Mein Kampf im Geschichtsunterricht?

Erlaubt wird es wohl schon sein.
Inwiefern es sinnvoll ist, sich für eine Hausaufgabe im Geschichtsunterricht gleich an so eine Primärquelle heranzuwagen, ist die andere Frage. Interessant wärs bestimmt.

Ansonsten gibts z.B. noch
George M. Fredrickson: Rassismus. Ein historischer Abriß.
als gut lesbare historische Einführung ins Thema Rassismus.
 
Ich bezweifle den Sinn hinter der Nutzung der Originalausgabe, denn "Mein Kampf" ist entgegen vieler Erwartungen ein schlecht geschriebener, wenig anspruchsvoller Groschenroman. Die Wirkung des Buches wird allenthalben überschätzt.

Echte "Überzeugungsarbeit" hin zum Nationalsozialismus geht davon kaum aus und somit ist es als Mittel im Geschichtsunterricht kaum geeignet. Viel eher waren es Hitlers und Goebbels Rethorik und Redeart, die als beachtenswert gelten. Insofern würde ein Videomitschnitt einer Rede viel eher die damalige Begeisterung dokumentieren als ein dummes Pamphlet.
 
Bueller schrieb:
Ich bezweifle den Sinn hinter der Nutzung der Originalausgabe, denn "Mein Kampf" ist entgegen vieler Erwartungen ein schlecht geschriebener, wenig anspruchsvoller Groschenroman. Die Wirkung des Buches wird allenthalben überschätzt.

Echte "Überzeugungsarbeit" hin zum Nationalsozialismus geht davon kaum aus und somit ist es als Mittel im Geschichtsunterricht kaum geeignet. Viel eher waren es Hitlers und Goebbels Rethorik und Redeart, die als beachtenswert gelten. Insofern würde ein Videomitschnitt einer Rede viel eher die damalige Begeisterung dokumentieren als ein dummes Pamphlet.

Aber ist das nicht viel interessanter als die xte Hitlerrede zu zeigen? Die Frage nach den Wirkungen des - unglaublich langatmigen und langweiligen - Buches zu hinterfragen hätte durchaus Potential. Denn die verbreitete Annahme, das Buch hätte Menschen zu irgendwas bekehrt erscheint doch sehr fragwürdig, wnen man es mal selbst in Händen hält. Wer mehr als 5 Seiten am Stück davon lesen will, muss schon sehr hart im Nehmen sein.
 
Der Einwand ist berechtigt, ob das aber ausgerechnet im Geschichtsunterricht in einem halbstündigen Referat möglich ist, bezweifle ich. Denn es besteht die Gefahr, dass dabei ein "so schlimm war es dann ja nicht"-Gefühl aufkommt.

Die Nutzung einer Primärquelle ziehe ich nur dann in Erwägung, wenn sich daraus ungefiltert Informationen gewinnen lassen, die Sekundärquellen nicht bieten können. Was genau soll das bei "Mein Kampf" sein? Zu enthüllen, dass Hitler ein miserabler Autor ist?
 
Bueller schrieb:
Was genau soll das bei "Mein Kampf" sein? Zu enthüllen, dass Hitler ein miserabler Autor ist?

Die Frage wäre etwa, warum Menschen Hitler folgten, der ja schwarz auf weiß nichts Gutes im Schilde führte. Und dafür ist die literarische Qualität des Buches eben wichtig. Man muss sich ja fragen, wer den Stuss überhaupt gelesen hat. Mein Geschichtslehrer hat es nicht über sich gebracht, ich als interessierter Historiker im Nebenfach auch nicht. Als ist fraglich, ob der normale Gefolgsmann das damals tat oder ob nicht doch andere Faktoren für die Begeisterung für den Adolf viel wichtiger waren.

Das ist dann überhaupt nicht revisionistisch etc., aber eine gute Möglichkeit, Geschichte zu "verflüssigen". Das Thema hat durchaus potentiel für so ein Referat. Kommt natürlich ganz auf die Fragestellung an. Halbe Seite aus kommentierter Ausgabe kopieren, austeilen und vorlesen. Die Quelle spricht für sich. Fände ich als Lehrer durchaus gut. Die Schüler sollen ja zu kritischem umgang mit Geschichte erzogen werden, was aber nichts mit Relativismus zu tun hat.
 
Hallo zusammen.

Wir schreiben das Jahr 2016 und ich hole den Thread einmal nach oben. Hat jemand schon Informationen, ob das Buch auch als unkommentierte Version zu haben sein wird, oder wird das Buch nur in der verlängerten, kommentierten Version kaufbar sein?
 
Der Verkauf von Mein Kampf ist immer noch verboten. Du kannst dir Originalausgaben noch straffrei in Antiquariaten kaufen. Ansonsten nur die kommentierte und wissenschaftliche Ausgabe
 
Hm, irgendwie blöde. Im Antiquariat muss ich dann das Altdeutsch lesen, ist ein wenig umständlich. Schlimmer noch, wenn man zwischen den Zeilen lesen müsste um den kommentierten Teil auszulassen.

Danke aber für die Antwort. Ich glaube in Österreich sahs auch so aus. Weiss nur nicht, ob das noch aktuell ist.
 
Da gibt es eine einfache Lösung. Ein im Antiquariat erworbenes Exemplar in eine Universitätsbibliothek Deiner Wahl mitnehmen und die neue Hartmann-Ausgabe dort aus dem Regal nehmen und beide Bücher parallel benutzen. Dann siehst Du auch, wie ein ediertes und kommentiertes Werk aussieht. Normalerweise steht der eigentliche Text als geschlossener Korpus vorn, mit zusätzlich eingefügten Fußnoten bzw. Anmerkungen zu spezifischen Inhaltan am jeweiligen Ort. Der Kommentar befindet sich als ebenso geschlossener Abschnitt weiter hinten. Wie es bei der Hartmann-Ausgabe ganz genau aussieht, weiss ich aber nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Noxiel schrieb:
Der Verkauf von Mein Kampf ist immer noch verboten.

Sicher? War es bisher nicht einfach nur so das Bayern als rechtlicher Nachfolger das Urheberrecht benutzt hat um Nachdrucke zu verhindern und das Buch ansonsten völlig legal war? Wikipedia scheint mir in dem Punkt zumindest recht zu geben...

Nachdem das Urheberrecht nun ausgelaufen ist steht einem neuen "originalen" Nachdruck eigentlich nichts mehr im Weg. Obs der Reclam Verlag aufnehmen wird ist natürlich noch ne andere Frage ;-)
 
Die Justizminister der Länder haben angekündigt, sonstige, unkommentierte Publikationen mit bestehenden Rechtsmitteln (in die Richtung Aufruf zur Volksverhetzung o.ä.) zu unterbinden. Vgl. http://www.heise.de/tp/artikel/46/46991/1.html

Für schulische Projekte empfehle ich Geschichtsbücher mit Schwerpunkt der Machterschleichung in den 30igern. Da gibt es auch Publikationen mit Auszügen von Mein Kampf drin, wenn ich mich recht erinnere. Sprachlich sind selbst die schon grausam, von der Intention und seinen Folgen will ich gar nicht erst anfangen.
 
Ein Auszug und eine kommentierte Fassung nützt aber nichts, da man zu gewissen Schlüssen selber kommen muss und selbst erarbeiten muss. Die Folgen eines Buches sind auch Quark, es lag ja an der Person, nicht am Inhalt des Buches...
 
Sorry, das 'sich selbst erarbeiten' wird gerade durch den angefügten wissenschaftlichen Apparat überhaupt erst in dieser tiefen Durchdringung möglich. Das ist doch gerade der Sinn einer solchen Ausgabe.
 
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