu ziehen und am Ende einen neuen Stecker -siehe 1c- aufzusetzen?
2a) nein macht kein sinn, besonders wenn es dein eigentum ist, das zeug soll ja schließlich möglichst lange halten
2b)noch ein grund keine kabel zu nehmen, man muss nur unnötig große löcher bohren

Hummel+ schrieb:
3a)Welches Cat-Kabel sollte es in beiden Fällen sein?
3a) Cat7 Duplex verlegekabel (ist oft orange). mach eine 90° knicke rein, das mögen weder das kabel, noch die übertragungsrate. immer schön in bögen verlegen. Dosen in CAT6a kaufen, Patchkabel auch in CAT6a
 
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1a) Ja, Verlegekabel. Duplex wenn du zwei mal GBit haben willst
1b) nein, die kommen auf Dosen/Patchpanel/Keystone-Module mit LSA-Schneidklemmen
1c) s. 1b) bzw. ein LSA-Auflegewerkzeug
1d) s. 1b)

2a) fertige Patchkabel, aber nur für die kurze Distanz von Dosen/Patchpanel/Keystone-Model zum Gerät
2b) s. 1a) + 1b)
 
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Hummel+ schrieb:
1a)Sollte ich ein Verlegekabel (Simplex/Duplex) verlegen?

Zwillingsleitung. "Duplex", wie Du's so schön nennst.

Hummel+ schrieb:
1b)Klemme ich daran direkt ein RJ45-Stecker?

wird bei den meisten Steckern nicht gehen, da Verlegekabel mit AWG23 oder gar AWG22 ein wenig zu dick sind dafür. Gibt spezielle Stecker, mit denen Du das erreichen kannst, sind aber ziemlich teuer.

Setz eine Dose. Doppeldose.

Hummel+ schrieb:
1c)Macht es Sinn dafür ein Krimpwerkzeug anzuschaffen oder lieber hochwertige Stecker, die ohne Werkzeug funktionieren?

Für eine Dose mit Keystones brauchst Du ein Jokarimesser und einen Elektronik-Seitenschneider ohne Facette. Mehr nicht. Für LSA+ brauchst Du jedoch auch ein Auflegewerkzeug.

Hummel+ schrieb:
1d)Ist das zwischenschalten von LAN-Dosen erforderlich oder kann ich mit Verlegekabel + Stecker direkt von Router in den Switch?

Siehe oben.

Hummel+ schrieb:
2a)Macht es Sinn ein fertiges LAN-Kabel zu nehmen - ohne Dosen und direkt von Router in Switch?

Der Stecker ist recht breit. Nimmst Du Verlegekabel, kannst Du auch mit einem kleineren Bohrer durchbohren, da Du nur das Kabel durchziehst und der Stecker nicht mit durch muß.

Bei größeren Strecken (>10m) solltest Du schon Verlegekabel nehmen, da Du durch den größeren Querschnitt weniger Leitungsverluste hast. Die Schirmung ist ebenfalls besser, hilft Dir aber erst einmal nur, wenn diese auf beiden Seiten mit aufgelegt ist.

Hummel+ schrieb:
2b)Da der Stecker ein ca. 20 mm-Loch benötigt - wäre es auch denkbar ein Steckerende zu kappen, durch alle Löcher zu ziehen und am Ende einen neuen Stecker -siehe 1c- aufzusetzen?

Nimm gleich Verlegekabel und Dosen. Und erst von der Dose mit handelsüblichem, vorkonfektionierten Patchkabel weiter.

Hummel+ schrieb:
3a)Welches Cat-Kabel sollte es in beiden Fällen sein?

Schau in meine Signatur, müsste eigentlich alles drin sein. Und wenn nicht, es gibt haufenweise Anfragen zum Netzwerkausbau hier im Forum, die SuFu wird Dir tonnenweise Ergebnisse und Kaufempfehlungen geben.
 
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Das ist ja klasse - habe als Laie alle Antworten verstanden :-)
Mir hilft das sehr und nun habe ich endlich einen Plan!

Vielen lieben Dank an alle - auch für die hilfreichen Links !
 
Kein Problem, ich bin Elektroinstallateur ;). Das gehört zu meinem Beruf. Wie wird das Kabel Aufputz verlegt? In Kabelkanälen? Und was ist eine Abseite?
 
Eines noch zum Schluß:

Beim Auflegen bitte unbedingt(!) an die Farbkodierung halten. Die ist meist nahe den Schneidkontakten aufgedruckt und muß beachtet werden, damit es fehlerfrei funktioniert.

Sauber arbeiten sollte selbstverständlich sein.

Hier noch einmal die beiden Möglichkeiten (für Stecker):
RJ45 Belegung.jpg


Bei gigabit-Ethernet ist es egal, ob Du beide Seiten nach dem gleichen Schema (568A oder 568B) auflegst oder ob Du Tx und Rx (grünes und orangenes Paar bei 100Base-T) kreuzt. Die können die Verbindung selber aushandeln. Für alle anderen Verbindungen gilt: Ist ein Switch dazwischen, beide Seiten nach dem gleichen Schema auflegen, für eine Direktverbindung eine Seite nach 568A, die andere nach 568B auflegen (sog. Cossover-Kabel).

Die Farbreihenfolge kann sich auf den Dosen/Keystones anders gestalten, da diese intern verdrahtet sind. Hier bitte ein Schema auswählen und nach dem Aufdruck auflegen.

Prime2k schrieb:
Das gehört zu meinem Beruf.

Gruß, Kollege.
 
Zuletzt bearbeitet:
für eine Direktverbindung eine Seite nach 568A, die andere nach 568B auflegen (sog. Cossover-Kabel) <- benötigt es heute nicht mehr. Da du ja ein Patchkabel in den Link einsteckst. Die Netzwerkkarten handeln das dann aus. Gruss zurück.
 
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Prime2k schrieb:
Die Netzwerkkarten handeln das dann aus.

Auto-MDI-X ist ein Feature von 1000Base-T. Bei 100Base-T-Gegenstellen kann die Aushandlung schonmal scheitern und die Verbindung ist dann auch nicht verfügbar. Kann auch in der heutigen Zeit noch passieren.

Selbst wenn nicht. Besser einheitlich aufgelegt, schafft Klarheit und ist sauberer. Man kann's ja auch gleich anständig machen.
 
Prime2k schrieb:
Wie wird das Kabel Aufputz verlegt? In Kabelkanälen? Und was ist eine Abseite?
Teilweise aufputz mit Kabelkanal.
In der Abseite („toter Raum“ hinter dem Drempel) würde ich das Verlegekabel in ein Schutzrohr einführen.
Und im Zielraum würde ich wohl Schlitzen und unter Putz legen und auf 90Grad-Knicke achten ;-)
Die Dose wollte ich auf Putz setzen.
Ergänzung ()

Twostone schrieb:
Eines noch zum Schluß:

Beim Auflegen bitte unbedingt(!) an die Farbkodierung halten. Die ist meist nahe den Schneidkontakten aufgedruckt und muß beachtet werden, damit es fehlerfrei funktioniert.

Sauber arbeiten sollte selbstverständlich sein.

Hier noch einmal die beiden Möglichkeiten (für Stecker):
[IMG]https://www.computerbase.de/forum/attachments/rj45-belegung-jpg.867928/[/IMG]

Für das setzen eines Steckers hatte ich mir auch mal ein YouTube- Video angesehen.
Nun würde ich ja an bei Enden des Verlegekabel die Dosen setzen.
Wenn ich das richtig verstanden habe mit Keystone-Modulen - quasi das Modul, wo nachher der RJ45 Stecker reinkommt und zum Switch/Router geht.
Den Keystone belege ich auch noch o.g. Schema?
 
Zuletzt bearbeitet:
Hummel+ schrieb:
und auf 90Grad-Knicke achten

Wie war das doch gleich mit den Daten, die bei der hohen Geschwindigkeit aus der Kurve fliegen?

Jaja, die Klassiker. Damit erklärt man den Biegeradius deutlich nachhaltiger als mit dem tatsächlichen Sachgrund.
Ergänzung ()

Hummel+ schrieb:
Den Keystone belege ich auch noch o.g. Schema?

Der wird die Belegung aufgedruckt haben. Die guten haben beide Varianten aufgedruckt, manche nur A oder nur B.
 
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Ich habe vor ca. 2 Jahren auch ein paar (Cat.7-)LAN-Kabel verlegt. Ich hab kein Keystone verwendet, sondern ganz normale (Cat.6a-)Dosen und ein LSA-Auflegewerkzeug. Hat einwandfrei funktioniert, nur an einer Stelle hatte sich ein "Härchen" der Abschirmung unter einer Ader versteckt und wurde mit aufgelegt. Ich hab überall die Geschwindigkeit kontrolliert und an der Stelle nur 100MBit gemessen, hab das Problem dann auch sofort gefunden. Also wie @Twostone sagte: Sauber arbeiten!
 
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@horstle Nur das es keine Dosen für Cat. 8 gibt. Die Keystonemodule aber schon. Damit sind später 10 oder sogar 40Gbe möglich. Ausserdem ist man mit Keystone flexibler. Wenn man es schon macht, dann richtig, Aber sauber arbeiten, ist natürlich immer wichtig :D.
 
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Hier hast Du mal drei Beispiele (von links: Metz Connect, Daetwyler, AMP) und unten mal einen Stecker (Metz Connect), den man auf Verlegekabel aufziehen kann. Die Keystones bestehen jeweils aus einem Träger und einer Einführhülse.
IMG_20200120_204026.jpg
Die Kabel werden auf ca. 5cm abgesetzt (äußere Isolierung ab), dann kannst Du das Geflecht (z.B. mit einer Feilenbürste) aufziehen, ich würde es dann noch verdrillen. Es wird später auf dem Träger aufgelegt und verbindet so das Gehäuse mit der Schirmung. Das Gehäuse wird normalerweise später (im Betrieb) über das Patchfeld mit dem Potentialausgleichsleiter verbunden. Bei UP-Dosen mußt Du diesen Anschluß separat herstellen (gilt, wenn die Endgeräte Schutzklasse II oder III sind). Oder eben Patchkabel mit geschirmten Steckern nutzen, beide Endgeräte sollten dann SK-I sein und die Schirmung dann auf den Schutzleiter ausbringen.

Unter keinen Umständen solltest Du Potentialausgleichsleiter und Schutzleiter verbinden.

Dann nimmst Du den Elektronik-Seitenschneider und schneidest die Folien eines jeden Adernpaares ein, daß nur noch etwa 3-5mm Folie sichtbar bleiben. Zweck ist es, diese Paarschirmung bis kurz vor den Schneidkontakt noch intakt zu lassen.

Jetzt kannst Du die Paarverseilung aufzwirbeln bis zum Beginn der Folie und die Adern gemäß der (aufgedruckten) Farbkodierung in der Einführhilfe auflegen. Danach schneidest Du bündig(!) mit dem Elektronik-Seitenschneider den Überstand ab. Dann steckst Du das Modul zusammen und sorgst dafür, daß die Einführhilfe einrastet. Jetzt noch dafür dorgen, daß das Schirmgeflecht einen guten und festen kontakt zum Gehäuse hat, dann kannst Du die andere Seite fertigstellen.

Sind beide Seiten fertig, darfst Du die Verbindung durchmessen.
 
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Ok, mit der Anleitung kann ja wirklich nichts mehr schiefgehen :-)

Vielen Dank !!! Was für ein wertvoller Abend - hätte ich ja gar nicht zu träumen gewagt!
 
Messen in den Fall mit dem Lantester. Ein Profigerät wird der TE kaum bedienen können ;).
 
Moin, heute soll es losgehen...
Verlegekabel (LW Electronic Highquality Verlegekabel Gigabit Netzwerkkabel S/FTP PIMF 1000 MHz Cat7 4x2xAWG23 LSZH Verkabelung LAN Kabel Datenkabel CAT7 Orange Cat7 50m) soll heute an Ort und Stelle.

Ich würde zwei Kabel verlegen (also gleicher Weg und direkt nebeneinander)...

A) Gegenseitig stören diese sich doch nicht, oder?
B) muss/sollte ich bestimmte Abstände zu anderen technischen Geräten, Steckdosen oder Stromleitungen halten, um keine Störungen/ spürbaren Leistungsabfall zu bekommen? (Gesamtstrecke ca. 16 Meter o.g. Kabel / Input ca 200 MBit / Ziel: Streaming Fernseher)

Viele Grüße
Hummel
 
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