Das neue Outlook wirkt auf mich weiterhin wie ein Paradebeispiel dafür, wie man einen ausgereiften Desktop-Client durch eine Web-App ersetzt und sich dann feiern lässt, wenn nach und nach Selbstverständlichkeiten zurückkommen. (
https://support.microsoft.com/de-DE...rison-between-new-outlook-and-classic-outlook)
Offline Mails mit Anhängen? Willkommen im Jahr 2003. Das klassische Outlook konnte das seit Ewigkeiten. Beim neuen Outlook ist es plötzlich eine erwähnenswerte Neuerung, weil der ganze Ansatz offenbar eher "Webseite im Mantel einer Desktop-App" ist als ein echter lokaler Mailclient.
Noch problematischer finde ich aber den Vertrauensbruch beim Architekturmodell. Viele richten IMAP/POP-Konten lokal ein, weil sie eben nicht wollen, dass alles durch Microsoft läuft. Beim neuen Outlook wird daraus aber faktisch ein Microsoft-Cloud-Sync-Modell. Damit ist Microsoft zusätzlicher Zwischenhändler für Mails, Kalender und Kontakte. Ob Passwörter, Tokens oder synchronisierte Kopien: Der Punkt bleibt, dass Daten, die eigentlich direkt zwischen Client und eigenem Mailserver laufen sollten, plötzlich in Microsofts Infrastruktur landen.
Dazu kommen die üblichen "modernen" Kollateralschäden: mehr Speicherverbrauch, trägeres Verhalten, Browser-Datenbanken statt sauberer lokaler Client-Architektur, eingeschränkter Offline-Betrieb, fehlende oder nur teilweise vorhandene PST-Unterstützung, kein VBA, keine klassischen COM-Add-ins, Probleme mit On-Prem-Exchange, weniger Power-User-Funktionen und jede Menge Workflows, die früher einfach funktioniert haben.
Für einfache Microsoft-365-Cloud-Nutzer mag das irgendwann reichen. Für Leute, die Outlook als ernsthaften Mailclient, Archivwerkzeug, Firmenarbeitsplatz oder Frontend für eigene Mailserver nutzen, ist das bisher eher ein Rückschritt mit hübschem Icon.
Microsoft verkauft hier im Grunde den Verlust lokaler Kontrolle als Modernisierung. Und wenn dann nach Monaten eine Grundfunktion wie "Datei offline anhängen" nachgereicht wird, soll das offenbar Fortschritt sein. Für mich fühlt es sich eher so an, als hätte man einen Schweizer-Taschenmesser-Desktopclient durch ein Cloud-Formular mit Ladeanimation ersetzt.
Aber vielleicht werde ich auch einfach alt und verstehe den Mehrwert nicht: Früher war eine Mail lokal, heute darf sie erst einmal zur Selbstfindung in die Cloud.