Mit der Bluecard gegen den Fachkräftemangel?

Bei mir in der Firma bekommen Facharbeiter ein Grundgehalt von ca. 2.700 € Brutto bei 13 Jahresgehältern. Oben drauf kommen noch Urlaubsgeld, betriebliche Altersvorsorge und Schicht-/Wochenendzuschläge. Dazu 30 Tage Jahresurlaub und 38-Stunden-Woche. Für eine Ausbildung bei uns genügt bereits ein Hauptschulabschluss. Dennoch fällt es auch uns sehr schwer geeignete Lehrlinge zu finden. Die meisten haben schon keinen Bock wenn sie nur das Wort "Schichtarbeit" hören oder beim Rundgang durch die Firma mitbekommen, dass es wie in jedem Industriebetrieb hier und da auch mal laut, warm und dreckig ist... Ich kann mich daher Daarons Ausführungen nur voll und ganz anschließen. Man kann in Deutschland auch ohne Studium oder übermäßiges Talent gutes Geld verdienen. Bei vielen mangelt es alleine am Willen.
 
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In der Schwerindustrie definitiv. Die heimischen Autobauer hier zahlen sehr gut. Allerdings ist es verdammt schwer da einen Job zu bekommen und wenn dann nur befristet. Ich will nicht bestreiten dass man Arbeit finden kann und dann auch noch gut bezahlt. Vor allem hier gibt es Metaller, auch mittelständische die gut bezahlen. Metall und Chemie geht noch gut in D. Wie immer. Vor ein paar Wochen wurde ein Kumpel von der Leihfirma aus bei Porsche übernommen. Befristet auf 2 Jahre zwar wie es eben üblich ist heutzutage aber ok.

Es kann aber nicht jeder in diesen Fächern un dann auch noch bei Konzernen arbeiten. Zumindest aus meinem Umfeld was Fachinformatiker, Metzger, KfZ Mechaniker etc. angeht geht der Trend nach unten. Ein Freundin, Kinderpflegerin, würde bei der Stadt ca. 800-900 Netto rausbekommen. Jetzt geht sie kellnern :/

Ich war vor einem Monat noch bei einem Energieversorger tätig. Da wuden Arbeiten an einen Sub vergeben der wiederum einen Sub aus Slowenien beauftragt hat der dann Leute aus der Balkanregion rekrutiert die für 8 EUR/Std. Schweisserarbeiten usw. durchführen. Auf mich macht das den Eindruck als geht es hier nur um Kostensenkung und sonst nichts. Ähnlich soll es auch bei Salzgitter ablaufen hab ich mir sagen lassen.

Und dank Krise wirde es wohl die nächsten 1-2 Jahre sicher nicht besser werden. Also wozu noch mehr Fachkräfte anlocken?
 
s.0.s schrieb:
Und dank Krise wirde es wohl die nächsten 1-2 Jahre sicher nicht besser werden. Also wozu noch mehr Fachkräfte anlocken?

Heute sind Arbeitsmarktdaten für den Monat August veröffentlicht worden:

Erwerbstätige: +469.000 gegenüber Vorjahr
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: +546.000 gegenüber Vorjahr
Unterbeschäftigung (= Arbeitslose + Arbeitslose in Maßnahmen + krankgeschriebene Arbeitslose): -201.000 gegenüber Vorjahr

Zumindest auf dem Arbeitsmarkt ist also von der Krise noch nichts angekommen....

Ich finde es übrigens immer wieder überraschend, dass bei "Industrie" immer alle gleich an Metall-, Auto- und Elektroindustrie denken. Auch in der Lebensmittelindustrie (auf die sich meine Ausführungen in Post #41 beziehen) gibt es einen hohen Bedarf an Fachkräften und gute Bezahlung!
 
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s.0.s schrieb:
...der dann Leute aus der Balkanregion rekrutiert die für 8 EUR/Std. Schweisserarbeiten usw. durchführen. Auf mich macht das den Eindruck als geht es hier nur um Kostensenkung und sonst nichts.
Klar gehts um Kostensenkung, aber wie die Schweißerarbeiten dann aussehen ist auch klar. Kumpel von mir aus der Feinblech-Branche schlägt jedes Mal die Hände überm Kopf zusammen, wenn wir wieder irgendwo so ne Billiglohn-Schweißnaht sehen.

Ich würde mal sagen: Mit weniger Kostensenkung würde Deutschland massig Geld sparen. Wer billig kauft, kauft zwei Mal. Da werden lieber Millionen für Nachbesserungen udn Verzögerungen ausgegeben als gleich anständig zu kalkulieren.
 
Der Punkt ist der dass man für heimische Arbeiter nicht bezahlen will. Obwohl die das wie du sagst gründlicher und besser könnten. Es spielt keine Rolle, günstig muss es sein. Und dazu müssen die Fachkräft aus ärmeren Regionen her.

@|MELVIN| Wie viele davon sind Festangestellte mit anständigem Gehalt? Ich gehe davon aus dass die meisten Leiharbeiter sind oder zumindest befristete Verträge haben. ODer Saisonarbeiter. Die werden beim ersten chinesischen Husten auf der Strasse sitzen bzw. beim Amt.

Edit:

statistik.arbeitsagentur.de
Das geringere Wirtschaftswachstum zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt. So sind Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bis in den Juli und Juni saisonbereinigt zwar gewachsen, jedoch nicht mehr so dynamisch wie im ersten Quartal. Die Arbeitslosigkeit hat im August saisonbereinigt weiter zugenommen, dies hängt aber auch mit weniger Entlastung durch Arbeitsmarktpolitik zusammen. Die Unterbeschäftigung, die solche Veränderungen berücksichtigt, ist erneut leicht gesunken. Der Indikator für die Arbeitskräftenachfrage, der BA-X, hatte in den letzten Monaten tendenziell nachgegeben, liegt aber nach wie vor auf hohem Niveau.

ARD
Die Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt verliert vor dem Hintergrund des rückläufigen Wirtschaftswachstums an Schwung.

Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren in diesem Monat 2,905 Millionen Arbeitslose registriert, wie die Behörde mitteilte. Dies seien 29.000 mehr als im Juli, aber 40.000 weniger als im August 2011. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,8 Prozent.

BA-Chef Weise erklärte, die wesentlichen Arbeitsmarktindikatoren entwickelten sich zunehmend schwächer.

Die Schuldenkrise im Euroraum bremst die deutsche Exportwirtschaft: Die Ausfuhren in die Länder der Eurozone sanken im 1.Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,2 % auf 211,6 Mrd.Euro, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Besonders dramatisch brachen die Exporte in die Krisenländer Portugal (- 14,3 %), Spanien (- 9,4 %), Griechenland (- 9,2 %) und Italien (- 8,2 %) ein.

Starke Nachfrage aus Übersee und Osteuropa glich die Schwäche mehr als aus. Die Gesamtausfuhren stiegen von Januar bis Juni um 4,8 % auf 550,5 Mrd.Euro.

Nicht ganz so rosige Aussichten. Unternehmen beantragen auch wieder Kurzarbeit ;)
 
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s.0.s schrieb:
@|MELVIN| Wie viele davon sind Festangestellte mit anständigem Gehalt? Ich gehe davon aus dass die meisten Leiharbeiter sind oder zumindest befristete Verträge haben. ODer Saisonarbeiter. Die werden beim ersten chinesischen Husten auf der Strasse sitzen bzw. beim Amt.


Keine Ahnung. Ist mir aber im Prinzip auch egal. Wie ich bereits im Post #41 geschrieben habe: In Deutschland werden über fast alle Industriezweige hinweg genug ordentlich bezahlte Fachkräfte gesucht. Und für viele solcher Stellen muss man kein Einstein sein. Wer wirklich will bekommt in Deutschland einen guten Job. Viele sind aber eben nicht bereit, dafür ihre "Wohlfühlzone" zu verlassen. Schicht- und Wochenendarbeit sind da ein No-Go, ein angenehm klimatisierter Büroarbeitsplatz neben der Kaffeemaschine muss es schon sein, und umziehen geht ja schon mal gar nicht.... Und ich spreche hier nicht von Familienvätern sondern von jungen, ungebundenen Menschen.
 
Gut ok, sagen wir es gibt genug gut bezahlte Jobs für alle, die Leute wollen nur nicht. Jetzt holen wir deshalb die Fachkräfte aus dem Ausland. Was machen wir mit den vielen Leuten die nicht wollen?
 
s.0.s schrieb:
Was machen wir mit den vielen Leuten die nicht wollen?

Genau da haben ja die Hartz-Reformen angesetzt... Fördern und Fordern eben. Wobei das "Fordern" natürlich seine Grenzen hat. Man kann die Leute eben nicht zu ihrem Glück zwingen, kann ja jeder für sich selber frei entscheiden. Mich kotzt es nur an, wenn dann genau solche Leute schimpfen, wie ungerecht doch alles in Deutschland abläuft und dass man als Einzelhandelskaufmann in Nord-Ost-Brandenburg keine gut bezahlten Jobs findet.....
 
s.0.s schrieb:
Netto rausbekommen. Jetzt geht sie kellnern :/

Ich war vor einem Monat noch bei einem Energieversorger tätig. Da wuden Arbeiten an einen Sub vergeben der wiederum einen Sub aus Slowenien beauftragt hat der dann Leute aus der Balkanregion rekrutiert die für 8 EUR/Std. Schweisserarbeiten usw. durchführen. Auf mich macht das den Eindruck als geht es hier nur um Kostensenkung und sonst nichts. Ähnlich soll es auch bei Salzgitter ablaufen hab ich mir sagen lassen.

Und dank Krise wirde es wohl die nächsten 1-2 Jahre sicher nicht besser werden. Also wozu noch mehr Fachkräfte anlocken?

deutschland ist ein hoch priduktives land, sprich es müssen keine kosten gesenkt werden, da wir eine sehr effiziente volkswirtschaft haben. wir müssen löhne erhöhen, ansonsten exportieren wir nur waren, die auf kredit gekauft werden, aber später nicht zurückgezahlt werden, weil die banken der mittelmeerstaaten pleite gehen. im endeffekt verschenken wir dann nur unsere produkte und unser bruttosozialprodukt ist abhängig vom ausland.
Ergänzung ()

|MELVIN| schrieb:
Heute sind Arbeitsmarktdaten für den Monat August veröffentlicht worden:

Erwerbstätige: +469.000 gegenüber Vorjahr
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: +546.000 gegenüber Vorjahr
Unterbeschäftigung (= Arbeitslose + Arbeitslose in Maßnahmen + krankgeschriebene Arbeitslose): -201.000 gegenüber Vorjahr

glaub keiner statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. wo war denn der angebliche boom? ich habe davon auf dem arbeitsmarkt als fachkraft nichts gemerkt. und komm mir jetzt bloss nicht mit, meine ausbildung wäre nichts wert. ich kenne ungelernte (abschluss mässiger hauptschulabschluss), die bei deutschen autobauern am fliessband locker auf über 2.000€ netto kommen, mit zulagen wie nachtzuschläge, urlaubs-, weihnachstgeld, auf bis zu 2500€ netto kommen. mit vor kurzem ausgezahlten bonus sogar auf durchschnittlich 3000€ netto pro monat für dieses jahr.:rolleyes:
Ergänzung ()

|MELVIN| schrieb:
Mich kotzt es nur an, wenn dann genau solche Leute schimpfen, wie ungerecht doch alles in Deutschland abläuft und dass man als Einzelhandelskaufmann in Nord-Ost-Brandenburg keine gut bezahlten Jobs findet.....

ich schätze mal, du meinst mich!:D
tostedt liegt vor den toren hamburgs. wenn ich hier schon keinen gutbezahlten job bekomme (mindestens 2000€), dann nirgendswo, da macht es auch keinen sinn umzuziehen
 
Sorry aber wenn du erwartest als stinknormaler Einzelhandelskaufmann mit mindestens 2.000 € netto nach Hause zu gehen hast du einfach weltfremde Vorstellungen und wirst nie einen Job finden. Vorallem wenn du auch noch erwartest, einen solchen Job zu finden, ohne dich bundesweit bewerben zu müssen. Du kannst auch nicht einfach die Bezahlung von Industrie-Jobs mit der Bezahlung von Jobs in der Dienstleistungs-Branche vergleichen. In der Industrie ist die Wertschöpfung viel höher und die Mitarbeiter können dementsprechend besser bezahlt werden, ohne dass die Lohnquote in betriebswirtschaftlich unrentable Bereiche steigt. Genau das habe ich ja in Post #41 und #43 bereits angedeutet. Beispiel: Mein Arbeitgeber (Lebensmittelindustrie) erwirtschaftet pro Mitarbeiter einen Umsatz von ca. 540.000 € im Jahr. In der Chemie- und Metallindustrie dürften diese Zahlen noch höher sein. Einzelhandelsunternehmen erreichen solche Werte meist nicht mal im Ansatz, dementsprechend müssen auch niedrigere Löhne gezahlt werden.

Und glaub mir: MINT-Absolventen und Industrie-Fachkräfte haben den Boom am Arbeitsmarkt zur Genüge zu spüren bekommen. Nur weil du als Einzelhandelskaufmann im Großraum Hamburg keinen Job für mindestens 2.000 € netto im Monat findest den Arbeitsmarkt-Boom in Frage zu stellen ist schon sehr naiv.
 
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