ökostrom, soll ich oder soll ich nicht?

Es gibt kaum ein privates Unternehmen, das nicht auf Gewinn aus ist. Nur weil der Begriff deiner Meinung
nach populistisch ist darf man "Ökostrom" nicht unterstützen. Wenn man sich mit der Thematik beschäftigt
ist es nicht fadenscheinig. Jeder mündige Mensch kann dieses erkennen.
Auch der Katalysator im Auto, wie die Rauchgasentschwefelung in Kraftwerken ist aus diesem Grund
umgesetzt worden. Natürlich sind die Kosten zunächst höher, die Meisten wollten es jedoch. Wenn es
der Umwelt nicht schadet darf jedes Unternehmen m. M. Gewinn machen.
 
Der erste Punkt ist ein grundlegendes Problem unserer Marktwirtschaft. Aber das führt hier zu weit.

Der zweite Punkt ist in meinen Augen falsch. Hier wird ein öffentlich aufgeladenes Schlagwort (und das ist nicht nur meiner Meinung nach so) bewusst zu Marketingzwecken gebraucht. Ein tatsächlicher Gesinnungswandel der Unternehmen ist nicht vorhanden! Und wohl alle bisherigen Innovationen im Bereich der Umwelttechnik wurden bislang von staatlicher Seite erzwungen und nicht etwa freiwillig von den Firmen umgesetzt (außer natürlich, es konnte damit Gewinn erwirtschaftet werden).

Zur Fadenscheinigkeit verweise ich zunächst auf folgenden Artikel, morgen schreib' ich noch was dazu: http://www.zeit.de/2008/26/U-Oekostrom
 
Also erstmal: Gewinn ist einer der Kernpunkte der Marktwirtschaft. Du scheinst das was falsch verstanden zu haben.

Dann wirfst du den Ökostromanbietern vor, dass sie gewinnorientierte Unternehmen sind - was ist mit den AKW Betreibern ? Die mir allen Mitteln versuchen, marode AKWs am Netz zu lassen, um damit täglich bis zu einer Million Gewinn ! einzufahren ? Ich weiss nicht bei welchem deutschem AKW das war, das hätte seine Restlaufzeit 2008 bereits erreicht, und hätte nach dem Atomausstiegsgesetz abgeschaltet werden müssen. Der Betreiber hat den Reaktor absichtlich auf halber Leistung gefahren und immer wieder für Wartungen gestopt, um die Restlaufzeit über das Datum der Bundestagswahl zu pushen - mit der Hoffnung auf schwarz/gelb und Verlängerung der Restlaufzeit. Was ist dann damit? Fast wünscht man sich das aus diesem AKW ein zweites Tschernobly wird, ach moment hatten wir ja schon...http://de.wikipedia.org/wiki/Störfälle_in_deutschen_Atomanlagen#1986 wie passend das der Unfall kurz nach Tschernobyl passierte, da konnte man die ausgetretene Strahlung schön vertuschen und auf Tschernobyl schieben. Heute ist bekannt, dass 3/4 der in der Umgebung gemessenen Strahlung aus Hamm und nicht der Ukraine stammte.
 
Ach herrje, meine Formulierung ist schwammig, das gebe ich ja zu.

Nein, ich habe nichts falsch verstanden.

Was ich kritisiere ist Gewinn um jeden Preis bzw. Gewinn als einziger Motivationsfaktor eines Unternehmens. Und zwar kurzfristiger Gewinn. Dass das in unserer Marktwirtschaft unumgänglich bzw. ein Kernpunkt ist, hast du gut beobachtet. Dennoch dürfen auch etablierte Systeme kritisiert werden, spätestens seit Adorno.

Ich werfe im übrigen Ökostromanbietern nichts vor, was ich nicht auch anderen Stromanbietern vorwerfe. Das ganze System ist aus Kundensicht eine Farce! Der Kunde zahlt mehr Geld, ohne dass sich irgendetwas ändert. Der Strommix ist fix, nicht dynamisch! Das würde er erst werden, wenn der Anteil der zahlenden Ökostromkunden (derzeit bei 2%) den Anteil des fixen Ökostroms (15%) übersteigt. Und dieses Faktum wird konsequent verschwiegen.
Erst, wenn die Firmen eine faire und transparente Kundenpolitik betreiben, würde ich eine Empfehlung für (dann tatsächlich wirksamen) Ökostrom geben.

"Fast wünscht man sich das aus diesem AKW ein zweites Tschernobly wird"

Na, zum Glück nur fast. Menschen sind schon oft genug sinnloserweise für irgendwelche Ideale gestorben.

Ansonsten: Zum Thema AKW und Sicherheit verweise ich immer gern auf folgenden Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Sicherheit_von_Kernkraftwerken

Und nein, ich bin kein unbedingter Befürworter, aber ich versuche mich auch mit brisanten Themen objektiv zu befassen.
 
Ok, in deinen anderen Posts kam es so rüber, als ob du ausschliesslich Ökostromanbieter kritisierst. Die 15% Geschichte kann ich so nicht überprüfen, ich interessiere mich nicht genug für den deutschen Strommarkt um das wirklich zu hinterfragen. Was ich aber dazu noch sagen möchte, der Strompreis in Deutschland wird künstlich hochgehalten. Warum das der Fall ist müsste man mal hinterfragen. Ich zB zahle für finnische Wasserkraft 6,5 cent pro kwh.
Was mich am internationalen Strommarkt stört, ist dieses hin und her geschacher an der strombörse, was auch in dem Artikel den du verlinkst kurz angesprochen wird. Finnland baut zZ den wohl teuersten Reaktor der Welt in Olkiluoto. Dabei ist klar, dass der dort erzeugte Strom auf dem finnischen Markt nicht verkaufsfähig ist, da zu teuer. Gleichzeitig werden in der Ostsee kreuz und quer neue hochleistungsleitungen verlegt. Der in Olkiluoto erzeugte Strom soll und wird in Mitteleuropa, wohl zum Grossteil in Deutschland, verkauft werden. So werden die Löcher gestopft, die die Poltik reisst: Mit Solar und Windkraft allein kann Deutschland nicht auskommen, das ist absolut klar. Kohle ist in Zeiten der co² Diskussionen verpöhnt, Atomkraft seit Tschernobyl nicht mehr salonfähig.

Olkiluoto ist nur ein Beispiel wie AKW kapazitäten ins Ausland verlagert werden - Litauen baut am Standort von Ignalina ein neues AKW, Russland in der Exklave Kaliningrad. Die Kapazitäten werden vor Ort kaum benötigt ( Ignalina II nur im Falle der endgültigen Abschaltung von Ignalina ), hier wird für den Strom Export gebaut.

Sicherheit von Atomkraftwerken: Du kannst bauen was du willst, am Ende wird der Risikofaktor durch den Menschen beeinflusst. Schau dir die Schrott Reaktoren von Vattenfall an, Krümmel und Brunsbüttel. Ausserdem wurden in Deutschland Reaktoren verschiedenster Klassen gebaut, hauptsächlich Siedewasser und Druckwasserreaktoren. Schaut man sich die Statsitiken an, wird klar, dass Siedewasserreaktoren deutlich öfter in den Störfalllisten auftauchen. Die mit Abstand sichersten Reaktortypen sind Schwerwasserreaktoren, die es so gut wie nur in Kanada gibt. Das verschweigen die Atomkraftbefürworter natürlich. "wir haben relativ sichere Reaktore, aber Kanada hat deutlich bessere" hört sich natürlich nicht so gut an wie "Wir haben die sichersten Reaktoren der Welt". Wenn da schon gelogen wird, was soll man den Leuten dann glauben?

Off Topic: Zum Thema Gewinn/Marktwirtschaft habe ich auch meine eigenen, ziemlich tiefe Meinung. Evtl liegen wir da gar nicht so weit voneinander weg, wenn ich dich richtig interpretiere.
 
Ich zB zahle für finnische Wasserkraft 6,5 cent pro kwh.
Der wird nicht künstlich hochgehalten. Atomstrom ist einfach wesentlich teurer als Wasserstrom.;) (und nochmals so teuer, wenn man alle Folgekosten mit einbezieht, die der Steuerzahler über Umwege zu zahlen hat)
 
Ich bin auch von Yello Strom zu ENTEGA gewechselt.
Ich hab ein Online Portal wo ich alles einsehen kann und dass der Strom nicht aus atomarer oder Kohle gewonnen wird, verschafft mir ein gutes Gewissen. ;-)
Außerdem ist es etwas billiger als Yello.
 
FSS schrieb:
Die Leute, die Fossile Brennstoff verteidigen sind niedlich. .... macht euch mal zum Thema Uran Vorkommen schlau ;)

Ich find mich auch Ziemlich Schnuggelisch! Uranvorkommen innerhalb des Landes Deutschland reichen für den eigen Bedarf 300-400Jahre. Zum Rest erspar ich mir alles, irgendwann werden wir Regenerative Energiequellen, sobald sie denn dann dafür geeignet sind, zu 100% nutzen da lohnt nicht mit irgendeinem 3/4wissen rumzulabern ...
 
solange reicht uran auch nimmer, leicht erschließbar bei derzeitigem verbrauch ca. 40 jahre. (nicht von Deutschland, sondern weltweit!)
schwerer erschließbar dann aber paar hundert jahre

Ökostrom zu kaufen lohnt sich eigentlich nicht.
denn wir kaufen den Finnischen Ökostrom, dafür kaufen die Finnen unseren Atomstrom.
dafür braucht man Nichtmal großartig Aufwand betreiben, 1 Klick an der Strombörse reicht.

Dadurch wird kein Anbieter dazu genötigt mehr in Ökostrom zu investieren.
 
Ich habe zum 1.1.2010 zu Lichtlick gewechselt und zahle jetzt 1 Cent mehr pro KWh. Dass Lichtblick zu Spitzenzeiten Atom-/Kohlestrom an der Börse zukaufen muss, ist mir dabei relativ egal. Denn mit einem Anteil von 9x % (nach eigenen Angaben 99 Prozent) liegt der Anteil der erneuerbaren Energien immer noch um ein Vielfaches höher als bei RWE und Co.

Vor dem Klimawandel Angst haben bzw. warnen aber selber nicht handeln passt aus meiner Sicht nicht zusammen. Der Wechsel hin zu einem "Ökostromanbieter" ist ein einfacher Schritt, die Entwicklung selber ein Stück voran zu treiben.

Ach: Und natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass "mein Strom" aus "meiner Steckdose" zu einem überwiegenden Anteil nicht erneubarer Strom ist. Nichtsdestotrotz muss mein Stromanbieter am Ende des Jahres den Strom aus regenerativen Quellen in den "Gesamttopf" geworfen haben, den ich verbraucht habe. Der Argumentation von etwas weiter oben kann ich damit nicht so ganz folgen. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
bedingt;)

also zunächst mal wechselt du deinen Energieversorger(EV), d.h. der dir den Strom verkauft. Dein Netzbetreiber bleibt ja gleich, also du bekommst den selben Strom wie bisher und den gleichen wie deine Nachbarn.

Ich würde sagen, wenn du billiger kommst mit Ökostrom dann Wechsel den EV. Wenn du ökologisch eingestellt bist und ein bisschen mehr zahlen musst und du dazu bereit bist, dann wechsle den EV.

Aber bedenke: Die meisten kleinen Ökostromenergieversorger kaufen nur Ökostrom ein (beispielsweise von der E-ON (Wasserkraft, Windkraft, Solarenergie)) und verkaufen diesen weiter. Da du "reinen" Ökostrom beziehst bekommen aber andere (deine Nachbarn) einen "schmutzigeren" Strom, da ja der Anteil von Erneuerbaren Energien auf ganz Deutschland gerechnet gleich bleibt und nur umgeteilt wird.

Auch ein negativer Effekt aus den Erneuerbaren-Energien-Gesetz-Umlagen (2-3 cent je kwh) das Strom beispielsweise in Pumpspeicherkraftwerke "gewaschen" wird. Billiger-Atom-Strom pumpt das Wasser den Berg hoch und zu Spitzenlastzeiten wird dieses Wasser heruntergelassen und als teuerer Ökostrom verkauft.

Also wenn dann richtig wechseln und nen Anbieter auswählen der auch in neue Anlagen investiert und nicht nur Strom kauft und verkauft;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn jetzt ein Ökostromanbieter von z.B. EnBW "reinen Ökostrom" zukauft, dann besteht ja dessen Energiebilanz zu fast 100% aus regenerativen Energien.
Wird diese weiterverkaufte Energeimenge der EnBW abgezogen, so dass relativ gesehen deren Anteil an regenerativen Energien sinkt? Wäre dem nicht so, würde der Ökostrom ja zweimal "positiv" im Energiemix der Energieversorger verrechnet werden, obwohl er ja nur einmal verbraucht werden kann.
 
man muss zwischen Produzent und Anbieter unterscheiden.
dann hat EnBW eben 20% Ökostrom Produziert
Verkauft aber nur 10%.
(rein fiktive werte) (da EnBW Produzent und Verkäufer ist)
 
wow, habe fast 3 wochen nicht in den thread gucken können, internetprobleme und viel arbeit.

das ist ja ne echt angeregte diskussion hier, danke für die beiträge allerseits.
ich habe jetzt 2 anbieter auf dem zettel unter denen ich wahrscheinlich auswählen werde. der eine ist greenpeace energy und der andere strasserauf elektrizität, hat jemand von euch spezielle infos zu den zwei?
 
Playn schrieb:
ich spiele mit dem gedanken auf einen ökostromanbieter zu wechseln.


Warum?
Man kann wesentlich mehr für die Umwelt tun, als sich ausgerechnet teuren Strom ins Haus zu holen.

So ist zum Beispiel ein Hund als Haustier für die Umwelt belastender als ein Geländewagen. :)
 
Schön, dass du was für dein Gewissen tun willst. Diese Ökostromgeschichte ist sehr zwiespältig. Es ist leider schwer den Markt in gut und böse einzuteilen ;)

Wähl einfach den für dich als "gut" erscheinenden Anbieter aus.

@übermir

Darum habe ich ja auch kein Hund, sondern ein Geländewagen :D
 
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